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13. Dezember 2013

Von Verkäufern und Verkauften

Die OZ verlangt mit dem Verkauf der gedruckten Zeitung Geld für diese nachgeplapperte, zudem uralte Erkenntnis, die ich zudem schon vor ein paar Stunden verlinkte:
"Viele Verbraucher besitzen Produkte, von denen sie nicht wissen, wie sie funktionieren"
(Geben Sie den Satz in eine Suchmaschine ein und Sie haben ausreichend Material zum kostenlosen Nachlesen.)
Sie ist ein Auszug aus einem Artikel mit der Schlagzeile:
Geldanlagen: Banken beraten schlecht 
Diese Erkenntnis muss völlig neu sein für die OZ, weil die OZ seit Jahren solche Verkäufer aus Banken, die das Blättle mehrfach als OZ-Experten ausgab, seitenlang als Ratgeber zu Wort kommen ließ, wofür die Leser auch noch Geld ausgaben.

Den vorläufigen Tiefpunkt vorgeblich kritischen Hochwertjournalismus hat die OZ erreicht, wenn sogar der Chefredakteur grinsender Verkäufer statt Journalist ist.

28. November 2013

Agitproper

Es hängt mir bildlich zum Hals heraus, ständig auf die Leserverblödung aufmerksam zu machen, da im Grunde alles dazu geschrieben wurde und die OZ-Redaktionen keinen Deut hinzugelernt haben.
Natürlich hat das Hochwertblättle keine Antwort auf die Frage, Alltag in der OZ. Einige Bemerkungen statt einer Antwort finden Sie frei im Netz:
... Zunächst ein paar Worte dazu, wie wahrscheinlich es ist, dass es tatsächlich zu einer Deflation kommt. Die Analysten der Investment Bank Barclays etwa schätzen, dass die aggregierte Inflationsrate der OECD-Länder von 1,3 Prozent im Jahr 2013 auf 1,7 Prozent im nächsten Jahr steigen wird. Sie läge damit in der Nähe des Werts, der für die meisten Notenbanken eine Zielmarke ist. Insgesamt wären die entwickelten Länder von einer Deflation weit entfernt. Für die Entwicklungs- und Schwellenländer gilt das ohnehin. ...
Aber zum inhaltsleeren Inhalt des Textes:
... „Allerdings halte ich diese Entwicklung gerade im Bereich der Altersvorsorge für sehr bedenklich.“ ...
... sagt die Landesfinanztante Polzin (sPD). Keine Nachfrage, keine Erinnerung daran, dass es vor allem die sPD war, die die gesetzliche Rente per Gesetz ruiniert hat, um die private Vorsorge voranzutreiben. Gäbe es noch eine starke gesetzliche Rente, brauchte Polzin keine Bedenken zu haben, denn in einem Umlagesystem spielen Zinsen keine Rolle.

Noch solch ein Jammerlappen, der zugleich auch noch dem Autor und der wiederum den zahlenden Lesern die Taschen gegen Geld vollhaute:
Matthias Bohn von der Ostsee-Sparkasse (Ospa) stellte klar: „Mit dem Sparbuch ist momentan kein Gewinn zu machen.“ ...
Moment mal, momentan? Da wäre eine einzige Nachfrage fällig gewesen, hätte der Autor gewusst, wovon er schreibt:
"Können Sie mir ein Jahr in der Geschichte der Bundesrepublik nennen, in dem ein Sparbuch mit dreimonatiger Kündigungsfrist Zinsen erbrachte, deren Höhe über der Teuerungsrate lag?"
Hier fängt Journalismus an, nicht, indem ein Autor ein paar Leute anruft und deren Geschwafel nachplappert.

Ansonsten dürfte das Thema einer Vielzahl von Menschen im Armenhaus D.s meilenweit am Arm vorbeigehen, weil sie nur eine Art Zinsen kennen, Überziehungszinsen. Genau da wäre wieder ein Ansatzpunkt gewesen nachzufragen: "Warum werden sinkende Zinsen nicht an Kreditnehmer und ihr Konto Überziehende weitergegeben?" Denn das Thema wird genannt, aber nicht nachgefragt - Journalismus fünf.

Auf der sog. Wirtschaftsseite durften Versicherungsheinis Reklame für die Entgeltumwandlung usw. machen:
... Die Entgeltumwandlung, also der Teil des Gehalts, den der Arbeitnehmer für die Vorsorge aufwendet, wird vom Staat gefördert. Chef wie Mitarbeiter sparen Steuern. ...
Da die Erträge Einkommen sind, werden sie versteuert, wenn das Geld ausgezahlt wird (die Zinsen werden natürlich mitversteuert - nur der Arbeitgeber spart Steuern). Der Arbeitnehmer zahlt also voraussichtlich sogar mehr Steuern.
Wegen weiterer Nachteile erinnere ich an diese Uralteinträge, die diese Art der Altersvorsorge bildlich entzaubern - nichts davon seit Jahren im kritischen Hochwertblatt. Lassen Sie sich nicht verblöden, sondern lesen Sie nach; es dauert ein paar Minuten.

Die Krönung war der Kommentar des schlechtesten Kommentators der OZ, des Chefredakteurs:
... Sparer müssen wieder belohnt werden. Sie legen Geld auf die hohe Kante, um schuldenfrei Häuser zu bauen oder zu investieren oder für das Alter vorzusorgen. Und genau das braucht unser Land dringend. 
Wer hat denn ein Gesetz erlassen, das besagt, dass Schuldner Zinsen für geliehenes Geld zahlen müssen, und wo steht das geschrieben. Zur Zeit leihen sich Banken das Geld fast zinslos. Das ist in Ordnung? Nur Sparer haben ein Recht auf Zinsen? Was für ein Quatsch!
Wo bleibt der Hinweis des Chefredakteurs, dass eine gestärkte gesetzliche Rentenversicherung die beste Altersvorsorge wäre, vor allem für jene, die wenig oder nichts zum Zurücklegen haben?

Ein paar Hinweise hätte der Überredakteur sich hier holen können, die seine Scheuklappen verkleinert hätten:
... Die Teilprivatisierung der Altersvorsorge hat hauptsächlich dazu geführt, dass die  Profite und Provisionen der Versicherungskonzerne, der Banken und der Finanzdienstleister gestiegen sind. Renten sind dadurch nicht sicherer geworden, erst recht nicht die für Geringverdiener. ...
Dass dem Träger riesiger Scheuklappen und Chefredakteur solche Gedanken komplett abgehen, hat er mit seinem Unkommentar bewiesen, denn Ruhe sei die 1. Bürgerpflicht - und Einkaufen:
... Wofür ich plädiere, ist etwas ganz anderes: eine allgemeine, einheitliche und solidarische Bürgerversicherung als eine konsequente Weiterentwicklung des von Bismarck begründeten Sozialversicherungssystems. Dazu ist ein Um- und Ausbau des bestehenden Systems zu einer Sozialversicherung aller Wohnbürgerinnen- und -bürger nötig. Und dadurch erfährt diese Bürgerversicherung auch ihre wichtigste Rechtfertigung, dass sie nämlich den längst fälligen Übergang zu einem die gesamte Wohnbevölkerung einbeziehenden solidarischen Sicherungssystem verwirklicht.Es braucht eine Bürgerbewegung
Dass nicht mehr nur Arbeitgeber und Arbeitnehmer, sondern auch Selbständige, Freiberufler, Beamte, Abgeordnete, Minister usf. mit ihren sämtlichen Einkommen und Einkunftsarten zur Finanzierung der Leistungen im Sozial- und Gesundheitsbereich herangezogen oder ’verbeitragt‘ werden, wie der Fachausdruck heißt. Ich bin übrigens, das ist ein wichtiger Punkt, den ich einschieben möchte, nicht für den Wegfall des Arbeitgeberbeitrages, sondern im Sinne einer Maschinensteuer, eines Wertschöpfungsbeitrags kann ich mir sogar vorstellen, dass man das noch ausweitet. Jedenfalls kann ich mir eine solidarische Bürgerversicherung für alle geeigneten Versicherungszweige vorstellen, auch für die Kranken-und Pflegeversicherung .
 

19. November 2013

Ein Absatz reicht

Nach dem ersten Absatz habe ich mir den Rest geschenkt:
Die Zentralbank hält die Zinsenauf Rekordtief. Das lässt Unternehmen und Aktionäre jubeln, bei Sparern gräbt es immer tiefere Sorgenfalten in die Stirn. Wie können sie verhindern, dass die Preissteigerungen Monat für Monat am Wert ihrer Rücklagen knabbern, sie kalt enteignen? ...
Da kann nur noch Kritisch-Hochwertiges Käse kommen.

Kalte Enteignung? Hallo, die gibt es schon seit Jahrzehnten und findet natürlich auch nur über Jahrzehnte hinweg statt, nicht in fünf Jahren, wie das Blättle indirekt vorgaukelt. Z.B sind Sparbücher mit dreimonatiger Kündigungsfrist stets eine kalte Enteignung gewesen, nur dass es kritische OZ-Hochwertredakteure nicht gemerkt haben und auch nicht wahrhaben wollten. Das Blättle hatte das Sparbuch sogar hochgelobt.

Die Zinsen dieser Sparbücher sind stets geringer als die Preissteigerungsrate. Das hat in der OZ in bald neun Jahren niemand geschnallt. Wer also solch ein Sparbuch hat, braucht nur lange genug zu warten, bis das Gesparte nahezu wertlos ist.

Ebenso sind Kapitallebensversicherungen schon immer ein Geschäft gewesen, für den Versicherer.

Rentenversicherungen bleiben eine Wette auf ein langes Leben, die meistens der Versicherte verliert.

Riesterrenten sind Mist, nur nicht für OZ-Leser, denen angebliche Vorteile vorgegaukelt wurden.

Natürlich hatte die OZ noch 2011 die Börse verteufelt.

Geht Pleite.

2. April 2012

"Die instrumentalisierte Zukunftsangst"

Als Mittel gegen mediale Verblödungsversuche in Sachen Rente empfehle ich diesen 43 Minuten-Vortrag:
Die instrumentalisierte Zukunftsangst:
Gesetzliche oder private Rentenversicherung, wer hat den Nutzen?

Müssen wir die demographische Entwicklung wirklich fürchten?
Warum wird seit der Jahrtausendwende so viel über Bevölkerungsstatistik gesprochen? Wieso soll die private Rente „demographiefest“ sein? Und wem nutzt das alles?
Gerd Bosbach kennt durch seine langjährige Tätigkeit als Statistikberater in der Politik und im Gesundheitsbereich die Kraft scheinbar objektiver Zahlen - und deren interessengeleitete Interpretation. Aus dieser Erfahrung heraus beschreibt er oft übersehene, wichtige Zusammenhänge. So zeigt der Blick in das letzte Jahrhundert eine massive Alterung ohne Einschnitte in das soziale Netz, ganz im Gegenteil. Bestimmt die Demographie wirklich das Wohlergehen von Gesellschaften oder übernimmt sie nur die Rolle des Sündenbocks, um von anderem abzulenken?

12. März 2012

Reklame für die SPD und dann auch noch an falscher Stelle

Die OZ titelte heute:
3,6 Prozent! Renten steigen so stark wie seit Jahren nicht
Ruheständler in Ostdeutschland können sich ab Juli auf ein sattes Plus freuen. ...
Und wer grinst aus der Seite, als wäre ihm zuzurechnen, dass höhere Renten gezahlt werden? SPD-Minipräsident Sellering:

Ich dachte bis heute, dass die jeweilige Bundes-Regierung dafür verantwortlich ist, dass aus dem jeweiligen Einkommensanstieg die Rentenerhöhung berechnet wird. Laut OZ ist ja nun wohl der Minipräsident zumindest mitverantwortlich für das Rentenplus. Wers glaubt, zieht auch die Hosen mit der Kneifzange an. Wers nicht glaubt, wird erkennen, wie hier Reklame für die SPD geschoben wurde.

Apropos verantwortlich:
Welche Regierung hat nicht nur die z.T. verfassungswidrigen Massenverarmungsgesetze (sog. Hartz-Gesetze), sondern auch schleichende Rentenkürzungen zu verantworten?
Wer hat denn den „Nachhaltigkeitsfaktor“ eingeführt?
Wer hat uns den gefährlichen Quatsch mit der Riesterrente eingebrockt, damit sich Banken und Versicherungen mit Hilfe von Steuergeld dumm und dämlich verdienen und zugleich Arbeitgeber von einem Teil der Beiträge für die Mitarbeiter entlastet werden?
Was hat der Minipräsident zur Rente mit 67 geäußert?

7. Februar 2012

Abrechnung mit Demographie-Märchen und Riesterei

Lobby-Kunst und Renten-GAU

Sozialpolitisch ist das Ganze ein Skandal, volkswirtschaftlich nutzlos, konjunkturpolitisch Gift, versicherungsmathematisch grenzt es an legalen Betrug, und nun stimmen nicht einmal die demographischen Grundannahmen: Die Rede ist von den Riester-Renten. Stetig sinkende Geburtenraten, langlebige Alte – der demograpische Stress eben. Zur Zeit stehen jedem ab einem Alter von 65 drei Menschen im Arbeitsalter gegenüber. 2040 dagegen müssten drei Arbeitende schon für zwei Ruheständler aufkommen. Nur noch 1,4 Geburten pro Frau in Deutschland – das ist die Kernziffer hinter solchen Prognosen. Und das ist die Rechtfertigung für all die rentensenkenden Reformkaskaden und für das kampagnenhafte Hochtreiben einer Privatvorsorge, die eher den Versicherungen nutzt als den Versicherten.
Doch im September letzten Jahres hat das Max-Planck-Institut für Demographie neue Resultate vorgelegt. Und die führen zu zwei Korrekturen. ...

Max-Planck-Institut für Demographie; schauen Sie bitte, wo das zu finden ist?

Angesichts dieser Erkenntnis sollte man aus den Reihen der Politik einen Ausruf der Erleichterung erwarten. Doch nichts dergleichen ist zu vernehmen. Stattdessen befand das Statistische Bundesamt in einer eiligen Presseerklärung ziemlich pikiert, diese aktuelle Debatte über steigende Geburtenraten sei eine rein innerwissenschaftliche Diskussion. Die Prognosen würden daher nicht korrigiert. Auch im neuen Demographie-Bericht der Bundesregierung blieben die Zahlen der Max-Planck-Forscher ausgeblendet. Dass die demographische Belastung wohl milder ausfallen wird als bisher erwartet, diesen Befund gilt es offenbar auszublenden. Denn das fast flehentliche Werben von Versicherungsbranche und politischem Topmanagement, endlich möge doch ein jeder sich einen noch halbwegs komfortablen Lebensabend zusammen-„riestern“, verlöre an Überzeugungskraft. Vielmehr hat das Finanzministerium inzwischen bereits einen „Tragfähigkeitsbericht“ zur Rente ab 69 erarbeitet, selbstredend ohne jede politische Absicht, nur als „theoretisch denkbare Möglichkeit“. Von einem „Tragfähigkeitsbericht”, ob man nicht doch bei einer Rente ab 65 bleiben könnte, ist dagegen nichts zu hören. ...

30. Dezember 2011

Nichts Neues (aktualisiert)

Eine Kommentatorin gab den Gute-Laune-Bär und machte sich damit zum Sprachrohr von Wirtschaftsverbänden:
Wirtschaftsprognosen für MV
Gute Aussichten

Weniger Arbeitslose, mehr freie Stellen, höhere Löhne — wenn das keine guten Aussichten sind! ...
Gute Aussichten für wen? Wie in D. weniger Arbeitslose erzeugt werden? Vor allem mit Statistiktricks und immer neuen, das wahre Ausmaß der Arbeitslosigkeit verschleiernden Zählvorschriften, was sie OZ aber noch keinen Monat daran gehindert hat, die mit unserem Steuergeld finanzierte, staatlich gelenkte Volksverblödung zu vervielfältigen und Ihnen als kritischen Hochwertjournalismus zu verkaufen.
Mehr freie Stellen? Im Bericht steht:
... 7981 gemeldete freie Arbeitsstellen gab es in MV im November — gut doppelt so viele wie vor einem Jahr. Die (mehrfach schöngefärbte) Arbeitslosigkeit sank seit Jahresbeginn von 127 700 auf 98 700 Personen. ...
Wer die Zahl der gemeldeten freien Stellen durch die Zahl der offiziell Arbeitslosen teilt, erfährt, dass auf eine Stelle mehr als zwölf Arbeitslose kommen - das sollen gute Aussichten sein? Gute Aussichten doch höchstens für Lohndrücker (Was, du willst nicht? Nehme ich eben den Nächsten.) Und was sind das für Stellen? Wie sind die Verdienstaussichten? Sind sie unbefristet? Sind es Stellen für Wanderarbieter und andere Hungerlöhner? Und die in den vergangenen Jahren besetzten Stellen, was sind das für welche?
Eine Antwort darauf lieferte die OZ mit einem Bericht aus dem chicen Hauptstadtbüro:
Immer mehr Arbeitslose rutschen direkt in Hartz IV
Analyse der Bundesagentur für Arbeit zeigt: Betroffen sind vor allem Leiharbeiter und Geringqualifizierte. Ursachen sind Niedriglohn und befristete Beschäftigungen. ...
Das hinderte den Kommentator nicht daran, einen für die OZ zutiefst scheinheiligen Kommentar zu verfassen:
Absturz in den Sozialhilfe-Staat
Studie der Agentur für Arbeit zu Hartz IV muss wachrütteln.
Wenn wir nicht aufpassen, entwickelt Deutschland sich für immer mehr Menschen vom Sozialstaat zum Sozialhilfe-Staat. ...
Wen muss die Studie wachrütteln, doch nicht etwa OZ-Redakteure? Wer ist wir, die aufpassen müssen?

Die OZ hat sechs Jahre Jahre lang nichts unterlassen, um die Armut im Land bildlich kleinzuschreiben, hat nichts unterlassen, um Alg 2-Berechtigte als Schmarotzer darzustellen, die das Gesetz ausnutzen, um sich auf die bildliche faule Haut zu legen oder schwarzzuarbeiten,
hat nichts unterlassen, diese Arbeitslosen zu verdächtigen, Gesetzesbrecher zu sein,
hat alles unterlassen, das wahre Ausmaß der Arbeitslosigkeit, der Lohndrückerei, der Ausnutzerei, der Ein-Euro-Sklaverei und die Schuld von Staat und Unternehmern daran zu schildern. Und da wagt es ein Kommentator so zu tun, als sei das alles erst jetzt bekannt geworden. Da ist es heuchlerisch und verlogen zu schreiben, wir müssten aufpassen. Falls ich in das Wir eingeschlossen sein sollte; ich habe mir nichts vorzuwerfen; ich habe seit fast sechs Jahren auf die Zustände im Armenhaus D.s hingewiesen. Andererseits werfe ich der OZ seit fast sechs Jahren vor, die Zustände schöngeschrieben zu haben.

Noch ein Hinweis zum Vertuschen, ein Text von gestern, der auch sehr schön zu den getürkten Arbeitslosenzahlen passt, die die OZ regierungsergeben Monat für Monat nachbetet:
Fast jeder Zweite geht mit weniger Geld in Frührente
... Der Sprecher von Bundessozialministerin Ursula von der Leyen (CDU), Christian Westhoff ... Auch sei die Zunahme von Frührentnern nicht auf mangelnde Jobs für Ältere zurückzuführen, sagte er der OZ. Ein wichtiger Grund sei vielmehr, dass immer mehr Frauen, vor allem in den neuen Ländern, arbeiteten und damit auch mehr von ihnen frühzeitig in Rente gingen. Westhoff sprach von einer „Spätfolge der Vereinigung Deutschlands“. Frührente ist zudem vor allem weiblich. Während die Abschlagsrente bei Männern seit 2005 kontinuierlich sinke (von 178 000 auf 134 000 im Vorjahr), stieg sie bei Frauen im gleichen Zeitraum von 140 700 auf 185 760 an. Es müsse auch der allgemeine demografische Wandel betrachtet werden: Es gebe einfach mehr Menschen über 60, also mehr, die heute vorzeitig in den Ruhestand treten könnten. ...
Da haben wir ihn wieder, den demografischen Wandel, der wohl für alles herhalten muss.
Demnach spielt die Zwangsverrentung jener, die z.B. kurz vor dem 60. Lebenjahr in den Alg 2-Bezug fallen würden oder mit 60 fielen, keine Rolle? Warum fragte der Oberjournalist aus dem chicen Hauptstadtbüro nicht, wenn er schon mal etwas fragte, wie hoch der Anteil Zwangsverrenteter an den Frührentnern ist?

Ich habe auch in diesem Jahr nichts erkennen könnte, was auf einen Wandel in der sog. Berichterstattung zum Arbeitsmarkt und sozialen Themen hinweisen würde. Es gibt nichts Neues dazu zu vermelden. Sie müssen auch 2012 damit rechnen, ein nachplapperndes Verlautbarungsorgan der Regierenden zu kaufen, was immer wieder an die Zeit des SED-Parteiorgans erinnert.

Viel Spaß mit Ihrem Abo!

Im Grünenblog gibt es mehr Hintergrund zum Thema, kostenlos.

29. Dezember 2011

Über die Heuchelei einer SPD-Tante

Auch die OZ berichtete heute über die ständige Zunahme von Beschäftigten, die vorzeitig Rentner werden. Weder wurde das Thema Erwerbsunfähigkeitsrenten auch nur angerissen, denn die Zahl der Erwerbsunfähigen nimmt ebenfalls ständig zu, und diese Rentner sind mit 700 Euro monatlich arm, noch wurde darauf hingewiesen, wie heuchlerisch zumindest eine SPD-Tante über das Thema sprach:
Sie ist eine Heuchlerin ohnegleichen
VdK-​Chefin jam­mert über Alters­armut – beför­derte sie aber als Staats­se­kre­tärin selbst. ...
Zum 1. Januar tritt das Gesetz über die stu­fen­weise Anhe­bung des Ren­ten­al­ters auf 67 Jahre in Kraft. Neu­esten Zahlen zufolge erreicht aber nur jeder zweite Rentner die bis­he­rige Regel­al­ters­grenze – die andere Hälfte scheidet vor­zeitig aus dem Berufs­leben aus und ver­zichtet damit im Durch­schnitt auf 113 Euro im Monat. Wird Alters­armut all­mäh­lich zu einer Massenerscheinung?
Das ist alles schon seit Jahren bekannt – kon­kret. Seitdem das Gesetz über die Rente mit 67 vor­be­reitet wurde. Das wurde vom dama­ligen Bun­des­so­zi­al­mi­nister Franz Münte­fe­ring (SPD) im Februar 2006 ins Kabi­nett der Großen Koali­tion ein­ge­bracht – wenige Monate vor der Wahl hatte er noch ver­kündet, mit seiner Partei werde es nie­mals ein sol­ches Gesetz geben.
Es geht also schon seit Jahren mit den Renten bergab. Alle, die heute zu Bil­lig­löhnen arbeiten oder Grund­si­che­rung, bzw. ALG II beziehen, sind Kan­di­daten für die Alters­armut. Es ist pure Heu­chelei, wenn sich SPD-​Politiker heute hin­stellen und dar­über jammern. ...
Klar, dass darüber nichts in der OZ zu lesen war. Es kommt SPD vor und sie schlecht dabei weg. Außerdem wird Hintergrund vermittelt, etwas, das die OZ grundsätzlich nicht macht. Und nicht zu vergessen: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht.

21. Dezember 2011

"Soziale Sicherungssysteme: Gleichbehandlung gefordert"

Noch ein Nachtrag zu dem unerträglichen Quark, den die OZ kürzlich per Kommentar zum Thema Demographie und Renten absonderte:
Soziale Sicherungssysteme: Gleichbehandlung gefordert
Die Menschen sind nicht gleich, aber sie haben ein Recht auf gleiche Behandlung. Diese Selbstverständlichkeit spiegelt sich in den sozialen Sicherungssysstemen dieses Staates nicht wieder. ...
Wenn man die Entwicklung der GRV über Jahre verfolgt stellt man fest, dass bis 1977, bei vergleichbarer Lebensleistung, annähernd die gleiche Altersversorgung wie Beamte oder Mitglieder einer berufsständischen Versorgung erhalten. Die regelmäßigen, rückwirkenden und enteignungsgleichen Eingriffe des Gesetzgebers seit 1978 haben dazu geführt, dass die heutige Durchschnittsrente für Männer nicht einmal mehr halb so hoch ist wie die durchschnittliche Pension bzw. die durchschnittliche Versorgung bei den berufsständischen Versorgungssystemen. Bei Frauen sieht die Situation noch schlechter aus und für junge Rentenversicherte wird diese Rentenpolitik in einer beispiellosen Altersarmut enden. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sich die GRV ohne die Eingriffe der Politik schlechter entwickelt hätte als die berufsständischen Versorgungen. Die Altersarmut, vor allem der heutigen jungen Menschen, ist politisch gewollt und mit der Rentenformel und der Rentenanpassungsformel auf den Weg gebracht worden. Sie ist also keineswegs unabwendbar, zwangsläufig oder alternativlos, sondern das Ergebnis einer ganz bewussten Rentenpolitik. ...
Hier das Positionspapier (pdf, 36 Seiten).

7. Dezember 2011

Schöngeschriebene Riesterei

Geht es um die Förderung der Versicherungswirtschaft, kann die OZ nicht beiseite stehen. Kürzlich hatte sie kopiert, weil Agenturmaterial vorlag und nahezu alle Medien berichteten, die Riesterrente sei ein Flop, hatte aber wenige Tage später ein Privatvorsorge-Märchen weitergegeben und Geringverdiener indirekt zum sog. Riestern aufgefordert.
Heute nun:
Versicherer kontern: Riestern lohnt sich doch
Hier nachzulesen
„Besonders rentabel“ für Familien und Kleinverdiener ...

Einmal abgesehen davon, dass die Rechnung laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nur aufgehen soll, weil Steuergeld zugeschossen wird, geht die Rechnung natürlich nicht auf, was aber dem Pressemitteilungskopierer piepegal war. Besonders rentabel ist die Riesterrente für niemanden, abgesehen vom Versicherer.
Es wäre doch zunächst zu fragen gewesen, was denn mit einer normalen, also nicht geförderten Rentenversicherung ist. Die kann nicht rentabel sein, jedenfalls nicht, wenn die Einzahler nicht älter als etwa 85 Jahre werden. Nicht erwähnt wurde, dass die mit Hilfe von Steuergeld erzielte Rendite nicht die Teuerungsrate (im langjährigen Mittel 2,5 Prozent/Jahr) berücksichtigt. 
Völliger Blödsinn ist es, als Geringverdiener für eine private Altersvorsorge einzuzahlen, da der Geringverdiener eine niedrige staatliche Rente erhalten wird. Reicht sie nicht zum Überleben aus und muss also der Steuerzahler einspringen, um die Rente aufzustocken, würde ihm seine Riesterrente auf die Zuschüsse angerechnet. Er hätte also für alle gespart, nur nicht für sich:
... dass neben der beschränkten Fähigkeit, aus dem laufenden Einkommen regelmäßig Vorsorge zu betreiben, ein weiterer Grund könnte sein, dass die eigenen gesetzlichen Rentenansprüche zusammen mit der privaten Vorsorge nicht reichen, um über das Grundsicherungsniveau hinaus zu kommen. Für diesen Personenkreis lohnt sich keine freiwillige Altersvorsorge, denn nach geltendem Recht werden sowohl gesetzliche als auch private Vorsorge voll auf die Grundsicherung im Alter angerechnet. Für Personen, die nur eine geringe Rente erwarten, sind damit negative Anreize gesetzt, in diese zu investieren, sei es durch sozialversicherungspflichtige Erwerbstätigkeit oder durch private Vorsorge. ...
Dass der Verband der Versicherer kein Wort über die Kosten der Riesterrente (Abschlusskosten, Verwaltung, Gewinn für den Versicherer) verliert, die so hoch sein können, wie der staatliche Zuschuss (was übrigens erklärt, für wen sich Riestern lohnt), ist völlig klar. Dass die OZ auf jegliche Nachfrage verzichtet, ist ebenso klar. War ja nur kopiert. Dass so etwas als journalistische Leistung verkauft wird, ist für die OZ ebenfalls Alltag, dennoch unverschämt. 
Die OZ hat sich natürlich auch nicht die Mühe gemacht, vergleichen zu lassen, welche Kosten ein normaler Banksparplan dem Sparer verursacht und wie hoch die Rendite unter Einbeziehen der Riesterförderung im Vergleich zur Versicherung wäre. Und was geschieht mit dem Geld in den beiden Sparformen, wenn der Sparer z.B. 70-jährig verstirbt? Fragen Sie bloß keinen OZ-Redakteur, denn auch darüber stand nichts in der Pressemitteilung. (Warum wohl nicht?)
Die Rentenversicherung bleibt eine Wette auf ein langes Leben, die zumeist der Versicherer gewinnt, sonst würde er pleitegehen.
Der Versichererverband hat übrigens gaaaanz vergessen, auf die Vorschläge zu einer dringend notwendigen Reform des Riestergesetzes einzugehen. Alles dazu steht hier.

3. Dezember 2011

Verdreht, falsch, niveaulos

Landesseite:
Das ist scheinheilig, sind die doch mitverantwortlich.
DGB Nord befürchtet Absturz von Hartz-IV-Empfängern.
Eine Welle der Altersarmut rollt nach Darstellung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) auf Mecklenburg-Vorpommern zu. ...
Das ist ein falsches Bild. Wenn schon eine Welle rollt, dann von M-V und anderen Ostländern in den Rest der Republik. So wie es die OZ beschrieb, ist es eine Verdrehung der Tatsachen.
Experten befürchten, dass viele heutige Hartz-IV-Empfänger (Gemeint sind Alg 2-Berechtigte. Allein die OZ-Wortwahl ist eine Herabwürdigung der Betrooffenen.) später nur eine Rente auf dem Niveau der Grundsicherung bekommen werden. ...
Polkaehn forderte, mehr Langzeitarbeitslose in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Auch Niedriglöhne seien keine Strategie, denn sie führten ebenfalls zu niedrigen Renten. Die politischen Entscheidungen müssten jetzt fallen.
Faslch. Die politischen Entscheidungen fielen vor etwa sieben Jahren und es wird in den kommenden Jahren keine andere Entscheidung fallen. Die Gewerkschaften haben damals die zukünftigen Alg 2-Berechtigten bildlich hängen lassen. Hier nun der Hammer des Tages:
Bei der privaten Altersvorsorge ist Mecklenburg-Vorpommern Schlusslicht. Nur 86 Euro pro Monat sparen die Menschen hier im Schnitt.
Hätte sich irgendjemand in der OZ daran erinnert, dass das Blättchen gerde erst vermeldet hatte, fast jeder zweite Lohn/Gehaltsempfänger in M-V erhalte weniger als 15000 Euro brutto im Jahr, hätte er sich den Vorsorgequatsch verkniffen. Denn wer als Geringverdiener z. B. für eine sog. Riesterrente spart, begeht einen schweren Fehler, weil ihm seine Rente später auf seine staatliche Unterstützung angerechnet wird. Er spart also seine eigene Rente und gibt davon auch noch der Bank/Versicherung eine Menge ab. So dämlich sind viele Leute aber nicht.
Abgesehen davon haben diese Geringverdiener kaum Geld für eine Privatvorsorge übrig. Es ist verblödendes Geschwätz, was da abgesondert wurde. Vor allem verschweigt die OZ beharrlich, dass es die Regierenden und die einst Regierenden waren, die die staatliche Rente zugunsten der Unternehmer (geringere Sozialbeiträge für die Beschäftigten) und der Banken und Versicherungen (Kundschaft) ruiniert haben und davon nicht ablassen werden. Ebenso haben die Gewerkschaften ihren Anteil an dem Zustand auf dem Arbeitsmarkt und an dem Zustand der gesetzlichen Rente.

30. November 2011

Märchen als Märchen enttarnt

Die OZ plappert allzu gern Märchen nach, die Bonzen absondern und verlangt Geld dafür. Hier wird mit einem dieser Märchen aufgeräumt:
Mythen der Arbeit
Der Sozialstaat ist teuer und macht träge - stimmt's?

Wer den Sozialstaat pauschal verteufelt, sitzt gleich mehreren Irrtümern auf, sagt Arbeitsforscher Joachim Möller. So hat jeder, der arbeitet, mehr Geld als mit Hartz-Versorgung. Und in anderen Ländern sind die Kosten für Rente und Gesundheit oft nur scheinbar niedriger. ...

24. November 2011

Die OZ als Entdecker dessen, was andere seit Jahren wissen

Drei Jahre lang habe ich vor der sog. Riesterrente gewarnt. Sie nützt den Versicherern und Banken, und sie nützt den Unternehmern, die wegen der Riesterrente Beiträge zur Rentenversicherung sparen (zehn statt zwölf Prozent Arbeitgeberanteil). Nicht zu vergessen der Namensgeber und SPD-Genosse Riester. Ihm danken Versicherer seit Jahren mit gut honorierten Vorträgen. Den meisten Versicherten nützt die Rente nicht, schadet Geringverdienern sogar, weil sie das eingezahlte Geld lieber hätten ausgeben sollen, denn die Riesterrente wird ihnen später auf ihre Minirente angerechnet. Das alles hätte die OZ zusammenfassen können.

Noch im September hatte die OZ jedoch indirekt und tückisch Reklame für die sog. Riesterrente gemacht.

Nun, da alle berichten, muss auch die OZ zugeben:
Riester-Flop: Rente mit magerer Rendite
Ernüchternde Bilanz nach zehn Jahren staatlich geförderter Zusatz-Vorsorge.
Diese Bilanz ist ja nun mindestens drei Jahre alt, außer für die Bunkerbewohner unter den OZ-Lesern. Hier der Originalbericht.
Zum Schluss konnte sich der Autor dies nicht verkneifen:
Als „eigentlichen Skandal“ bezeichnete Hagen jedoch die undurchsichtig kalkulierte und kaum vergleichbare Flut von Versicherungsprodukten. 
Ich weiß zwar nicht, wer Hagen ist, doch die Flut mag aus seiner Sicht ein Skandal sein. Ein tatsächlicher Skandal ist jedoch, wie Regierende (SPD und Grüne, nun CDU/CSU und FDP) das Vertrauen in die gesetzliche, umlagefinanzierte Altersrente systematisch zerstört haben, um Banken und Versicherern Kundschaft zuzuschanzen.
Und beiläufig erinnere ich daran, was Geldanleger z.Zt. erleben, etwas, das mit der umlagefinanzierten Rente nicht passieren könnte.

Natürlich musste auch ein Kommentar dazu verfasst werden:
Riester-Rente mit Schieflage
Die private Vorsorge ist richtig. Aber sie gehört auf den Prüfstand.
So kann jemand denken, der die Hintergründe nicht durchschauen will oder nicht wahrnimmt. Richtig wäre es, die gesetzliche Altersrente zu fördern, die schier endlose Zahl von Kürzungen und Tricksereien wenigstens zum Teil rückgängig zu machen. Auf die Idee kommt der Mann aber gar nicht erst.
Die Idee der privaten Zusatzvorsorge ist nicht falsch. Verkehrt ist, was daraus wurde. Das fing damit an, dass die damalige rot-grüne Koalition den ursprünglichen Ansatz einer Pflichtversicherung fallen ließ, als diese als „Zwangsrente“ verunglimpft wurde. Eine obligatorische Vorsorge wäre strengen Regulierungen unterworfen worden. ...
Wer hat sich denn mit Nachgeplapper über Jahre hinweg zum Sprachrohr der Verunglimpfer gemacht? Ich war es bestimmt nicht.

23. November 2011

Schöne Welt der privaten Altersvorsorge

Hände weg von der Riester-Rente! Von der profitieren nur Banken und Versicherungen. ...
Sollte die Rente von Geringverdienern unter der staatlich garantierten Grundsicherung liegen, werden die Riester-Erträge damit verrechnet. Gesellschaftspolitisch ist die Vorsorge des einzelnen zwar erwünscht (?), aber Geringverdiener verhalten sich aus ihrer Sicht ökonomisch rational, wenn sie keine private Vorsorge betreiben. ...

Sind die staatlichen Subventionen also zum Fenster herausgeworfen?

Ja. Wieso soll all dies aus Steuergeldern bezahlt werden – wenn letztlich für die Menschen, die mit den Erträgen der Riester-Rente versorgt werden sollen, nichts Vernünftiges dabei herauskommt? Man könnte all das anders gestalten.

Kritik an der Riester-Rente wird seit Jahren geübt (auch in der OZ?) – woran liegt es, daß die Bundesregierung nicht reagiert?

Offenbar ist es schwierig für all die Regierungspolitiker, die die Rentenreform eingeführt und befürwortet haben, sich auf Kritik einzulassen. Bei diesem Vorhaben gab es keine wissenschaftliche Begleitung wie bei anderen großen Reformmaßnahmen, um Fehler im System zu erkennen. Darauf hat man verzichtet. Was ich mir nur aus dem starken Glauben der Regierenden erklären kann, die privatwirtschaftliche Vermarktung der Alterssicherung als beste Lösung anzusehen.

16. November 2011

Schöne Welt der privaten Altersvorsorge

Mängel und fehlende Daten bei der Riester-Rente

Zehn Jahre nach Einführung der Riester-Rente ist immer noch unklar, ob das Prestigeprojekt den Erwartungen gerecht werden kann, die Bundesregierung setzt schon auf die nächste private Zusatzversicherung

Der Namensgeber hat sich längst in die Privatwirtschaft verabschiedet und vermutlich keine Probleme mit seiner Altersversorgung. Denn Walter Riester (SPD) bemühte sich schon in seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter, das schmale Politiker-Salär aufzubessern und für schlechte Zeiten ein paar Euro beiseite zu legen.

Viele seiner Landsleute setzen dagegen auf das bekannteste Projekt des ehemaligen Arbeits- und Sozialministers - in der Hoffnung, das sinkende Niveau der gesetzlichen Rentenversicherung perspektivisch ausgleichen zu können. Bis Ende Juni 2011 wurden fast 14,8 Millionen Riester-Verträge abgeschlossen und knapp 37 Milliarden Euro angespart.

Ob die Kontrakte halten, was sie versprechen, steht aber auch zehn Jahre nach Inkrafttreten des Altersvermögensgesetzes noch immer in den Sternen.
Defizite in der Forschung

Die allgemeine Ratlosigkeit ist umso erstaunlicher, als im vergangenen Jahrzehnt gleich bändeweise Untersuchungen durchgeführt wurden, die mit Modellrechnungen und Kalkulationen aller Art aufwarteten. Trotzdem diagnostiziert Florian Blank vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung in einer aktuellen Studie ein erhebliches Forschungs- und Erkenntnisdefizit.

Es zeigt sich, dass aufgrund der Forschungslage eine abschließende Bewertung nur für einzelne Aspekte möglich ist, da zu einigen zentralen Fragen keine oder nur lückenhafte Daten vorliegen oder verfügbare Daten teils widersprüchliche Schlüsse zulassen. ...

Zugeschnitten ist der Text ist auf den Versuch, das System auch in der Pflegeversicherung einzuführen.

10. Oktober 2011

Themen

Themen, über die ich nichts in der OZ fand:
Auf die Welt angewiesen
Wie sich evangelische und katholische Kirche in Deutschland finanzieren
Nicht nur die Einnahmen aus der Kirchensteuer und Spenden finanzieren die deutschen Kirchen. Sie erhalten auch Geld aus der Staatskasse. Der Grund sind uralte Verträge. ...

Über das Zwei-Klassenrecht zur Zwei-Klassengesellschaft
Am Beispiel der Altersversorgung in Deutschland.
Am 5. September referierte Otto Teufel, vom Verdi-Ortsverein-Lübeck kommend, beim Verdi-Ortsverein-Leer und bei den Betriebsrentern eV. in Dießen am 9. September vor interessierten Bürgern, über seine fast 30jährige Auseinandersetzung mit der gesetzlichen Deutschen Rentenversicherung. ...
Wie Sie sicher alle wissen, haben wir in Deutschland unterschiedliche Systeme für die Altersversorgung, die gesetzliche Rentenversicherung, die Politikerversorgung, die Beamtenversorgung und die berufsständischen Versorgungssysteme für die Selbständigen.
Was Sie vermutlich nicht wissen, ist, dass Deutschland das einzige Land in Europa ist, in dem nicht alle Bürger in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind.
In allen anderen Ländern gibt es entweder eine Volksver­sicherung, das heißt alle Bürger sind pflichtversichert, oder eine Erwerbstätigenver­sicherung, das heißt alle Erwerbstätigen sind pflichtversichert, sozusagen vom Bundespräsidenten bis zum Hilfsarbeiter.
Allein in Deutschland gibt es die Pflicht­versicherung mit wenigen Ausnahmen nur für abhängig Beschäftigte.
Für Selbständige gelten überwiegend die berufsständischen Versorgungssysteme, für Beamte und Richter die Beamtenversorgung.
Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass diejenigen, die in der Öffentlichkeit, im Fernsehen, in den Zeitungen zum Thema Rente zu Wort kommen, alle gar nicht betroffen sind? ...

Libyen – Bomberpiloten verweigern Einsätze
Es häufen sich Meldungen, denen zufolge französische wie auch kanadische Kampfpiloten sich in letzter Zeit vermehrt Befehlen widersetzen, die darauf abzielen, nicht militärische Ziele in Libyen zu bombardieren oder auf anderem Wege anzugreifen. Die ehmalige Presse hüllt sich angesichts dieser Neuentwicklung wie immer in eine Mauer des Schweigens. ...

Kampfjet Pilot
Seelenlos
Am Sonntag war in der englischen Zeitung „The Independent“ dieser Artikel zu lesen.
Es kam an die Öffentlichkeit, welche Methoden vom Militär eingesetzt werden, um Soldaten mental auf Kampfeinsätze vorzubereiten. Es werden ihnen in sogenannten „Kill TV nights“ Filme über reale Tötungen gezeigt und in einer Art kommentiert, die jeden Menschen mit einem Fünkchen Anstand und Ehre im Leib die eigene Rolle in diesem Wahnsinn auf der Stelle überdenken lassen müsste.
Es wird eingeräumt, unter Umständen nicht ganz „rechtmäßig“ gehandelt zu haben, aber so what, es sei auch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sondern ausschließlich für die interne Verwendung vorgesehen.
Wie bekommt man Menschen seelenlos? ...
Thomas Straubhaar - Der große Irrtum
Straubhaar gehört zu jenen, die erkannt haben, dass ihre neoliberalen Ansichten jeder Grundlage entbehren und menschenverachtend sind. Komisch, die OZ gehört zu jenen Blättchen, die jeden Quark nachbeten, auch Straubhaars. Über seine Kehrtwende las ich jedoch nichts von den OZ-Wirtschaftsweisen. Das schrieb er auf:
Der Effizienzmythos der Finanzwelt strauchelt heftiger denn je. Funktionierende Märkte benötigen Gesetze, Reglen und Sanktionen.
Über Jahrzehnte dominierte in der Ökonomie die Überzeugung, dass auf Finanzmärkten Effizienz die Regel und Marktversagen die Ausnahme sei. Heerscharen von Studierenden wurden auf den Glauben getrimmt, Börsenkurse würden stets alle verfügbaren Informationen rational und richtig widerspiegeln. Zehn Jahre nach dem Entstehen einer Kreditblase als Folge einer New Economy, die ewiges Wachstum versprach und erst eine Immobilien-, dann eine Finanzmarkt- und nun eine Staatsschuldenkrise brachte, und drei Jahre nach Lehman Brothers und den darauf folgenden staatlichen Hilfsmaßnahmen zum Verhindern einer Kernschmelze der Weltwirtschaft ist es an der Zeit, den Effizienzmythos vom Sockel zu holen. Dabei geht es weniger darum, die gut bekannten Gründe aufzulisten, warum Finanzmärkte bei Weitem nicht so effiziente Informationsverarbeiter sind, wie üblicherweise angenommen wird.
Herdenverhalten
Es ist sattsam bekannt und gut analysiert, dass auf Finanzmärkten Marktmacht und Marktversagen weit häufiger vorkommen als gemeinhin vermutet. Dass Banken viel zu groß werden, nicht weil sich das betriebswirtschaftlich rechnet, sondern um systemrelevant und damit „too big to fail“ zu werden. So werden sie im Krisenfall mit staatlicher Hilfe gerettet, während kleine Banken  sich selbst überlassen bleiben. ...
Die eigentlich viel spannendere Frage lautet: Wie konnte und kann es sein, dass sich die These effizienter Finanzmärkte so lange so prominent hat halten können, obschon all die Gründe ihres Versagens bestens untersucht sind, sie empirisch längst widerlegt war und sie nun durch die verschiedenen Krisen der letzten Dekade erst recht diskreditiert ist? ...
Hartz IV-Rechnen mit Ursula von der Leyen
Rechenkünste der Bundesarbeitsministerin
Kann die Bundesarbeitministerin die eigenen Hartz IV Statistiken nicht richtig zusammen rechnen, oder warum kommt es immer wieder zu Falschaussagen der Ministerin? Hier ein Beispiel, dass durch Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ) aufgedeckt wurde. Die Bundesministerin: „Immer wieder wird die Summe, die für die Instrumente der Arbeitsmarktpolitik zur Verfügung gestellt wird, kritisiert. Die sinkende Arbeitslosigkeit bringt mit sich, dass wir nicht mehr ein und dieselbe starre Summe ausgeben müssen. Dennoch steht im Rahmen der Grundsicherung in 2012 knapp 1 Milliarde Euro mehr für Eingliederung und Verwaltung zur Verfügung, als es im Jahr 2007 der Fall war. Alle wissen: Dazwischen gab es eine Krise und ein Konjunkturpaket gegen Arbeitslosigkeit. Der Vergleich zeigt: Heute steht 1 Milliarde Euro mehr zur Verfügung.“ (1) ...
Frage: Wie errechnet Bundesministerin Dr. Ursula von der Leyen auf Grundlage dieser öffentlich zugänglichen (oder anderer bisher verborgener) Daten die Behauptung: „Dennoch steht im Rahmen der Grundsicherung in 2012 knapp eine Milliarde Euro mehr für Eingliederung und Verwaltung zur Verfügung, als es im Jahr 2007 der Fall war.“? ...
Arbeitsmoral im EU-Parlament
Politiker schwänzen Europa
Es ist nicht Neues, dass Silvana Koch-Mehrin nicht gerade zu den fleißigsten Europa-Politikern zählt. Sie ist ein Beispiel schlechter Arbeitsmoral - eins von vielen. ...
Auch zu dieser skandalösen, geplanten Steuerverschwendung fand ich nichts in der OZ:
Ein Geheimplan für die AKW-Betreiber
Ein streng vertrauliches Papier beschreibt ein Modell zur Finanzierung des Rückbaus deutscher Atomkraftwerke. Es sieht vor, das ein Teil der Kosten zunächst aus der Staatskasse überbrückt wird. ...
Der streng vertrauliche Plan, dessen Eckpunkte dem Handelsblatt bekannt sind, wurde von der Investmentbank Lazard erarbeitet. Er sieht eine Atomstiftung vor, die es den Versorgern ermöglichen soll, bis zu 50 Milliarden Euro in erneuerbare Energien zu investieren.
Nach dem Vorschlag könnten die Konzerne ihre Meiler in eine staatliche Stiftung einbringen. Die Risiken, die sie an die Stiftung abgeben, liegen bei etwa 28 Milliarden Euro. Im Gegenzug müssten sie ihre gesamten Atomstrom-Einnahmen aus den verbleibenden Meilern bis 2022 bei der Stiftung abliefern. Die Summe beläuft sich auf circa 15 Milliarden Euro.
Die Differenz von 13 Milliarden Euro gleicht der Staat aus - im Gegenzug erhält er Schuldscheine der ehemaligen Atomkonzerne. Die Unternehmen können diese Forderungen nur gegen Investitionen in erneuerbare Energien ablösen.
Wenn ein Konzern beispielsweise zwei Milliarden Euro in einen Offshore-Windpark investiert, der sich eigentlich nur bei Kosten von 1,8 Milliarden Euro wirtschaftlich betreiben ließe, könnte das Unternehmen die Differenz von 200 Millionen mit dem Schuldschein verrechnen. Diese Summe gibt der Staat in diesem Fall an Subventionen dazu, damit der Windpark gebaut wird. ...
Es ist absurd, die Bürger für den AKW-Abriss zahlen zu lassen
Tschüss, Atomkonzerne
Da kommen einem doch glatt die Tränen: Die armen Atomkonzerne haben kein Geld mehr, um in die Nutzung erneuerbarer Energien zu investieren - der Atomausstieg hat sie so arg gebeutelt.
Um den bemitleidenswerten Atomstromern nun wieder zur Bonität zu verhelfen, steht plötzlich die Idee im Raum, die finanziellen Risiken des Abrisses der Atomruinen kurzerhand über eine staatliche Stiftung auf die Steuerzahler abzuwälzen. Befreit von den Finanzrisiken, könnten die Atomstromer dann wieder Geld von den Banken bekommen und in die Energiewende investieren.
Doch der Plan ist zu durchsichtig, er ist geradezu erbärmlich. Diejenigen, die über Jahrzehnte hinweg atomare Risiken für ihren Profit verursacht haben und der Nachwelt zudem ein gigantisches Arsenal an Strahlenmüll hinterlassen, wollen nun die Bürger anzapfen. Es soll also die Gesellschaft für die Milliardenrisiken einer Technik einstehen, die sie seit Jahren mehrheitlich ablehnt - ein absurdes Theater.
Aber wird ohne ein solches Konstrukt nicht am Ende tatsächlich das Geld für den Ausbau der erneuerbaren Energien fehlen? Dummes Zeug. Man ist heute beileibe nicht mehr darauf angewiesen, dass Eon, RWE, EnBW und Vattenfall gnädigst in Ökokraftwerke investieren. Wenn die vier Konzerne, erschlagen von ihren Atomkosten, die Energiewende nicht gestemmt kriegen - was solls?
Dann investieren eben andere: Privatbürger und Landwirte, Unternehmen und Projektgesellschaften, Kommunen und Stadtwerke. Schließlich waren sie es, die den Boom der erneuerbaren Energien erzeugt haben. Und sie werden die Energiewende ohne Zweifel erfolgreich weiterführen können. Das heißt: Tschüss, Atomkonzerne - ihr werdet für die Energiewende wirklich nicht gebraucht.

6. Oktober 2011

Schöne Welt der privaten Altersvorsorge

Für jene, die immer noch nicht verstanden haben, wie sie mit Kapitallebens- und Rentenversicherungen an der Nase herumgeführt werden und weil die OZ sich des Themas nicht annimmt (zu viele Krämerseelen, zu wenige Auskenner), hier noch einmal kurz zusammengefasst:
Der 2,25%-Wahn greift um sich
Am Beispiel eines Reklametextes der PSD Bank Rhein Ruhr hatte ich vor kurzem beschrieben, wie Verbraucher mit einem angeblichen Garantiezins von noch 2,25 Prozent zum Abschluss von Lebensversicherungen gedrängt werden. Die PSD Bank Rhein Ruhr steht damit nicht allein. ...
Abschlusswillige bitte die paar Zeilen bis zum Ende lesen. Sie sind möglicherweise bares Geld wert.

21. September 2011

Schöne Welt der privaten Altersvorsorge

Für alle glücklichen Sparer und obwohl ich schon dutzendweise darauf hinwies:
Finanzexperten: Unrentabel - und Fördergelder versickern bei Anbietern
Die Bilanz nach zehn Jahren Riester-Rente ist ernüchternd. Die zu erwartenden Renten sind heute um mehr als ein Drittel niedriger als bei solchen Verträgen, die vor zehn Jahren abgeschlossen wurden. Seit Einführung der staatlich geförderten privaten Vorsorge haben sich die Rahmenbedingungen deutlich zu Lasten der Kunden geändert. ...

15. September 2011

"Banken verstoßen gegen höchstrichterliche Rechtssprechung"

Auch nichts für OZ-Leser:

Verbraucherschützer im Interview
„Das Ergebnis ist niederschmetternd“

Gerd Billen, oberster Verbraucherschützer Deutschlands greift im Interview mit Handelsblatt Online die Banken frontal an, erwägt Musterklagen und fordert eine Sonderprüfung der Bankenaufsicht.

Die Verbraucherzentralen haben eine Untersuchung zu Provisionen bei Wertpapiergeschäften vorgelegt. Informieren die Banken transparent?

Nein das Ergebnis ist niederschmetternd und selbst für uns völlig überraschend. In nur zwei Prozent der untersuchten Fälle informieren die Banken erschöpfend über ihre Provisionen.

Was werfen Sie den Instituten konkret vor?

Viele Banken verstoßen gegen höchstrichterliche Rechtssprechung. Der Bundesgerichtshof hat klar entschieden, dass Kunden darüber informiert werden müssen, ob es einen Interessenkonflikt in der Beratung gibt. Dazu muss der Kunde die Kosten und Provisionen kennen und vergleichen können.

Die Rechtssprechung des Bundesgerichtshof betrifft nicht alle Wertpapiere.

Das stimmt. wir sind der Auffassung, dass die Transparenzpflicht nicht nur für Kommissionsgeschäfte gilt. Wir hoffen, dass die Politik endlich für Rechtssicherheit sorgt. Außerdem erwägen wir Musterklagen gegen die Institute.

Welch Banken sind Ihnen besonders negativ aufgefallen?

Wir möchten keine einzelnen Institute hervorheben. Sparkassen, Privatbanken und Volks- und Raiffeisenbanken sind gleichfalls betroffen. ...

Wer Wertpapierverkäufer immer noch Berater nennt, betreibt Volksverblödung.

14. September 2011

Propagandaapparat (3)

Mit der Titelgeschichte Reklame für die Riesterrente zu machen, dafür ist sich die OZ nicht zu schade, und das, nachdem die OZ gestern berichtete, dass die Riesterente ein gutes Geschäft ist, jedoch nur für die Banken und Versicherungen und für Gutverdiener:
Altersvorsorge: Menschen in MV haben am wenigsten übrig
Mit einem Monatsschnitt von 86 Euro ist der Nordosten bundesweit Schlusslicht. ...
Dass im Armenhaus D.s zu wenig Geld verdient wird, teilt die OZ zwar mit. Doch dann gehts los:
Neben finanziellen Aspekten nennt Versicherungsexperte Maas auch „emotionale Faktoren“, die die Menschen am langfristigen Sparen hinderten. Dazu gehörten „Unsicherheit und das Gefühl, das Thema nicht erfassen zu können“. So hätten mehr als die Hälfte der bundesweit 3870 für die Studie Befragten angegeben, die Vorsorge sei ihnen zu kompliziert. ...
Auf Einfach-Deutsch: Schämt euch, denn ihr seid zu doof zu begreifen, dass euch nur Gutes angetan werden soll.
Dann noch diese Idee:
Der Experte für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale MV (NVZ), Karl-Michael Peters, rät zur Optimierung der Haushaltsausgaben. Durch den Wechsel eines Telefon- oder Energieanbieters könne oftmals Geld eingespart werden. „Dieses Geld kann man dann für die Altersvorsorge einsetzen“, so der Verbraucherschützer. „Besser man schließt eine Altersvorsorge ab — auch wenn der Beitrag noch so klein ist“, betont Peters. Geförderte Produkte wie Riester-, Basis- und Betriebsrente seien „Hartz-IV-sicher“. Das heißt: Diese Renten könne der Staat nicht antasten, auch wenn der Arbeitnehmer ins Arbeitslosengeld II abrutsche. ...
Das ist richtig; sie werden nicht als Vermögen auf das Arbeitslosengeld 2 angerechnet. Doch was ist, wenn der Betreffende, der sich kleinste Beträge vom Mund absparte mit einer Rente unter den Exitenzminimum leben muss und einen Auffüllbetrag erhält? Dann wird die Rente gegengerechnet.
Was die kleinsten Beträge betrifft, mit denen gespart werden soll. Dazu dies aus dem Jahr 2008:

Gratis-Rente für Hausfrauen
Der Beitrag ist im ARD-Archiv nicht mehr vorhanden, macht aber nichts, da es noch diesen Kommentar des Finbloggers dazu gibt:

An diesem Bericht zeigt sich der Unsinn des staatlichen Riester-Subventions- und Beschäftigungsprogrammes besonders deutlich. Die Hausfrau soll in 35 Jahren auf 500 Euro Zusatzrente kommen, jährlich. Bereinigt um den Kaufkraftverlust sind das in 35 Jahren etwa 200 bis 250 Euro, die auch noch zu voll zu versteuern sind. Der monatliche Einkommenszuwachs dürfte real bei etwa 15 Euro monatlich liegen. Dafür waren dann beteiligt: Eine Bank oder eine Versicherung, eine Zulagenstelle (gesetzliche Rentenversicherung) sowie das Finanzamt. Und nicht zu vergessen der Einsatz von Ressourcen beim Staatsfunk, um das Kosten verschlingende Bürokratiemonster immer wieder zu erklären.

Aber das sind ja olle Kamellen, passen auch nicht in die Reklame für die Rente. Statt den Irrsinn zu entlarven, wird Reklame geschoben

Der Autor, Blogleser kennen schon seit Jahren sein Schönschreibtalent, schrieb auch einen Kommentar:
Zu wenig Altersvorsorge in MV
Dilemma
Die Rente ist sicher. Hat wer gesagt? Norbert Blüm, Ex-CDU-Arbeitsminister, prägte einst den viel zitierten Satz — und sorgt damit seit Jahren für Heiterkeit. Und Kopfschütteln. Denn das ist längst klar: Auf einen gesicherten Ruhestand mit staatlicher Rente können viele Arbeitnehmer nicht hoffen.
Genau hier wäre ein Ansatzpunkt für einen Kommentar gewesen, denn der Zustand ist kein Naturgesetz. Diesen Zustand haben mehrere Regierungen herbeigeführt, indem sie die gesetzliche Rentenversicherung sytematisch zerstörten, durch den Ausbau des Niedriglohnsektors, durch ständiges Beschneiden der Rentenansprüche und durch die Teilentlassung der Arbeitgeber aus der Zahlung von Beiträgen für die Beschäftigten, denn nichts anderes ist die Riesterrente.
Stattdessen müssen sie privat vorsorgen — wenn die Geringverdiener, Leiharbeiter, Teilzeit-Jobber oder Arbeitslosen dazu überhaupt in der Lage sind. Sparen wird nur der, der nach allen Abzügen noch ein paar Euro auf die hohe Kante legen kann. ...
... was für die Wenigverdiener eine Rentenkürzung bedeutet.

Übrigens: Angesichts dessen, was sich seit drei Jahren in der Finanzbranche ereignet, stellte sich der Autor nicht die Frage, ob die in Misskredit gebrachte, umlagefinanzierte Rente der schlaue Weg ist. Er stellte sich nicht einmal die Frage, welches Interesse der Auftraggeber an der Studie hatte, der Versicherer CosmosDirekt.
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