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29. Oktober 2008

Schlagzeile des Tages

Die Usedom-Peene-Zeitung als Mutmacher vom Dienst:
Firmen trotzen Finanzkrise: Arbeitsmarkt entspannt sich
Wie bitte, Firmen trotzen der Finanzkrise? Für viele Firmen gibt es nichts zu trotzen, da sie die Finanzkrise wenig betrifft. Beträfe es sie, wären die meisten Firmen nicht in der Lage zu trotzen.

Wer aber einigermaßen informiert ist, weiß, dass eine Weltwirtschaftskrise begonnen hat, die natürlich nicht nur Exporteure treffen wird. Wer auch nur ein wenig über Wirtschaftskrisen erfahren hat, weiß, dass sie sich etwa sechs Monate nach deren Einsetzen auf den Arbeitsmarkt auswirken.

Übrigens, was Firmenchefs oder deren Vertreter so alles sagen, wenn der Tag nur lang genug ist und der Journalist harmlos genug, zeigt mein Eintrag zu Hanseyachts von gestern.

Lesen wir uns in etwa einem halben Jahr wieder!

28. Juli 2009

Kommentar zum Kommentar

Es wäre nur halb so schlimm mit der Verbreitung von Mist (Kauflauneindex), würde er nicht auch noch zum Schwadronieren eingesetzt:
Verbraucher optimistisch
In Konsumlaune
Es ist schon erstaunlich: In der Industrie brechen die Aufträge in einem bisher nicht gekannten Ausmaß ein, die Kurzarbeit nimmt rasant zu - und die Bundesbürger lassen sich ihre Konsumlaune trotzdem nicht verderben.
Daran ist nichts erstaunlich, was hier und in Dutzenden Blogeinträgen bemerkt wurde, außer für Träger riesiger Scheuklappen, wie sie der Kommentator getragen haben muss.
Glaubt man den Konsumforschern, dann ist die Stimmung der Verbraucher sogar noch ein bisschen besser geworden.
Wer ist man, und warum sollte dieser Mann, der Kommentator(?), den Konsumforschern glauben, ohne zu wissen, wie die Daten zustande kommen, ohne sich auch nur einen Moment darum zu scheren? Ist ein Journalist gläubig, sollte er einpacken - Beruf verfehlt, denn Tatsachen sind keine Glaubenssache. Glauben ist Mangel an Wissen.
Die Bürger, denen oft Schwarzmalerei und ein Hang zum Jammern nachgesagt wird, trotzen der Krise und konsumieren.
Wer wirft ihnen das vor, und wer verbreitet das Geschwätz?
Eines der meistgeschundenen Wörter ist zur Zeit das Verb trotzen. Es ist zur Stanze verkommen, wegen seines gedankenlosen Missbrauches durch Leute wie den Kommentator. Offensichtlich fehlt es dem Mann an Phantasie sich vorzustellen, dass es in D Abermillionen Arme gibt, die jeden Cent in jedem Monat ausgeben, weil sie sonst Hunger leiden müssten. Ihm fehlt die Erkenntnis, dass auch jene, die etwas mehr Einkommen erhalten, wenig oder nichts sparen können. Sie trotzen nicht der Krise.

Wie sollten sie das auch anstellen? Und warum sollte irgendjemand der Krise trotzen. Was ist das für ein Unsinn? Sollten die Trotzer zukünftig keine Steuern zahlen, damit der Staat seine Kredite nicht zurückzahlen kann, Kredite, die er aufnahm, um Banken Geld zu verschaffen, damit er von den Banken Kredite erhalten kann?
Zum Glück. Denn bei zweistelligen Rückgängen im Export (-17,2%, 1.Qu. '09 zu 1. Qu. '08) würde ein rasanter Einbruch der Binnennachfrage die schwierige Wirtschaftslage noch verschärfen.
Aha, die Binnennachfrage, wie kann sie gestärkt werden? Z.B. wäre das durch Preissenkungen möglich, u.a. mit der Folge, dass die Einkommen sinken würden - Deflation.
Dass natürlich die Einkommen der Masse erhöht werden müssten, darauf kommt der Kommentator nicht, ist auch nicht möglich wegen der Scheuklappen.
Einfach mal dies bedenken:

Die Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer gingen im Vorjahresvergleich (1.Qu. '09 zu 1. Qu. '08) nach Abzug der Entwicklung der Verbraucherpreise um 2,3 % zurück. Über den ganzen Zeitraum seit dem 1. Quartal 2000 sind die Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer real um 6,0 % gesunken ...

Weiter mit dem Gesülze:
So weit ist es bisher nicht gekommen. Die Menschen haben Vertrauen darauf, dass die Talsohle bald durchschritten sein wird. ...
Wie ist das möglich, da das bildliche dicke Ende (Anstieg der Arbeitslosenquote mit der Folge weitere Einkommensverluste mit der Folge noch geringerer Binnennachfrage) erst noch kommt. Es ist möglich, weil den Bunkerbewohnern z.B. der Unsinn mit der Kauflaune vorgegaukelt wird, oder weil sie solch einen Kommentar bezahlen und ihn deshalb lesen.
Eine bildliche Hintertür ließ sich der Kommentator doch noch offen und damit ist der gesamte Kommentar überflüssig:
Sollte wider Erwarten die Konjunkturerholung im Herbst ausbleiben, dürfte der Optimismus der Verbraucher einen gehörigen Dämpfer bekommen.
Welcher Optimismus?

Wider Erwarten? Dann lesen dies:

Die Krise ist nicht vorbei
HISTORISCHE KRISE


Ob Finanzmärkte oder Firmenbosse: In der Wirtschaft wird an den nahenden Aufschwung geglaubt. Aber wo soll er herkommen? ...

woher sollte die Kraft für einen Aufschwung der deutschen Wirtschaft im nächsten Jahr kommen? Sicher nicht von den Unternehmen. Deren Gewinne sind in diesem Jahr dramatisch eingebrochen. Auch volle Lager und stillstehende moderne Maschinen haben noch keinen Unternehmer zum Investieren angeregt, selbst wenn die Zinsen niedrig sind.

Der private Verbrauch ist ebenfalls keine Stütze für die Wirtschaft. Gewaltige Kurzarbeit und drohende Arbeitslosigkeit sind nicht der Stoff, aus dem Konsumräusche gemacht sind. Zudem werden in vielen Unternehmen Arbeitszeit und Löhne gekürzt, um die Verluste klein zu halten. Das schwächt die Nachfrage weiter, weil die Arbeitnehmer nun weniger Geld zur Verfügung haben.

Es kommt ein gefährlicher Teufelskreis in Gang: Um ihre vollen Lager zu leeren, senken viele Unternehmen die Preise - was bei Konsumenten aber keinen Kaufrausch auslöst. Stattdessen warten sie darauf, dass die Preise noch weiter fallen. Eine solche Phase der Deflation droht jetzt in der Bundesrepublik. ...

Versuchen Sie doch mal, sich den Rest von der OZ erklären zu lassen.

5. Mai 2009

OZ leistet Anrufzentralen Wirtschaftshilfe auf Kosten der Leser

Die OZ hat seit im 1. Quartal dieses Jahres 26 Prozent weniger Zeitungen verkauft als im 1. Quartal 1998. Die Zahl der Abonnenten verringerte sich im selben Zeitraum um 27 Prozent. Da glaubt der unbedarfte Leser natürlich, das Unternehmen sei auf jeden Cent angewiesen. Einen Gegenbeweis lieferte die OZ mit dieser Stellenanzeige einem redaktionell verarbeiteten Notruf von sog. Callcentern, die die Arbeitsagentur als Stichwortgeber vorschoben:
Call-Center suchen Arbeitskräfte
Die Call-Center in MV trotzen der Wirtschaftskrise.
Natürlich, sie trotzen. Damit Sie wissen, wie falsch die Wortwahl war:

trotzen
sich aufbäumen, sich auflehnen, die Stirn bieten, entgegentreten, entgegenwirken, Front machen, opponieren, Sturm laufen, sich wehren, sich widersetzen, Widerspruch erheben, Widerstand leisten, sich zur Wehr setzen; (geh.): aufbegehren, sich bäumen, frondieren; (bildungsspr.): rebellieren, revoltieren; (ugs.): auf die Barrikaden gehen/steigen, sich auf die Hinterbeine setzen/stellen, aufmucken, meutern; (geh. veraltend): aufstehen; (veraltet): trutzen.
© Duden - Das Synonymwörterbuch, 4. Aufl. Mannheim 2007 [CD-ROM]
Im Gegensatz zum produzierenden Gewerbe vermelden die Telefondienstleister einen Einstellungsbedarf, teilte die Agentur für Arbeit gestern in Stralsund mit. So würden in Call-Centern in Lietzow auf Rügen 50 Mitarbeiter und in Anklam rund 150 Mitarbeiter für Telefon-Jobs gesucht. ...
Prima Anzeigentext, doch die OZ verzichtete auf das Geld aus dem Verkauf einer entsprechenden Anzeige.
Das ist die Art der OZ, die Wirtschaft zu fördern, auf Ihre Kosten natürlich, statt endlich kritisch nachzufragen, welche Rolle die geringe Entlohnung in Anrufzentralen spielt und welche die Art der Arbeit.

3. März 2009

Als ob sich eine Glucke aufplustert

Die OZ greift bildlich nach jedem Strohhalm, um eine Schönschrift zu fabrizieren, heute als Titelgeschichte:
Von wegen Krise: In den Möbelhäusern brummt's
In unsicheren Zeiten wie jetzt ziehen Kunden offenbar größere Investitionen in der Wohnung vor. ...
Was heißt offenbar? Es heißt, der Autor weiß es nicht, hält es aber für möglich - und macht daraus die Titelgeschichte, unfassbar.

Der Text beginnt mit dieser Aussage, die ich für Quatsch halte:
Die Möbelhäuser in Mecklenburg-Vorpommern trotzen der Wirtschaftskrise.
Wieder einmal wurde ein Trotzköpfchen entdeckt? Möbelhäuser können keiner Krise trotzen, auch wenn die OZ das steif und fest behauptet. Glauben sie es nicht, denn es ist logisch nicht möglich.

trotzen
sich aufbäumen, sich auflehnen, die Stirn bieten, entgegentreten, entgegenwirken, Front machen, opponieren, Sturm laufen, sich wehren, sich widersetzen, Widerspruch erheben, Widerstand leisten, sich zur Wehr setzen; (geh.): aufbegehren, sich bäumen, frondieren; (bildungsspr.): rebellieren, revoltieren; (ugs.): auf die Barrikaden gehen/steigen, sich auf die Hinterbeine setzen/stellen, aufmucken, meutern
© Duden - Das Synonymwörterbuch, 4. Aufl. Mannheim 2007 [CD-ROM]


Lesen Sie noch einmal die Schlagzeile. Es soll also brummen in den Möbelhäusern (Wahrscheinlich sind die Aufzüge unentwegt in Betrieb).
Was der Schlagzeilenschmied, ein ausgemachter Schönschreiber, unter "brummen" versteht, lesen Sie hier:
Wie auch bei anderen langlebigen Konsumgütern sei der Umsatz im Möbelhandel zu Jahresbeginn besser gewesen als Anfang 2008. Qualitativ hochwertige Möbel verkauften sich dabei besser als Discountware: Es gibt ein leichtes, aber eindeutiges Plus.
Ein leichtes, aber eindeutiges Plus, und schon lässt die OZ es in den Möbelhäusern brummen.
Was die OZ gleich gar nicht mitteilt: Wie viel ist das, ein leichtes, eindeutiges Plus? Der Leser wird im Unklaren gelassen und muss die OZ für eine Rätselzeitung halten.
Hier noch eine seltsame Aussage:
Als Grund (für das Brummen in den Möbelhäusern) nannte Kopp zum einen den Trend zur Häuslichkeit in schwierigen Zeiten. "Die Leute sagen sich, in der Krise mache ich mein Haus schön."
Die Leute sagen? Wie viele Leute haben ihm das gesagt? Hat er eine Umfrage machen lassen? Wie lautete die Frage?

Scheinbar kann jeder, der Material für eine Schönschrift liefert, sagen, was er will, die OZ glaubt und vervielfältigt es. Pech für die Leser, die das nicht mitbekommen.

1. Oktober 2009

OZ trotzt dem wahren Arbeitsleben

Allerlei Unsinn über den Arbeitsmarkt können Sie heute in der OZ lesen, z.B., dass er trotzt, z.Zt. eines der Lieblingswörter in den Redaktionen.
Arbeitsmarkt trotzt Krise
... Im Vergleich zum Vorjahr sind aber 266 000 Menschen mehr arbeitslos. ...
Abgesehen davon, dass ein Markt nicht trotzen kann, sind trotz allerlei Statistik-Tricks eindeutig mehr Menschen arbeitslos als im Vorjahresmonat. Die 1,4 Millionen Kurzarbeiter werden nicht einmal erwähnt - klar, sie sind ja nicht arbeitslos.
Die Arbeitslosenquote sank (in M-V) im Vergleich zum August von 12,8 auf 12,2 Prozent, das ist der geringste Wert in einem September seit der Wende. ...
Diesem Quatsch trotze ich,
(trotzen sich aufbäumen, sich auflehnen, die Stirn bieten, entgegentreten, entgegenwirken, Front machen, opponieren, Sturm laufen, sich wehren, sich widersetzen, Widerspruch erheben, Widerstand leisten, sich zur Wehr setzen; (geh.): aufbegehren, sich bäumen, frondieren; (bildungsspr.): rebellieren, revoltieren; (ugs.): auf die Barrikaden gehen/steigen, sich auf die Hinterbeine setzen/stellen, aufmucken, meutern; (geh. veraltend): aufstehen; (veraltet): trutzen.
© Duden - Das Synonymwörterbuch, 3. Aufl. Mannheim 2004 [CD-
ROM])
denn was hier verbreitet wurde, ist grundfalsch. Ein Vergleich der Arbeitslosenzahlen mit denen von 1991 führt zu falschen Aussagen, weil durch zahlreiche Veränderungen bestehender Gesetze, durch neue Gesetze und statistische Tricks etwa eine Million Arbeitslose weniger gezählt werden, als existieren.

Denselben Fehler machte ein Redakteur der Greifswalder Zeitung:
Greifswald hat geringste Arbeitslosigkeit seit 1991
Blödsinn! Nicht einmal die Zahlen von 2008 können mit denen von 2009 verglichen werden. Er tut es, der Hochwertjournalist.

Dazu ein paar kostenlose Hinweise:

... Marco Bangel von der Postbank erklärte: "Die Regelung zum Kurzarbeitergeld und auch statistische Effekte durch die Umgliederung der Arbeitslosen verzerren das Bild." ...

Hier mehr zur geschönten Statistik:

... * der starken Zunahme von Minijobs,
* dem drastischen Anstieg der Leiharbeit,

* dem Hineindrängen der Arbeitssuchenden in 1-EUR-Jobs,
* dem demografisch bedingten Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials (hierdurch vermindert sich automatisch die Zahl der Arbeitslosen, allein im Jahre 2009 um jahresdurchschnittlich ca. 150.000 Personen),

* statistischen Tricks (so werden z.B. seit 2007 viele Arbeitslose über 58 Jahre statistisch nicht mehr als Arbeitslose ausgewiesen),

* der seit 2007 vorgenommenen Verschärftung der "systematischen Überprüfung des Arbeitslosenstatus" durch die Bundesagentur für Arbeit. Hierdurch sind viele Arbeitslose aus der offiziellen Arbeitslosenstatistik herausgefallen ...
Hervorhebung von mir

Ganz ausführlich und umfassend wird hier analysiert:

Der letzte Arbeitsmarktbericht aus der Zeit vor den Wahlen: Immer mehr echte Arbeitslosigkeit und eine verlogene Statistik

... Nach einem weiteren Gesetz zur Neuregelung von Arbeitsmarktinstrumenten werden seit Mai dieses Jahres alle Arbeitslosen, die durch private Träger betreut werden, nicht mehr als arbeitslos gezählt. Im April waren Dritte bundesweit für rund 200.000 Personen mit der Vermittlung beauftragt, wobei die Teilnahmen an diesen Instrumenten ab Mai 2009 sukzessive auslaufen. Die Bundesanstalt gibt für Juli keine neuen Daten an, liefert aber eine Schätzzahl für die „Unterbeschäftigung" - eine euphemistische Umschreibung für „Arbeitlosigkeit" -, in die die frühere Beauftragung Dritter eingeht.
Hervorhebung von mir

„Unterbeschäftigt" sind nach Bundesagentur im engeren Sinne Personen in
beruflicher Weiterbildung,

Arbeitsgelegenheiten,

Arbeitsb
eschaffungsmaßnahmen,
Beschäftigungszuschuss,

vorruhestandsähnlicher Regelung,
Arbeitsunfähigkeit (§ 126 SGB III)

im weiteren Sinne zusätzlich Personen mit
Gründungszuschuss,

Existenzgründungszuschüsse,

Einstiegsgeld - Variante: Selbständigkeit oder in Altersteilzeit.


Die Unterbeschäftigung im weiteren Sinne soll im September bei 4,5 Millionen gelegen haben (noch ohne Kurzarbeit) und damit 1,1 Millionen mehr als die offiziell ausgewiesene Zahl der Arbeitslosen. Hier wird also Arbeitslosigkeit versteckt.
...

Mal sehen, wie lange die OZ in Sachen Arbeitsmarkt noch dem Rest der Wahrheit trotzen kann, paradox für eine Tageszeitung.
Im Übrigen schlage ich der OZ statt diesem

einen neuen Werbespruch vor:
Ostsee-Zeitung
agenturabhängig, unternehmerfreundlich, CDU-nah und regierungsergeben

8. Januar 2009

Vorsicht, Arbeitslosenzahlen!

Usedom-Peene-Zeitung, nur als Beispiel für die anderen Ausgaben:
Arbeitsmarkt trotzt schlechten Wirtschaftsprognosen
Wieder einmal ist die Schreibe vom Trotzen. Ich wette darauf, dass weder ein Arbeitsmarkt noch das Weihnachtsgeschäft trotzen können. Das ist Käse! Meiner Meinung nach trotzt niemand, weder Arbeitgeber, Arbeitnehmer, noch Arbeitsmarkt.
Die Zahl der Erwerbslosen ist im Landkreis zwar leicht gestiegen. Dies ist laut Arbeitsagenturchef aber saisonal bedingt. Insgesamt halte die Entspannung auf dem Jobmarkt weiter an. ...
Imerhin brachte der Autor dies zustande, für die OZ etwas Besonderes:
Chef der Arbeitsagentur Stralsund ... Jürgen Radloff betonte allerdings auch, dass die Statistik ohne Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Qualifikationen nicht ganz so freundlich aussehe. Ohne deren Entlastungswirkung würde die Arbeitslosenquote für den Stralsunder Agenturbereich 18 Prozent statt derzeit 15,2 Prozent betragen. ...
Allerdings ist das lange noch nicht alles, womit die Statistik geschönt wird und die OZ schönt immer fleißig mit. Ich schrieb dazu ausreichend.
Eien ausführliche Analyse des deutschen Arbeitsmarkt finden Sie hier, u.a. auch dies:

1. Vorbemerkung zur Qualität der Arbeitsmarktzahlen

Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit für Dezember lassen Zeitphasenvergleiche und damit eine Beurteilung der Entwicklung kaum noch zu, weil immer neue Veränderungen und Manipulationen in der statistischen Basis erfolgt sind.

So wurde Ende 2006 eine neue Saisonkurzarbeitergeld-Regelung eingeführt, bei der praktisch arbeitslose Bauarbeiter in Schlechtwetterphasen Kurzarbeitergeld in Höhe des sonst üblichen Arbeitslosengeldes enthalten und damit anders als früher nicht mehr als arbeitslos gezählt werden.

Aufgrund einer anderen Neuregelung in 2007 werden viele der über 58-Jährigen nicht mehr als arbeitslos geführt, obwohl sie noch arbeiten wollen.

Nach einem weiteren Gesetzentwurf zur Neuregelung von Arbeitsmarktinstrumenten sollen künftig alle Arbeitslosen, die durch private Träger betreut werden, nicht mehr als arbeitslos gezählt werden (im Oktober fielen darunter rund 149.000 Arbeitslose, insgesamt waren es 2008 rund 300.000 Erwerbslose).

Außerdem hat die Arbeitsverwaltung in 2007 die systematische Überprüfung des Arbeitslosenstatus verschärft, ohne den darauf entfallenden "Rückgang" der amtlich gezählten Arbeitslosigkeit zu benennen.

Die Zahlen vom Dezember 2008 sind also kaum noch mit denen des Vorjahres vergleichbar. Jedenfalls werden nur noch wenig mehr als die Hälfte der Arbeitslosengeldbezieher als arbeitslos registriert.

Oder auch das:

Gedanken zur Zeit 1157 08-01-09: Die amtlichen Lügen vom Arbeitsmarkt haben immer kürzere Beine

Darüber erfahren Sie nichts in der OZ, dem Regierungsblättchen.

5. Dezember 2008

Anleitung für eine Schönschrift

Es ist ganz einfach schönzuschreiben. Der Verfasser nehme etwas so Banales wie den Wirtschaftszyklus, also das Wachsen und das Schrumpfen der Wirtschaftsleistung. Dann gehe er zu einem Unternehmer und lasse sich erklären, dass mittel- und langfristig (Wie lange ist das?) es wieder aufwärts gehen werde, garniere das Ganze mit ein paar Zahlen und schon ist die Schönschrift fertig - von der kaum ein Leser einen Informationsgewinn hat.
So sieht das Ergebnis aus:
Deutsche Reeder trotzen schwerer See
Das Wachstum der Branche schrumpft zwar auf 7 Prozent, mittel- bis langfristig sieht der Verband aber eine positive Entwicklung.
Mehr als in dem Vorspann erfahren Sie aus dem Text (340 Wörter) nicht.

Der erste Satz ist eine der übelsten journalistischen Stanzen, die ich kenne. Irgendwann war laut OZ auch die Hanse-Kogge in schweres Wasser geraten und ich weiß nicht, wer noch alles, und immer war jemand da, der Kurs hält:
Die deutsche Schifffahrt ist in schweres Wasser geraten, hält aber Kurs.
Mit einem überflüssigen Leitartikel garniert ein OZ-Wirtschaftsweiser und erprobter Schönschreiber das Banale mit Banalem:
Schiffe werden gebraucht
Wer hätte das gedacht! Wie die Schlagzeile, so der Text.

Totgesagte leben länger. Erinnert sei in der aktuellen Situation des Schiffbaus, der mit massiven Finanzierungsproblemen kämpft, dass zu Beginn der 90er Jahre auf die deutsche Werftindustrie niemand mehr einen Pfifferling geben wollte. Die Schiffbauer hierzulande sind krisenerprobt. ...
Deshalb verstehe ich, dass sich mitunter Leser beschweren, OZ-Redakteuren mangele es an Handwerkszeug (Ach, wenns doch das nur wäre!) :
Stilsicher und ausdrucksstark schreiben
Es schmerzt! Auf den Lokalseiten muss ich immer häufiger Artikel der Art lesen, wie ihn Frau Jonuschat geschrieben hat. Die Wortwahl zeugt oft davon, dass die Redakteure das rechte Maß für die Dosierung von Synonymen nicht mehr finden und ihre Texte dadurch den Eindruck übertrieben, gestelzten und unpassender Sprache erwecken. ...
Den Mann aus Hamburg lade ich ein, mir beim Bloggen zu helfen. Wer gibt ihm Bescheid?

31. Juli 2009

Arbeitsmarktpropaganda

Die OZ als selbsternanntes Hochwertprodukt ist unfähig, aus den Arbeitsmarktberichten etwas anders zu machen als Propaganda und dafür die Leser bezahlen zu lassen:
MV trotzt Krise: So wenig Arbeitslose wie 1991
Schon wieder wird getrotzt, wo nicht getrotzt wird, eine ekeliger Wortmissbrauch. Für weitere Missbrauchsfälle der Hochwertzeitung geben Sie einfach in die Suchmaskke oben lingks "trotzen" ein.

Die Schlagzeile ist Quatsch, weil die aktuellen Zahlen mit denen von 1991 nicht vergleichbar sind. Es ist verantwortungslos, so einen Mist zu behaupten, wie es die OZ tat.
Dazu dies in Kurzform:

Fünf Millionen Arbeitslose - Offizielle Statistik vermittelt nur die halbe Wahrheit So werden z.B. die 326.000 Ein-Euro-Jobber (Juni 2009) nicht als Arbeitslose gezählt; gleiches gilt für die knapp 50.000 Menschen in Trainingsmaßnahmen, die 237.000 in beruflicher Weiterbildung, die 28.000 kranken Arbeitslosen, die 100.000, die einen Eingliederungs- bzw. Beschäftigungszuschuss erhalten. Ebenso wenig taucht in der Statistik auf, wer mit Geld aus der Arbeitslosenkasse in den Vorruhestand versetzt wurde (150.000). Die Große Koalition hat sich zusätzliche Tricks einfallen lassen, mit denen weitere Zehntausende Arbeitslose einfach wegretuschiert werden. So werden 58 Jahre alte Hartz-IV-Empfänger, die binnen zwölf Monaten keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angeboten bekommen, aus der Arbeitslosigkeit herausdefiniert. Im Juni waren es 30.000 Menschen; mit dem stark nachlassenden Arbeitsangebot wird diese Zahl weiter zunehmen. Seit Mai gilt eine Gesetzesänderung, nach der Erwerbslose nicht mehr gezählt werden, die von der BA zu privaten Vermittlern geschickt und von diesen betreut werden. Nach Angaben der BA fielen dadurch bisher 60.000 Arbeitslose aus der Statistik raus, bis November 2009 verschwinden etwa 200.000 aus der Zählung. Quelle 2: ISW München

Ausführlich wird der Unsinn, der auch von der OZ betrieben, auch hier ausführlich als Propaganda entlarvt:

Der Arbeitsmarkt im Juli 2009: Eine immer verlogenere Statistik auseinandergenommen Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit lassen Zeitphasenvergleiche und damit eine Beurteilung der Entwicklung kaum noch zu, weil immer neue Veränderungen und Manipulationen in der statistischen Basis erfolgt sind. Diese „Statistik" ist inzwischen die bei Weitem verlogenste, die amtlich in Deutschland erstellt wird. Ich empfehle dringend, diesmal den neuen Schwerpunkt „Arbeitslos im Juli 2009" zu lesen, der auch auf die statistischen Mängel eingeht. ...

Wenn es um Propaganda geht, steht mindestens eine Lokalredaktion der des Mantels nicht nach, die Usedomer:
Tourismus sorgt erneut für mehr Jobs
Und wer sorgt noch? Z. B. die Sozialagentur, und das geht so:
Tiefststände wurden auch im Bereich der Sozialagentur Ostvorpommern hinsichtlich der Arbeitslosenzahlen registriert. Im Juli gab es 5225 erwerbslose ALG II-Empfänger - das sind 9,6% der insgesamt 54593 erwerbsfähigen Personen. Zum Vergleich: Im Juli 2008 betrug die Quote noch 11,8% und im Juni 2009 noch 10,2%.
Und wie war das mit den Ein-Euro-Sklaven, die in der Statistik nicht als arbeitslos auftauchen? Sie werden im OZ-Bericht unterschlagen. Der Grund ist ganz einfach: Im Juli 2009 wurden 2500 Sklaven gezählt, im Vorjahresmonat waren es nur 1762; macht eine Differenz von 738 Personen, die einfach so totgeschwiegen werden. Würden die 738 Sklaven zu den erwerbslosen Alg 2-Empfängern hinzugezählt, betrüge die Quoten nicht 9,6, sondern elf Prozent, also nur 0,8 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.

10. Dezember 2008

OZ unterstellt allen Rostockern Untertänigkeit

OZ-Leser müssen einiges ertragen. Doch dies ist eine wiederholte abgrundtiefe und zugleich dreifache Fehlleistung:

Gestern auf OZ online:
Baby-Boom in Rostock
Rostock trotzt dem Bevölkerungsschwund. So meldete die Südstadtklinik die 2500. Geburt dieses Jahres. ...
Ich will nicht darüber debattieren, was ein Boom ist, sondern es geht um den ersten Satz.
Heute auf der Landesseite:
2500. Baby des Jahres in Rostocker Klinikum geboren
Die Rostocker stemmen sich gegen den Trend: Obwohl aktuelle wissenschaftliche Studien von einer unaufhaltsam schwindenden Bevölkerungszahl sprechen, meldet die Rostocker Südstadtklinik einen Baby-Boom. ...
Ich will nicht über den Boom diskutieren, denn es geht um den Satz vor dem Doppelpunkt.

In der unsäglichen rechten Spalte auf OZ online las ich:


Nach drei vermeintlichen Booms muss ich doch etwas dazu schreiben.
In der OZ ist ja alles Mögliche ein Boom:
Aufschwung, Rush, Wirtschaftsaufschwung; (geh.): Blüte; (bildungsspr.): Prosperität; (Wirtsch.): Hausse, Hochkonjunktur, Konjunkturaufschwung.
© Duden - Das Synonymwörterbuch, 4. Aufl. Mannheim 2007 [CD-ROM]

Wer eine Steigerung der Geburtenrate von 2,5 Prozent als Boom ansieht, soll es tun, es jedoch nicht als Nachricht, sondern als Kommentar, als eigene Meinung, verkaufen. Es ist eine Frechheit, den Lesern per Nachricht eine Meinung unterzujubeln.

Doch wie ich schrieb, ist das nicht das Schlimmste, sondern die doppelt falsche Aussage, Rostock stemme sich gegen einen Trend oder trotze dem Bevölkerungsschwund.

1. Es werden nicht nur Frauen aus Rostock in der Südstadtklinik entbunden, sondern auch Frauen aus der Umgebung, stand sogar in dem OZ-Artikel:
Gestern wurde die 2500. Geburt dieses Jahres in der Klinik gemeldet. Den Angaben zufolge wurde die Mutter aus Ribnitz-Damgarten (Landkreis Nordvorpommern) per Rettungswagen in die Klinik gebracht
Es ist also Blödsinn zu schreiben, Rostock trotze dem Bevölkerungsschwund.

2. Die OZ-Redakteure unterstellen Menschen, die Kinder zeugen, sie seien Spießbürger allererster Güte, von schwülstigem Patriotismus beseelt, ja obrigkeitshörig, wenn sie behaupten, die Rostocker trotzten dem Trend oder stemmten sich gegen den Bevölkerungsschwund.

Die meisten Leute haben einen einfachen Grund, Eltern zu sein: Sie wollen Eltern sein.
Wer ihnen unterstellt, dazu noch jenen, die nicht zeugungsfähig sind (die Rostocker), Kinder zu kriegen weil sie einem Trend trotzen, hat keine Sekunde lang nachgedacht und kann sich nicht einmal an Heinrich Manns "Untertan" erinnern. Diederich Heßling, der Untertan, sagt seiner Gattin in einem Eisenbahnabteil, es sei nun an der Zeit, Nachkommen für Kaiser und Vaterland zu zeugen.

9. Januar 2009

Der Trotz als Seuche

Nicht nur die OZ ließ gestern trotzen, auch ihr Rivale auf der Insel Usedom, der Nordkurier.
Allerdings ist der Trotz des Landwirtes im Gegensatz zu dem Blödsinn in der OZ glaubhaft, wenn auch das fehlende t in der Schlagzeile eine völlig andere Deutung zulässt, nämlich:

Obgleich es kalt ist, ist er Landwirt mit Strohheizung

22. Juli 2011

Über das Animateurswesen

Mitunter kommen mir OZ-Redakteure wie Animateure vor. Sie wollen die Urlauber unter den Lesern unter allen Umständen, hier das Regenwetter, in gute Laune versetzen, denn wer vorzeitig abreist, kauft keine OZ mehr (Während der Urlaubszeit werden doppelt so viele Einzelexemplare verkauft wie im 1. Quartal, z.B. auf Rügen/Hiddensee oder auf Usedom.):
Open Airs trotzen dem Regen
Durchhalten lohnt

... Offenbar gibt der Markt im Tourismusland MV diesen Open-Air-Überfluss her. Piraten, Jäger, Ritter, die Einheimische und Urlauber bespaßen. MV hat, das beweisen Festspiele von Grevesmühlen bis Ralswiek, von Zinnowitz bis Schwerin, jede Menge zu bieten. Weit mehr als Sonne, Strand und Ostseefeeling. Die Gäste honorieren es, auch wenn die Anbieter 2011 unter der schlechten Laune von Petrus stöhnen. ...
Es darf wieder gestöhnt werden.
Aber trotz Schietwetters gelingt es den Theatern, ihre Zahlen zu halten. Die Piraten in Grevesmühlen verzeichnen sogar Zuwachs um 22 Prozent. Glückwunsch! Und durchhalten. Im August wird‘s wieder sonnig. Bestimmt!
Ob Wetter oder Stau, alles nicht so schlimm, alles prima.

14. Mai 2010

Trotzredaktion

In der OZ darf mal wieder getrotzt werden, um eine Schönschrift ins Blatt zu bringen.

Anfang 2009 trotzten die Arbeitsmärkte,
Anfang März 2009 waren es die Möbelmärkte in M-V, die der Krise trotzten,
Im Mai 2009 trotzten die Anrufzentralen,
Ende Juli 2009 trotzten alle Verbraucher, indem sie verbrauchten und deshalb nicht verhungerten und/oder verdursteten,
Ende Juli 2009 trotzte gleich ganz M-V,
Anfang Oktober trotzte wieder der Arbeitsmarkt.

Und heute wird also wieder getrotzt, obwohl es nichts zu trotzen gibt.
Die sechs vorgestellten Trotz-Unternehmen produzieren was nachgefragt wird; das ist das ganze Geheimnis.

18. März 2009

Hintergrund: schöne Welt der privaten Altersvorsorge

Lebensversicherungen

Welche Einbußen gibt es in der Krise?


Drohen Banken zu kippen, könnten auch Versicherungs-unternehmen mitgerissen werden, denn traditionell sind beide sehr stark miteinander verflochten. Dennoch wiegelt der Branchenverband GDV beharrlich ab. Die Versicherer bilden so etwas wie ein Schweigekartell und trotzen beharrlich mit markigen Werbesprüchen wie "Die Finanzmarktkrise ist keine Krise der Versicherungen!"

Allerdings: Viele von ihnen, darunter auch der Branchenprimus Allianz, leiden massiv unter der Krise. Er zum Beispiel musste für das vergangene Jahr einen Verlust von 2,4 Milliarden Euro einräumen. Die Lebensversicherungssparte macht Probleme, die Kapitalanlagen sind eingebrochen. Prognose gibt es keine. ...

Die Aufsicht beschwichtigt und setzt nach dem Prinzip Hoffnung also allein auf eine rasche Erholung des Kapitalmarktes. Doch was passiert, wenn der Markt weiter nach unten geht und Versicherer ihre Kunden nicht mehr auszahlen können? Per Gesetz übernimmt dann die Auffanggesellschaft Protektor noch laufende Policen und führt sie fort. Aber Protektor verfügt nicht über die Finanzkraft, jeden vierten oder fünften deutschen Lebensversicherer aufzufangen. Dann müsste der Staat einspringen, wenn er die private Altersvorsorge in Deutschland retten will. Das wäre ein neues Fass ohne Boden.

Endlich hat jemand versucht, diese Frage zu beantworten:

Hypo Real Estate

Wenn die Bank in Insolvenz ginge ...


Es wäre ein Desaster, wenn die Hypo Real Estate unter ihrer Schuldenlast zusammenbräche. Dass das nicht passiert, hat die Bundesregierung versprochen. Was würde aber passieren, wenn doch? Wo stecken die Risiken bei der Hypo Real Estate (HRE), der Pfandbriefbank mit einer Bilanzsumme von 400 Milliarden Euro. ...

28. August 2008

Langweiler des Tages

Nachdem ich das gelesen hatte, wusste ich, was in dem Text steht und schenkte mir das Weiterlesen:
Camper trotzen dem Regen
Auch bei Schietwetter haben die Zelturlauber an der Ostseeküste ihren Spaß. Statt Sonnen sind Lesen und Grillen angesagt.
Mit dem 2. Satz ist gemeint (kleine Stilkunde): Statt sich zu sonnen, grillen und lesen sie.

Komisch ist es schon, auf der Titelseite den Durchhalteaufruf eines Campingplatz-Betreibers an die Camper zu lesen, um dann zu erfahren, dass die Camper gar nicht daran denken abzureisen. Was stimmt denn nun?
Anders ausgedrückt: Was wurde geschrieben, um das Sommerloch zu füllen? Ich vermute: beides.

Was ich gern von zahlenden OZ-Lesern erfahren möchte: Wie viel Spaß macht es Ihnen, für so etwas wie die widersprüchlichen Langweiler über das Camperleben Geld auszugeben?

27. März 2006

So geht es zu in den Rocky Mountains

Wer noch nicht in den Rocky Mountains war, erfährt heute aus der Usedom-Peene-Zeitung, wie es dort zugeht:
Reiter trotzen dem Wetter
W. Große war der Auskenner:
... Plötzlich ein Bild wie aus den Rocky Mountains: Reiter tauchen auf, schätzungsweise 20, ein Planwagen ist dabei. Die Mähnen der Pferde fliegen im scharfen Ritt, sie tragen auf den Sätteln verwegen in Leder und Pelzkappen gekleidete Männer und Frauen. Vorbei geht es an
Fischerbooten und bald sieht man das bunte Völkchen nur noch in der Ferne. ...
Ob dort wenigstens ab und zu auch ein Auto fährt?

17. März 2006

Wo sind sie geblieben?

Auf See gebliebener Fischer und Seeleute wird gedacht,

las ich in der Rügener Zeitung.
Was bedeutet "auf See geblieben"? Sind sie ertrunken oder irren sie wie der Fliegende Holländer umher?
Selbst wenn der Verein auch das "auf See geblieben" in seinem Namen führt, kann ein Redakteur eindeutige Formulierung verwenden.
In Wikipedia fand ich:
Der Fliegende Holländer ist die Sage von einem Schiffskapitän, der Gott und den Kräften der Natur zu trotzen versuchte und daher dazu verdammt ist, für immer auf den Weltmeeren in seinem Geisterschiff mit den blutroten Segeln und dem schwarzen Mast zu segeln. Jedem,
der das Geisterschiff sichtet, wird Unglück widerfahren.

24. Januar 2006

Wer trotzt dem Trotz

Kaum ist es ein paar Tage lang kalt in Vorpommern, wird der Kälte getrotzt, wie im Sommer unter der Hitze gestöhnt wird.

Ribnitzer Zeitung:
Bernsteinstadt trotzt der Kälte,
wahrscheinlich wie ein Mann.
Doch E. Sternkiker schrieb:

Die Temperaturen rutschen immer weiter in den Keller – die Menschen stellen sich – so gut es geht – auf frostige Zeiten ein. ...
Von Trotz fand ich nichts in dem Artikel.

Greifswalder Zeitung:
Heizkraftwerke trotzen dem Frost
Bei Temperaturen von -20 Grad laufen die Heizkraftwerke ... auf Hochtouren. ...
Wer hätte das gedacht! Wozu wurden die Heizwerke denn sonst gebaut?
Ach so, was läuft in Heizkraftwerken wirklich? Sie selbst bleiben wohl trotzig auf der Stelle stehen.

15. Juli 2005

Werbung garniert Langeweile

Na, ertragen Sie noch einen Hitzeartikel aus der Rügener Donnerstagausgabe? K. Venz schrieb:
Ventilatoren oder frische Brise vom Meer?
Bei den zurzeit tropisch anmutenden Temperaturen ist der Wunsch nach ein wenig Abkühlung daheim und im Büro groß. Ein kühles Lüftchen tut jetzt Not. Ob für die Füße, auf dem Tisch oder an der Decke, mit bunten Lämpchen oder im klassischen Design, Ventilatoren sorgen in der Sommerzeit für frischen Wind. In den Elektrofachgeschäften auf der Insel ist die Nachfrage nach Ventilatoren und Lüftern jedoch noch nicht stark angestiegen, wie unter anderem Jochen Ohlhoff (50), der Besitzer des gleichnamigen Geschäfts in Bergen, gestern auf OZ-Nachfrage konstatierte. Erweisen sich die Rüganer also als wärmeresistentes Volk? Bisher trotzen sie der anhaltenden Hitzewelle wohl eher dank der frischen Brise vom Meer. Mathias Darns (23), stellvertretender Teamleiter bei „real“, konnte nun allerdings seit Montag aufgrund einer Werbeaktion ein verstärktes Interesse an Ventilatoren verzeichnen, wobei „vor allem die klassischen Stand- und Tischventilatoren“ begehrt seien.
Außer Langeweile fand ich nur Werbung in diesem Artikel.

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