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7. Januar 2014

Pullisei, hier ist dein Freund und Helfer (aktualisiert)

Ich zitiere aus dem kopierten Nachgeplapper zu der Demonstration für den Erhalt der Roten Flora in Hamburg, das die OZ am 23. Dezember verscheuerte:
... Die Meinungen über den Polizeieinsatz gingen allerdings auseinander. Während Linke und Grüne das Vorgehen der Beamten teilweise kritisierten, dankten SPD, CDU und FDP den Polizisten für ihren Einsatz. ...
Typisch; wieder kamen fast nur Bonzen und Pullisei zu Wort, wie üblich im Hochwertblatt.
Die gewalttätigen Auseinandersetzungen hatten kurz nach Beginn der Demonstration begonnen. Noch vor der „Roten Flora“ warfen Randalierer aus dem sogenannten Schwarzen Block Böller und Gegenstände in Richtung der Polizei, nachdem diese den Zug gestoppt hatte. Die Beamten reagierten mit dem Einsatz von Wasserwerfern sowie Schlagstöcken und drängten den Demonstrationszug zurück. ...
Fällt Ihnen auch auf, dass die Böller nach dem Stopp der Demonstranten geworfen worden sein sollen? Wie auch immer, der Kopierer merkte nichts, war zu sehr mit kopieren beschäftigt, dass dies im Widerspruch dazu steht:
Die Organisatoren der Demonstration kritisierten hingegen einen „massiven Einsatz von Schlagstöcken, Pfefferspray und Wasserwerfern“. Dies sei der skandalöse Versuch, die politische Auseinandersetzung um die „Rote Flora“, die „Esso-Häuser“ und das Bleiberecht von Flüchtlingen hinter Rauchschwaden und Wasserwerfern unsichtbar zu machen.
Der Polizeisprecher wies diese Kritik zurück. Der Zug sei gestoppt worden, nachdem Demonstranten losgerannt und die Einsatzkräfte sofort massiv angegriffen hätten. „Das war keine spontane Reaktion“, sagte Streiber.
...
Aber es ist alles in Ordnung, der Fall geklärt, war auf OZ schrottline über einem dpa-Text zu lesen:
Debatte über Krawalle: Hamburger Senator verteidigt Polizeitaktik
Jedenfalls waren die Vorgänge Grund genug, einen Hamburger Stadtteil unter Pulliseiherrschaft zu stellen - so einfach ist das.

Dagegen ist z.B. dies nicht veröffentlicht worden, auch nicht schrottline:
... Seitens der Polizei Hamburg gab es in der nachfolgenden Aneinanderreihung mindestens  drei  Begründungen für ihr rechtswidriges Vorgehen gegen die angemeldete Versammlung vom 21.12.2013:
1. Die Demonstranten seien zu früh losgegangen,
2. Die Demonstranten hätten Gewalt ausgeübt (Steine von einer Eisenbahnbrücke Nähe des Bahnhofes Sternschanze), und
3. Weil in der Demonstration ohnehin Gewalttäter waren, wollte man die genehmigte Demonstration nicht in die Innenstadt gehen lassen.
Die  beiden  ersten  „Begründungen“  stellen  glatte  Lügen  dar  und  wurden schnell widerlegt; sie schliefen dann gewissermaßen ein.
Die dritte Begründung ist hier einschlägig. Nur ist genau diese „Begründung“ rechts- und verfassungswidrig; deshalb auch die beiden ersten Schutzbehauptungen („zu früh losmarschiert“ bzw. „Gewalt gegen PolizeibeamtInnen“) zuvor.
Dazu sollte man wissen, dass polizeiliche „Pressestellen“ seit dem Drama um das Gladbecker Geiseldrama 1988 professionell aufgestellt sind. Vorher nicht! Und dass es unzählige Kontakte zwischen dem sog. höheren Dienst bei den Polizeien zu JournalistInnen gibt, weil mittlerweile zur Ausbildung auch eine Hospitation bei Medien gehört.
Auch darum ist so klar, dass die beiden ersten „Begründungs“ziffern nichts anderes als Idiotentests darstellten. Es scheint bedauerlicherweise viel zu viele „Idioten“ zu geben.
...
Unbedingt lesenswert ist dieser Blogeintrag:
Gefahrengebiet
Die Hamburger Polizei hat in mehreren Vierteln der Stadt eine Art Kriegsrecht verhängt. Verzeihung, wir haben uns im Ton vergriffen, sie hat natürlich ein G.eingerichtet. Die Auswirkungen sind allerdings ähnlich: grundlose Ausweiskontrollen und Durchsuchungen, Platzverweise wegen Nichtigkeiten, Generalverdacht, Versammlungsverbot, keine rechtsstaatliche Kontrolle der Schikanen. Begründet wird diese Verletzung von Grundrechten mit einem Hamburger Polizeigesetz. ...
Und da wagt es ein OZ-Kommentator heute, die Ausrüstung der Pullisei im Armenhaus D.s., in M-V, mit Tasern zu befürworten:
... Für extreme Ernstfälle könnte es nicht schaden, wenn die Polizei ein paar Taser mehr hätte. Sie könnte dafür ja ein paar ihrer über 1000 Maschinenpistolen ausmustern. Die Polizei braucht keine armeeartigen Bestände an solchen Massenmord-Waffen. Dann schon lieber Taser.
Ich weiß nicht, ob der Mann gewöhnlich auf dem Mond lebt. Sein Wunsch wird nämlich nicht erfüllt werden, denn die Pullisei wird sowohl Taser als auch Maschinenpistolen haben, hat sie sogar schon. Mit solch einem Kommentar macht sich der Redakteur zum Pulliseihelfer, damit sie bei Gelegenheit wieder haufenweise Unheil anrichten kann, wie z.B. während des G 8-Gipfels in Heiligendamm oder während der Blockaden des Atommülls ins Lager bei Lubmin.

Nachtrag:
... Was noch fehlt, was ich auch hier nur in dem Raum stellen kann, ist die immer zentrale Frage: Wozu? Wem nützt das? Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Reihe der durch Polizeigewalt geprägten Demonstrationen in die nächste Stufe gegangen ist, diesmal gegen einen ernstzunehmenden Gegner und mit anschließender Notstandssimulation. Ein Freilandexperiment eben. Oder hat jemand eine bessere Erklärung?

Nachtrag, 8. Januar:
“Anschlag” auf Davidwache: Was bislang bekannt ist
In fast allen Medien ist die Rede davon, es habe am letzten Dezember-Wochenende einen geplanten und gezielten Angriff von 30 bis 40 vermummten Personen auf die Davidwache in Hamburg gegeben. Eine Darstellung, die zunehmend fraglich wird. Auch die Polizei korrigierte eigene Angaben – auch im Innenausschuss der Hamburger Bürgerschaft. ...
Mehr als deutlich geworden ist jedenfalls wieder einmal, wie irreführend eine Medienkampagne ist, die auf einer komplett unhinterfragten Pressemitteilung der Polizei beruht – und die darüber hinaus noch lauter Dinge dazu erfindet, die noch nicht mal in eben jener Meldung stehen – so zum Beispiel die Verortung der Täter im Umfeld der Flora – was nach derzeitigem Ermittlungsstand selbst nach Angaben der Polizei reine Spekulation ist. Es ist nach wie vor kein einziger Tatbeteiligter ermittelt.

Splitter-Parteitagsgewäsch als Aufmacher

Im Stillen ist der Hochwertjournalist aus dem chicen Hauptstadtbüro wohl ein Verehrer der Splitterpartei FDP, die OZ-Mantelredaktion auch. Sonst hätte sie nicht das Parteitagsgewäsch zum Aufmacher auf der Politikseite gemacht.
Lindner macht der FDP Mut: „So unabhängig wie nie zuvor“
Interessiert das tatsächlich die Mehrheit der OZ-Leser? Wenn nicht, hätte das Parteitagsgeschwafel nichts im Blättle verloren - es sei denn, siehe oben.

Nur so nebenbei: Der Europäische Gewerkschaftsbund hat auch getagt. Darüber war keine Zeile im Blättle zu lesen. Zumindest dies dürfte aber alle Steuerzahler und Europaparlament-Wähler interessieren:
... Im Zentrum der Debatte stand aber eine aufsehenerregende neue Studie zum Vorgehen der so genannten „Troika“ in den Krisenstaaten. Die Hauptaussage der Studie: Die Beteiligung der EU an der Troika-Politik des sozialen Kahlschlages ist nicht nur unsozial und ökonomisch widersinnig, sondern verstößt gegen EU-Recht und die Menschenrechte. Mit anderen Worten: Die EU-Institutionen ignorieren ihr eigenes Recht und verstoßen gegen die sozialen Grundrechte. ...
OZ-Leser haben dagegen die Märchenstunden eine Splitterpartei und der Sturz der Kanzlerin zu interessieren.
Viel Spaß mit Ihrem Abo!

21. Dezember 2013

"Verblödung und plumpe Propaganda"

Es nervt schon seit Jahren, diese Art der Leserverblödung:
Konsumklima steigt auf höchsten Wert seit mehr als sechs Jahren
Deutschlands Verbraucher gehen voller Optimismus ins neue Jahr. Das von der GfK gemessene Konsumklima wird im Januar auf den höchsten Stand seit mehr als sechs Jahren steigen, erklärte das Marktforschungsinstitut in Nürnberg gestern. ...
Das Konsumklima werde im Januar weiter steigen, von 7,4 Punkten im Dezember auf 7,6 Punkte, erklärte die GfK. Das sei der höchste Stand seit August 2007 vor dem Ausbruch der Finanzkrise. 2013 werde der private Konsum um etwa ein Prozent zulegen, erklärte die GfK. Das Bruttoinlandsprodukt werde dagegen nur auf ein Plus von knapp einem halben Prozent kommen - der Konsum werde also „die entscheidende Stütze“ der Konjunktur sein. Der gute Start ins neue Jahr signalisiere eine solche Entwicklung auch 2014.
1. Noch ist niemand ins neue Jahr gestartet.
2. Seit Jahren wird der Konsum als Stütze beschworen, ist es aber nicht geworden.
3. Seit Jahren ist der Konsum etwa gleich geblieben. Wie sollte er auch zunehmen, wenn die Reallöhne nicht steigen? Die Nürnberger Kaffeesatzleser erwarten tatsächlich, dass der Konsum kreditgetrieben zunehmen wird.
4. Es ist völlig unerheblich, was an Kauflaune aus dem Kaffeesatz gelesen wird, weil sie nichts mit dem tatsächlichen Konsum zu tun hat.
5. Allein diese ewige Nachplapperei wäre ein Grund, das OZ-Abo zu kündigen.

Ansonsten hier ein par Sätze:
Wie es zu erwarten war, berichtete die GfK erneut, das “Konsumklima legt weiter zu”. Monat für Monat klettert angeblich die Stimmung der Verbraucher und deren Konsum. Die üblichen Verdächtigen springen wie jeden Monat unkritisch auf diesen Zug auf, u.a. SPON und setzen sogar noch einen drauf: “Deutschland im Kaufrausch”. Die Verblödung und die plumpe Propaganda scheinen keine Grenzen mehr zu kennen. Armes Deutschland! Dumm nur, dass harte belastbare Fakten die gemessene Stimmung nicht bestätigen und dies bereits seit vielen Monaten.

19. Dezember 2013

Kauft, Leute kauft - neue Märchenstunde

Versuchen Sie bitte, hier einen logischen Schluss zu erkennen, der für die OZ offenbar vorhanden war. Sonst hätte sie dies gestern nicht verscheuert. Unter der Schlagzeile:
Händler in MV wollen mehr verkaufsoffene Sonntage
stand nämlich u.a.:
... Um wie in Schleswig-Holstein die Sonntage vor und nach Weihnachten freizugeben, müsste in MV zusätzlich zur Bäderregelung auch das Ladenöffnungsgesetz geändert werden. Burkhard Rohde vom Handelsverband Küste fordert diese Gesetzesänderung: „Das wäre eine echte saionsverlängernde Maßnahme. Touristen wollen offene Läden“. Der Umsatz an diesen Sonntagen sei dreimal so hoch wie der Jahresdurchschnitt. ...
Der Mann behauptet indirekt, wären die Läden an den Sonntagen für den Feiertagen am Jahresende geöffnet, würden mehr Touristen ins Land reisen. Das ist ebenso logisch, wie die stete, dennoch nicht eintreffende Behauptung, ein G 8-Gipfel in M-V würde das Land bekannter machen und mehr Touristen ins Land locken. Dass die OZ dieses Märchen einfach so verkauft, ist typisch für geringe Qualität des Blattes.

Geht es ums Verkaufen, ist der OZ-Cheffi nicht weit und liefert wieder einen seiner elenden Kommentare:
... Der Tourismus als Wirtschaftszweig ist sehr wichtig für das Land und schafft Arbeitsplätze. Auch der Handel kann dafür sorgen, dass mehr Geld im Land bleibt. Wenn man ihn lässt. Die Bäderregelung muss einfacher werden. Den Händlern in unseren Tourismusregionen muss es freigestellt werden, ob sie ihre Geschäfte öffnen wollen oder nicht.
Einmal abgesehen von dem Durcheinander, das sich ergeben würde, wenn jeder Krämer öffnet und schließt, wann er will,
abgesehen davon, wie das sowieso unterbezahlte Personal die Sonntagsarbeit vergütet bekommen soll,
wäre die Frage angebracht, was das für Arbeitsplätze sind, wenn um die 6,50 Euro pro Stunde bezahlt werden.

Zudem geben Touristen nur dann im Land Geld aus, wenn sie hier Urlaub machen, und da ist es piepegal, ob die Geschäfte während der Adventssonntage geöffnet sind - es kommt keiner, nur um hier einzukaufen. Was hier auf die Leser abgeladen wird, ist Gedankenmüll, der natürlich Früchte trägt, wie heute aus einem Leserbrief zu erfahren ist:
Man (?) kann Ihrem Kommentar nur zustimmen. ...
Es ist vollkommen unverständlich, dass der Einzelhändler in Mecklenburg-Vorpommern im 21. Jahrhundert und in einem einheitlichen Europa seine Öffnungszeiten immer noch nicht selber regeln darf. Was geht das eigentlich die Kirchen an ...
Tja, was wohl? Ohne Kirchen keine Sonntage, wäre die einfach Antwort; Sonntage sind zum Ruhen und Besinnen da, las ich in der Bibel. So wird mindestens ein OZ-Leser dumm gehalten.

Nachtrag:
Wie verblödend das Argument saisonverlängernde Maßnahme ist, beschreibt die OZ heute so, ohne es zu merken:
Zum Fest an die Ostsee: Hotels zu 90 Prozent ausgebucht
Gemeint ist allerdings:
„Wir erwarten von Weihnachten bis Neujahr 350 000 Übernachtungsgäste“, kündigt Tobias Woitendorf, Pressesprecher des Landestourismusverbandes, an. ...
Wer sich ein wenig auskennt, weiß, dass sich nur wenige Urlauber die trüben, ungemütlichen Tage vor Weihnachten auf der Insel antun - und schon gar nicht, um hier einzukaufen. Ganz einfach: Die meisten Touristen kommen zu Silvester auf die Insel, um den Jahreswechsel am Strand zu feiern. Davor und danach herrscht herrliche Ruhe auf der Insel.

17. Dezember 2013

Gephrastes

Die OZ hat Phrasendrescherin Schwesig drei Fragen gestellt. Nach der ersten Antwort haben das Lesen beendet. Darum:
Welche Themen wollen Sie in Berlin zuerst anpacken? 
Ich werde mich weiterhin für eine moderne Frauen- und Familienpolitik, für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und gegen Kinderarmut einsetzen. Ich war fünf Jahre Ministerin in einem Land, in dem nicht alles rosig ist, wo Menschen etwa zu Niedriglöhnen arbeiten und wo Frauen im Pflegedienst unter großem Druck stehen. Ich freue mich auf die Chance, auf Bundesebene Verbesserungen mit auf den Weg zu bringen. ...
Ich begreife nicht, dass sich ein Journalist, ein kritisch-hochwertiger sogar, so etwas gefallen lässt. Ich begreife auch nicht, dass sich die Leser so etwas von einem Journalisten bieten lassen und dafür auch noch Geld ausgeben.
Es wird im bösenbösen Internet anders über Schwesig berichtet.

2. Dezember 2013

"Artikelblüten in der Wasserprawda"

So wurde ich auf einen Blogeintrag aufmerksam gemacht, da ich längst nicht alles im Blättle lesen kann:
... Egal wie man zu dieser Geschichte der Schweriner Nahverkehrs steht, dieser Artikel der OZ war einfach nur unterirdisch. ...
Der Schweriner OZ-Korrespondent hatte eine spezielle OZ-Hochwertleistung vollbracht, einen Artikel geschrieben, mit dem sage und schreibe eine halbe Seite befüllt wurde, ohne die in dem Artikel ausdauernd und ständig bildlich angepinkelte Person auch nur mit einem Satz zu Wort kommen zu lassen. Langjährige OZ-Blogleser wissen, dass diese einseitige Beschreibung zu den häufig vorkommenden Sternstunden des Blattes gehört, nach dem Motto: Gegenseite befragen? Das macht doch bloß Arbeit und versaut uns womöglich die Story. Der/die kann sich doch bei uns melden, und schon haben wir wieder ein paar Spalten befüllt.

Aber lesen Sie bitte selbst den Eintrag im Nuemser-Blog. Es lohnt sich.

29. November 2013

Schönschwärmerei

Nach längerer Pause zeigt das Hochwertblättle wieder, dass es eine sPD-Zeitung ist. Der Kommentator aus dem chicen Hauptstadtbüro schwärmt nicht nur von der Verräterpartei sPD:
Die SPD wagt mehr Mitsprache
Einfach clever
Er hält jene sPD-Mitglieder, die gegen eine große Koalition stimmen werden, für nicht ganz richtig im Kopf. Er beleidigt sie:
Die 475 000 Sozialdemokraten müssten von allen guten Geistern verlassen sein, sollten sie den erzielten Kompromiss ablehnen. ...
Offensichtlich kann der Autor die gemeinsame Absichtserklärung (Es ist kein Vertrag, lassen Sie sich solch einen Blödsinn nicht einschreiben, und vor allem, bezahlen Sie nicht für Beleidigungen und Märchen.) auswendig und hat nichts gegen die vorgesehene Vorratsdatenspeicherung. Allein dieser eine Punkt ist ein Grund, die Koalition abzulehnen. Gründe gibt es überreichlich und Klagen werden schon jetzt vorbereitet, von wegen Bürgerrechten und so. Das Thema kommt aber in der gedruckten OZ-Ausgabe gar nicht vor; ist wohl auch unwichtig.
Hauptsache Mindestlohn, der schon jetzt ein Hungerlohn ist, und 2018, wenn er zum ersten Mal angepasst werden kann, voraussichtlich weitere zehn Prozent weniger wert sein wird - ein zweiter Grund die Koalition abzulehnen.

Dazu wurde noch diese Jammerei verscheuert:
Die Mindestlohn-Einigung wird die Tourismusbranche in MV nach Meinung ihres Landesgeschäftsführers Bernd Fischer vor große Herausforderungen stellen. Zu befürchten sei, dass einige Firmen in ihrer Existenz bedroht werden. Jedoch seien viele Unternehmer überzeugt, dass auskömmliche Löhne gezahlt werden müssten. ...
1. Warum zahlt die Branche denn trotz Steuererleichterungen für Hoteliers (Mövenpicksteuer) keine auskömmlichen Löhne und hat sie auch noch nie bezahlt? Absichtserklärungen gab es ja. Das Märchen stand jedenfalls im Blättle. Doch dass sich Redakteure an ihr Kopiertes von gestern erinnern und das auch noch verwerten, ist entschieden zu viel verlangt.

2. Wenn Firmen in vier Jahren Pleite gehen wegen des lächerlichen Mindestlohnes, ist das nichts als die Bereinigung des Markes von Steuergeldabsahnern, von jenen, die ihr Personal indirekt zu den Jobcentern schicken, damit sie ihr jämmerliches Gehalt mit unserem Steuergeld aufstocken können.

Wer nun immer noch meint, die sPD sei die Partei der kleinen Leute, wie es deren Vorsitzender vorlügt, lese ganz kurz, was der Linke Gysi dazu weiß:
Union und SPD haben sich bei ihren Koalitionsverhandlungen in der Gesundheitspolitik geeinigt: Der Pflegebeitrag wird erhöht. Der Arbeitgeberanteil bei der Krankenversicherung bleibt bei 7,3 Prozent eingefroren. Arbeitnehmer zahlen schon heute 8,2 Prozent. Die Möglichkeit, ihnen weitere Pauschalen als Zusatzbeiträge aufzudrücken, fällt weg. Die Krankenkassen dürfen aber nur den Anteil der Arbeitnehmer erhöhen, das heißt von 8,2 Prozent auf 8,5 oder 8,8… Die Arbeitgeber werden nie beteiligt. ...
Der Beispiele gibt es viele; das Blättle verschweigt sie.

Hier nur eine Gegenmeinung zum sog. Mitgliederentscheid der sPD:
Der Mitgliederentscheid der SPD wird zur Groteske, und die Behauptung der Parteiführung, es gehe bei der Abstimmung um mehr innerparteiliche Demokratie, wird als Farce entlarvt. ...

28. November 2013

Agitproper

Es hängt mir bildlich zum Hals heraus, ständig auf die Leserverblödung aufmerksam zu machen, da im Grunde alles dazu geschrieben wurde und die OZ-Redaktionen keinen Deut hinzugelernt haben.
Natürlich hat das Hochwertblättle keine Antwort auf die Frage, Alltag in der OZ. Einige Bemerkungen statt einer Antwort finden Sie frei im Netz:
... Zunächst ein paar Worte dazu, wie wahrscheinlich es ist, dass es tatsächlich zu einer Deflation kommt. Die Analysten der Investment Bank Barclays etwa schätzen, dass die aggregierte Inflationsrate der OECD-Länder von 1,3 Prozent im Jahr 2013 auf 1,7 Prozent im nächsten Jahr steigen wird. Sie läge damit in der Nähe des Werts, der für die meisten Notenbanken eine Zielmarke ist. Insgesamt wären die entwickelten Länder von einer Deflation weit entfernt. Für die Entwicklungs- und Schwellenländer gilt das ohnehin. ...
Aber zum inhaltsleeren Inhalt des Textes:
... „Allerdings halte ich diese Entwicklung gerade im Bereich der Altersvorsorge für sehr bedenklich.“ ...
... sagt die Landesfinanztante Polzin (sPD). Keine Nachfrage, keine Erinnerung daran, dass es vor allem die sPD war, die die gesetzliche Rente per Gesetz ruiniert hat, um die private Vorsorge voranzutreiben. Gäbe es noch eine starke gesetzliche Rente, brauchte Polzin keine Bedenken zu haben, denn in einem Umlagesystem spielen Zinsen keine Rolle.

Noch solch ein Jammerlappen, der zugleich auch noch dem Autor und der wiederum den zahlenden Lesern die Taschen gegen Geld vollhaute:
Matthias Bohn von der Ostsee-Sparkasse (Ospa) stellte klar: „Mit dem Sparbuch ist momentan kein Gewinn zu machen.“ ...
Moment mal, momentan? Da wäre eine einzige Nachfrage fällig gewesen, hätte der Autor gewusst, wovon er schreibt:
"Können Sie mir ein Jahr in der Geschichte der Bundesrepublik nennen, in dem ein Sparbuch mit dreimonatiger Kündigungsfrist Zinsen erbrachte, deren Höhe über der Teuerungsrate lag?"
Hier fängt Journalismus an, nicht, indem ein Autor ein paar Leute anruft und deren Geschwafel nachplappert.

Ansonsten dürfte das Thema einer Vielzahl von Menschen im Armenhaus D.s meilenweit am Arm vorbeigehen, weil sie nur eine Art Zinsen kennen, Überziehungszinsen. Genau da wäre wieder ein Ansatzpunkt gewesen nachzufragen: "Warum werden sinkende Zinsen nicht an Kreditnehmer und ihr Konto Überziehende weitergegeben?" Denn das Thema wird genannt, aber nicht nachgefragt - Journalismus fünf.

Auf der sog. Wirtschaftsseite durften Versicherungsheinis Reklame für die Entgeltumwandlung usw. machen:
... Die Entgeltumwandlung, also der Teil des Gehalts, den der Arbeitnehmer für die Vorsorge aufwendet, wird vom Staat gefördert. Chef wie Mitarbeiter sparen Steuern. ...
Da die Erträge Einkommen sind, werden sie versteuert, wenn das Geld ausgezahlt wird (die Zinsen werden natürlich mitversteuert - nur der Arbeitgeber spart Steuern). Der Arbeitnehmer zahlt also voraussichtlich sogar mehr Steuern.
Wegen weiterer Nachteile erinnere ich an diese Uralteinträge, die diese Art der Altersvorsorge bildlich entzaubern - nichts davon seit Jahren im kritischen Hochwertblatt. Lassen Sie sich nicht verblöden, sondern lesen Sie nach; es dauert ein paar Minuten.

Die Krönung war der Kommentar des schlechtesten Kommentators der OZ, des Chefredakteurs:
... Sparer müssen wieder belohnt werden. Sie legen Geld auf die hohe Kante, um schuldenfrei Häuser zu bauen oder zu investieren oder für das Alter vorzusorgen. Und genau das braucht unser Land dringend. 
Wer hat denn ein Gesetz erlassen, das besagt, dass Schuldner Zinsen für geliehenes Geld zahlen müssen, und wo steht das geschrieben. Zur Zeit leihen sich Banken das Geld fast zinslos. Das ist in Ordnung? Nur Sparer haben ein Recht auf Zinsen? Was für ein Quatsch!
Wo bleibt der Hinweis des Chefredakteurs, dass eine gestärkte gesetzliche Rentenversicherung die beste Altersvorsorge wäre, vor allem für jene, die wenig oder nichts zum Zurücklegen haben?

Ein paar Hinweise hätte der Überredakteur sich hier holen können, die seine Scheuklappen verkleinert hätten:
... Die Teilprivatisierung der Altersvorsorge hat hauptsächlich dazu geführt, dass die  Profite und Provisionen der Versicherungskonzerne, der Banken und der Finanzdienstleister gestiegen sind. Renten sind dadurch nicht sicherer geworden, erst recht nicht die für Geringverdiener. ...
Dass dem Träger riesiger Scheuklappen und Chefredakteur solche Gedanken komplett abgehen, hat er mit seinem Unkommentar bewiesen, denn Ruhe sei die 1. Bürgerpflicht - und Einkaufen:
... Wofür ich plädiere, ist etwas ganz anderes: eine allgemeine, einheitliche und solidarische Bürgerversicherung als eine konsequente Weiterentwicklung des von Bismarck begründeten Sozialversicherungssystems. Dazu ist ein Um- und Ausbau des bestehenden Systems zu einer Sozialversicherung aller Wohnbürgerinnen- und -bürger nötig. Und dadurch erfährt diese Bürgerversicherung auch ihre wichtigste Rechtfertigung, dass sie nämlich den längst fälligen Übergang zu einem die gesamte Wohnbevölkerung einbeziehenden solidarischen Sicherungssystem verwirklicht.Es braucht eine Bürgerbewegung
Dass nicht mehr nur Arbeitgeber und Arbeitnehmer, sondern auch Selbständige, Freiberufler, Beamte, Abgeordnete, Minister usf. mit ihren sämtlichen Einkommen und Einkunftsarten zur Finanzierung der Leistungen im Sozial- und Gesundheitsbereich herangezogen oder ’verbeitragt‘ werden, wie der Fachausdruck heißt. Ich bin übrigens, das ist ein wichtiger Punkt, den ich einschieben möchte, nicht für den Wegfall des Arbeitgeberbeitrages, sondern im Sinne einer Maschinensteuer, eines Wertschöpfungsbeitrags kann ich mir sogar vorstellen, dass man das noch ausweitet. Jedenfalls kann ich mir eine solidarische Bürgerversicherung für alle geeigneten Versicherungszweige vorstellen, auch für die Kranken-und Pflegeversicherung .
 

Kauft, Leute, kauft

Passrecht vor der Adventszeit lädt die OZ zur volksverblödenden Märchenstunde ein:
Alle Jahre wieder unterlässt die OZ unternehmerfreundlich nichts, um die Leser in die Geschäfte zu treiben - hat allerdings bisher nicht geklappt. Wie soll das auch funktionieren, wenn die Armutsquote bei über 22 Prozent liegt und die Reallöhne seit Jahren kaum steigen? Außerdem ist eine selbsternannte Hochwertzeitung durch Wiedergabe solcher Märchen nichts als ein Anzeigenblättchen, mit dem Unterscheid, dass von der OZ für die Propaganda Geld verlangt wird.

Hier, nicht in der OZ, können Sie die traurige Wahrheit über das Kaufverhalten erfahren:
Deutschland: reale Einzelhandelsumsätze schlapp wie eh und je

20. November 2013

Propaganda-Befüllung

Es war längst an der Zeit, wieder Reklame für die Bundeswehr zu machen, für deren angeblich sinnvolle Einsätze. Also folgte eine Redakteurin, die reichlich Erfahrungen im Schönschreiben und Reklameschieben hat, der Einladung der Pressestelle. Erwartetes kam dabei heraus:
Der letzte Satz zeigt, warum die Seite mit der Propaganda befüllt werden musste. Es geht bildlich um Schönwetter für die Fortsetzung der Steuergeldverschwendung. Es geht im Grunde um nichts anderes als um Steuergeld.
Fragen Sie sich doch bitte einmal, wem dieser Einsatz nützt, der bisher nur im Vorhandensein von Soldaten und Technik bestand, denn:
Bisher kam es – glücklicherweise – zu keinem Einsatz der Abwehr-Raketen. ...
Wo bleibt die Antwort auf die Frage, warum es denn keinen Einsatz zu geben brauchte? Die Antwort wäre wohl zu einfach: Es gibt keine Bedrohung. Mit der Antwort wäre die Propagandaseite hinfällig gewesen.
Unbekannte, weil nicht genannte, Nutznießer des Vorhandenseins in der Türkei gibt es. Ein Beispiel:
Seit Beginn des Einsatzes hier – etwa 150 Kilometer nordwestlich der syrischen Grenze – sind 1,2 Millionen Liter Diesel in den Antrieb der Technik geflossen. ...
Ich schätze, sie flossen nicht, sondern wurden gepumpt, um verbrannt zu werden. Jedenfalls hat niemand den Dieselkraftstoff verschenkt.

Noch mehr unbekannte Nutznießer:
Der Dauereinsatz bleibt nicht ohne Folgen – der Reparaturaufwand ist hoch. ...
Wetten, dass die Ersatzteile und das Werkzeug nicht an die Bundeswehr verschenkt wurden?
Keine Nachfrage zur Reparaturanfälligkeit der Technik?

Nichts war zu erfahren über die problematische Zusammenarbeit zwischen türkischem und deutschem Militär, geschweige von den Meinungen derjenigen, die da angeblich beschützt werden sollen:
Deutsche Patriots sind in der Türkei stationiert. Doch die Einheimischen fühlen sich nicht sicherer. Sie befürchten in den Krieg hineingezogen zu werden.
Für diese unbenannten und viele weitere Nutznießer, indirekt Kriegsgewinnler, ist der Einsatz natürlich sinnvoll. Für die Masse ist er nichts als eine finanzielle Belastung, denn die beschworene Hilfe ist keine, auch nicht, wenn die Autorin das Beschworene nachplappert.

Auch hierzu keine Nachfrage:
„Wir sehen auch die Raketen, die auf syrischem Gebiet unterwegs sind“, (und von denen keine auf türkischem Gebiet niederging) berichtet H. Wenn er im Fernsehen dann sehe, was die Raketen angerichtet haben, nehme ihn das doch sehr mit: „Weil wir nicht eingreifen können“, so H. ...
Wenn die Soldaten das alles sehen, fragte sich die Aufschreiberin nicht eine Sekunde lang, was wird aus den Daten wird, die dort von syrischem Hoheitsgebiet aufgezeichnet werden?

14. November 2013

"Neoliberales Zitierkartell"

Die OZ hat herausgefunden (durch kopieren):
Wirtschaftsweise rüffeln Schwarz-Rot
Experten warnen vor rückwärtsgewandter Politik. Merkel: Richtiger Zeitpunkt für die Kritik.
...
Dass wahrscheinlich schon die Ausgangszahlen und die Berechnungsmethode fragwürdig sind, war nicht zu erfahren, hier schon, kostenlos, allerdings sehr ausführlich:
Neoliberales Zitierkartell – mit fragwürdigen Zahlen gegen Mindestlöhne
... Eines der in vielen Artikeln und Arbeiten immer wiederkehrenden Argumente lautet, dass ein Mindestlohn von 8,50 Euro im internationalen Vergleich sehr hoch bzw. zu hoch sei. Als Beleg dafür wird in vielen dieser Texte, offen oder verdeckt, direkt oder indirekt, auf eine einzige, am Institut der deutschen Wirtschaft entstandene Studie Bezug genommen. Diese Quelle aber ist äußerst kritisch zu sehen. ...
Aus dem chicen Hauptstadtbüro wurde ein unfassbar schlechter Kommentar mit der zentralen Aussage geliefert:
Insofern gilt für die Warnungen der Wissenschaftler im Prinzip dasselbe wie für die Aussagen von Gewerkschaftern, Unternehmern oder auch Politikern: Man sollte sie ernst nehmen, aber auch nicht überbewerten. ...
Hier wurde mir übel:
Die Aussagen der hoch bezahlten Wirtschaftsweisen wären aber überzeugender, (egal, ob stimmt, was sie absonderten) wenn sie nicht in Bausch und Bogen alles verdammen würden, was vor allem den „kleinen Leuten“ zugutekommen soll.
Einiges verdammen dürfen sie also.

Lassen Sie sich nicht gegen Geld verblöden, sondern informieren Sie sich kostenlos, z.B. auf den Nachdenkseiten.
Auch hier finden Sie Hintergrund.

9. November 2013

Merksatz

Da rennt einer der Journalisten aus dem chicen Hauptstadtbüro hin, um dem Geschwätz des sPD-Mannes Gabriel nicht nur zu lauschen, sondern den Käse auch noch in der OZ drucken zu lassen, die wiederum froh ist, mit dem Bonzenmüll vier Spalten im Seitenkeller anstrengungsfrei zu befüllen und verscheuern zu lassen. Mir ist der Autor mehrfach durch stinklangweilige Freitags-Texte über Berliner Bonzen aufgefallen.

Über dem Käse steht:
Gabriel: Mehr tun gegen Altersarmut
Der SPD-Vorsitzende zieht im Interview eine Zwischenbilanz der Koalitionsverhandlungen.
Kam dem Nachplapperer nicht in den Sinn, dass der sPD-Bonze mitbeteiligt daran ist, dass Armut per Gesetz verordnet wurde, wird und werden wird?
Geht dem Autor die Erkenntnis ab, dass alle sog. großen Parteien, die Linke ausgenommen, über zwei Jahrzehnte die Armut in jeder Form herbeiregiert haben?

Es kam ihm nicht in den Sinn, denn sonst hätte er Gabriel fragen müssen, warum er den Zuhören so unverfroren die Taschen mit verlogenem Müll vollhaut. Merke: Wer so nachplappert, ist nicht besser als der Vorplapperer.

24. Oktober 2013

Keinen Cent wert

Jener, der diesen Blödsinn ins Blatt brachte, nachdem längst bekannt ist, außer im Hochwertblättle, dass es sich um eine Verscheißerung handelt, jener also, sollte sich nicht mehr als Journalist, sondern als
Kopierer mit extra großen Scheuklappen
bezeichnen und sich eine Woche lang für seine Ahnungslosigkeit schämen.

OZ-Leser kauften natürlich auch diese Sternstunde des kritischen OZ-Hochwertjournalismus. Denen wünsche ich weiterhin viel Spaß mit dem Blatt der Ahnungslosen.

Achso, lesen Sie bitte den letzten Satz des als Tatsache ausgegebenen Märchens und wenden Sie ihn da an, wo er sinnvoll ist.
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