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13. November 2013

Schönschreibendes Milchmädchen

So werden Schönschriften verscheuert, wie hier auf der Titelseite als Ankündigung einer umfassenden Schönschrift auf der sog. Wirtschaftsseite:
Benzin und Heizöl so billig wie lange nicht
Wie lange her ist lange? Weiß noch jemand, wann Superbenzin 1,50 Mark kostete und alle entsetzt waren ob des hohen Preises. Das ist lange her.
Die Mineralölkonzerne verstehen es, die Preise langsam aber sicher in die Höhe zu treiben und Hochwertblätter wie die unternehmerfreundliche OZ geben sich als schönschreiberische Sprachrohre her, wenn zwischendurch weniger fürs Benzin gezahlt werden muss.

Immerhin wird in dem Artikel auf der sog. Wirtschaftsseite unter der Schlagzeile.
Günstiges Heizöl und Benzin: Inflationsrate auf Rekordtief
über die Verbraucherpreise erwähnt:
Kräftig kletterten auch die Preise für Lebensmittel: Sie verteuerten sich innerhalb eines Jahres um 4,2 Prozent. So stieg der Preis für Kartoffeln um 29 Prozent, der für Butter um 28 Prozent und der für H-Milch um fast 20 Prozent. Fleisch und Fleischwaren wurden um knapp vier Prozent teurer. ...
Das merken all jene, die wenig Geld verdienen, denn sie können sich nicht alle Nase lang einen Neuwagen, Fernseher usw. kaufen, weil sie das meiste Geld für Lebensmittel ausgeben müssen. Sie müssten, läsen sie das Blätte, verhöhnt vorkommen, wenn sie erführen:
Während sich die Verbraucher über den insgesamt geringen Preisauftrieb freuen werden, sehen Europas Währungshüter die Entwicklung mit Sorge. ...
Sie werden sich garantiert nicht freuen und die Währungshüter sind ihnen egal.
Und dies dürfte den vielen Wenig- und Geringverdienern piepegal sein,
So sei die Inflationsrate zwar gesunken. „Dieser Trend ist für die Sparer mit extrem niedrigen Zinsen verbunden“ ...
denn ihnen bleibt kein Cent, den sie sparen könnten.

Und dies ist eine bildliche Milchmädchenrechnung, denn wie viele OZ-Leser und Menschen darüber hinaus betrifft sie?
In Mecklenburg-Vorpommern seien laut dem Statistischen Landesamt die Aufwendungen der Verbraucher für Energie (Haushaltsenergie und Kraftstoffe) zum ersten Mal seit vielen Monaten im Jahresvergleich zurückgegangen. Die Preise seien durchschnittlich um 0,7 Prozent zum Vorjahr (Wow!!) und um 1,8 Prozent zum Vormonat gesunken. Damit sei der hohe Mehraufwand von 11,6 Prozent für Strom durch günstigere Preise für Heizöl (minus 11,1 Prozent zum Vorjahr) und Kraftstoffe (minus 7,4 Prozent) mehr als kompensiert worden.
Fürs Blättle sind alle Verbraucher gleich, einfach lächerlich. Besonders albern ist die Sache mit dem Heizöl, denn wie viele Verbraucher nutzen Heizöl und wie viele z.B. Gas oder Erdwärme?

12. Oktober 2013

Aufreger, der keiner ist

Eine der für die OZ typischen Halbwahrheiten, die Verblödung erzeugt:

Richtig ist, dass die Beitragsbessungsgrenzen für die Sozialbeiträge angehoben werden, was die meisten Arbeiter und Angestellten einen feuchten Kehricht interessiert, da sie weniger als knapp 4000 Euro Bruttolohn/gehalt erhalten. Sehr wohl betroffen sind dagegen Redakteure an Tageszeitungen, die bereits mehrjährig beschäftigt sind. Daher die Aufregung und die verlogene Schlagzeile.

9. Oktober 2013

Wahrheitsentzug durch weglassen (aktualisiert)

Manche OZ-Leser müssen unter Entzugserscheinungen gelitten haben, denn schon ein par Tage lang war nichts über Aida Cruises an sie verscheuert worden. Blogleser wissen, dass das kritische Hochwertblatt faktisch die PR-Bude des Kreuzfahrtunternehmens ist, die Leute mit Entzugserscheinungen wissen es nicht. Sie würden sich sonst beschweren, dass sie die als redaktionelle Beiträge getarnte Reklame bezahlen müssen.

Heute nun gab es auf der sog. Wirtschaftsseite für alle Süchtigen (für alle anderen Leser natürlich auch) eine halbe Seite lang unverhohlene Reklame für einen Schiffsneubau.

Nun ist das Schiff weder heute noch morgen, auch nicht im kommenden Jahr fertig, sondern:
... sticht die „Aidaprima“ ab Juni 2015 von Hamburg aus in See. ...
Für das Blättle war es jedoch höchste Zeit für das Schiff zu werben. (Leider habe ich nicht mehr in Erinnerung, wann zuvor schon für das Schiff geworben wurde.)

Dieses Thema war dagegen nur eine Kurzmeldung wert, die zudem nur die halbe Wahrheit enthält (auch typisch hochwertig-kritisch):
Reallöhne in Deutschland stagnieren
Auch im Text täuscht die OZ durch weglassen vor, die Löhne stagnierten nur im Jahresvergleich:
Trotz teils kräftiger Tarifsteigerungen haben die deutschen Arbeitnehmer unter dem Strich nicht mehr Geld in der Tasche.
Das mag sein. Doch nicht alle Arbeitnehmer sitzen bildlich in einem Boot:
... Während sich für die leitenden Angestellten ein realer Anstieg um 1,3 % ergab, war es für normale Fachkräfte ein Abstieg um 0,8 %. Über den gesamten Zeitraum seit 1. Quartal 2007 konnten die leitenden Angestellten real bereits um fast 9 % zulegen, während es für Fachkräfte nur 1,2 % waren und für angelernte Arbeitnehmer sogar ein Abstieg um 0,9 % (Abb. 10002). Die oberste Leistungsgruppe verdient mehr als viermal so viel wie die unterste ... 
Die OZ weiß weiter zu berichten:
Die um 1,5 Prozent gestiegenen Nominallöhne wurden komplett von der gleich hohen Preissteigerung zunichtegemacht.
Ja, schlimm, diese schwindelerregende Preissteigerung. Dabei beträgt die Preissteigerung in D. seit Jahrzehnten durchschnittlich 2,5 Prozent.

Hallo, liebe Leser, die Preissteigerung fällt also aus als Grund für gleichgebliebene Löhne.

Hierfür war natürlich kein Platz, von wegen Vergleich und so:
... Der Wohlstand der 500 reichsten Deutschen ist alleine im letzten Jahr um mehr als 5 Prozent angestiegen. Selbst wenn ein Normalverdiener 5 Prozent Gehalt mehr erhalten hätte, sind bei ihm 5 Prozent eine ganz andere Dimension wie bei einem Milliardär. ...
Das Blättle hat es nicht drauf, die ganze Wahrheit zu schreiben - und das seit Jahren. Zu dieser Wahrheit gehört dies:
... Der eigentliche, aber gern verschwiegene Skandal ist, faktisch haben seit über zwei Jahrzehnten keine Reallohnsteigerungen stattgefunden.
Dazu auch dieser Kommentar zu all dem, was auch die OZ locker ausblendet, um sich nicht anstrengen zu müssen (Recherche und all dieser Quatsch) und Platz für Aida-Reklame zu haben.

Nachtrag:

Nie und nimmer im Hochwertblättle zu lesen wird dies sein, denn Ruhe sei die 1. Bürgerpflicht (die 2. Pflicht: kaufen, und sei es das Blättle):
Die sogenannte “Zeitung” “die Welt”, äußerste jüngst die Ansicht, der Lohnempfänger müsse “länger arbeiten, weniger Rente beziehen“. Dies ist nur die Krone einer Entwicklung, die Lohnabhängigen nicht einmal mehr den Status von Sklaven zubilligt. Die mussten nämlich zumindest durchgefüttert werden, während der immer mehr für immer weniger arbeitende “Angestellte” nur einen Lohn mitnimmt, der dazu ggf. nicht einmal ausreicht.
Dass es soweit kommt, dass sie sich das trauen, ist nicht allein durch sogenannte “Krisen” zu erklären oder die Macht des Kapitals. Das muss man sich erst mal bieten lassen – massenhaft und ohne auch nur den Verdacht zu erwecken, man könnte sich gegen solche Ungerechtigkeit auflehnen. ...

3. Oktober 2013

Die mit dem Kamm scheren

Schönschreiben durch weglassen; die OZ ist firm darin, auch hier:
... So haben sich die Bruttolöhne zwar deutlich angenähert, liegen nach Zahlen der Hans-Böckler-Stiftung aber immer noch um 17 Prozent niedriger als im Westen. ...
Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit, da in den Behörden Ost fast oder genauso viel verdient wird, wie in denen West (Wie bekannt, wurden die Tarife für Redakteure an Tageszeitungen schon Mitte der 90-er Jahre angeglichen.).

Hier eines von zahlreichen Beispielen:
In Westdeutschland wird mehr verdient als im Osten: Während eine Köchin oder ein Koch in den alten Bundesländern im Durchschnitt 2.183 Euro erhält, bekommen ihre Berufskolleg/innen in Ostdeutschland nur 1.609 Euro. In den neuen Bundesländern verdienen also Köch/innen rund 26 Prozent weniger als in den alten Bundesländern.
Hervorhebung von mir
Im Durchschnitt war der Teich einen Meter tief und dennoch ersoff die Kuh.

Geschöntes durch Weglassen geschönt

Nun sind es an sich schon verlogene Märchen, die das kritische Hochwertblatt über die Arbeitslosenquote verscheuert. Und dann schönt das Blättle die Situation noch durch weglassen:
... Bundesweit sank die Zahl der Arbeitslosen im September im Vergleich zum Vormonat um 97 000 auf 2,849 Millionen ...
Klasse Ergebnis?
Hier die ganze Wahrheit und an anderen Stellen im bösenbösen Internet ebenfalls, kostenlos:
Arbeitslosigkeit steigt schon seit 1 ½ Jahren
... Doch selbst diese negative Entwicklung ist noch beschönt. Denn bei der Berichterstattung über die Entwicklung der Arbeitslosigkeit kommt es wieder zu der leider bereits üblichen Trickserei mit der Statistik. Nur 54,6 % der 5,2 Millionen Unterstützungsbezieher wurden im Mai 2013 amtlich als arbeitslos ausgewiesen (Abb. 04980). Nur sechs Jahre zuvor lag der Wert noch bei 65 %. Und dabei wurde vielen Menschen die Stütze gestrichen, weil sie nicht jede Arbeit angenommen haben, so daß der Anteil an den eigentlich unterstützungsbedürftigen Arbeitssuchenden noch tiefer gefallen sein dürfte. Außerdem wird die Arbeitslosigkeit durch die demographische Entwicklung gedrückt, was sich die Regierung nicht zugute schreiben kann. ... 
 Mehr über die tatsächliche Arbeitslosigkeit hier, ebenfalls kostenlos:
September 2013: 6.908.808 Leistungsbezieher

9. September 2013

Gedoubeltes und 90% = 96% = 100%

Es ist typisch OZ (und viele andere Medien), sich daran dreispaltig hochzuziehen, dass der Bonze Steinbrück erpresst worden sein soll, wichtige Nachrichten jedoch mit Kurzmeldungen oder gar nicht abgetan werden.

Besonders zeigt sich die Qualität des Blättchens, wenn es fünfspaltig auf einer Seite festberichterstattet, heute über den Presseball:
Hier nur der Bratwurst-Vorspann:
Schiffe zogen auf der Warnow vorbei.
Dunkelrot ging die Sonne hinter den Booten
unter. Es roch förmlich nach Urlaub als die
900 Gäste des Presseball die
Yachthafenresidenz Hohe Düne erreichten.
Das mit dem Bratwursttext darunter ist eine einzige Zumutung für Leser, die für ihr Geld Informationen aus der Zeitung erwarten. Bemerkenswert war die Ankündigung auf der Titelseite:
 und diese Bildunterschrift:
In beiden Fälle wurde Ersatz fürs Original geboten.
Und das passt hervorragend zur OZ, denn sie bietet ebenfalls viel Double-Journalismus, Journalismusersatz, haufenweise Kopiertes.

Was ich mit Double-Journalismus meine, habe ich oft beschrieben. Hier ein Zitat eines anderen Bloggers, das genau auf die OZ passt:
Die Polizei ermittelt nicht nur in eigenen Dingen, sie übernimmt auch die Berichterstattung über ihre Arbeit selbst. Journalistische Fragen spielen im Transfer jedenfalls nur selten eine Rolle, wie man am gepflegten Schlagwort von der “wachsenden Gewalt gegen Polizisten” sehen kann.
Hier ist die OZ ebenfalls mit vielen anderen Medien im Bunde:
Syrien-Einsatz, Euro-Krise, NSA-Affäre. Es gäbe immens wichtige Themen in diesem Wahlkampf. Der aber dreht sich um eine Pkw-Maut für Ausländer, die nie kommen wird, und um die Halskette von Angela Merkel. Hier läuft etwas falsch, sagt der Journalist Stephan Hebel. ...

Auch hierüber nichts im Blättle:
Gerade erst mit dem Geld der Steuerzahler gerettet, erarbeiten die Banken neue Strategien, um ihren reichen Kunden die Steuerhinterziehung zu ermöglichen. Die Entlarvung von Steuerflüchtlingen wie Amazon und Total macht begreiflich, wie die tiefen Löcher in Europas Staatskassen entstehen konnten. ... 
Hier als ein Beispiel Informationen, die OZ-Leser nicht kennen, die stattdessen in der Titelgeschichte erfahren:
Einmal abgesehen davon, wen das interessiert, hat erneut ein Mathegenie berechnet, 96 Prozent sind gleich 100 Prozent. Kommt nicht so drauf an, wenn geschönschriftelt wird.
Und dann sind auch noch 90% = 96% = 100%, denn im Text steht:
43 Prozent der Bürger (Gemeint sind die befragten Bürger) fühlen sich in MV wohl, 47 Prozent sogar sehr wohl. 
Mich interessierte, warum sich Leser so etwas gefallen lasen und dafür auch noch bezahlen.

2. September 2013

Rechenkunststück: 12 Millionen = 80,5 Millionen

In der Hochwertzeitung steht unter dem Titelbild:
Abgesehen davon, dass ich
1. nicht verstehe, warum sich jemand freiwillig solch einen Mist anschaut und
2. die Schlagzeile in seltsamem Deutsch verfasst wurde,

wundert mich der Inhalt der Aussage, wenn im Text steht:
 Rund 12 Millionen Zuschauer sahen das Duell
Wenn Destatis richtig informiert, leben in D. 80,5 Millionen Bürger. Dann sind laut OZ
12 Millionen = 80,5 Millionen
So ist das mit den Hochwert-Rechenkünsten und der Hochwert-Kammschererei im Hochwertblättle.

19. August 2013

Nicht über seinen Schatten gesprungen

Im Kommentar
Schacher mit Patienten-Daten
Kriminell
steht:
... Die Kette der Datenskandale in Deutschland reißt einfach nicht ab ...
Dass den Deutschen nicht der Kragen platzt, grenzt an ein Wunder und ist sicher auch der endlosen Naivität des „deutschen Michel“ geschuldet. ...
Leider ging der Autor nicht der sich daraus ergebenden Frage nicht nach, die da lautet:

Warum sind so viele Deutsche (längst nicht alle, wie der Kommentator behauptete) endlos naiv?

Es gibt viele Gründe; einer ist die ausdauernde und andauernde Verblödung durch Medien und erinnert zugleich an das Grundmotto der OZ: Ruhe sei die 1. Bürgerpflicht - und Einkaufen die zweite. Oder haben Sie dies im Blättle nachlesen können?
Allerdings gehört der Autor Burmeister nicht zu den Verblödern, kann aber bildlich auch nicht über seinen Schatten springen.

Leider entstellte die OZ einen Beitrag des OZ-Zuarbeiters Burmeister über die geplante Nutzung längst bekannter Vorkommen und Lagerstätten (Zu DDR-Zeiten war der Abbau unwirtschaftlich. Jetzt rechtfertigen die inzwischen hohen Rohstoffpreise und neue Technologien die weitere Erkundung und möglicherweise den Abbau) durch eine blödsinnige Schlagzeile, eine Spezialität der Blättle-Redaktion:
Der neue Rohstoff-Rausch im Osten
Evtl. war der Schlagzeilenschmied im Rausche oder rauschig, sonst neimand. Im Osten wird einfach geprüft, was bereits vorhanden ist. Es gibt keinen Rausch; den hat die OZ erfunden.
Die Unterzeile:
Die Industrie schlägt Alarm: Rohstoffe werden immer teurer. Das entfacht eine wahre „Goldgräberstimmung“. ...
Was ist denn das, eine Goldgräberstimmung oder eine "Goldgräberstimmung"? Ziehen jetzt Tausende mit Sack und Pack durch die Gegend und buddeln wie verrückt nach Rohstoffen? Ich erinnere an diesen Schwachsinn, den das Hochwertblatt zum Thema verscheuerte. Schlagzeile und die Goldgräberstimmung reihen sich ein in die Fehlleistungen.
Der Autor tut mir leid.

8. August 2013

Das Märchen von den Blättern, die die Welt bedeuten

Das Hochwertblättchen nutzt jede Gelegenheit so zu tun, als sei die gedruckte Zeitung der Weisheit letzter Schluss, als gäbe es keinen Schwund der verkauften Auflage. Schlimmstes Beispiel war vor einem Jahr die fürchterliche Selbstbeweihräucherungsausgabe zum 60. OZ-Geburtstag, z.B. mit einem "Lest gefälligst gedruckte Zeitung"-Text, der so überschrieben war:
Blätter, die die Welt bedeuten
Warum die Zeitung zum Alltag eines jeden gehören sollte 
Die OZ ehrt von Zeit zu Zeit Leute, die seit 20 Jahren, bei jedem Wetter, in aller Herrgottsfrühe durch die Gegend laufen, um die OZ in Briefkästen zu stecken. Der Chefredakteur, der offensichtlich nichts Besseres zu tun hat, schrieb auf der sog. Wirtschaftsseite (?) über die jüngste Ehrung eines aussterbenden Berufsstandes:
Dickes Lob vom Landesvater für die fleißigen Zusteller der OZ
Der Minipräsident hat also auch nichts Besseres zu tun, z.B. seinen Laden aufzuräumen und schleimt sich lieber beim Verband der Zeitungsverlage Norddeutschland ein.
... Vom Zeitungsaustragen als Kind konnte auch Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) erzählen, als er bei Räucherlachs und delikaten Geflügelspießen an den runden Tischen ein Pläuschchen mit den Zustellern hielt. Zuvor hatte er in seiner Ansprache die Bedeutung des harten Jobs gewürdigt. ...
... der im Grunde durch das böseböse Internet längst überflüssig geworden ist, außer für Oma Pütt in der Pommerschen Straße in Gützkow, die weder Internetanschluss noch Computer nutzen kann.
Jetzt aber schleimende Kammschererei:
... Das ist Knochenarbeit.“ Die sehr wichtig für die Demokratie sei, weil jeder Leser seine Zeitung morgens pünktlich im Briefkasten haben wolle, um über alles in der Politik und aus der Heimat tinformiert zu sein. Sellering: Auch im Internet-Zeitalter wollen die Menschen ihre Zeitung.“
Dann bin ich und sind viele andere Leute keine Menschen. Natürlich wurde auch beschrieben, was für ein toller Job das Austragen von Zeitungen ist:
OZ-Zusteller Friedrich Raatz kennt seine Leser und sein Zustellgebiet sehr gut. Er läuft jeden morgen seine vier Kilometer zu Fuß – und fühlt sich sehr wohl dabei. „Die Bewegung hält mich fit. Ich bin nie krank“, sagt der 74-Jährige. Dem kann Gertrud Schwerdt nur zustimmen. Sie liebt es, morgens die Erste zu sein, die unterwegs ist. „Es ist so schön, wenn sich der Tag noch so frisch anfühlt und die Vögel singen.“
Ich empfehle als Gegenmittel gegen diese Hopsasa-Trallala-Strategie u.a.:
It's the customer, stupid!
Wie muss sich die Zeitung verändern, damit sie in Zukunft genügend Leser findet? Viele Leser wünschen sich von den Verlagen mehr Tiefe, Analyse und Experimentierfreude - und eine einfache Möglichkeit, für Journalismus im Internet zu bezahlen. ...
Revolutionen sind unangenehm
Ist nur gedruckter Journalismus wahrer Journalismus? Natürlich nicht! Doch genau diese Meinung herrscht in vielen deutschen Redaktionsstuben vor. Das ändert nichts daran, dass immer weniger Menschen immer weniger Tageszeitungen kaufen. ...
Zeitungskrise is breaking “Spiegel”

3. Mai 2013

Auf einem Niveau mit BLÖD

Was die OZ heute auf der Blickpunktseite verscheuert, ist Leserverblödung, die allerdings schon auf der Titelseite beginnt:
Deutschland siegt? Das ist so behämmert wie einst "Wir sind Papst". Hier soll wieder eine Wir-Gefühl erzeugt werden, sollen bildlich Brüste patriotisch schwellen und von den harten Tatsachen ablenken - und doch wird entweder der FCB oder der BvB siegen und das Preisgeld erhalten, nicht Deutschland. Die OZ bedient niedere Instinkte, und das auch noch, wo es nichts zu bedienen gibt.

(Das Niveau hat sich dem der BLÖD-Zeitung angeglichen.)

Doch auf der Blickpunktseite kommt es schlimmer:
Deutschland gewinnt
Das Champions-League-Finale zwischen Bayern München und Borussia Dortmund spiegelt die Kraft des Landes.
Eine Fußballspiel spiegelt die Kraft Deutschlands? Hatte der Unterzeilenschmied irgendetwas genommen, was seinen Geist benommen machte?

Die Kraft des Landes? Darauf muss erst mal jemand kommen, z.B. angesichts der Aufmacherfoto-Montage mit dieser Bildunterschrift:
Lewandowski ist Pole, Robben Niederländer - Deutschland siegt.
Wer die Galerie der Spieler durchsucht, wird noch etliche ausländische Spieler finden - Deutschland siegt.
Ähnlich ist die Mannschaft des BvB zusammengesetzt.
... Der Ausländeranteil der deutschen Fußball-Bundesliga liegt mittlerweile bei über 50 Prozent. ...
Solche Details stören jedoch nur beim Jubeln.

Noch schlimmer wird es im Text:
... Es ist einfach, eine Analogie zwischen deutscher Politik und deutschem Sport zu ziehen. Denn nicht nur die Wirtschaft brummt, auch den deutschen Profivereinen geht es so gut wie nie. Als einziges großes europäisches Land weist die Bundesrepublik einen Haushaltsüberschuss auf. Ähnlich gut steht die Liga da ...
 Die Wirtschaft brummt? Wie brummt denn z.B. das Wachstum? Es gibt in D. fast keines:
... Trotz des äußerst schwachen Wachstums in diesem Jahr scheint für die Wirtschaftsinstitute alles zum Besten zu stehen: Die Zinsen seien niedrig, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen gut, die Auslandsnachfrage würde sich dementsprechend beschleunigen, der Arbeitsmarkt sei robust, die privaten Konsumausgaben würden steigen, der Preisauftrieb sei gering und – das Wichtigste – der Staatshaushalt sei ausgeglichen.Eigentlich müsste die Konjunktur geradezu explodieren. Warum aber dann nur ein Wachstum von 0,8 %? ...
Obwohl die prognostizierte Wachstumsrate für Deutschland nur leicht über einer wirtschaftlichen Stagnation liegt und europaweit weiterhin eher eine rezessive Tendenz vorhergesagt wird, lehnen unsere Marktgläubigen politische Maßnahmen zur Konjunkturstabilisierung ab. ... 
Oder:
Die Wirtschaftskrise in Euroland hat den Kern erreicht. Neben Frankreich schwächeln auch die Niederlande, Finnland und Belgien. Selbst Deutschland dürfte 2013 nur ein Mini-Wachstum von 0,4 Prozent schaffen, heißt es in der Frühjahrs-Prognose der EU-Kommission. Dabei war Brüssel bisher immer zu optimistisch ...
Das Blättle hat nicht einmal drauf, dies zu berichten.

Schuldenkrise:

Ein Rechenfehler, der Deutschland teuer zu stehen kommt


Die OZ jubelt lieber und verbreitet Unsinn:
... Ein beeindruckendes Ergebnis, das in Europa nur von der englischen Premier League (2,5 Milliarden Euro) übertroffen wird. Und das mit einem Kurs, der nicht das Schulden-Machen in den Fokus rückt, um mit geliehenen Milliarden die weltbesten Spieler zu kaufen. Stattdessen mussten deutsche Vereine solide wirtschaften. So wie es auch Angela Merkels (CDU) Ideal der schwäbischen Hausfrau entspricht. ...
Solch ein sinnloser Vergleich ist typisch für die ahnungslosen, mit riesigen Scheuklappen ausgestatteten  Jubilierer des Blättles. Wer einen Staat mit einem Unternehmen gleichsetzt, hat nicht alle Tassen im Schrank. Es wird nicht mehr lange dauern, dann können auch OZ-Redakteure nicht mehr umhin aufzuschreiben, dass das schwäbische Brauchtum die Finanzkrise verschlimmert hat. Dann wird nicht die Wirtschaft brummen, sondern die Schädel der Jubilierer, weil sie dann aus ihrem Schönschreibwahn geweckt werden. Das allerdings wird erst geschehen, wenn massenhaft, also unübersehbar, Agenturmaterial zum Verwursten vorliegt. So war das schon 2008, als die OZ mitten in der Krise immer noch die Märchen der Politmarionetten verbreitete.

Noch solch ein Quatsch:
... Zudem warnen Experten davor, den Erfolg auf dem Platz mit der Politik zu verknüpfen.  ...
1. Was haben die Autoren denn gerade geschrieben? Haben Sie nicht genau das getan, wovor Experten warnen?
2. Wozu braucht jemand Experten, um zu erkennen, dass der Profifußball aus Unternehmen besteht? Ist das im Blättle noch immer nicht angekommen, oder musste es verdrängt werden, um wie besoffen jubeln zu können?
Irgendwo las ich, dass niemand auf die Idee käme, den Weltmeisterschaftssieg der spanischen Nationalmannschaft mit der spanischen Politik oder Regierung in Verbindung zu bringen. Dabei ist das die Nationalmannschaft, bestehend aus Spaniern, im Gegensatz zu den Bundesligaklubs.

Geht Pleite oder werdet PR-Büro.

31. März 2012

Erst indirekt vorverurteilend, dann scheinheilig (aktualisiert)

Ich hatte in den vergangenen Tagen nur die Schlagzeilen zum Mordfall Lena gelesen. Das reichte mir. Mich widert es an, wie Medien solche Fälle bildlich ausschlachten, ganze Seiten mit Spekulationen füllen - und zumindest indirekt vorverurteilen. Deshalb ein bruchstückhafter Rückblick auf das, was die OZ Ihnen noch gestern auf der Blickpunktseite (Seite drei) verkaufte:
Mordfall Lena: Trauer und Zorn in Emden 
Der Tatverdächtige ist erst 17 Jahre alt. Noch immer hat er nicht gestanden, doch er hat kein Alibi.
Genau solche Formulierungen sind es, die ich für verabscheuungswürdig halte. So schreibt nur, wer den jungen Man für den Täter hält.
Und aus dem Internet kommen massive Drohungen. 
Das ist kein Wunder, wenn so indirekt vorverurteilt wird und andere Medien, wie die BLÖDzeitung direkt vorverurteilen. Das wird dem Blatt sicher ein lächerliches Dudu, das dürft ihr doch nicht vom Presserat einbringen. Doch die Medien haben das Leben des jungen Mannes längst zerstört. Ebenso schuldig ist die Polizei in ihrem Zwang und ihrer Unfähigkeit, schnell Erfolge vorzuweisen. Es ist immer wieder dasselbe elende Spiel, das die meisten Medien seitenfüllend mitspielen.
... Die Bewohner der 52 000-Einwohner-Stadt Emden in Ostfriesland stehen unter Schock.
Das glaube ich nicht. Ich halte das für Blödsinn und Kammschererei, ein Mittel der OZ, ein Zusammengehörigkeitsgefühl herbeizuschreiben.
Und das Schlimmste: Der Täter schweigt. „Es gibt immer noch kein Geständnis“, teilte die Polizei gestern bei einer mit Spannung erwarteten Pressekonferenz mit.
Doch es gibt Indizien, die den festgenommenen 17-Jährigen — einen Berufsschüler — dringend tatverdächtig machen. So viel zumindest wurde gestern deutlich:
Der junge Mann hat für die Tatzeit kein Alibi. Und er verstrickte sich bei der Vernehmung in Widersprüche, so Werner Brandt, Leiter der 40-köpfigen Mordkommission „Parkhaus“. Endgültige Klarheit könnte schon in wenigen Tagen die Auswertung der am Tatort gefundenen DNA-Spuren bringen. Das Material wird vom Landeskriminalamt in Hannover untersucht.
...
Da kann einem der kalte Kaffee hochkommen. Es ist offensichtlich, dass sich niemand in der Redaktion gefragt hatte: Was ist, wenn ers nicht war? Völlig klar, dann hätte keine Blickpunktseite vollgeschrieben werden können.
Auch ist es direkte Vorverurteilung per Schlagzeile, und indirekte, einen Verdächtigen in einem BILDlichen Atemzug mit dem Massenmörder von Winnenden zu nennen, was natürlich auch noch Blödsinn ist:
Wenn Jugendliche zu Mördern werden
Er ist erst 17 — und doch steht ein Berufsschüler unter dem dringenden Verdacht, die elfjährige Lena in Emden zunächst vergewaltigt und dann umgebracht zu haben. Es sind Fälle dieser Art, die besonders betroffen und ratlos machen. Fälle, in denen Jugendliche, manchmal selbst beinahe noch Kinder, zu Tätern werden.
Tim Kretschmer ist ebenfalls 17, als er im kleinen Winnenden bei Stuttgart zur Schusswaffe greift. Es ist der 11. März 2009. ...
Natürlich musste die indirekte Vorverurteilung kommentiert werden, in ebenso elender Manier:
Mordfall Lena
Emden ist überall
Die kleine Lena ist tot. Sie wurde nur elf Jahre alt. Sie hat nichts getan, was den Eltern Anlass zur Sorge hätte geben können. Sie hat einfach nur draußen gespielt. In Emden, einer beschaulichen Stadt in Ostfriesland.
Und doch tickte gerade dort eine Zeitbombe, die Lena schließlich zum Verhängnis wurde. Wir wissen nicht sicher, ob der verhaftete 17-Jährige wirklich der Täter ist. Wir wissen nichts über sein Motiv, sein Elternhaus, seine Gewohnheiten.
Trotzdem ist eines klar: Bei dem Täter handelt es sich um einen Menschen, der bereit war, brutalste Gewalt gegen ein hilfloses Kind anzuwenden, der mitleidlos tötete.
...
Soso. Und was haben OZ und viele andere Medien mit dem Unschuldigen getan, denn:

Heute nun, jedoch nicht auf der Blickpunktseite (Seite drei), sondern auf der vorletzten Mantelseite (Seite acht):
Überraschende Wende im Mordfall Lena
Sie haben es nicht einmal vermocht, in der Schlagzeile unterzubringen, dass der junge Mann unschuldig ist. Schon hier beginnt die elende Heuchelei jener, die den Mann schon als Täter ansahen.
Die Polizei in Emden musste den verdächtigen 17-Jährigen wieder auf freien Fuß setzen. Er ist unschuldig. Am gleichen Tag nahmen Familie und Freunde Abschied von dem getöteten Mädchen. ...
Überraschend kann das nur jene, die im Stillen oder es aufschreibend den jungen Mann für den Täter und nicht für den Verdächtigen hielten, also z.B. den Schlagzeilenschmied.
Dieses Vorgehen (der Polizei) steht nun in der Kritik. „Man hatte den Eindruck, dass sie einen Täter präsentieren wollten“, sagt Strafrechtlerin Martina Renz-Bünning. Zwar habe sie keinen Einblick in die Ermittlungsakten, aber es sei fragwürdig, einen 17-Jährigen zu beschuldigen, weil er kein Alibi hatte. Außerdem sei seine Identität nicht ausreichend von den Behörden geschützt worden. „Wie wollen Sie diesem Mann je wieder ein normales Leben geben?“, so Renz-Bünning. ...
Genau diese Frage haben sich die meisten Medienvertreter, OZ, inkl., nicht gestellt, sonst hätten sie nicht indirekt/direkt vorverurteilt. So etwas kam dabei heraus:
Der 17-Jährige war daraufhin Opfer massiver Hassparolen und Lynchaufrufe im Internet geworden. In der Nacht zum Mittwoch hatten sogar rund 50 Menschen stundenlang das Polizeigebäude in Emden belagert.
Jahah, das böseböse Internet; da haben wir es wieder.
„Wir werden Hetzaufrufen in sozialen Netzwerken mit Nachdruck entgegentreten und dann auch gegebenenfalls Ermittlungsverfahren gegen Personen einleiten, die solche Aufrufe tätigen“ ...
Wer wird denn mit solchem Nachdruck den Verfehlungen der Medien nachgehen? Richtig, niemand. Denn die OZ würde behaupten, alles richtig gemacht zu haben, denn sie hat den Jugendlichen nicht als Täter bezeichnet, sondern nur geschrieben, er habe noch nicht gestanden.

Höhepunkt der Scheinheiligkeit war diese Zusatzinformation der OZ:
Die Unschuldsvermutung
Einer der wichtigsten Grundsätze des Rechtsstaats ist die Unschuldsvermutung. Danach gilt jeder Beschuldigte bis zum rechtskräftigen Beweis des Gegenteils als unschuldig und ist dementsprechend zu behandeln. Über die Europäische Menschenrechtskonvention von 1950 ist es in Deutschland unmittelbar geltendes Recht.
Aber jetzt:
Der Staat hat sich an dieses Prinzip zu halten. ...
Und die Medien?

Noch dies:
Die OZ würde sich, wie andere Medien auch, darauf berufen, die Polizei habe ja so wie aufgeschrieben informiert, würden sich Leser über die sog. Berichterstattung (denn es war ja vor allem Spekulation) darüber beschweren. Auch das wäre reine Scheinheiligkeit.

Polizeiverteter haben Journalisten schon so oft die Taschen bildlich vollgehauen, dass diese Journalisten endlich kapieren müssten, dass es falsch ist, der Polizei Informationen abzunehmen, ohne sie zu prüfen. Ich erinnere an die Lügenmeldungen und das Verhalten der Polizei und der Oberkriminalen vor und während des G 8-Gipfels in Heiligendamm und 2004 in Rostock.

Ich vermute, die Journalisten wollen nichts dazulernen, denn das Ergebnis wäre Mehrarbeit und weniger schnell gefüllte Seiten.

Aktualisiert, 19:55 Uhr:

Über die elende Scheinheiligkeit vieler Medien hat auch das Bildblog noch einmal eingetragen.

15. März 2012

Die Sache mit Großpackung und billig

Ich muss auf einen gut gemeinten Lebensmittel-Wegwerf-Kommentar von gestern eingehen:
... Lebensmittel sind billig beim Discounter, außerdem im Verhältnis umso billiger, je größer die Packungen sind. 
Das ist nicht genau beobachtet. Wer genau hinschaut, entdeckt immer wieder Großpackungen, deren Inhalt pro Mengeneinheit teurer ist als der kleiner Packungen (hier aus sämtlichen Einzelhandelswaren ausgewählt) desselben Produktes.
So wird schnell zum großen Sack Kartoffeln gegriffen. 
Ja, weil den Leuten auch vom Kommentator suggeriert wird, der Grundpreis für Großpackungen sei immer geringer.
Wenn sich die Keime dann schon durch die Küche ringeln, kommt der Rest eben in die Tonne. Und kaum einer fragt sich beim Anblick eines Hähnchens in der Kühltruhe: Wie kann man das für die paar Euro aufziehen, schlachten, verpacken? Aber weil es fast nichts kostet, ist die Hemmschwelle niedrig, es bei Nichtgefallen zu entsorgen. ...
Ich ahnen, dass hier eine Kampagne in Gang gesetzt wird, um die Lebensmittelpreise zu erhöhen. Dabei sagen die Preise nicht unbedingt etwas über die Qualität der Produkte aus:
... Aber ist nicht das Hauptproblem, dass wir uns auf in­dustrielle Billigstproduktion verlassen und Lebensmittel zu billig einkaufen wollen?
Nein, das finde ich nicht. Die Tests der Stiftung Warentest zum Beispiel ergeben keine Korrelation zwischen dem Preis und der Qualität des Lebensmittels. Ein günstiger Preis muss nicht bedeuten, dass die Inhaltsstoffe qualitativ schlecht sind. ...
Gerd Billen, Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv) im Freitag

Dagegen verzichtete die OZ auf Hintergrund zu den Lebensmittelpreisen, die ja zumindest indirekt durch die Landwirtschaftsförderung der EU beeinflusst werden.

Dies, am Ende des Kommentars, habe ich überhaupt nicht verstanden:
Elf Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland im Müll, viel zu viel. ... Weit größer als die Menge, die nötig wäre, damit in der Welt niemand mehr hungern müsste. Mangel und Überfluss — auch das sind enge Verwandte.
Soll das heißen, wenn wir weniger wegwerfen, müssen Leute in anderen Gegenden der Welt weniger oder gar nicht hungern? Ist das logisch? Keine Ahnung, wie das gemeint war.

9. März 2012

Gefasel

Es war unnötig aber absehbar, dass die OZ lang und breit den Langweiler Wulff auftischte; ist ja auch einfach, mit solchem Kram eine Seite zu füllen, so wie es schwer ist, Geschichten bildlich selbst auszugraben. Doch für den Wulff-Quark braucht niemand auch nur einen Cent auszugeben, wenn er dasselbe oder Ähnliches massenweise kostenlos im bösenbösen Internet findet.

Dennoch gelang es der OZ, in einem Nebenartikel - sollte wohl Hintergrund sein - verantwortungslos mit dem Thema umzugehen:
Das Leben nach dem Fall
Vor Christian Wulff sind schon andere Hoffnungsträger furchtbar abgestürzt. ...
Nun weiß ich nicht, wer in wen der Gestürzten Hoffnungen gesetzt hatte; ich tat es jedenfalls nicht.

Verantwortungslos war es, einen Freigesprochenen im selben Zusammenhang mit dem Steuerhinterzieher Zumwinkel und dem Plagiator und Gernegroß Zu zu nennen. Kachelmann ist allein von den meisten Medien niedergeschrieben worden. Die anderen Genannten luden Schuld unterschiedlicher Art auf sich. Dann auch noch den Plagiator und den Freigesprochenen per Foto nebeneinander zu stellen, ist noch unverfrorener, ist gefährlich für die Masse, weil sie manipuliert wird: Einer ist wie der andere. Genau auf diese Art zerstören Medien Lebenswege.
Die Bildunterschriften sind grässlich.
Wem galt Zu als Wunderkind, den OZ-Redakteuren, denen auch Obama als so etwas wie ein Heiliger erschien? Haben OZ-Redakteure deshalb diese Leute schaumschlagend hochgeschrieben, als wären sie in deren PR-Büros angestellt gewesen?

Wer hat denn Kachelmann vorverurteilt? Er war es doch nicht selbst, sondern es waren Medien. Deshalb ist es eine Bildunterschrift, die ein Feigling verfasst hat.

Dies stand über Kachelmann im OZ-Text:
Wettermann und TV-Moderator Jörg Kachelmann ist ebenfalls tief gefallen. 
... aber erst, nachdem haufenweise Medien ihn gestoßen hatten.
Er wird nach dem Vergewaltigungsprozess — den er zwar für sich entschied — wohl nie wieder auf den Bildschirm zurückkehren können. Derzeit twittert er nur noch die Unwetterwarnungen.
Achja? Er twittert nur noch Unwetterwarnungen, wird nie mehr auf dem Bildschirm erscheinen? (Übrigens: Twittert die OZ als Service für ihre Leser Unwetterwarnugen? Wäre mal eine Idee gewesen, wenn nicht Kachelmann sie bereits gehabt hätte.) Wer Bildschirm und Internet wegen riesieger Scheuklappen nicht zusammenbringt, faselt natürlich solch eine Stuss zusammen und lässt sich dafür bezahlen. Kachelmann ist weiterhin Unternehmer und ist sehr wohl auf dem Bildschirm zu sehen:


Außerdem ist er auch im Radio zu hören, twittert als nicht nur:
Seit dem 4. März 2011 präsentiert Kachelmann in dem Aschaffenburger Privatradio Primavera an jedem Freitag und Samstag das Wochenendwetter.

3. Februar 2012

Keinen Buchstaben weiter

Die Landesseite hat das Thema der Themen gefunden, das Wetter, heute:
Mütze auf! Hoch „Dieter“ bringt Rekordkälte
Minus 20 Grad gestern in Parchim. Jetzt sind auch die großen Seen zugefroren.
Gänsehaut: Die Menschen im Norden zittern vor Kälte.
Die OZ macht mich mal wieder kammschererisch um Unmenschen, denn ich zittere und zitterte nicht, obwohl ich fast drei Stunden an der frischen Luft war.
Dicke Wollsachen schützen Finger, Füße und Ohren. Denn das Hoch „Dieter“ hat dem Nordosten die eisigste Nacht des Winters beschert. Die Quecksilbersäule sei gestern Morgen in Parchim auf minus 20 Grad Celsius gesunken, sagte Linda Jäckl vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Bei Penkun (Kreis Vorpommern-Greifswald) wurden minus 15 Grad, an der Müritz minus 14 Grad und an der Ostsee auf Hiddensee minus 7 Grad gemessen. ...
Weiter bin ich nicht gekommen.

27. Januar 2012

Schönschrift-Märchen

Propaganda in der trickreichen Form geht so:
Viele Eltern haben wieder einen Job: Kinderarmut geht zurück
Das glaube ich nicht und empfehle Ihnen, es mir gleichzutun.
Die Zahl der unter 15-Jährigen, die Hartz IV bekommen, schrumpfte in MV um 20 Prozent. Arbeitslosenverband warnt: Die Armut ist trotzdem immer noch groß.
Und obwohl nicht nur der Verband, sondern Gewerkschaften und andere Verbände nicht nur warnen, sondern behaupten, die Kinderarmut in D. sei nicht geringer geworden, schrieb der Autor:
Der Aufschwung am Arbeitsmarkt kommt bei den Jüngsten an.
Nein, er kommt nicht bei den Jüngsten an, sondern nur bei einigen. Im Übrigen ist die Aussage ein reiner Kommentar, aus journalistischer Sicht unzulässig.

Immer weniger Kinder in Mecklenburg-Vorpommern müssen von Hartz-IV leben. ...
Er tut so, als wären nur Kinder arm, die von Arbeitslosengeld 2 leben müssen.
Genau das ist der Trick, das Anlegen von Scheuklappen, weil ja nur die Armut unter Kindern beschrieben wurde, die Alg 2-Berechtigte sind. Völlig verschwiegen wurde, dass natürlich der gewählte Zeitraum die Veränderungen der Kinderarmut unter Alg 2-berechtigten Kindern beschreibt. Hätten die Bearbeiter mit Zahlen aus dem Jahr 2005 verglichen, hätte so gut wie keine Veränderung gefunden werden können. Selbst hier ist also größte Vorsicht geboten.
Glauben Sie grundsätzlich nichts, was Ihnen die OZ über den Arbeitsmarkt und die Armut in D. oder gar im Armenhaus D.s verkauft.

Damit Ihnen klar wird, wie Sie zum Narren gehalten werden:
... Dass die Zahl der Hartz IV-Bezieher zurückgeht, ist erfreulich, bedeutet aber längst nicht, dass tatsächlich weniger Kinder in Armut leben müssen. Zwar hat sich die Zahl der arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger verringert, doch gleichzeitig ist die Zahl der erwerbstätigen Hartz-IV-Empfänger auf 1,4 Millionen gestiegen. Dies sind fast 45 % ‚working poor’ mehr als fünf Jahre zuvor.
Neben der ‚amtlichen Hartz IV-Armut’ zeigt sich die tatsächliche Dimension der Kinderarmut am wachsenden Niedriglohnsektor, der nicht zuletzt durch Hartz IV weiter wuchert. Die neuen Arbeitsverhältnisse liegen überwiegend im Niedriglohnsektor.
...
Damit Ihnen klar wird, dass Sie zum Narren gehalten werden:
... Hätte er das Jahr 2005 mit 2011 verglichen - das wäre ja redlich gewesen -, dann hätte er sagen müssen, es sind leider nicht 13,5 Prozent weniger Kinder, sondern nur gerade mal sieben Prozent weniger Kinder. Mit anderen Worten: Zahlen hin, Zahlen her - wir haben heute kaum weniger Kinder im Hartz IV-Bezug als 2005, als das Gesetz in Kraft getreten ist. Wir haben 1,6 Millionen Kinder, deren Eltern langzeitarbeitslos sind und von Hartz IV leben müssen, und das ist definitiv zu viel. ...
Damit Ihnen klar wird, dass Sie zum Narren gehalten werden:
... Seit 2006 sei die Zahl der unter 15-Jährigen um fast 750.000 zurückgegangen, teilte der Verband mit. "Wenn es also immer weniger Kinder gibt, so ist es keine Überraschung, dass in absoluten Zahlen betrachtet auch immer weniger Kinder von Sozialleistungen leben."
Zudem sei die Quote der Kinder, die von Hartz IV leben, zwischen September 2006 und September 2011 um lediglich 1,5 Prozentpunkte gesunken. 2006 seien 16,6 Prozent hilfebedürftig gewesen, derzeit seien es noch immer 15,1 Prozent. "Der Jubel von Arbeitsministerin von der Leyen ist völlig unangebracht", sagte Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers SPIEGEL ONLINE.
...
Damit Ihnen klar wird, dass Sie zum Narren gehalten werden, könnten Sie in der OZ nachfragen, was es mit der gewachsene Bedeutung des Kinderzuschlags auf sich haben könnte, der zu einer Reduzierung der Kinder in „SGB  II-Bedarfsgemeinschaften“ beigetragen hat.

Wenn von der Leyen etwas verkündet, müssten alle bildlichen Alarmglocken in den Redaktionen läuten, bis die OZ verzichtet, Schönschriften dazu zu verkaufen. Offensichtlich hat die OZ vergessen, dass sie bereits früher auf Leyen-Lügen hereinfiel und also nichts daraus gelernt hat und es offensichtlich auch gar nicht will.



23. Januar 2012

Das muss jetzt mal sein, wegen sieben Jahren OZ-Blog

Am Freitag protzte die OZ auf zwei Seiten mit langweiligen Fotos Herumstehender, einem fast inhaltsleeren Text über den Neujahrsempfang (Wer bezahlt den?) und einer vierspaltigen Gästeliste, wie schon in den Vorjahren.  Hinzu kamen drei Texte, die schrottline keinem Autor zuzuordnen waren; kommt eben nicht so drauf an. Wers wissen wollte, musste die PDF-Dateien der beiden Seiten öffnen.

Dies gab der Chefredakteur von sich, und die Schlagzeile las ich wie eine Drohung:
Zum 60. Geburtstag 60 Seiten extra
(OZ) -
 
Jawoll, da ließ sich jemand hinreißen, eine Spitzmarke vor den Text zu schreiben, wohingegen Spitzmarken vor Kopiertem fehlen und in einzelnen Fällen Kopiertes sogar als Eigenbeitrag ausgegeben wurde.
... Die OZ ist — am 14. August 1952 gegründet — im 60. Jahr ihres Bestehens mit 145 000 Exemplaren die auflagenstärkste Tageszeitung in Mecklenburg-Vorpommern (deren Auflage unaufhörlich sinkt)Und wenn man ehrlich ist, (Sonst ist der Chefredakteur oder sonstwer, eben man, wohl unehrlich?) muss man (Wer ist man?) auch sagen, dass wir ... das schönste und wirtschaftlich stärkste Verbreitungsgebiet (mit der ärmsten Bevölkerung) im Land haben.Das Unternehmen ist gesund, wir werden gern (aber von immer weniger Leuten) gelesen und haben so allen (?) Grund, in diesem Jahr unser Jubiläum auch publizistisch zu feiern. Unter dem Arbeitstitel „60 Jahre — 60 Seiten“ werden wir im Spätsommer zum Geburtstag eine Sonderausgabe herausbringen, in der wir die Entwicklung des Landes und die Entwicklung der Zeitung ausführlich darstellen — mit interessanten (?) Interviews, Berichten, Reportagen und Porträts.
... und einer möglichst großen Zahl von Unternehmensanzeigen, vergaß der Chefredakteur hinzuzufügen. Allein schon, um Unternehmer nicht zu verschrecken, wird die OZ weder etwas ausführlich noch kritisch-hochwertig darstellen; es wäre so ziemlich das erste Mal.

Ansonsten vergaß der Cheffi bei aller Verkünderei anzukündigen, wann der Abopreis erhöht wird.

Den Hammer lieferte der Cheffi im letzten Satz:
Das heißt, wir von der OZ blicken optimistisch ins Jahr 2012 — und so bleibt mir nur noch, Ihnen allen alles Gute zu wünschen ... und der OZ immer eine starke und glückliche Hand. (z.B. mit den Unwörtern des Jahres,  mit der Verwechslung von Himmelsrichtungen, mit dem schrottigen Onlineauftritt ...) Damit das Blatt bleibt, was es heute ist (bloß keine Veränderung): eine gewichtige Stimme des Nordens, der die Menschen vertrauen.
Das ist elende Kammschererei und Schönschreiberei, typisch Chefredakteur und typisch OZ. Ich kenne niemanden, der der OZ vertraut. Wer der OZ vertraut, kann es mich per Kommentar wissen lassen, aber mit Begründung bitte. Ich warne immer wieder, direkt und indirekt, davor, der OZ zu vertrauen. In sieben Jahren - heute vor sieben Jahren trug ich erstmals ein - habe ich mit nahezu 11000 Einträgen belegt, dass Sie sich vorsehen müssen vor der gewichtigen Stimme des Nordens, wenn Sie nicht auf Einseitiges, Propagandistisches, Regierungsergebenes, Unternehmerfreundliches, Diskriminierendes, Schöngeschriebenes, Vernebeltes, Krämerseliges, auf Reklame, Lügen und Falschmeldungen hereinfallen wollen. (Zu meinen rund 11000 Einträgen gehören viele mit Hinweisen auf Informationen, die die OZ Ihnen aus Gründen vorenthält.)

Der Geschäftsführer verkündete u.a.:
Im Sommer gibt es die OZ fürs Handy
Der Schrecken nimmt kein Ende: Nun auch noch den schrottigen Onlineauftritt aufs Handy. Wer tut sich das an?
... Unser neues Geschäftsfeld — die Briefzustellung — ist äußerst erfolgreich. ...
 Dass die Chefredaktion stillschweigend hinnimmt, dass in der Briefzustellung schlimme Zustände herrschen, ist ebenfalls symptomatisch für die OZ. Ich stelle mir all die wichtigen Gesichter vor, die die 400 Gäste bei dem Satz des Geschäftsführers machten und, es ekelt mich dabei.
Unser Verlag steht wirtschaftlich gut da — und das garantiert auch die Unabhängigkeit der Tageszeitung. 
 Unabhängig von wem? Ich erkenne mehrere Abhängigkeiten, z.B. die von Anzeigen, von den Abogeldern, die von Nachrichtenagenturen.
Artikel 5 unseres Grundgesetzes besagt: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten. Eine Zensur findet nicht statt.“ Diesem Anspruch täglich gerecht zu werden, ist unsere Aufgabe, der wir mit Freude nachgehen. ...
Die OZ-Redaktionen zensieren sich selbst; es bedarf nicht einmal einer Einwirkung von außen, siehe Nordbrief.

Der Minipräsident des Armenhauses Deutschlands schmierte der OZ bildlich aber heftig Honig ums Maul, dass es geklatscht haben musss:
OZ ist Teil unserer Heimat, Teil unserer Identität
 Wie bitte? Sie ist was, Teil unserer Identität? Wer ist uns? Wen wagt der Minipräsident ungefragt bildlich in den Honigtopf zu werfen, aus dem er das Schmiermittel grapscht, auch jenes Viertel von Lesern, die innerhalb der vergangenen zwölf Jahre ihr Abo kündigten, auch jene, die nie das Blättchen lesen?
Die OZ gehört für viele Menschen (korrekt wäre "für immer weniger Menschen" gewesen) in unserem Land genauso selbstverständlich auf den Frühstückstisch wie Brötchen, Butter und Marmeladenglas. Sie ist Teil unserer Heimat. Sie ist Teil unserer Identität.  ...
Sehrsehr klebrig.
Wir alle kennen die Diskussion: Wird die gedruckte Tageszeitung im Internet-Zeitalter zum Auslaufmodell? In einer Zeit, in der wir jede Information mit ein paar Mausklicks abrufen können — brauchen wir da wirklich noch die gedruckte OZ neben unserem Kaffeebecher? Ich meine: Ja, gerade im Internet-Zeitalter brauchen wir sie. 
Wer ist wir? Natürlich braucht Oma Pütt in der Pommerschen Straße die gedruckte OZ. Woher erführe sie sonst, wer gestorben ist? Alle anderen (Internetzugang vorausgesetzt) haben einen großen Vorteil: Sie erfahren im Internet früher, mit Hintergrund, weit gefasst, ausgewogen, kommentiert und kostenlos vieles von dem, was sie wissen wollen. Dafür ist die OZ zu 100 Prozent entbehrlich. Vieles von dem, was die OZ an Lokalnachrichten verkauft, können Interessierte mit wenigen Klicks erfahren, da es oft kopierte Pressemitteilungen sind. Andere Lokalnachrichten sind komplett wertlos und niemand weiß, ob stimmt, was da verkauft wird. Oft bleiben von ganzen Ausgaben tatsächlich nur die Traueranzeigen an Brauchbarem und Neuem - und dafür fast 22 Euro im Monat zahlen?.
Denn gerade dann, wenn Informationen nahezu unbegrenzt zur Verfügung stehen, wissen wir zu schätzen, wenn diese Informationsflut aufbereitet wird, geordnet, mit Hintergrundwissen angereichert, kommentiert.
In diesem Fall kann der Minipräsident (SPD) mit wir nur sich selbst meinen. Natürlich schätzt er die regierungsergebene, vor allem SPD-ergebene OZ (Bis zum Verkauf der OZ war sie CDU-ergeben, aber natürlich unabhängig.); mehr kann sich der Armenhausverwalter nämlich nicht wünschen. Deshalb die Honigschmiererei auf Steuerzahlers Kosten.
Ansonsten ist es Blödsinn, was er sich aufschreiben ließ, denn wer nicht täglich und bildlich auf den Kopf fällt, kann im Internet sehr einfach und komfortabel Nachrichtenquellen filtern und sich mit Informationen versorgen (RSS-Feeds z.B.) und sich aus brauchbaren Quellen Hinweise über die sozialen Netzwerke besorgen, nicht nur aber auch Kochrezepte. Ansonsten wissen treue Blogleser, wie es um das Aufbereiten, Ordnen, Kommentieren und um Hintergrund bestellt ist - schlecht. Tausende Bloeinträge belegen das.
Unsere (Unsere? Wem genau gehören die Regionalzeitungen in M-V, doch nicht dem Minipräsidenten?) Regionalzeitungen können weiter erfolgreich sein, wenn sie sich ... auf ihre Kernkompetenz konzentrieren, auf das, was sie von anderen Angeboten unterscheidet: auf Qualitätsjournalismus ... 
Was ist Qualitätsjournalismus? Wenn damit ein hohes Qualitätsniveau gemeint ist - ich spreche es der OZ ab und verweise ebenfalls auf tausende Belege im Blog.
und Hintergründe, 
Was die OZ als Hintergrund verkauft, ist zumeist in der Wikipedia nachzulesen. Ich behaupte, dass die OZ viel zu oft auf jeglichen Hintergrund verzichtet, weil sie vor allem Oberflächliches verkauft. Da ist kein Platz für Hintergrund; oft ist ja nicht einmal Platz für eine Gegenmeinung, eine zweite Quelle.
auf Informationen aus unserem Land, auf das Regionale, das Lokale, als Forum für die Gemeinschaft vor Ort in einer Stadt und Region.
Was an regionalen und lokalen Informationen angeboten wird, stammt oft aus Unternehmen, ist reine PR. Krasses Beispiel dafür ist seit Jahren der Umgang mit Aida Cruises. Das hat doch nichts mit Nachrichten zu tun, ist Werbung, für die Leser auch noch bezahlen. Es ist mitunter verwunderlich, was sich die Masse der Leser gefallen lässt.
Die OZ tut das und kann deshalb, denke ich, zuversichtlich in die Zukunft schauen.
Die OZ tut es sehr verhalten, auf einem sehr niedrigen journalistischen Niveau und kann keinesfalls zuversichtlich in die Zukunft blicken, wenn die Zukunft mehr als ein paar Jahre umfasst. Das besagen die Verkaufszahlen, auch hier nachzulesen.

21. Januar 2012

Geschockter Schaum

Eine Schaumschlägerin der Greifswalder Redaktion berichtete:
Amoklauf angedroht: Schülerin (15) versetzt Arndtschule in Schockzustand
 Die Schule, alle Lehrer und Schüler erlitten einen Schock, eine durch ein außergewöhnlich belastendes Ereignis bei jemandem ausgelöste seelische Erschütterung [aufgrund deren die Person nicht mehr fähig ist, ihre Reaktionen zu kontrollieren]?

Sie dürfen den Schockzustand glauben; schließlich haben Sie dafür Geld ausgegeben. Ich halte den Zustand für eine Übertreibung, Schaumschlägerei, denn im unteren Teil der überdimensionierten Schaumschlägerei steht:
... „Vor allem die Jüngeren hatten richtig Schiss. Die Angst stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Mir lief eine Gänsehaut über den Rücken“, schildert Karl-Dieter Schmidt, der Vorsitzende der Schulkonferenz, der ebenfalls vor Ort war. Die Größeren dagegen hätten cool getan (Nur so getan oder waren sie es? Bloß nicht nachfragen.). Etwa die Hälfte der Eltern habe daraufhin ihre Kinder abgeholt. Einige waren am Morgen auch gar nicht erst zum Unterricht erschienen. ...

Etwa jedes zweite Kind blieb in der Schule. Wie viele Kindern gar nicht erst zum Unterricht erschienen, bleibt unbekannt (Wird nirgendwo die Anwesenheit vermerkt?), weil es sich nicht zum Aufschäumen eignete. Außerdem passierte das am 20., nicht am 23. Januar, denn:
Auf eine Tischplatte wurde das Wort „Amoklauf“ geritzt. Daneben steht das Datum: der 23. Januar 2012. Eltern, Lehrer und Schüler waren in Aufruhr. Am späten Abend konnte die Androhung aufgeklärt werden.
Eine 15-jährige Schülerin der 9. Klasse hat am Donnerstag in der Ernst-Moritz-Arndt-Schule für Montag einen Amoklauf angekündigt. Die Drohung wurde im Chemieraum in einer Tischplatte aus Kunststoff entdeckt: Dort war das Wort „Amoklauf“ eingeritzt. Darunter, etwas kleiner, das Datum 23.1.12. Schüler, Lehrer und Eltern waren in heller Aufregung. Gestern Abend klärte die Kriminalpolizei die Amokankündigung auf. Nach intensiven Befragungen der Schüler war der entscheidende Hinweis von Mitschülern gekommen. Bei ihrer Vernehmung gestand die 15-Jährige die Tat. Die Polizei stuft die Sache als groben Unfug ein, schulische oder familiäre Probleme als Hintergrund seien nicht erkennbar. ...
Damit wäre die Sache erledigt gewesen. Doch die Autorin brauchte zum Aufschäumen fast 500 Wörter; passiert ja sonst nichts.

19. Januar 2012

Themenberg

Die OZ machte Reklame für die Grüne Woche. Beiläufig erwähnte sie in einer Außenspalte:
Geflügel-Berg
Die deutschen Bauern sind auf dem Weg zu einer gewaltigen Überproduktion von Geflügelfleisch.
Sind die, also alle Bauern Geflügelmäster? Laut OZ sind sie es.
Bundesweit seien Ställe für bis zu 36 Millionen Hähnchen geplant, schätzt der „Kritische Agrarbericht 2012“. Um die bundesweite Nachfrage zu stillen, seien jedoch 3,2 Millionen neue Plätze ausreichend. Der Bericht von Bauern, Umwelt- und Tierschützern sagt zudem einen ruinösen Preiskampf der Hähnchenmäster in Deutschland voraus. Derzeit gebe es schon etwa 80 Millionen Mastplätze, der Verbrauch wachse aber nur noch verhalten.
Darauf hat die OZ nicht eingehen können (Wo wurde die Blickpunktseite geschmiedet, ohne in das Archiv zu schauen?), was vor noch nicht einmal einer Woche im Blatt stand:
Förderstopp für Hühnerställe: Landwirte kritisieren Backhaus 
Der Bauernverband verlangt vom Schweriner Agrarministerium, dass auf Eis gelegte Anträge bewilligt werden.Seit Wochen liegen im Schweriner Landwirtschaftsministerium Förderanträge von Agrarbetrieben auf Eis, die Hühnerställe bauen wollen. Wie der Landesbauernverband am Donnerstag in Schwerin mitteilte, werde dadurch der Bau von 800 000 bis 900 000 Hähnchenmastplätzen blockiert. Bauernpräsident Rainer Tietböhl befürchtet, dass ein Investitionsstau entsteht und Fördermittel nicht ausgeschöpft werden. ... 
Darauf wird kein Bezug genommen? Was ist das für ein Blättchen?
Und dann:
Kritisiert wird in dem Agrarbericht auch die anhaltende Spekulation mit Agrarrohstoffen. Warentermingeschäfte mit Weizen oder Soja müssten ein geschränkt werden. Die Spekulation damit sei einer (welche entscheiden noch?) der entscheidenden Faktoren für steigende Preise und für wachsenden Hunger in der Welt. Experten warnen zudem vor einem Raubbau an den Wäldern, um im Zuge der Energiewende wieder mehr Holz als Brennstoff zu gewinnen.
Es wird immerhin mitgeteilt, das mit Agrarrohstoffen spekuliert wird.

Übrigens:
Der Agrarbericht bietet viele Anregungen für das kritische Auseinandersetzen mit dem Thema Landwirtschaft, also nichts für die OZ.

Schwarzgeschaltete Kammschererei

Es ist immer wieder bedrückend, wie die OZ über das böseböse Internet berichtet herzieht, heute sicherheitshalber auf der Meinungsseite:
Streik im Internet: Wikipedia trägt Schwarz
Es trug und trägt nicht mehr.
Der Widerstand gegen geplante US-Gesetze zur Kontrolle des Internets hat gestern einen Höhepunkt erreicht: Die englischsprachige Version von Wikipedia protestiert mit einem 24-stündigen Blackout gegen Netzsperren.
In den gesamten USA ärgerten sich die Internetnutzer: Wer an diesem Tag das Nachschlagewerk anklickte, suchte vergeblich nach schnell verwendbaren Informationen. Stattdessen erschien eine grau-schwarze Seite, die düsteren Zukunftsvisionen gleicht. Buchstaben werfen lange, Böses ahnende Schatten. Die Dramatik ist gewollt: Die in Kalifornien beheimatete Stiftung, die das digitale und kostenfreie Lexikon betreibt, protestiert gegen zwei Gesetzesinitiativen.
...
Alle Nutzer ärgerten sich? Das taten wohl eher jene, die zu faul waren, auf düsteren Seiten nachzulesen, warum einige Unternehmen, Wikipedia und Zehntausende Webseitenbetreiber bildlich Zeichen setzten, Zeichen, die auch in D. eine Rolle spielen, z.B. die unseligen Websperren Leyens/Guttenbergs. Zu den Verärgerten könnten auch jene gehören, die sich auf Medien verlassen, wie es hierzulande die OZ ist.
Die OZ betreibt Aufschäumung mittels Kammschererei, wie gehabt. Selbst in einer Meinungsäußerung sollten Journalisten bei der Wahrheit bleiben.

Genau das ist die Unterlassung solcher Medien wie der OZ: Sie berichten oberoberflächlich, ohne Hintergrund und weil Verlage in D. und Teile der Regierung ähnliche Pläne durchsetzen wollen, wie jene in den USA.

Hntergrund finden Sie z.B. hier:
... wer glaubt, dass es sich dabei um eine inneramerikanische Angelegenheit handelt, irrt. Wenn es in den USA niest und das Web schwarz wird, hat das ganze Internet Schnupfen. Die beiden geplanten Gesetze haben einen internationalen Vorläufer namens ACTA, das „Anti-Counterfeiting Trade Agreement“. Dieses wurde zunächst zwischen den USA und Japan ausgehandelt, doch mittlerweile ist die Europäische Union, vertreten durch die EU-Kommission, dabei, diesem „Schutzpaket zur Verwertung geistigen Eigentums“ beizutreten. Sollte ACTA wirksam werden, könnten auch europäische Internet-Provider im Rahmen der sogenannten „Störer-Mithaftung“ für Urheberrechtsverletzungen haftbar gemacht oder verpflichtet werden, den Verkehr der Datenpäckchen zu überwachen. ...
Wurde ACTA in Deutschland diskutiert? War Google geschwärzt und Wikipedia weg? Nichts dergleichen. Über ACTA hat der gemeine EU-Bürger nichts zu bestimmen, die neue Heimat des Geistes schon gar nicht. Dem Abkommen wurde in einer nichtöffenlichen Sitzung im Fischerei­ausschuss der Europäischen Union zu­gestimmt, wohl weil das Internet technisch zu den Schleppnetzen und Fangquoten gehört, mit denen man sich dort sonst befasst. ...
Geht es um die Verwertung geistigen Eigentums, handeln viele Verlage wie diese Organisation:
Die alten Giganten fanden die Web-Verdunkelung nicht witzig, die Millionen Amerikaner aufrütteln soll: Eine arrogante Aktion sei das und ein Missbrauch der Marktmacht sondergleichen, beschwerte sich die mächtige Motion Picture Association of America. Doch ihr Einfluss ist am Schwinden. Noch vor den Protest-Abschaltungen von Google und Wikipedia signalisierten einflussreiche US-Politiker, dass bei den beiden umstrittenen Gesetzentwürfen Abstriche möglich sind. Besonders die Iternetssperren müsse man überdenken.
Und noch etwas: Die Aktion hat bereits gewirkt:
8 Senatoren im US-Senat stellen sich gegen "Stop Online Piracy Act" (SOPA), und den "Protect IP Act" (PIPA). Damit zeigt der Protest von vielen großen und kleinen Seiten gegen diese Gesetzesvorhaben in den USA erste Erfolge. Sieben der Senatoren, die laut Ars Technica ihre Unterstützung zurückzogen, hatten das Gesetz mit eingebracht. Damit wackele das Gesetz nach Einschätzungen von Aktivisten, aber es falle noch nicht: Die republikanischen Abgeordneten, die ihre Unterstützung zurückzogen, wollten das Gesetz lediglich überarbeitet sehen. Die New York Times spricht von einem "Politischen Erwachsenwerden" der Internetindustrie. ...
Hier noch etwas über die angeblich Verärgerten:
... Laut Google haben 4,5 Millionen Menschen mit verschiedenen Mitteln gegen die Gesetzesvorhaben protestiert. So schwärzten laut einer Sprecherin der Blogplattform wordpress.com Zehntausende von Bloggern ihre Seiten. Tausende Betreiber eigener Wordpress-Installationen luden Protest-Plugins herunter. Auch andere Seiten mit großen Communities wie reddit machten ihrem Unmut Luft. Ebenso veränderten viele Nutzer auf Twitter, Facebook und Google+ laut BlackoutSopa ihr Profilbild.
Neben dem Verändern oder Unzugänglichmachen von Internetseiten oder Diensten sprossen auch andere Protestformen: So kann die Android App "Boycott SOPA" den Benutzer erkennen lassen, ob die Hersteller eines Produktes SOPA unterstützen.

6. Dezember 2011

Wie die OZ ein Feindbild erzeugte

Nicht einmal in der Titelgeschichte gelingt dem Rätselblättchen eine Antwort auf die kammschererische Frage:
Heizöl 27 Prozent teurer: Müssen wir im Winter frieren?
Ich fühle mich von der OZ nicht befragt, weil ich nicht mit Heizöl heize. Aber ich kann gar nicht mit WIR gemeint sein, denn ich bin laut OZ nicht einmal ein Deutscher. Aber Sie als Abonnenten sollten der ahnungslosen OZ die Frage beantworten; schließlich bezahlen Sie dafür.
Nur für eine Gruppe wird die Frage tatsächlich beantwortet:
... Für knapp 200 000 Hartz- IV-Empfänger im Land springt der Staat in die Bresche ...
Tja, da können Sie mal wieder sehen, wie gut es laut OZ Alg 2-Berechtigten geht. Die brauchen nicht zu frieren; die können sicher sein, wohlig gewärmt über den Winter zu kommen. Aber wir, wir werden wohl frieren müssen und zahlen mit unseren Steuern auch noch die Heizkosten für dieses arbeitsscheue Pack, das sich auf Kosten der Steuerzahler schlaftrunken durchs Leben säuft und frisst und jetzt auch noch wärmt, wohingegen wir frieren werden.
So wird ein Feindbild erzeugt, und nur wenige merken es.

Noch etwas zum Kommentar, mit dem den Leser bildlich eingeheizt wurde (Wie dämlich seid ihr Leser eigentlich?):
... Für Heizöl, Gas oder Fernwärme müssen Mieter und Wohnungseigentümer immer tiefer in die Tasche greifen.
Geradezu paradox wirkt es dagegen, dass immer noch im großen Stil Energie verschwendet und zum Beispiel mit angekippten Fenstern gelüftet wird. Ganztägig. Oder dass kaum ein Gaskunde den Versorger wechselt. Die Folge: wenig Wettbewerb. Preisvergleiche und Sammelbestellungen mit Nachbarn können auch beim Heizölkauf Kosten sparen. ...
Über Jahre hinweg hat die OZ die Bunkerbewohner unter den Lesern nicht darauf hingewiesen, welche Möglichkeiten Geld zu sparen der Energieanbieterwechsel bietet. (Dass damit der Grund für das hemmungslose Preisdiktat bestehen bleibt, ist eine andere Geschichte.) Besonders tat sich die Usedomer Redaktion mit Verschweigen hervor und biederte sich lieber mit Öffentlichkeitsarbeit bei Eon an.
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