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28. Juli 2009

Über Kaufen und Kauflaune

Das ist doch mal wieder was, um Leser zu verblöden:
GFK: Verbesserte Kauflaune im Juli
Verbraucher sind trotz Wirtschaftskrise in Kauflaune. ... Der Konsumklimaindex stieg im Juli auf 3,0 Punkte. ...
Und was bedeutet das? Richtig, nichts!
Es gibt viele Hinweise darauf, dass Kauflaune und Kaufen wenig bis nichts miteinander zu tun haben. Die OZ verschweigt das seit Jahren den Bunkerbewohnern, damit sie den Mist in jedem Monat wieder ins Blatt kopieren kann und lässt die Leser dafür bezahlen.

Wie wenig die sog. Kauflaune mit dem Kaufen zu tun hat, konnten Sie schon gestern hier kostenlos betrachten:


Was für ein Mist mit dem Kauflauneindex verbreitet wird, können Sie ausführlich hier nachlesen, z.B.:

Im GfK-Index werden nämlich nicht nur die Einzelhandelsausgaben erfasst, sondern sämtliche Ausgaben des privaten Konsums - also auch die Kosten für Reisen, Energie, Miete oder Versicherungen. Erhöht beispielsweise der Energieanbieter die Kosten für Gas oder Strom oder steigen die Steuern für Versicherungen, steigt auch der GfK-Konsumklimaindex, weil die Leute dafür mehr Geld ausgeben - obwohl die Einzelhändler gleichzeitig über Umsatzeinbußen klagen. In den sechziger Jahren betrug der Anteil der Ausgaben für den Einzelhandel noch mehr als 50 Prozent, heute sind es nur noch zwischen 30 und 35 Prozent. Entsprechend groß ist die Hebelwirkung der übrigen Ausgaben auf den Index.

Und hier:

2. Teil: Warum die Auswahl der Befragten zweifelhaft ist

27. August 2010

"Aufstiegspropaganda"

Nach der angeblich guten Laune der Unternehmer nun die der Verbraucher, bildlich ein alter Hut ohne Nachrichtenwert, dafür seit Jahren der fortgesetzte Versuch reiner Hilfestellung, da Propaganda, für Krämer:
Verbraucher wieder in Kauflaune

Das kräftige Wirtschaftswachstum und erfreuliche Zahlen vom Arbeitsmarkt haben die Stimmung der Verbraucher im August weiter aufgehellt. Das Konsumklima stieg auf den höchsten Stand seit 11 Monaten. ...
Ich erinnere an die massive Berieselung der Leser mit Schönschriften über die Kauflaune, vorwährend der Krise und zu deren Beginn.

So viel ich gesehen habe, brachte die OZ die sog. Kauflaune noch nie in Zusammenhang mitt dem tatsächlichen Einzelhandelsumsatz, denn dann würde offenbar, dass die sog. Kauflaune mit Kaufen nichts zu tun hat, sondern ein Propagandainstrument ist.

Hier erhalten Sie Hintergrund:

Konsumklima-Index: Ein Minihäkchen nach oben und schon bricht die Aufstiegspropaganda los

6. Januar 2012

Reklame der OZ half dem Einzelhandel nicht

Dass sog. Kauflaune nichts mit kaufen zu tun hat, wissen Sie als Internetnutzer. Bunkerbewohner unter den OZ-Lesern erfahren zum ersten Mal davon, in einer winzigen Meldung auf der Landesseite (Wäre es umgekehrt gekommen, wäre die Titelgeschichte dafür fällig gewesen, quasi als Mutmacher, ein Wort, mit dem ein Lokalchef zum Jahresende das Wort Schönschrift ersetzte.):
Kauflaune im Nordosten gedämpft
Kauflaune passé:
Was denn nun, gedämpft oder passé?
passé 
beendet, [der] Vergangenheit [angehörig], überlebtumvergangenvorbeivorüberzu Ende; (umgangssprachlich) durchgegessen
Während der deutsche Einzelhandel 2011 den größten Umsatzsprung nach der Wiedervereinigung machte (?), zeichnet sich für die Händler im Nordosten ein spürbares Minus ab (weil in diesem Jahr weniger Urlauber einkauften). Das ging gestern aus Daten des Statistischen Landesamtes hervor. Bis Ende Oktober hatte demnach der Umsatz um 5,3 Prozent hinter dem Vorjahreswert zurückgelegen. Dagegen setzten die Einzelhändler bundesweit 2011 nominal zwischen 2,7 und 2,9 Prozent mehr um als im Vorjahr.
Außer dem volksverblödenden Geschwätz ist von der angeblich gestiegenen Kauflaune (gemeint ist die Anschaffungsneigung), von der nur Krämer etwas haben, nicht viel geblieben, und auch der Geschenkekauf vor Weihnachten, für den Krämerseelen der OZ mehrfach Reklame machten, wird das Ergebnis nicht entscheidend verbessern. Es fehlt das Geld, um mehr einzukaufen, nicht verwunderlich im Armenhaus D.s. Dennoch belästigt die OZ die Leser immer wieder mit den Kauflaunegeschichten. Jedoch hat sie den Lesern das aktuelle Kauflaunemärchen unterschlagen. Warum, lesen Sie selbst das Geschwätz:
Die Verbraucherstimmung zeigt zum Jahresende 2011 ein differenziertes Bild. Während sich die Konjunktur- und Einkommenserwartungen verbessern, muss die Anschaffungsneigung spürbare Einbußen hinnehmen. Der Gesamtindikator prognostiziert nach 5,6 Punkten im Dezember für Januar 2012 ebenfalls einen Wert von 5,6 Punkten. ...
Wenn Sie umfassend Hintergrund zum Einzelhandelsumsatz erfahren wollen, ist die OZ und damit Ihr Abo ungeeignet. Hier erfahren Sie, was wirklich los ist, kostenlos (Spenden dürfen Sie dort jederzeit.):
Erneut schwache reale Einzelhandelsumsätze für Deutschland
Laut den heute verspätet veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zu den Einzelhandelsumsätzen für den Monat November 2011 in Deutschland, stiegen die nominalen Einzelhandelsumsätze um +2,6% im Vergleich zum Vorjahresmonat und real stiegen sie um +0,8% zum Vorjahresmonat. Berücksichtigt man die Saison- und Kalendereffekte (Census X-12-ARIMA Verfahren) ging es im Vergleich zum Vormonat nominal um -0,7% abwärts und real um -0,9% zum Vormonat. Damit geht es nun bereits den zweiten Monat in Folge zum Vormonat abwärts bei den realen Einzelhandelsumsätzen. ...Während die realen Exporte seit 2000 bis Q4 2010 um +83,92% stiegen, gab es bei den realen privaten Konsumausgaben einen lauen Anstieg von +5,4% und die realen Arbeitnehmerentgelten lagen sogar um -1,03% unter dem Niveau von 2000! Festzuhalten bleibt, diese Daten bilden nur die offiziellen Preisbereinigungen ab.
Und noch dies zu der Propaganda der OZ:
Deutscher Einzelhandelsumsatz immer noch fast 2 % unter Vorkrisen-November 2008
Dabei lagen die Umsätze noch immer um 1,6 % unter dem Vorkrisen-November von 2008 und für die 11 Monate 2011 um 0,3 % unter den 11 Monaten 2008. Und die so hoch gepriesene Steigerungsrate von 2011 ist nur der Reflex auf den tiefen Einbruch in 2009/10 ...

25. November 2008

OZ gibt indirekt zu: Zahlen von Kaffeesatzlesern veröffentlicht

Kurzzeitig fehlten mir heute die Worte als ich - leider nur als PDF - las:
Prognosen aus dem Kaffeesatz
Was meinen Sie welche Prognosen gemeint waren? Aber lesen Sie erst den Schluss des Artikels, der wohl nicht aus dem Hause OZ stammt:
Im Sommer 2007 hieß es, die Krise an der Wall Street könne die reale Wirtschaft nicht treffen. Als das doch geschah, habe die Botschaft gelautet: Rezession in den USA, aber nicht in Europa. Dann, als auch das nicht stimmte, habe es geheißen: Ein Abschwung auch in Europa, aber die Schwellenländer reißen es raus. Im November 2008 müsse man konzedieren: „Wir sind in einer Weltrezession.“ Wie kurzlebig Prognosen heutzutage sind, bewies ausgerechnet „Deutschlands klügster Ökonom“ („Bild“)Hans-Werner Sinn: „Von einer Rezession zu sprechen, halte ich für völlig falsch“, lautete seine Erwartung noch im September – kurz nachdem Wirtschafts-Staatssekretär Walther Otremba „keine Anzeichen für eine Rezession in Deutschland“ gesehen hatte. Fragen Sie nur unsere Kaffeesatz-Experten.
Genau das sollte endlich niemand mehr tun, vor allem nicht die OZ. Es gab etliche tatsächliche Experten, die die Weltwirtschaftskrise voraussahen und das auch aufschrieben. Ich hatte ausreichend oft darauf hingewiesen. Davon ließ sich die OZ jedoch nicht beeindrucken. Sie ließ offenbar weitgehend nur Stellungnahmen von Bonzen, Scheinexperten und anderen Offiziellen in die Zeitung und plapperte unerbittlich die Märchen nach, wie ich es seit Jahren nicht anders von der OZ kenne.

Wenn die nun gewonnene Erkenntnis doch nur Früchte trüge! Doch ich hege Zweifel.
Schon morgen wird sich zeigen, ob die OZ etwas druckt, damit die Seiten voll werden, oder ob sie aus erkannten Fehlern lernen kann. Mal sehen, ob, wie alle Monate wieder, der Unsinn über die Kauflaune der Deutschen verbreitet wird. Andere Medien sind schon wieder zugange.

Heute wurde schon mal Quatsch berichtet in dem obigen Artikel:
Einzelhandel: Stagnierende Löhne, höhere Mehrwertsteuer, explodierende Energiepreise verhagelten jede Kauflaune.
In einem Interview auf der Seite:
Witte: Unsicherheit, Sparwut, Konsumzurückhaltung. Die Zukunft wird grau gesehen - das Glas ist halb leer.
Unsinn, wer nicht genügend Geld hat, dem nützt auch nicht die launigste Kauflaune etwas. dazu dieses Diagramm (es zeigt die Situation im 1. Hj. 2003), damit Sie, liebe Blogleser, nicht verblöden:


Meine ältesten Zahlen sind aus dem Jahr 2005. Damals verdienten vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer im Produzierenden Gewerbe, im Handel sowie im Kredit- und Versicherungsgewerbe in MV, wo wir zu Hause sind, 2180 EUR, brutto natürlich.
Sie sehen, dass es vielen Bürgern in MV gar nicht möglich ist, ihr Geld zusammenzuhalten. Sie sind gezwungen, jeden Cent auszugeben, unabhängig von ihrer Kauflaune, von wegen Sparwut, oder sie müssen hungern oder stehlen.

Weitere Anmerkungen zu dem Artikel spare ich mir.

24. Juni 2009

Kauflaune: Jahrmarktsgeschrei statt Information

Die OZ setzt wieder einmal zur Leserverblödung an und beginnt auf der Titelseite damit:


Das Konsumklima bleibt unvermindert schlecht, nicht gut, wie Sie unten im Diagramm sehen werden. Sie wurden belogen.

Im angekündigten Bericht steht:
Stöbern, gucken, kaufen
... Kaufen macht den Deutschen wieder Laune. Das belegt die gestern veröffentlichte Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg.
Das belegt die Studie keineswegs.
Ihr zufolge hellte sich die Kauflaune erstmals seit drei Monaten wieder leicht auf.
Wie leicht hellte sie sich denn auf? Sie erfahren es nicht.
Laut der Studie glauben mehr Menschen als im Vormonat an eine bessere wirtschaftliche Entwicklung. Im Juni hatte der Konsumklimaindex 2,6 Punkte betragen.
Was Ihnen die OZ verschwieg: Das heißt, der Anstieg beträgt von Mai zu Juni 0,1 Punkte, geradezu schwindelerregend. (Wäre natürlich auch kein Grund gewesen, die Leser mit dem Gequake spaltenweise anzuöden.)
Darüber macht die OZ bildlich ein Geschrei wie der primitivste Jahrmarktschreier. Sie tut es nicht zum ersten Mal, sondern monatlich, auch hier oder hier, hat aber jedes Mal nichts genützt. Es wurde kaum mehr gekauft.
Für Juli rechnen die Experten mit einem Anstieg des Index' auf 2,9 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit einem Jahr. ...
Das ist kein Beleg, sondern Kaffeesatzleserei. Die belegten 0,1 Punkte wurden Ihnen vorenthalten.

Nun zum Titelseiten-Gequake:
Kauflaune und Kaufen haben nichts miteinander zu tun. Dass hätte die OZ schon seit Jahren merken und verbreiten müssen. Stattdessen stellt sie auf der Titelseite eine saublöde Frage, die dumm gehaltene Leser natürlich auch nicht beantworten können.

Wie wenig Kauflaune und Kaufen miteinander zu tun haben, sehen Sie hier:


Lassen Sie sich nicht von der OZ weiter für dumm verkaufen. Lesen Sie lieber hier nach (kurz und knapp):

global news 1582 23-06-09: Und nun die GfK-Optimismus-Propaganda: Stimmungsmache mit Stimmungserwartung Die kommen immer in der gleichen Reihenfolge: ZEW (Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung), Ifo und GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) und versuchen uns monatlich mit ihren hübsch frisierten Umfrageergebnissen zum Geldausgeben zu bewegen. Ein über das andere Mal wird Optimismus angesagt, auch wenn die nackten Umfrageergebnisse das oft gar nicht einmal belegen. ...

29. November 2011

Krämerselige Spekulation um Weihnachtsgeschäft

Dieser Unsinn war für die Leser gerade gut genug:
Gutes Weihnachtsgeschäft erwartet
Das ist alle Jahre so und trifft alle Jahre wieder in M-V nicht ein.
Pünktlich zu Weihnachten sind Deutschlands Verbraucher in bester Kauflaune, teilte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK/Nürnberg) gestern mit.
Die OZ als Hort von Krämerseelen unterlässt nichts, Sie zum Kaufen zu animieren.
Der Wert des monatlich von der GfK ermittelten Konsumklimaindex für November wurde von 5,3 auf 5,4 Punkte nach oben revidiert. ...
Hätte nur noch zu stehen brauchen: um schwindelerregende 0,1 Punkte.
Im Durchschnitt wollen die Deutschen 241 Euro für Geschenke ausgeben, nur 4 Euro weniger als 2010 Jahr. Insgesamt könne der Handel mit Umsätzen von 13,7 Milliarden Euro rechnen. 2010 waren es 14 Milliarden Euro. ...
Wenn die Voraussage einträfe, würde weniger verkauft werden als im Vorweihnachtsgeschäft 2010. Und das soll ein gutes Geschäft sein, ein Zeichen bester Kauflaune? Da scheint jemand gar nichts mehr mitzubekommen.
Wie mäßig die sog. Weihnachtsgeschäfte in M-V 2010 und 2009 liefen, können Sie an den Diagrammen ablesen (rote Hilfslinien von mir):


Die Messzahl 100 gibt den Jahresdurchschnitt 2005 an. Das heißt, der Umsatz im Dezember 2009 und 2010 lag etwa zehn Prozent über dem Jahresdurchschnitt 2005, also lächerlich wenig höher. Das soll in diesem Jahr unterboten werden - ein gutes Geschäft wegen pünktlich bester Kauflaune.

Dieser Schwachsinn wurde verbreitet, obwohl in derselben Ausgabe zu lesen war:
... Fast die Hälfte (46,1 Prozent) der Steuerpflichtigen verdient weniger als 15 000 Euro im Jahr. Diese Gruppe erzielte nur 12,4 Prozent der Einkünfte  ...
Dieses entscheidende Thema tut die OZ mit einer Kurzmeldung ab. Warum das Gequake von der hohen Anschaffungsneigung Blödisnn ist, habe ich bis zum Erbrechen dargelegt. Dennoch dieses Diagramm, das die Gründe für den kaum steigenden Konsum in ganz D. sehr einfach darstellt:
Über den ganzen Zeitraum seit dem Jahr 2000 sind die Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer verbraucherpreisbereinigt um 4,0 % gesunken, während die Unternehmens- und Vermögenseinkommen bereinigt um den BIP-Inflator um 31,8 % expandiert sind.
Was mich wundert: Da schrieb ein Leser an die OZ, weil jemand in der Redaktion unfähig war, eine Blaumeise von einer Kohlmeise zu unterscheiden (Danke für den Hinweis!). Doch die allmonatliche Leserverblödung mit der Kauflaune bezahlen 130000 Abonnenten anstandslos.

29. Januar 2009

OZ bleibt hartnäckig launig

Unbeirrt kopiert die OZ Monat für Monat diesen Quatsch, heute auf der Titelseite:
Deutsche bleiben in Kauflaune
Die Deutschen sind trotz Wirtschaftskrise nach wie vor bei bester Kauflaune. Verantwortlich dafür sind vor allem die in den vergangenen Monaten gesunkenen Preise für Benzin und Heizöl, wie das Marktforschungsinstitut GfK gestern in Nürnberg mitteilte. ...
Ich wollte nicht glauben, dass ich den ersten Satz verstanden habe:
Die Deutschen waren und sind in bester Kauflaune

Das heißt, die Deutschen, selbst die Millionen Armen, werfen mit dem Geld nur so um sich?
Natürlich nicht, nur die sog. Kauflaune, die gar keine ist - es ist die Neigung zu Anschaffungen - ist bestens, und war es auch.

Ich verstehe auch das nicht: Wollen die Deutschen jetzt mehr Geld ausgeben, weil Benzin usw. billiger wurden? Sie können doch nur Geld ausgeben für andere Dinge. Nur weil Benzin usw. billiger wurden, haben die Leute doch nicht mehr Geld, sondern nur mehr für andere Anschaffungen.
Ich verstehe nicht, was solch ein Mist in jedem Monat in einer Zeitung verloren hat und dafür auch noch Geld verlangt wird.
Im Übrigen, einfach noch einmal hier nachlesen.

Einzig und allein zählt, ob eine große Mehrheit Deutscher, niemals die Deutschen, deutlich mehr Geld ausgeben, also ob die Binnennachfrage steigt. Tut sie es nicht, nützen jegliche Launen nichts

29. Februar 2012

"Niedlich dieser Zweckoptimismus"

Die OZ kann es nicht lassen: In einer überflüssigen (Nicht für die Reaktion, die füllte damit ein paar Zeilen.) Meldung musste sie wieder einmal den Blödsinn von der Kauflaune verbreiten:
GfK: Verbraucher erwarten höhere Einkommen
... Die Aussicht auf mehr Geld in der Tasche gleiche die leicht eingetrübten Konjunkturerwartungen und die etwas gesunkene Kauflaune aus. Der von der GfK berechnete Konsumklima-Index stieg von 5,7 Punkten im Januar auf 5,9 Zähler im Februar. Die Kauflaune zu größeren Anschaffungen der Deutschen sank leicht, blieb laut GfK aber auf weiter sehr hohem Niveau. So werde die ausgeprägte Konsumfreude der Deutschen durch die gute Arbeitsmarktentwicklung gestützt. 
Dazu eine ausführliche Analyse, mit diesem Schluss:
... “Hinzu kommt, dass die Steigerung der Lebenshaltungskosten nach den bisherigen Prognosen im Durchschnitt unter 2 Prozent liegen wird. Im vergangenen Jahr waren es 2,3 Prozent. Dafür stiegen die Reallöhne nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamts durchschnittlich lediglich um 1 Prozent.” … Ein korrekter Zusatz, der aber noch zu ergänzen wäre, dass zwar im Gesamtjahr 2011 die Reallöhne um +1% zum Vorjahr gestiegen sind, nur das im 4. Quartal 2011 der Reallohnindex bereits um -0,2% zum Vorjahresquartal schrumpfte und sich damit die erste negative Rate seit Q4 2009 dokumentierte. Auch der Hinweis, dass es sich beim Reallohnindex nur um einen “idealisierten” Index handelt fehlt, denn dieser Index spiegelt nur die Bruttomonatsverdienste einschließlich der Sonderzahlungen nach Abzug des Anstiegs beim Verbraucherpreisindex (VPI) von Vollzeitbeschäftigten wider. ...
... Warum nun gerade angesichts der realen BIP-Schrumpfung im 4. Quartal 2011 von -0,2% zum Vorquartal, weltweit nachlassender wirtschaftlicher Aktivität und einer sich weiter zuspitzenden Eurokrise deutsche Konsumenten ihre Einkommenserwartungen hochschrauben, bleibt das Rätsel der Befragten bzw. der Gfk, gerade angesichts der miesen Partizipation der Arbeitnehmer am wirtschaftlichen Erfolg in der Vergangenheit. Diese zugegeben sehr kritische Sicht, allerdings mit harten Daten unterlegt, mag etwas überzogen wirken, ist aber angesichts des allgemein verordneten Optimismus nötig, denn der Mainstream kann sich dem angeblichen Konsumboom nicht entziehen und wartet mit völlig unkritischen Berichten auf ...

29. Juli 2008

Kauflaune: Kein Hintergrund geliefert

Die sog. Kauflaune der Deutschen (auch da mag es Unterschiede geben) soll so schlecht sein, wie seit November 2005 nicht mehr. Doch so titelt die OZ:
Kauflaune der Deutschen sinkt
... Die GfK-Forscher erwarten den Konsumklimaindex, der sich aus den drei Teilindikatoren zusammensetzt, im August bei 2,1 Punkten. Das wäre der niedrigste Stand seit Juni 2003. Im Juli lag er bei 3,6. Auch für den weiteren Jahresverlauf stehen die Zeichen ungünstig. ...
Wo sind denn nun die umfangreichen Hintergrundberichte der OZ-Wirtschaftsweisen, die das Dilemma endlich erläutern? (Da können Sie lange suchen!)

Schließlich jubelte die OZ vor einiger Zeit im Chor mit Politikern und damit ganz Regierungsblättchen, zwei Tage lang, wie grandios es jetzt aber aufwärts gehe.
Hat es den Wirtschaftsweisen die Sprache verschlagen?

29. April 2008

Die kauflüsternen Deutschen: Es geht schon wieder los!

Die Kauflust der Deutschen kehrt zurück
Hohe Tarifabschlüsse und der boomende Arbeitsmarkt haben die Laune der deutschen Verbraucher erstmals in diesem Jahr deutlich gehoben. Für Mai erwartet das Marktforschungsinstitut GfK einen Anstieg des Konsumklimaindex von 4,8 auf 5,9 Punkte, den höchsten Zuwachs seit Juli 2007. ...
Wieder bleiben die OZ-Leser nicht vom Gewäsch über die Kauflaune der Deutschen verschont.
Wieder konnten die Schönschreiber der OZ nichts anders, als den Unsinn weitergeben.

Fakt ist, dass die Kauflaune im vergangenen Jahr, wenn sie denn vorhanden war, zu einem deutlich geringeren Einzelhandelsumsatz führte, als im Jahr 2006.
In diesem Jahr steigerten Medien wie die OZ die Kauflaune zur Kauflust, was das Geschwätz noch lächerlicher macht.

Informieren Sie sich hier:

global news 1092 28-04-08: Deutsche in Kauflaune?



Und mit dieser Nachricht behelligt Sie die OZ erst gar nicht :


29. März 2007

Was hängt womit zusammen?



Die OZ-Spezialisten für Wirtschaftsberichterstattung bearbeiteten diese AP-Meldung:

Kauflaune steigt wieder

Die Konjunktur beflügelt den Privatkonsum. Die Bereitschaft zu Anschaffungen wächst. ...
Und was bedeutet das? Nichts.

1. Kauflaune hat nichts mit Kaufen zu tun. Das haben frühere Umfrageergebnisse bewiesen. Dennoch wird der Quark immer wieder gern berichtet, weil er so gut zu einigen Schönschreibübungen passt.

2. Hat einer der Wirtschaftsspezialisten sich oder seine Kollegen jemals gefragt, womit die Leute im OZ-Verbreitungsgebiet ihre Kauflaune, wenn sie denn eine haben, befriedigen könnten? Er hätte einfach in den Pressermitteilungen des Statistischen Landesamt lesen können. Dann wäre ihm ein sprichwörtliches Licht aufgegangen:

Mit durchschnittlich 77,4 Prozent war der 2006 in der Gesamtwirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns erreichte Angleichungsstand der Pro-Kopf-Bruttolöhne und -gehälter an den Bundesdurchschnitt von allen Ländern am niedrigsten und zugleich auch wieder etwas geringer als 2005 (77,7 Prozent). Im Durchschnitt der neuen Länder wurden 2006 je Arbeitnehmer 21 340 EUR gezahlt (80,1 Prozent des Bundesdurchschnitts), im früheren Bundesgebiet waren es 27 554 EUR (103,4 Prozent des Bundesdurchschnitts).

Warum wird solch ein Zusammenhang nicht hergestellt? Was hat das Bearbeiten von Meldungen mit Journalismus zu tun? Was hat das mit Ringstorffs Gerede vom allmählich Aufholen des Landes zu tun?

3. Wie kommen die Daten zustande? Hat einer der Wirtschaftsspezialisten einen Ahnung davon, wie die Befragungen ablaufen?

4. Was könnte das zu bedeuten haben?

"Nennenswerte Einkommenszuwächse gab es in Deutschland während der neunziger Jahre nur für die Reichen", so das traurige Resumee der Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). ... Die Daten dieser seit 1984 jährlichen erhobenen Wiederholungsbefragung SOEP deuten dem DIW zufolge darauf hin, dass sich diese Entwicklung seit 2001 weiter verstärkt hat.

27. Oktober 2009

Alles wird besser ...

Es wird immer schlimmer mit der Schlamperei! Und was das mit Informieren zu tun hat, erschließt sich mir nicht. Ich halte es für Schönschreiberei.
Dieser Artikel erschien nur in der gedruckten Ausgabe und ist als E-Paper zu lesen:



Er wurde auf der Titelseite so angekündigt:
WIRTSCHAFT
Kauflaune leicht gedämpft
Die Stimmung der Verbraucher hat sich im Oktober erstmals seit einem Jahr wieder verschlechtert. Steigende Preise und das Ende der Abwrackprämie dämpften die Kauflaune leicht. Trotzdem blicken die Menschen optimistisch auf die Wirtschaftsentwicklung. SEITE 7
Und was besagt das alles? Nichts, wie stets, wenn über die sog. Kauflaune der Deutschen schwadroniert wird und sich die OZ dafür bezahlen lässt.

Der Artikel ist weder auf der Online-Wirtschaftsseite noch im Archiv zu finden, wie sich hier zeigt:



Typisch für das Hoppsassa-Tralala Hochwertblatt-Blatt ist das Weitergeben dieser Grafik:

Ist das nicht herrlich? Alles im Plus! Selbst das sog. Konsumklima steigt und steigt!
Dumm nur, dass das nichts zu bedeuten hat.
Dumm dran, wer sich dennoch von so etwas beeinflussen lässt und dafür auch noch Geld ausgibt.
















Ich stelle nur diese eine Grafik dagegen, damit Sie sehen, wie Sie manipuliert statt informiert werden:



... wird nach allen Voraussagen, auch der Bundesregierung, die Arbeitslosigkeit erheblich ansteigen und damit die Massenkaufkraft weiter begrenzen, bzw. das Einkaufsverhalten aus Angst vor Arbeitslosigkeit weiter abbremsen. Schon jetzt hat Deutschland die negativste Entwicklung des Einzelhandelsumsatzes in Westeuropa (Abb. 12922).

3. Februar 2011

Zusammenhänge

Nach all dem Gequake über den Arbeitmarkt dies, veröffentlicht noch vor den neuesten Schönschriftzahlen:

Arbeitsmarkt: Ökonomen halten den Optimismus des Bundeswirtschaftsministers für übertrieben. Weder ist das Beschäftigungsvolumen gestiegen noch werden die Arbeitnehmer deutlich mehr Geld für den privaten Verbrauch übrig haben. ...

Bei so viel Euphorie finden Mahner nur schwer Gehör. Aber es gibt sie, auch unter Ökonomen, die der Bundesregierung nahestehen. „Wer jetzt von Boom redet, der verkennt die Situation“, sagt Stefan Kooths vom Kieler Institut für Weltwirtschaft. Dieses Institut berät auch die Regierung.

Das Beschäftigungswunder ist in Wahrheit keines, sagt der Ökonom Kooths. Entscheidend sei nicht die Zahl der Arbeitsplätze, sondern das Arbeitsvolumen, also die Zahl der pro Jahr geleisteten Arbeitsstunden. Und die liegt in Deutschland aktuell auf dem Niveau des Jahres 2000 und der Mitte der 90er-Jahre. Seinerzeit waren es rund 57,6 Mrd. Stunden. Kooths: „Damals hat niemand das deutsche Jobwunder ausgerufen.“ Die Ursache für die steigende Erwerbstätigkeit seien mehr Teilzeitarbeit und Mini-Jobs. Die Bruttolöhne je Arbeitnehmer sollen, so der Jahreswirtschaftsbericht, in diesem Jahr um 2,1 % steigen, die Inflation soll bei 1,8 % liegen. Real würden dann die Löhne um 0,3 Prozentpunkte zulegen. Dennoch geht Brüderle davon aus, dass der Konsum um 1,6 % wachsen wird. ...

Das wird Sie als Steuerzahler interessieren, da Sie so Unternehmer mitfinanzieren:

Diese Lohnzuschüsse aus Steuermitteln belaufen sich seit 2005 auf rund 50 Mrd. €, sagt der Verteilungsforscher Claus Schäfer vom gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut. Damit wurden die Einkommen von Niedriglöhnern auf das Niveau von Hartz IV aufgestockt. ...

Noch einmal zum Verständnis, mit was für einem Märchenerzähler wir es zu tun haben und was für Journalisten Propagandisten in der OZ sitzen, die sich z.T. von Ihrem Abonnements-Geld ernähren. Die OZ rührte vor Weihnachten - ganz Krämerseele - bildlich die Krämertrommel, verbreitet fast monatlich die Märchen von der Kauflaune der Deutschen, rührte bildlich die Werbetrommel für das Einkaufen, gewohnheitsmäßig besonders vor Weihnachten und für Ferienreisen.

Hat alles nichts geholfen, verschweigt Ihnen die OZ, denn es ist keine Schönschrift daraus zu machen:

“XS” statt “XXL” Einzelhandelsumsätze!

Heute (31. Januar) veröffentlichte das Statistische Bundesamt (Destatis) die vorläufigen Daten zu den Einzelhandelsumsätzen für Dezember 2010. Sie waren eine klare Klatsche für die XXL-Propagandisten. Nicht einmal das Weihnachtsgeschäft erfüllte die Erwartungen und die Umsätze zogen selbst nominal, zu den jeweiligen Preisen, nur um +0,3% zu Dezember 2009 an. Real (preisbereinigt) sanken die Umsätze im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar um -1,3% und dies obwohl der Dezember 2010 mit 26 Verkaufstagen sogar einen Verkaufstag mehr als der Dezember 2009 aufwies. ...

Das ist kein Zufall, denn

... Die Entwicklung bei den Löhnen und auf dem Arbeitsmarkt – Teilzeit und Minijobs – spiegelt sich in der Lohnquote, die den Anteil der Löhne am Volkseinkommen misst. Seit 1991 ist sie netto, nach Abzug von Steuern und Abgaben, von 48 % auf gut 39 % gesunken. Im gleichen Zeitraum ist die Netto-Gewinnquote von knapp 30 % auf 34 % gestiegen ...

Oder weil dies passiert:

... Da meldet das Statistische Bundesamt heute: "Einzelhandelsumsatz 2010 real um 1,2% gegenüber 2009 gestiegen". Doch wird uns wieder verschwiegen, daß es seit Juli unaufhörlich abwärts geht und auch der angebliche Weihnachtsboom mit einem Minus im Dezember von 1,2 % ausgeblieben ist. Seit dem Höchstpunkt von 2010 im Juli ist der Einzelhandelsumsatz steil um bereits etwas mehr als 3 % gesunken und gegenüber Februar 2008 um mehr als 5 %, alles kalender-, saison- und preisbereinigt, also voll vergleichbar ...

In der OZ habe ich nichts über diese Zusammenhänge gelesen, stattdessen über den Zusammenhang zwischen Kauflaune und Kauflaune. Klar, dafür können Sie natürlich auch Geld ausgeben.

26. Januar 2011

Doppelte Leserverblödung

Dass die abgefragte Kaufbereitschaft mit kaufen und deshalb mit Umsätzen im Einzelhandel nichts zu tun hat, ist Bloglesern seit Jahren bekannt. Dennoch kam ein OZ-Wirtschaftsweiser nicht umhin, den ewigen Quark von der Kauflaune zu verbreiten und den Propagandawert Konsumklima-Index noch zusätzlich zur Leserverblödung zu missbrauchen. Und das ging so:
Kauflaune so gut wie lange nicht
Die Stimmung der Verbraucher hat sich nach einem kurzen Dämpfer im Dezember wieder verbessert.
Achja? Der Index ist also im Januar höher als im Dezember? Könnte manch Leser glauben - und erliegt der Verblödung, denn:
Für den Januar verharrte der vom Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK errechnete Konsumklima-Index zwar auf dem Stand des Vormonats von 5,5 Prozent, teilte die GfK mit.
Er verharrte, ist gleich hoch oder niedrig wie im Vormonat? Und das soll eine Verbesserung sein?
Aber nun erfährt der Leser:
Die Kauflaune ist aber so gut wie seit mehr als vier Jahren nicht mehr. Zu Jahresbeginn behielten die Deutschen „ihren ausgeprägten Konjunkturoptimismus“.
Nochmals: Ein Gleichbleiben soll eine Verbesserung sein? Mir tun die Leser Leid, die für so etwas Geld ausgeben.

29. August 2013

Launiglaunig

Kaum ein Monat vergeht, ohne das die OZ den Verblödungsversuch mit der Kauflaune startet, denn irgendwie müssen die Spalten ja befüllt werden:
Ich mag dazu nichts mehr schreiben, verweise deshalb auf meine Blogeinträge und G+-Einträge.

Nur eine Kleinigkeit dazu: M-V, das Land, in dem die Hochwertzeitung erscheint, bleibt fast Spitzenreiter in D., was die Armutsquote angeht:
Nach Mitteilung des Statistischen Amtes waren die Einwohner  Mecklenburg-Vorpommerns 2012 - gemessen am Bundesmedian - zu 22,9 Prozent von Armut bedroht oder betroffen. Im Ländervergleich wies Mecklenburg-Vor­pommern damit wie im Vorjahr das zweithöchste Armutsrisiko nach Bremen (23,1 Prozent) auf. ...
Mecklenburg-Vorpommern hatte seine seit 2005 bestehende bedenkliche "Spitzenposition" 2011 erstmals an Bremen abgegeben und weist 2012 mit 22,9 Prozent erneut die nach Bremen zweithöchste Armutsgefährdungsquote aller Länder auf.Zum Vergleich: In den Ländern Baden-Württemberg und Bayern betraf Armutsgefährdung gemessen am Bundesmedian 11,1 bzw. 11,2 Prozent. ...
Und  noch dies:
Zusammengestellte Informationen über das Land Mecklenburg-Vorpommern enthält der Statistische Bericht "Entwicklung der Armutsgefährdung in Mecklenburg-Vorpommern (Mikrozensus)" ...
Stellen Sie sich vor (Ich weiß, geht nicht, ist auch nur rhetorisch gemeint.), jemand aus der Blättle-Redaktion würde sich daran machen, die Daten journalistisch auszuwerten, statt den Informationsmüll über Kauflaune zwecks Verblödung und anstrengungsarmer Spaltenbefüllung ins Blatt zu kopieren.

28. März 2008

Traurige Lachnummer: die Kauflaune der Deutschen

Kauflust der Deutschen steigt wieder
Die Kauflust in Deutschland kommt allmählich wieder in Schwung und weckt die Hoffnung auf einen Konsumfrühling. Trotz des anhaltenden Winterwetters auf den Finanzmärkten prognostizierte das Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK gestern einen leichten Anstieg des Konsumklima-Index auf 4,6 Punkte für April. Im März lag der Index bei 4,5 Punkten. ...
Warum ist dieser Quark in der OZ der Erwähnung wert? Ich finde keinen Grund. Ein Anstieg um 0,1 Prozent ist geradezu lächerlich, besonders, wenn ich den statistischen Fehler berücksichtige. Doch die OZ macht daraus eine Meldung, die keine ist, leider nicht zum ersten Mal.

Wie der allmähliche Schwung im Diagramm aussieht, können Sie hier besichtigen, wenn Sie ein Lupe zur Hand haben. Dagegen ist leicht zu erkennen, wie grandios es seit Mitte 07 bergab ging.


Übrigens, einzig eine Korrelation der Kurve mit den tatsächlichen Einzelhandelsumsatz wäre sinnvoll. Doch dann müssten die OZ-Redakteure erkennen, dass Laune und Kaufen kaum etwas miteinander zu tun haben. Schon wäre eine allmonatliche Meldung nicht mehr meldenswert.
(Bloß das nicht; dann lieber Scheuklappen angelegt und durch.)

Diese Unmeldung belegt auch, dass die Redakteure der Mantelredaktion nicht zusammenarbeiten.
Wenn auf der Titelseite gemeldet wird, dass das Bruttoeinkommen in M-V im vergangenen Jahr um ein Prozent stieg, sollte sich der Redakteur, der die Pressemitteilung der GfK bearbeitete und wahrscheinlich mit enormer Kauflaune ausgestattet ist, dies fragen:
Wie sollen Verbraucher in M-V, die im vergangenen Jahr weniger Geld zum Ausgeben hatten als 2006 (Achtung Inflation!), in diesem Jahr mehr ausgeben können (Noch höhere Inflation!)?
Haben denn alle Redakteure vergessen, dass sich der Einzelhandelsumsatz im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2006 verringerte?

Vor allem: Haben denn alle Redakteure übersehen, dass es nur um Vorausschau geht, die sich in der Vergangenheit regelmäßig als Kaffeesatzleserei entpuppte?

16. Juli 2011

Krämerseele schreibt wie verrückt

Wenn nichts über die Kauflaune der Deutschen zu schreiben ist, weil gerade keines der volksverblödenden Umfrageergebnisse kopiert werden kann und die OZ zugleich Informationen über die Entwicklung des Umsatzes im Einzelhandel vorenthält, wird Kaufreklame geschoben, kommt die Krämerseele voll zur Geltung:
Die Deutschen gärtnern wie verrückt - Boom in Baumärkten
Es können nur jene Deutschen gärtnern, die einen Garten haben, und ob sie es wie verrückt tun, und zwar alle, die einen Garten haben, können Sie gern glauben. Ich rate davon jedoch dringend ab.
Pflanzen, Rasenmäher, Bewässerungssysteme und Möbel — Die Hobbygärtner sind in Kauflaune und lassen auch in Mecklenburg-Vorpommern die Kassen klingeln.
Die Lust an der Gartenarbeit treibt die Kunden in die Baumärkte. Ein Umsatzplus von drei Prozent haben die Bau- und Heimwerkermärkte bundesweit in den ersten sechs Monaten erzielt. ...
Wie das ausgerechnet wurde, war der Autorin egal, denn:
„Genaue Umsatzzahlen können wir für das erste Halbjahr aber noch nicht nennen“, bedauert Pressesprecher (der Praktiker-Märkte) Harald Günter.
Auf solche Details kommt es sowieso nicht an. Welchen Kunden interessiert es schon, wie viele Rasenmäher in sechs Monaten verkauft wurden, was zu der Frage führt, warum der fast 600 Wörter lange Quark an Sie verkauft wurde.

Zum Schluss wurde noch orakelt:
Ein Plus von 2,5 bis 3,5 Prozent erwartet der Bundesverband Deutscher Heimwerker-, Bau- und Gartenfachmärkte (BHB) auch für den weiteren Jahresverlauf.
Richtig, die OZ beteiligt sich, wie schon seit Jahren daran, die Leser zum Kaufen zu verführen.

1. Juli 2008

Bedenkliche Passagen

Die OZ gibt den Ablauf einer Veranstaltung des Erwerbslosenbeirates MV wieder und mir sträubten sich die Haare. Ein Gemenge aus Zitaten und Beobachtungen, das weder Bericht noch Feature, auch nicht Reportage ist, sondern ein Kauderwelsch mit bedenklichen Passagen:
Ab heute bekommen Langzeitsarbeitslose vier Euro mehr im Monat - zum Juli wird der Regelsatz erhöht. Marikka Kurzenberg aus Tessin kann sich darüber nicht wirklich freuen. "Für Kino und Theater reicht es schon lange nicht mehr. Einladungen von Freunden muss ich ablehnen, weil das Geld nicht für einen Blumenstrauß reicht", sagt sie.
Was heißt das Geschwafel vom Nicht-wirklich-freuen. Waren die Autoren nicht in der Lage zu beschreiben, was die Frau empfindet? Ich fürchte, es war so.
Hätte die Frau sich schon allein aus Dankbarkeit freuen sollen?
Die Veranstalter hatten Politiker aus Schwerin und Berlin eingeladen und die Arbeitsagentur. Gekommen ist nur Die Linke.
Stimmt das? Im Nordkurier las ich (übrigens ein lesenswerter Artikel):

Die Minister für Wirtschaft und Soziales werden von Mitarbeitern vertreten, die sich in die hinteren Reihen gesetzt haben.

Auch dies ist bedenklich:
Er nennt Zahlen aus einer neuen Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung. Demnach haben sich angeblich 53 Prozent der Ostdeutschen innerlich bereits von der Demokratie verabschiedet.
Aha, angeblich. Die Redakteure waren zu faul zum Nachforschen, ob die Aussage stimmt. Andererseits liest sich der Satz wie: Ob das wohl stimmt? Und genau das ist die Aufgabe des Journalisten: Herausfinden, ob das Gesagte stimmt. Übrigens wurden von der OZ weder die Arbeitslosenzahlen (morgen wieder, wobei sie jeder schon heute kennen kann) noch die Kauflaune der Deutschen angezweifelt, wo Zweifel dringend angebracht sind.

Hier können Sie die Studie lesen. Die OZ gibt natürlich keine Quelle an, in der OZ-Leser erfahren können, was die OZ für angeblich und nicht so wichtig hält. Es zeigt sich nämlich, dass die Studie nicht angeblicher ist, als der Quatsch von der Kauflaune, rein statistisch gesehen:


Weder im Nordkurier noch in der OZ wurde darauf verwiesen, dass es solche Tribunale in ganz Deutschland gibt. Bloß nicht aufmerksam machen, dass es überall Widerstand gibt, denn Ruhe ist die erste Bürgerpflicht!

18. September 2008

Hintergrund: Einzelhandelsumsatz

Die OZ-Wirtschaftsweisen kopierten vom Kopierten:
Hohe Energiepreise und teure Lebensmittel trüben Kauflaune
Die hohen Energiepreise und die Debatte um Preissteigerungen bei Lebensmitteln trüben weiterhin die Kauflaune der Verbraucher in Deutschland. Es sei mittlerweile fraglich, ob der Aufschwung der letzten Jahre dem Einzelhandel als Spätstarter im Konjunkturzyklus noch erreicht, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Einzelhandels (HDE), Stefan Genth, gestern. ...
Zu solch einem Schöngeschwätz des Herrn Genth hat die OZ natürlich nichts zu bieten als: Kopier es!

Für den Tagesspiegel (nur ein Beispiel) gab es nichts Fragliches:

Stimmung im Einzelhandel getrübt

Der deutsche Einzelhandel rechnet nicht mit einem Aufschwung ...

Selbstverständlich wird es keinen Aufschwung im Einzelhandel geben, weil eben nicht eine Laune das Kaufen bestimmt, sondern der Inhalt des Portemonnaies. Ich hatte bereits berichtet, dass Konsumenten nicht nach einer Laune gefragt werden, sondern:

„Glauben Sie, dass es zurzeit ratsam ist, größere Anschaffungen zu tätigen?“ (Der Augenblick ist günstig – weder günstig noch ungünstig – ungünstig)

Noch diesen Kommentar und ein passendes Diagramm, dass auch die OZ-Wirtschaftsweisen kennten, kopierten sie nicht allzu oft Agenturmaterial:

Diese Entwicklung geht solange weiter, wie der Anteil der Löhne und Gehälter am Volkseinkommen sinkt. Auch die Politik trägt hierzu weiterhin ihren Teil bei, z.B. indem sie bei der Umstellung auf den Gesundheitsfonds den Zusatzbeitrag den Versicherten allein aufbürdet und die Unternehmen schrittweise aus der paritätischen Finanzierung entlässt.


27. Januar 2012

Propaganda für Krämer


Konsumklima: Verbraucher in Kauflaune

Und das heißt was? Genau, nichts. Billigste Propaganda, wie fast in jedem Monat statt kritischer Berichterstattung, wenn über die sog. Kauflaune schwadroniert wird.
Die Verbraucher sind auf dem besten Wege, zur Stütze der Wirtschaft in der Schulden- und Finanzkrise zu werden, ergab der gestern veröffentlichte Konsumklima-Index des Marktforschungsinstituts GfK. Dazu trage auch bei, dass die Verbraucher ihr Geld lieber ausgäben, als es zu niedrigen Zinsen anzulegen. Der I ndex für das Konsumklima stieg von 5,6 Punkten im Dezember auf 5,7 Zähler im Januar. Für Februar ist ein weiteres Plus vorausgesagt.
 Dazu können Sie hier nachlesen, wenn es Ihnen nicht schon bildlich zum Hals heraushängt:
... Harte belastbare Daten weichen allerdings von dem Optimismus, den die GfK-Daten suggerieren ab, so sanken zuletzt für November 2011 laut dem Statistischen Bundesamt die realen Einzelhandelsumsätze um -0,9% zum Vormonat ...
Auch die Daten aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung von Destatis bestätigen das tolle Konsumklima in Deutschland bisher nicht:
 
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