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8. Januar 2014

Augen zu und schönschreiben

Das Blättle weigert sich weiterhin, den tatsächlichen Umfang der Arbeitslosigkeit darzustellen, denn das ist
1. nicht Aufgabe der Systempresse und
2. zu viel verlangt, da mit Arbeit verbunden.

Stattdessen wird das von der Arbeitsagentur gelieferte Schöngefärbte noch einmal schöngefärbt.
Und das geht so:
Im Keller der Titelseite wird die offizielle, also viel zu geringe Zahl genannt:
Wieder mehr als 100 000 Arbeitslose in MV
Auf der Landesseite wird dann losgelegt mit der Schönschriftelei:
Milder Winter, viele Aufträge: Gute Stimmung in den Firmen
Gewerkschaften setzen in diesem Jahr auf den Ausbau der Tarifbindung.
Unternehmer wollen ihre qualifizierten Mitarbeiter halten. 
...
Das heißt was?
Gute Stimmung ist noch kein guter Umsatz und erst recht noch kein guter Gewinn.
Dass die Gewerkschaften auf irgendetwas setzen, besagt gar nichts.
Wenn Unternehmer etwas wollen, heißt das nicht, dass sie es tun werden oder tun können.

Nirgendwo in dem Text konnte ich erfahren, wie viele (wohl eher wenige) Beschäftigte in tarifgebundenen Betrieben arbeiten. (M-V ist in D. das Land mit dem geringsten Lohnniveau, was auch etwas über Tarifverträge aussagt.)
Stattdessen:
Die Gewerkschaften im Nordosten wollen die Tarifbindung weiter stärken. So in der Metall- und Elektroindustrie mit mehr als 26 000 Mitarbeitern.
... In den letzten Jahren seien für über 2000 Mitarbeiter Tarifverträge durchgesetzt worden ...
Und was ist mit den restlichen 24000 Mitarbeitern?
Dann noch diese Ankündigung, die ebenfalls nichts besagt, sondern nichts als Erwartung ist:
Höhere Löhne erwarten auch die Beschäftigten im Baugewerbe. 
Natürlich dürfen Unternehmer in dem Artikel wieder wegen fehlender Fachkräfte jammern, eine der schlechten Traditionen im unternehmerfreundlichen Blättle:
Hagen Reinhold, Geschäftsführer der Baugesellschaft Reinhold mbH in Barth. Dass die Arbeitslosenzahlen im Dezember geringer waren als ein Jahr zuvor, liege für ihn jedoch nicht an den milden Temperaturen. Reinhold sieht den demografischen Wandel als Hauptursache. Es gebe im Land immer weniger junge Fachkräfte.
Es ist eine der häufig strapazierten, verlogenen Redewendungen geworden, die vom demografischen Wandel. Es handelt sich vor allem um Abwanderung und die Folgen der früheren Abwanderung, also nicht um ein Naturgesetz (Wir werden immer älter.).  Das wird seit Jahren im kritischen Hochwertblatt OZ verschleiert, wo es nur geht, jede Verschleierung eine Sternstunde des OZ-Journalismus, für die Sie Geld ausgeben.
Hier noch etwas Jammerei wegen fehlender Lehrlinge:
Ein gravierendes Problem, mit dem auch das Gastgewerbe in MV zu kämpfen hat. Es gibt jedoch Ausnahmen. 
Die Lösung auf der Insel Usedom wurde gefunden: Arbeitskräfte aus Swinemünde.

Wer einen Überblick über das ganze Ausmaß der Arbeitslosigkeit in D. wünscht, findet ihn z.B. hier, kostenlos, u.a. diesen Hinweis:
Von 6,937634 Millionen „hilfsbedürftigen“ Leistungsempfängern im Dezember 2013 erhielten nur 887’801 Millionen ALG 1, alle anderen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten 4,358362 Millionen mussten sich mit ALG 2 begnügen 
Das macht etwa 5,2 Millionen erwerbsfähige Arbeitslose.
Oder:
Bereinigt um die Zahl der etwa 102.000 sog. Aufstocker/Parallelbezieher (Bezug von Arbeitslosengeld und Arbeitslosengeld II) hatten im Dezember 2013 etwa 5,144 Millionen erwerbsfähige Frauen und Männer Anspruch auf Arbeitslosengeld (SGB III) bzw. Arbeitslosengeld II,etwa genauso viele wie ein Jahr zuvor. 
Die OZ behauptet hochwertig und gegen Geld:
Bundesweit waren 2,95 Millionen Menschen ohne Arbeit  
Hier die Schlussfolgerung aus der umfangreichen Analyse:
... mehr Erwerbstätigen stehen deutlich weniger geleistete Arbeitsstunden je Erwerbstätigen gegenüber, was klar eine kritische Sicht auf die Qualität des deutschen Arbeitsmarktes stärkt. Primär zeichnet der Erfolg am Arbeitsmarkt prekäre und atypische Beschäftigung, Millionen von Unterbeschäftigten, Teilzeit, Befristung, Leiharbeit oder geringfügiger Beschäftigung. Selbst in der Metallindustrie, primär Exportsektor, malochen bereits ein Drittel aller Arbeitnehmer via Leiharbeiterbuden oder Werksverträgen, im erfolgreichsten Segment der deutschen Industrie, dem Fahrzeugbau sogar jeder Zweite!Es gibt wenig Grund in Deutschland auf das Erreichte selbstgefällig stolz zu sein, denn hinter den Headlines zum Arbeitsmarktbericht, die in die breite Öffentlichkeit gelangen, verbirgt sich viel Beschämendes.
Reines Datenmaterial finden Sie hier:
http://biaj.de/images/stories/2014-01-07_alo1213t.pdf

7. Januar 2014

Pullisei, hier ist dein Freund und Helfer (aktualisiert)

Ich zitiere aus dem kopierten Nachgeplapper zu der Demonstration für den Erhalt der Roten Flora in Hamburg, das die OZ am 23. Dezember verscheuerte:
... Die Meinungen über den Polizeieinsatz gingen allerdings auseinander. Während Linke und Grüne das Vorgehen der Beamten teilweise kritisierten, dankten SPD, CDU und FDP den Polizisten für ihren Einsatz. ...
Typisch; wieder kamen fast nur Bonzen und Pullisei zu Wort, wie üblich im Hochwertblatt.
Die gewalttätigen Auseinandersetzungen hatten kurz nach Beginn der Demonstration begonnen. Noch vor der „Roten Flora“ warfen Randalierer aus dem sogenannten Schwarzen Block Böller und Gegenstände in Richtung der Polizei, nachdem diese den Zug gestoppt hatte. Die Beamten reagierten mit dem Einsatz von Wasserwerfern sowie Schlagstöcken und drängten den Demonstrationszug zurück. ...
Fällt Ihnen auch auf, dass die Böller nach dem Stopp der Demonstranten geworfen worden sein sollen? Wie auch immer, der Kopierer merkte nichts, war zu sehr mit kopieren beschäftigt, dass dies im Widerspruch dazu steht:
Die Organisatoren der Demonstration kritisierten hingegen einen „massiven Einsatz von Schlagstöcken, Pfefferspray und Wasserwerfern“. Dies sei der skandalöse Versuch, die politische Auseinandersetzung um die „Rote Flora“, die „Esso-Häuser“ und das Bleiberecht von Flüchtlingen hinter Rauchschwaden und Wasserwerfern unsichtbar zu machen.
Der Polizeisprecher wies diese Kritik zurück. Der Zug sei gestoppt worden, nachdem Demonstranten losgerannt und die Einsatzkräfte sofort massiv angegriffen hätten. „Das war keine spontane Reaktion“, sagte Streiber.
...
Aber es ist alles in Ordnung, der Fall geklärt, war auf OZ schrottline über einem dpa-Text zu lesen:
Debatte über Krawalle: Hamburger Senator verteidigt Polizeitaktik
Jedenfalls waren die Vorgänge Grund genug, einen Hamburger Stadtteil unter Pulliseiherrschaft zu stellen - so einfach ist das.

Dagegen ist z.B. dies nicht veröffentlicht worden, auch nicht schrottline:
... Seitens der Polizei Hamburg gab es in der nachfolgenden Aneinanderreihung mindestens  drei  Begründungen für ihr rechtswidriges Vorgehen gegen die angemeldete Versammlung vom 21.12.2013:
1. Die Demonstranten seien zu früh losgegangen,
2. Die Demonstranten hätten Gewalt ausgeübt (Steine von einer Eisenbahnbrücke Nähe des Bahnhofes Sternschanze), und
3. Weil in der Demonstration ohnehin Gewalttäter waren, wollte man die genehmigte Demonstration nicht in die Innenstadt gehen lassen.
Die  beiden  ersten  „Begründungen“  stellen  glatte  Lügen  dar  und  wurden schnell widerlegt; sie schliefen dann gewissermaßen ein.
Die dritte Begründung ist hier einschlägig. Nur ist genau diese „Begründung“ rechts- und verfassungswidrig; deshalb auch die beiden ersten Schutzbehauptungen („zu früh losmarschiert“ bzw. „Gewalt gegen PolizeibeamtInnen“) zuvor.
Dazu sollte man wissen, dass polizeiliche „Pressestellen“ seit dem Drama um das Gladbecker Geiseldrama 1988 professionell aufgestellt sind. Vorher nicht! Und dass es unzählige Kontakte zwischen dem sog. höheren Dienst bei den Polizeien zu JournalistInnen gibt, weil mittlerweile zur Ausbildung auch eine Hospitation bei Medien gehört.
Auch darum ist so klar, dass die beiden ersten „Begründungs“ziffern nichts anderes als Idiotentests darstellten. Es scheint bedauerlicherweise viel zu viele „Idioten“ zu geben.
...
Unbedingt lesenswert ist dieser Blogeintrag:
Gefahrengebiet
Die Hamburger Polizei hat in mehreren Vierteln der Stadt eine Art Kriegsrecht verhängt. Verzeihung, wir haben uns im Ton vergriffen, sie hat natürlich ein G.eingerichtet. Die Auswirkungen sind allerdings ähnlich: grundlose Ausweiskontrollen und Durchsuchungen, Platzverweise wegen Nichtigkeiten, Generalverdacht, Versammlungsverbot, keine rechtsstaatliche Kontrolle der Schikanen. Begründet wird diese Verletzung von Grundrechten mit einem Hamburger Polizeigesetz. ...
Und da wagt es ein OZ-Kommentator heute, die Ausrüstung der Pullisei im Armenhaus D.s., in M-V, mit Tasern zu befürworten:
... Für extreme Ernstfälle könnte es nicht schaden, wenn die Polizei ein paar Taser mehr hätte. Sie könnte dafür ja ein paar ihrer über 1000 Maschinenpistolen ausmustern. Die Polizei braucht keine armeeartigen Bestände an solchen Massenmord-Waffen. Dann schon lieber Taser.
Ich weiß nicht, ob der Mann gewöhnlich auf dem Mond lebt. Sein Wunsch wird nämlich nicht erfüllt werden, denn die Pullisei wird sowohl Taser als auch Maschinenpistolen haben, hat sie sogar schon. Mit solch einem Kommentar macht sich der Redakteur zum Pulliseihelfer, damit sie bei Gelegenheit wieder haufenweise Unheil anrichten kann, wie z.B. während des G 8-Gipfels in Heiligendamm oder während der Blockaden des Atommülls ins Lager bei Lubmin.

Nachtrag:
... Was noch fehlt, was ich auch hier nur in dem Raum stellen kann, ist die immer zentrale Frage: Wozu? Wem nützt das? Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Reihe der durch Polizeigewalt geprägten Demonstrationen in die nächste Stufe gegangen ist, diesmal gegen einen ernstzunehmenden Gegner und mit anschließender Notstandssimulation. Ein Freilandexperiment eben. Oder hat jemand eine bessere Erklärung?

Nachtrag, 8. Januar:
“Anschlag” auf Davidwache: Was bislang bekannt ist
In fast allen Medien ist die Rede davon, es habe am letzten Dezember-Wochenende einen geplanten und gezielten Angriff von 30 bis 40 vermummten Personen auf die Davidwache in Hamburg gegeben. Eine Darstellung, die zunehmend fraglich wird. Auch die Polizei korrigierte eigene Angaben – auch im Innenausschuss der Hamburger Bürgerschaft. ...
Mehr als deutlich geworden ist jedenfalls wieder einmal, wie irreführend eine Medienkampagne ist, die auf einer komplett unhinterfragten Pressemitteilung der Polizei beruht – und die darüber hinaus noch lauter Dinge dazu erfindet, die noch nicht mal in eben jener Meldung stehen – so zum Beispiel die Verortung der Täter im Umfeld der Flora – was nach derzeitigem Ermittlungsstand selbst nach Angaben der Polizei reine Spekulation ist. Es ist nach wie vor kein einziger Tatbeteiligter ermittelt.

Splitter-Parteitagsgewäsch als Aufmacher

Im Stillen ist der Hochwertjournalist aus dem chicen Hauptstadtbüro wohl ein Verehrer der Splitterpartei FDP, die OZ-Mantelredaktion auch. Sonst hätte sie nicht das Parteitagsgewäsch zum Aufmacher auf der Politikseite gemacht.
Lindner macht der FDP Mut: „So unabhängig wie nie zuvor“
Interessiert das tatsächlich die Mehrheit der OZ-Leser? Wenn nicht, hätte das Parteitagsgeschwafel nichts im Blättle verloren - es sei denn, siehe oben.

Nur so nebenbei: Der Europäische Gewerkschaftsbund hat auch getagt. Darüber war keine Zeile im Blättle zu lesen. Zumindest dies dürfte aber alle Steuerzahler und Europaparlament-Wähler interessieren:
... Im Zentrum der Debatte stand aber eine aufsehenerregende neue Studie zum Vorgehen der so genannten „Troika“ in den Krisenstaaten. Die Hauptaussage der Studie: Die Beteiligung der EU an der Troika-Politik des sozialen Kahlschlages ist nicht nur unsozial und ökonomisch widersinnig, sondern verstößt gegen EU-Recht und die Menschenrechte. Mit anderen Worten: Die EU-Institutionen ignorieren ihr eigenes Recht und verstoßen gegen die sozialen Grundrechte. ...
OZ-Leser haben dagegen die Märchenstunden eine Splitterpartei und der Sturz der Kanzlerin zu interessieren.
Viel Spaß mit Ihrem Abo!

6. Januar 2014

Verspätet, dafür ahnungsarm

Am 4. Januar hatte die OZ auf der Politikseite mit dieser Schlagzeile und einem großen Vierspalter darunter aufgemacht, zusammenkopiertes Zeug:
Spähaffäre: NSA entwickelt einen neuen Super-Computer
Dieser soll auch besonders geschützte Rechner von Regierungen knacken können.
Bereits am 3. Januar war von Auskennern ein kurzer Text zu einem sich daraus ergebenden Aspekt veröffentlicht worden. Da darüber nichts im zu kopierenden Agenturmaterial stand, hole ich es hier nach:
Echt jetzt? Wirklich? Die NSA forscht am Quantencomputer

4. Januar 2014

Unterirdisches Niveau

Nachdem die OZ gestern eine Titelgeschichte über den Sonnenschein verscheuert hat, nun eine über Luft, als Aufmacher auf einer Landesseite:
Einmal abgesehen davon, dass mir piepegal ist, ob die Kanzlerin oder nicht - fragen Sie sich doch selbst, was für Sie an der Schlagzeile und der Unterzeile an Neuigkeitswert zu entnehmen ist. Ich finde nichts.

Die Spezialjournalistin (die Sonnenscheingeschichte ist ebenfalls ihr Machwerk) muss bisher völlig ahnungslos in M-V herumgelaufen sein, wo die OZ zu Hause zu sein vorgibt, wenn ihr neu vorkommt, was sie unters zahlende Volk bringen lässt. Doch so lange die Leser dafür ohne Widerstand Geld ausgeben, mag es funktionieren. Allerdings werden es immer weniger Leser.

3. Januar 2014

Nachgeplappertes

Wenn Regierungsmenschen etwas absondern, wird es von der OZ zumeist nachgeplappert und Ihnen als journalistische Sternstunde verscheuert, so auch heute das Geschwafel des Minipräsidenten Sellering:
... Mecklenburg-Vorpommern wolle Energieexporteur werden. „Die Zahlen sprechen
dafür, dass das sehr schnell passieren kann.“
...
Das ist schon vor Jahren passiert, haben der Minipräsident und das Blättle nur nicht mitbekommen (wollen). Ich zitiere mich deshalb selbst:
Im Zusammenhang mit der Rolle der OZ, die immer wieder die Lügengeschichte von der Stromlücke in M-V als Begründung für die Notwendigkeit einer Giftschleuder am Bodden nachplapperte und an Sie verkaufte, sei noch erwähnt, dass in M-V im Jahr 2009 rund 7.372.326 MWh erzeugt wurden und 6.488.815 MWh an Verbraucher in M-V abgegeben wurden. Wer aus dem Überschuss von 883511 MWh ableitet, in M-V müsse deutlich mehr Strom erzeugt werden, egal, was aus der Umwelt wird, ist ein Lügner. Und was ist der, der das ungeprüft an Sie verkaufte?
Der Minipräsident hat es natürlich mitbekommen; doch mit der Ankündigung von bereits Erreichtem ist er auf der sicheren Seite.

28. Dezember 2013

Starkes Stück Propaganda

So fasst die OZ das Jahr 2013 zusammen:
Export boomt, Arbeitslosigkeit sinkt, Wohlstand wächst und die Pisa-Note ist auch besser. Deutschland geht es gefühlt gut, es ist in der Welt beliebt und scheint das konservieren zu wollen. ...
Das ist ein starkes Stück Propaganda. Ich ersparte mir deshalb das Weiterlesen.

Rotzfrech und regierungsergeben

Rotzfrech und regierungsergeben aus einer Pressemitteilung kopiert - kritischer Hochwertjournalismus der OZ-eigenen Art:
Kuder: 2013 war ein wegweisendes Jahr
Über der Pressemitteilung steht:
2013 war ein wegweisendes Jahr für die Justiz in Mecklenburg-Vorpommern

27. Dezember 2013

Wenn Heuchler geheuchelten Trost nachplappern

Da wir gerade Weihnachten hinter uns haben und damit die wochenlange Heuchelei des Blattes, genannt Weihnachtsaktion, passt dies zur OZ und natürlich zur Landrätin, wie die bildliche Faust aufs Auge:
Wenn die Landrätin unbedingt Trost spenden muss, warum wird dazu die OZ eingeladen? Und wozu muss dann noch solch ein elendes Gruppenfoto gemacht werden? Doch nicht etwa, weil das Blättle mindestens ebenso viel Heuchelerfahrung hat wie sie? Und warum gibt sich das Blättle für solch eine miese Show her? Heuchler und Heuchler gesellt sich gern? 

Ich erinnere an die Sparmaßnahmen der Kreisbehörde im Sozialbereich. Ich erinnere daran, lang ist es her, dass der Landrätin piepegal war, wie viel Gift das Steinkohlekraftwerk, wäre es auch nach ihrem Willen gebaut worden, in die Umgebung geblasen hätte, um wie viel der Bodden in der Umgebung des Werkes aufgeheizt worden wäre. 
Wäre sie dann auch durch die Gegend gezogen und hätte Trost gespendet, Teddy und Gänsekeule inklusive? Ich stelle mir vor, wie sie von Bett zu Bett zöge, einen fotografierenden Aufschreiber vom kritischen Hochwertblatt im bildlichen Schlepptau.
"Trösten Sie sich, Ihre Quecksilbervergiftung und Ihr damit verbundenes vorzeitiges Ende dienen einem guten Zweck, dem, dass ich einen schönen Posten im Werk habe. 
Ach, die Urlauber bleiben weg? Trösten Sie sich, denn nun brauchen Sie nicht länger für einen Hungerlohn zu arbeiten. Außerdem dient das Werk einem guten Zweck; Sie wissen schon.
Soso, Sie haben sich im warmen Bodden mit Vibrio vulnificus infiziert? Ja, was müssen Sie auch mit einer Wunde an der Wade im Bodden planschen. Doch es wird Sie trösten, dass Ihnen nur ein Bein und das auch nur bis zum Knie amputiert werden wird. Außerdem dient das Werk einem guten Zweck; Sie wissen schon."

100 Prozent wertlos

Ein Kommentator meinte heute im Blättle, in dem es u.a. um diese Kaffeesatzleserei zur Konjunktur im nächsten Jahr geht:
Da erwarten die Wirtschaftsforscher in Deutschland 2014 eine Zunahme des Bruttoinlandsproduktes in Höhe von rund zwei Prozent. Der Osten schafft den Prophezeiungen zufolge einen halben Prozentpunkt weniger. ...
Die genannten Wirtschaftsforscher (?) sind keine Propheten, sondern Propagandamaschinen. Sie sind zudem Spekulanten, Kaffeesatzleser, deren Drohung natürlich nicht im Hochwertblatt fehlen durfte, für den Fall, ihre Spekulationen gingen nicht auf:
... Hüther warnte vor höheren Arbeitskosten durch den Mindestlohn oder die Begrenzung der Zeitarbeit. Auch der Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Joachim Scheide, spricht von einem „falschen Signal“. Die „gutgemeinte Sozialpolitik“ werde unter dem Strich Geld kosten. ...
Das verfehlte Spekulieren haben diese Leute jahrelang bewiesen, was wiederum weder die OZ noch den Kaffeesatzinterpreten/Kommentator daran hinderte, sich daran abzuarbeiten, wobei das Abarbeiten der Feiertagsredaktion im Kopieren bestanden haben dürfte.

23. Dezember 2013

Woran sich das Hochwertblatt hochzieht

Schon wieder veralbert das Blättle die Leser mit müden Spekulationen um einen Minister.
Schlagzeile:
Backhaus-Anwalt brüskiert MV mit hochnäsigem Brief
Das ist Quatsch, denn es war kein offener Brief. In diesem eingestreuten Zitat kommt die ganze Tücke der Redaktion zu Tage:
Backhaus scheint keine hohe Meinung von seinem Bundesland zu haben.“
Rechtsanwalt Benjamin Richert
Das ist Unsinn, denn den Brief schrieb nicht Backhaus, sondern ein Anwalt. Falls hier überhaupt jemand abgewertet werden sollte, war es nicht M-V, sondern der angeschriebene Anwalt. Besonders eklig finde ich, das angepinkelt Fühlende nichts Besseres zu tun hat, als die OZ einzuschalten. Kann er sich nicht wehren?

Hier der Anlass für den mit Spekulationen und Füllstoff aufgeblasenen Text:
In einem Brief an die Kanzlei von Peter-Michael Diestel verortet der Backhaus-Beistand Mecklenburg-Vorpommern in der tiefsten Provinz. Wörtlich schreibt Granzin: „Gerne höre ich wieder von Ihnen aus der Peripherie.“ Adressat ist der für Diestel arbeitende Anwalt Benjamin Richert. 
Die Peripherie ist ein Randgebiet, eine Randzone. Ist M-V das etwa nicht? Natürlich ist es das. Nun sind Provinz und Peripherie nicht dasselbe, für die OZ schon, kommt nicht drauf an, wenn man jemand in Grund und Boden schrieben möchte, kommt auch sonst nicht so drauf an. Denn Provinz ist eine:
(oft abwertend) Gegend, in der (mit großstädtischem Maßstab gemessen) in kultureller, gesellschaftlicher Hinsicht im Allgemeinen wenig geboten wird

Und so geht das weiter, dazu den schon früher aufgeblasenen Mist wiedergekäut. Ich höre hier auf, damit ich nicht mein Abendbrot zur allgemeinen Besichtigung auf dem Tisch ausbreiten muss.

"Dieses unterirdische Klippschulniveau, diese dumme, selbstzufriedene, unreflektierte Kaltschnäuzigkeit"

Wer ist Chodorkowski? Aus dem chicen Hauptstadtbüro kommt per Kommentar diese Kunde:
Michail Chodorkowski ist und bleibt eine schillernde Persönlichkeit. ...
der russische Ex-Staatsfeind Nr. 1 ...
Der geschäftstüchtige Ex-Komsomol-Funktionär machte unter Jelzin schnell und brutal Karriere, wurde zum reichsten Mann Russlands und einer der mächtigsten Oligarchen. ...
Der asketische Geschäftsmann ...
der Fall des in zwei politisch motivierten Prozessen verurteilten Managers ...
In einer Meldung auf der Titelseite ist er:
Der russische Regierungsgegner Michail Chodorkowski ...
Im aufgeblasenen Aufmacher auf der Politikseite ist er :
Der einstige Kremlgegner 
Ich habe bisher darauf verzichtet, die OZ zur sog. Systempresse zu zählen. Damit ist jetzt Schluss. Ich rate Ihnen, hier kostenlos nachzulesen:
... Es ist wirklich zum Verzweifeln. Dieses unterirdische Klippschulniveau, diese dumme, selbstzufriedene, unreflektierte Kaltschnäuzigkeit der deutschen Medien. Seit langem gibt dies allein bei wirtschaftlichen und wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Themen unablässigen Anlass zur kritischen Aufklärung. Das aktuelle Theater rund um die Freilassung Chodorkowskis, das selbst öffentlich-rechtliche Medien wie der Deutschlandfunk ernsthaft als seriöse Berichterstattung präsentieren bzw. zu präsentieren versuchen, setzt dem katastrophalen Zustand der Medien in Deutschland die Krone auf – weitere Steigerungen nicht ausgeschlossen. ... 
Auch hier lesen Sie kostenlos:
Die Akte Chodorkowski
Der Ex-Oligarch und Ex-Yukos-Chef ist begnadigt worden. Es ist damit allerdings kein "politisch Verfolgter" wieder auf freiem Fuß, sondern ein Wirtschaftskrimineller ...
 Ebenso kostenlos und hintergrundreich:
Viktor Timtschenko beleuchtet Aufstieg und Fall des vermeintlichen Putin-Opfers
P.S.:
Übrigens passt der Propagandaartikel über Panzer-Uschis Aufenthalt in Afghanistan genau zu dem Obigen:
Feuertaufe in Afghanistan: Von der Leyen besucht Truppe
Da werden sich all jene, die eine tatsächliche Feuertaufe erlebten, an den Kopf fassen. Zu denen gehöre ich.

21. Dezember 2013

Über "Klassensolidarität" und die Mitmacher

Zwei Drittel der Politikseite widmete das kritische Hochwertblatt Chordokowski:
Ausreise wie im Agententhriller
Nur Stunden nach der Begnadigung von Kremlchef Putin landet sein Erzfeind Chodorkowski in Berlin. ...
Da ich Informationsmüll vermutete, schenkte ich mir den Kram. Mit diesem Text ist über den Fall alles geschrieben:
Nur um das mal klarzustellen. Michail Borissowitsch Chodorkowski ist der ehemalige Vorstandsvorsitzende des heute insolventen Ölkonzerns Yukos. DerEuropäische Gerichtshof für Menschenrechte hat das Vorgehen Russlands gegen Chodorkowski wegen Steuerhinzerziehung für rechtmäßig erkannt.
Warum macht sich Genscher die Mühe, den steinreichen Ex-Kapitalisten loszueisen, während die deutschen Blockparteien für Edward Snowden keinen Finger rühren? Das nennt man Klassensolidarität.
Viel Spaß mit Ihrem OZ-Abo.

Nachtrag:
Übrigens ist die Ausreisegeschichte stinklangweilig gegen diese, und die gibts kostenlos:
... Einer der für den Klimawandel zuständigen Bosse bei der US-Umweltbehörde EPA hat sich jahrelang sein Gehalt auszahlen lassen, ohne zur Arbeit zu erschienen. Wie hat er das gemacht? ...
Einfach die beiden folgenden Sätze lesen, haarsträubend, herrlich.

20. Dezember 2013

Das Pferd von hinten aufgezäumt

Das Hochwerblatt wusste zu kopieren:
... Die nominalen Bruttomonatsverdienste stiegen zwar in den ersten drei Quartalen dieses Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt gestern in Wiesbaden berichtete. Die Verbraucherpreise kletterten im gleichen Zeitraum mit 1,6 Prozent aber etwas schneller. ...
Alles klar: Wenn der Preisanstieg nicht wäre, lebten wir im Schlaraffenland. Gehts noch? Dazu dies:

Es sind vor allen die seit zwei Jahrzehnten kaum gestiegenen Reallöhne, die viel zu gering sind (Spitzenreiter in Sachen Niedriglohn ist in der Bananarepublik das Armenhaus M-V.), nicht die Verbraucherpreise. Sie liegen seit Jahren unter der von der EU vorgeschriebenen Grenze.

Dazu auch dies:
Die deutschen Reallöhne selbst für Fachkräfte stagnieren seit 2007 bei 0,2 %/Jahr

Eine Seite übers Unschuldslamm

Die OZ erklärt Chordokowski zum Unschuldslamm, das wegen seines Putin-unfreundlichen Verhaltens verurteilt wurde; die Gründe nur vorgeschoben:
... Bei einem Treffen von Oligarchen im Kreml im Jahr 2003 kam es zur Konfrontation: Als Chodorkowski den Präsidenten aufforderte, der Korruption auch unter seinen Vertrauten ein Ende zu setzen, antwortete Putin: „Herr Chodorkowski, sind Sie sicher, dass Ihre Steuerangelegenheiten in Ordnung sind?“ Wenige Monate später wurden Chodorkowski und sein Geschäftspartner Platon Lebedew festgenommen, zwei Jahre später wegen Betrugs und Steuerhinterziehung zu acht Jahren Haft verurteilt. ...
Ich kann das alles nicht beurteilen, empfehle aber dringend, sich auch hier kostenlos kundig zu machen:
... Wer sich ein wenig mit dem Fall Chodorkowski/Jukos beschäftigt hat, konnte gestern Abend seinen Ohren nicht trauen, als der Nachrichtensprecher des ZDF-Heute-Journals in sonorem Ton sagte, Chodorkowski sei von den Behörden aufgrund des „beliebig dehnbaren Begriffs der Steuerhinterziehung“ inhaftiert wurden. Die Ansicht, dass der Begriff Steuerhinterziehung beliebig dehnbar sei, vertreten die Herren Hoeneß, Zumwinkel und diverse Schweizer Banker sicherlich auch. Mit dem Fall Chodorkowski hat dies jedoch relativ wenig zu tun. Die hohe Haftstrafe verbüßt der Oligarch nicht wegen Steuerhinterziehung, sondern wegen gewerbsmäßigen Betrugs, Unterschlagung und Geldwäsche – der Tatbestand der Steuerhinterziehung war „lediglich“ eine Folge der anderen Tatbestände ... Hervorhebung von mir

19. Dezember 2013

Ratgeberei

Die OZ glänzt seit Tagen mit Ratgeberthemen wie heute diesem:
Schöne Weihnachtsblumen
Die eine ist dominant und prachtvoll, die andere zart und elegant, die dritte dagegen eher verspielt – Amaryllis, Christrose und Mistel sind Blumen, die in der Weihnachtszeit ihren großen Auftritt haben. ...
Gestern:
Ein Spion im Tannenbaum
Autos, Augen, Elche, Eulen oder sogar einen Föhn – es gibt wohl nichts, was man sich nicht als „Tannenbaumkugel“ in den Weihnachtsbaum hängen kann. Wir haben für Sie einmal schrillen Baumschmuck herausgesucht. Wer’s denn mag . . . ...
Wie Sie merken, geht es ausschließlich darum, die Leser zum Kaufen anzuregen, typisch für ein Anzeigenblättchen oder eine PR-Bude.

Hier geht es darum, Geld zu sparen. Haben Sie darüber schon etwas im Blättle gelesen?
Multivitamintabletten: "Es reicht!"
In den angesehenen Annals of Internal Medicine wird aufgrund neuer Studie dazu aufgerufen, kein Geld mehr für Vitamin- und Mineralzusätze zu verschwenden ...
Gesünder wird man davon jedenfalls nicht: "Wir glauben, dass die Angelegenheit abgeschlossen ist. Die Nahrung von gut ernährten Erwachsenen mit (den meisten) Mineral- oder Vitaminzusätzen zu ergänzen, hat keinen klaren Vorteil und kann sogar gefährlich sein", so die Bewertung und der Rat: "Diese Vitamine sollten nicht dauerhaft zur Krankheitsvorbeugung eingenommen werden." Einer der Autoren sagt, es sei besser, Geld für Obst, Gemüse, Nüsse, Bohnen oder andere fettarme Lebensmittel auszugeben. Sport sei sowieso besser. ... 

Schwingt euch auf, kauft, Leute kauft

Ein wenig Kaffeesatzleserei gefällig?
Die deutsche Wirtschaft erwartet einen kräftigen Aufschwung im kommenden Jahr. Im Dezember verbesserte sich die Stimmung in den Chefetagen der Unternehmen nach einem satten Anstieg im Vormonat noch einmal leicht. Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte von 109,3 Punkten im Vormonat auf 109,5 Punkte, wie das Ifo Institut für Wirtschaftsforschung gestern mitteilte. Das ist der höchste Stand seit über eineinhalb Jahren. „Es wird ein reich gedeckter Gabentisch erwartet“, erklärte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn.
Nun könnte jeder zahlende OZ-Leser in der Redaktion nachfragen: "Und was erhalte ich von dem Gabentisch?" Darauf wird er vom Blättle keine brauchbare Antwort erhalten.

Hier ein Hinweis:
... das Statistische Bundesamt stellt lapidar fest: „Für das Jahr 2013 zeichnet sich nach den Ergebnissen der ersten drei Quartale 2013 ein geringer Reallohnverlust ab. Die Nominallöhne sind in diesem Zeitraum im Vergleich zu den ersten drei Quartalen 2012 um 1,4 % gestiegen, die Verbraucherpreise um 1,6 %.“ Die Nominallöhne sind um 1,4 Prozent gestiegen? Man fragt sich, was die Gewerkschaften verhandelt haben, die doch dauernd Erfolge melden mit einer drei vor dem Komma. Man sieht daran, dass das ganze System verrottet ist und die sogenannte soziale Marktwirtschaft in Deutschland nur noch daraus besteht, den Unternehmer zu finden, der am geschicktesten darin ist, die Löhne seiner Mitarbeiter zu drücken.Und das wird sich fortsetzen. ...
Hier ein ganz kurzer Hinweis:
Die “Reallohn-Hausse” beim Exportmeister Deutschland schnurrt auch in Q3 2013 in alt bewährter Manier, um -0,3% zum Vorjahresmonat sank der Reallohnindex, wie heute das Statistische Bundesamt mitteilte. Ungebrochen partizipieren im Durchschnitt deutsche Arbeitnehmer NICHT an den Produktivitätsfortschritten und der enormen Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft und selbst verminderte offizielle Preissteigerungen bei den Verbraucherpreisen werden nicht mal kompensiert. Hinter den heutigen Daten verbirgt sich ein gern verschwiegener Skandal und damit die hässliche Fratze des deutschen Geschäftsmodells, denn faktisch haben seit über zwei Jahrzehnten keine Reallohnsteigerungen in Deutschland stattgefunden. Hervorhebung von mir
Themen gibts.

Kauft, Leute kauft - neue Märchenstunde

Versuchen Sie bitte, hier einen logischen Schluss zu erkennen, der für die OZ offenbar vorhanden war. Sonst hätte sie dies gestern nicht verscheuert. Unter der Schlagzeile:
Händler in MV wollen mehr verkaufsoffene Sonntage
stand nämlich u.a.:
... Um wie in Schleswig-Holstein die Sonntage vor und nach Weihnachten freizugeben, müsste in MV zusätzlich zur Bäderregelung auch das Ladenöffnungsgesetz geändert werden. Burkhard Rohde vom Handelsverband Küste fordert diese Gesetzesänderung: „Das wäre eine echte saionsverlängernde Maßnahme. Touristen wollen offene Läden“. Der Umsatz an diesen Sonntagen sei dreimal so hoch wie der Jahresdurchschnitt. ...
Der Mann behauptet indirekt, wären die Läden an den Sonntagen für den Feiertagen am Jahresende geöffnet, würden mehr Touristen ins Land reisen. Das ist ebenso logisch, wie die stete, dennoch nicht eintreffende Behauptung, ein G 8-Gipfel in M-V würde das Land bekannter machen und mehr Touristen ins Land locken. Dass die OZ dieses Märchen einfach so verkauft, ist typisch für geringe Qualität des Blattes.

Geht es ums Verkaufen, ist der OZ-Cheffi nicht weit und liefert wieder einen seiner elenden Kommentare:
... Der Tourismus als Wirtschaftszweig ist sehr wichtig für das Land und schafft Arbeitsplätze. Auch der Handel kann dafür sorgen, dass mehr Geld im Land bleibt. Wenn man ihn lässt. Die Bäderregelung muss einfacher werden. Den Händlern in unseren Tourismusregionen muss es freigestellt werden, ob sie ihre Geschäfte öffnen wollen oder nicht.
Einmal abgesehen von dem Durcheinander, das sich ergeben würde, wenn jeder Krämer öffnet und schließt, wann er will,
abgesehen davon, wie das sowieso unterbezahlte Personal die Sonntagsarbeit vergütet bekommen soll,
wäre die Frage angebracht, was das für Arbeitsplätze sind, wenn um die 6,50 Euro pro Stunde bezahlt werden.

Zudem geben Touristen nur dann im Land Geld aus, wenn sie hier Urlaub machen, und da ist es piepegal, ob die Geschäfte während der Adventssonntage geöffnet sind - es kommt keiner, nur um hier einzukaufen. Was hier auf die Leser abgeladen wird, ist Gedankenmüll, der natürlich Früchte trägt, wie heute aus einem Leserbrief zu erfahren ist:
Man (?) kann Ihrem Kommentar nur zustimmen. ...
Es ist vollkommen unverständlich, dass der Einzelhändler in Mecklenburg-Vorpommern im 21. Jahrhundert und in einem einheitlichen Europa seine Öffnungszeiten immer noch nicht selber regeln darf. Was geht das eigentlich die Kirchen an ...
Tja, was wohl? Ohne Kirchen keine Sonntage, wäre die einfach Antwort; Sonntage sind zum Ruhen und Besinnen da, las ich in der Bibel. So wird mindestens ein OZ-Leser dumm gehalten.

Nachtrag:
Wie verblödend das Argument saisonverlängernde Maßnahme ist, beschreibt die OZ heute so, ohne es zu merken:
Zum Fest an die Ostsee: Hotels zu 90 Prozent ausgebucht
Gemeint ist allerdings:
„Wir erwarten von Weihnachten bis Neujahr 350 000 Übernachtungsgäste“, kündigt Tobias Woitendorf, Pressesprecher des Landestourismusverbandes, an. ...
Wer sich ein wenig auskennt, weiß, dass sich nur wenige Urlauber die trüben, ungemütlichen Tage vor Weihnachten auf der Insel antun - und schon gar nicht, um hier einzukaufen. Ganz einfach: Die meisten Touristen kommen zu Silvester auf die Insel, um den Jahreswechsel am Strand zu feiern. Davor und danach herrscht herrliche Ruhe auf der Insel.

Zugemutete Einschlafhilfe

Die OZ verscheuerte gestern spaltenweise solch ergötzliche Geschichte aus dem chicen Hauptstadtbüro:
... Ein monatelanger Wahlkampf ist vorbei, 86 Tage sind seit der Bundestagswahl vergangen, Sigmar Gabriel heißt „ihr Neuer“ an der linken Seite. Die Kanzlerin ruht in diesen Minuten der Neueinstellung in sich selbst. Die Regierungsbank ist der ihr angemessen erscheinende Platz. Der Kopf dreht nach links – da sitzt CSU-Chef Horst Seehofer mit Ministerpräsidentenkollegen auf der Bundesratsbank. Der Blick schweift nach rechts – da ist mittlerweile das Nichts. Die FDP ist nichtmehr da. ...
Ich halte es für eine Zumutung, 832 Wörter lang Müll anzubieten und zugleich für eine Ablenkung von dem, das für die Leser wichtig wäre. Wer die Schlagzeile über der Einschlafhilfe gelesen hatte, hätte wissen müssen, was für ein Käse ihn erwartet - den er zu bezahlen hat:
Mit einer Kurzmeldung tat das Blättle in derselben Ausgabe diese, für das immer wieder beschworene reiche D. skandalöse Mitteilung ab:
Knapp jeder Fünfte von Armut betroffen
... Etwa 16 Millionen Menschen (so viele Menschen lebten einst in der DDR) oder 19,6 Prozent der Bevölkerung zählten dazu – 2011 waren es mit 19,9 Prozent noch etwas mehr. Das ist das Ergebnis der Untersuchung „Leben in Europa 2012“, die das Statistische Bundesamt (Destatis) in Wiesbaden gestern vorstellte ...
Das ist der einzige Hinweis, den das Blättle zu dem Fakt gibt, dass es um Europa ging. Hier ein Blick über den Tellerrand, von dem der OZ-Geschäftsführer einst schwafelte, der hier aber nicht erfolgte:
Deutschlands Armut höher als sonst in W-Europa ohne Belgien, Großbritannien und Euro-Krisenländer 
Hatte nicht Merkel rotzfrech und allen Ernstes behauptet, Deutschland gehe es so gut wie noch nie? Allerdings hätten sie Journalisten fragen sollen, wen genau sie mit D. meinte. Aber stattdessen siehe oben die Blumengeschichte.

16. Dezember 2013

Schwesigs Propagandablättchen

Das ist ohne jedes Maß übertrieben und durch nichts zu begründen:
Die Jeanne d’Arc aus Schwerin
Gemeint ist die Phrasendrescherin Schwesig (sPD), die wieder einmal im sPD-Blättle hochgelobt wird.
Aber gesetzt den Fall, das mit der Jungfrau von Orléans wäre nicht übertrieben, wäre ihre Amtszeit als Bundesministerin kurz und sie würde lebendigen Leibes auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden.
Noch dies aus der frei erfundenen Lobpreisung, die natürlich auch etwas Kritisches enthalten musste:
Schwesig legte sich eine Sprache zu, die ihr das böse Anhängsel „Sprechautomat“ eintrug. Gleichzeitig ließ sie nichts unversucht, um medial auf sich aufmerksam zu machen. Ein Titel-Cover folgte dem nächsten. ...
Die OZ tut so, als wären es andere Medien gewesen, die sie hochgespielt hätten. Neinnein, die OZ hat wie besoffen mitgespielt, jede Hemmung verloren, ihr Propagandagefasel nachgeplappert, hat den Rummel um die Person mitgemacht (Ich fand eine Ausnahme.) und setzt genau das Theater fort, die OZ, die sich die Unabhängige nennt.
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