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19. Juli 2008

Wie geht es Kuli-Uli?

Zu den Seltsamkeiten, die mich mitunter stutzig machen und beim näheren Hinsehen gar nicht mehr seltsam sind, gehört der derzeitige Nicht-Umgang der OZ mit dem Bundestagsabgeordneten Ulrich Adam (CDU), Sie wissen schon, der Kugelschreiber-Uli.

Dabei konnte Kuli-Uli (Ich passe mich ganz dem Stil der großen Stiefschwester der OZ, BILD, an.) ganz anders:

- Er durfte Anzeigenkunden der Greifswalder Zeitung im Bundestag entführen und war kein bisschen scheu.

- Der Greifswalder Lokalchef veröffentlichte nach einem Besuch in Berlin einen Gefälligkeitsartikel, in dem er beschrieb, wie schwer und entbehrungsreich das Leben des Bundestagesmitgliedes (MdB) Kuli-Uli ist.

- Kuli-Uli durfte in einem Interview mit dem Lokalchef ungeniert in der Greifswalder Zeitung Reklame für das geplante Steinkohlekraftwerk machen, und erst die Leser entlarvten die Propaganda, die die OZ vervielfältigt hatte.

Nun ist es seit Monaten still, von Kuli-Uli ist nichts zu sehen oder zu hören. Wie ist es möglich, dass sich ein Volksvertreter vor den Wählern und der OZ verstecken kann? Oder versteckt er sich nicht, sondern die OZ lässt ihn einfach in Ruhe, wegen der Kulis und so?

Vor ein paar Tagen besuchte der Verteidigungsminister die Peene-Werft in Wolgast. Von Kuli-Uli fand ich keine Spur in den Berichten.

War er nicht dabei? Das lässt sich schwer erklären, wo der Mann doch sonst nicht die Öffentlichkeit scheute. Schließlich ist er das einzige MdB aus dem Wahlkreis Greifswald-Demmin-Ostvorpommern und seit 1990 Mitglied im Bundesfachausschuss Außen- und Sicherheitspolitik, also eine höchst passrechte Gelegenheit, sich hervorzutun. Die lässt er sich entgehen, im blassen Licht des Verteidigungsministers ein wenig mitzufunzeln?

Es wäre doch für die OZ und vor allem für Kuli-Uli die Gelegenheit gewesen, seinen Anteil an der Vergabe der Aufträge an die Peene-Werft hervorzuheben, ebenso seine Verdienste um den Erhalt der übrig gebliebenen Bundeswehrstandorte in MV. Er hätte auch seine Meinung zum Bombodrom darlegen können. Will die OZ, will der Lokalchef in Greifswald, ihn nicht mehr kennen?
Oder ist es ganz anders: Will Kuli-Uli untergetaucht nur noch bis zur Bundestagswahl durchhalten und dann pensionieren?

Also nochmals meine Frage:

Wie ist es möglich, dass ein Medium, das von sich behauptet, sie jeden Tag top zu informieren, diesen Mann, der hier zu Hause ist und der sonst gern die OZ als Sprachrohr missbrauchte und sie sich missbrauchen ließ, seit Monaten ungefragt lässt bzw. sich möglicherweise gefallen lässt, dass Kuli-Uli untertaucht und keine Fragen beantwortet?
(Schöner Bandwurmsatz!)

14. September 2009

Tränenreiche Lesung

Eine Schelsky-Seite gönnte die OZ ihren Lesern; kostenlos online zu lesen. Doch dabei ergaben sich einige Fragen, allerdings erst, nachdem ich mir die Tränen von den Wangen und den Rotz unter der Nase weggewischt hatte, denn dies auf der Titelseite war doch zu rührend:
Schelsky: Familie füttert mich durch
Das Landgericht Nürnberg verurteilte ihn zu viereinhalb Jahren Gefängnis. 28 Monate verbrachte Wilhelm ...
Ich finde es nicht erstaunlich, dass der Mann in der OZ eine Seite zur Rechtfertigung erhielt. Erstaunlich ist jedoch, dass die OZ das Revisionsverfahren nicht abwartete.

Es ist unglaublich: Nach all seinen Auslassungen im OZ-Interview ist Schelsky ein Opfer, das nur Gutes wollte und nur Gutes tat, das elend missbraucht wurde, um den Siemens-Skandal aus den Medien zu bekommen, ist nun jemand, der am Hungertuch nagen muss - Entschuldigung, kleine Pause, Tränen versperrten schon wieder meinen Blick.

Das Interview ist so getitelt:
Siemens-Affäre: Jetzt redet Schelsky
Natürlich ist das Quatsch. Er hat schon eine Menge geredet und Gegenrede empfangen, nur eben nicht in der OZ. Überhaupt sind die Informationen der OZ über den Prozess sämtlich aus zweiter Hand. Und Schelsky-Freund Kuli-Uli fragte auch niemand mehr, nachdem Wahlkampfgeschenk-Angelegenheit bekannt geworden war. Er wurde für die OZ zur Unperson nachdem er zuvor alles, aber auch alles in der OZ ablassen konnte und der Greifswalder Lokalchef ihn hofiert hatte. Das ist Hochwertjournalismus nach Art der OZ.
Die Schlagzeile hätte übrigens sehr gut in die BILD gepasst.

Würde ich Schelsky glauben (Das war jetzt ein Witz.), müsste ich schon wieder heulen:
OZ.DE: Die Handyrechnungen für Ulrich Adam im Wert von mehr als 11 000 Euro haben Sie damals trotzdem bezahlt.

Schelsky: Es ging einfach darum, dass ich dem Abgeordneten Adam ein Handy schmackhaft machen wollte - und zwar als Freund. Er tat sich zu Anfang, als die Dinger eingeführt wurden, schwer damit. Und deshalb habe ich ihm ein Handy in die Hand gedrückt. Nach dem Motto: Jetzt will ich, dass du damit mal umgehst und übst. Und diese Rechnungen sind dann mit Sicherheit als Kosten bei mir gelaufen. Aber mit einer Handyrechnung bestechen Sie keinen Bundestagsabgeordneten.
Schelsky stellt den Bundestagsabgeordneten Adam als kleines Dummerchen dar, dem er als auskennerischer Freund das Telefonieren mit dem Handy beibringen wollte. Sollte das stimmen mit dem Dummerchen, das bei einem (hohen) Minutenpreis von 50 Cent 22000 Minuten telefonierte (das sind mehr als 15 Tage ununterbrochenes Telefonieren), um das mit dem Handy zu begreifen? Schelsky jedenfalls kann das einfach so in der OZ zum Besten geben. Dabei dürfte das mit dem Dummerchen nicht stimmen; oder kann jeder Heini all diese Funktionen zugleich ausüben (Danke für das Heraussuchen an den Blogleser!)?:

Ordentliches Mitglied im
Verteidigungsausschuss

MITGLIEDSCHAFT IN GREMIEN

* CDU-Fraktionsvorstand
  • Arbeitsgruppe Verteidigungspolitik der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
  • Bundesfachausschuß Außen- und Sicherheitspolitik
  • Parlamentarische Versammlung des Europarates
  • Parlamentarische Versammlung der WEU (Western European Union)
  • Deutsche Delegation der Ostseeparlamentarierkonferenz
  • Beirat bei der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post
  • Gesprächskreis Küste der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
  • Mitglied des Vorstandes der EAS (Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung in der Bundesrepublik Deutschland e.V.)
  • Stellvertretender CDU-Vorsitzender des Landes Mecklenburg-Vorpommern
  • Stellvertretender Vorsitzender des Beirates für Kernenergiefragen des Landes Mecklenburg-Vorpommern
Nunja, die OZ-Redakteure haben weder Schelsky noch sich gefragt, Adam sowieso nicht, ob das wohl so ist mit dem Dummerchen.

Und was ist damit?:
OZ.DE: Haben Sie von selbst an die CDU gespendet oder sind Sie gebeten worden?

Schelsky: Ich habe im Wesentlichen von selbst gespendet.
Und was ist mit dem Unwesentlichen?
Was bedeutet Wesentliches in Schelskys Sprachgebrauch? Keine Ahnung; die OZ-Redakteure fragten nicht nach.
Ich habe Geldspenden gemacht, die sind alle korrekt als Parteispenden gemeldet worden. Und das, was Ulrich Adam zum Ärger wurde, ist noch blöder, als es in den Medien berichtet wurde. Also, ich habe einmal, warum kann ich heute nicht mehr sagen, Sachspenden gemacht - Kugelschreiber, Bildchen, alles das, was im Wahlkampf benötigt wird. Das habe ich herstellen und als fertige Artikel schicken lassen. Als Geschenk! Ich hatte in einem Leben nicht gelernt, dass ich zu einem Geschenk auch gleich die Rechnung beilegen muss. Adam konnte gar nicht wissen, wie hoch der Gegenwert war.
Und das Dummerchen Adam hat auch nicht gefragt, waren ja nur lumpige 70000 Euro.

Noch eine kleine Pause, in der ich Tränen um den missverstandenen Schenkfreudigen weinte, bis mir einfiel, um wie viel Geld es ging und ich mir die Frage stellte, woher Schelsky es nahm, die 70000 Euro für Kugelschreiber, Bildchen, für Adams Wahlkampf.

Und nun frage ich mich, warum das alles, warum diese Reinwaschung so kurz vor der Wahl? Könnte es diese Passage sein:
OZ.DE: Haben Sie trotzdem Fehler gemacht, die Sie im Nachhinein bereuen?

Schelsky: Vielleicht hatte ich zu zu vielen Menschen zuviel Vertrauen.
Ansonsten ist der Mann fehlerfrei, also auch in Sachen Kuli-Uli und CDU. Ich genehmige mir noch einen Doppelbächlein von Tränen des Mitleids.

Mir fällt ein, dass die CDU als Nachfolger für Kuli-Uli einen Herrn Lietz im Bundestag haben will (Hoffentlich kann der wenigstens mit dem Handy umgehen, denn von Schelsky, dem Hungerleider, ist ja nun nichts mehr zu erwarten.). Da trifft es sich gut, wenn die Reinwaschung kurz vor der Bundestagswahl in der OZ stattfindet.

3. Juli 2009

Kuli fiel ins Sommerloch

Greifswalder Zeitung:
Vier Kugelschreiber fehlen an 15 000
Oha, Neues vom Kuli-Uli? Nichtdoch, die OZ lässt den Mann in Ruhe, nachdem sie sich zuvor reichlich mit ihm abgegeben hatte. Hat er die Ruhe verdient? Doch die Leser haben es nicht verdient, dass die OZ bildlich den Mantel des Schweigens nicht beiseite reißt, sondern hilft, den Mann damit zu verhüllen.

Ich stelle mir vor, was für einen Aufriss die Greifswalder Zeitung gemacht hätte, wäre Kuli-Uli unbefleckt in den Ruhestand getreten:

Unser Mann nach 18 Jahren Bundestag im wohlverdienten Ruhestand.

Stattdessen schaffte ich die ersten beiden Sätze zu lesen und langweilte mich augenblicklich:
Sie stehen ordentlich sortiert in 160 Gläsern und 46 Schalen, vier Körben und einem Tortenbehälter in langen Reihen von Regalbrettern. 14996 Kugelschreiber hat Fred-Günther Kurth (59) jetzt schon beisammen.
Danke, das wars mit dem Lesen.
Die Greifswalder Zeitung schon im Sommerloch? Dabei hat der Sommer doch gerade erst begonnen.

28. September 2009

Über Geschreibsel

Die OZ heute ein Hort der Langeweile. Fast alles, was nicht mit dem Nachwahlgedöns zu tun hat, ist ermüdende Veranstaltungsberichterstattung. Eine Ausnahme bildet die OZ. Sie schildert auf einem Drittel einer Seite Geschichtliches - als Tageszeitung. Sie muss sehr unter Themennot leiden (?), oder keine Ahnung haben, was im wirklichen Leben passiert.
Wie belanglos der Greifswalder/Usedomer Bericht ist und damit die seitenweise Wahlberichterstattung insgesamt, für die Sie Geld ausgaben, zeigt dieses Zitat:
Großer Jubel bei CDU-Sieger Lietz: "Ich danke den Wählern für das Vertrauen. Dieses Ergebnis macht mich sehr glücklich und ist zugleich Verpflichtung für eine gute Arbeit in Berlin", sagte er ein wenig staatsmännisch.
Das soll ein wenig staatsmännisch sein? Nichtssagender als es dieses Mitglied der zukünftigen Stimmviehherde sagte, geht es kaum noch.
Mit welchen Staatsmännern hatten die Redakteure bisher zu tun? Mit Kuli-Uli? (Ist Lietz einer? Wird er nicht Abgeordneter? Und ist Kuli-Uli nicht Abgeordneter?)

23. Juli 2008

Adam war in Wolgast

Als ich am 17. Juli fragte: Wie geht es Kuli-Uli? und die Frage im Text hinzufügte
ob MdB Adam, Mitglied im Bundesfachausschuss Außen- und Sicherheitspolitik und Chef der Landesgruppe MV im Bundestag, mit dem Verteidigungsminister die Peene-Werft in Wolgast besuchte. Die OZ hatte ihn nicht erwähnt.

Ein Blogleser meint es zu wissen:

Die OZ verrät es Ihnen ja doch nicht, dass bei der Vergabe von Rüstungsaufträgen an die Peene-Werft der Kuli-Uli eine Persona non grata war.

Per|so|na non gra|ta die;
1. nicht gern gesehener Mensch.

Duden - Das Fremdwörterbuch, 8. Aufl. Mannheim 2005 [CD-ROM]

Der OZ-Berichterstatter hat ihn wohl überhaupt nicht gesehen. Ist jemand ein Journalist, wenn er sich solch eine Gelegenheit entgehen lässt, einen fast Verschollenen zu befragen?

17. Dezember 2009

Nicht veralbern lassen

Aus einem Kommentar:
Eine Frage der Ehre
... Vielleicht verließ sich der smarte Baron (Uffz. Zu) zu sehr auf seine Fortune, die ihn mitten in der weltweiten Finanzkrise emporspülte. ...
Lassen Sie sich nicht veralbern! Nicht die Fortune, sondern Medien wie die OZ haben den Mann hemmungslos hochgeschrieben. Davon wollen sie nun nichts mehr wissen, siehe Obama - auch eine Frage der Ehre.

Ein nicht ganz so deutliches, aber passendes Beispiel ist auch Kuli-Uli, der von der Greifswalder Lokalredaktion geradezu hofiert wurde und nach der Kuli-Angelegenheit plötzlich nicht mehr gefragt war und wurde.

5. November 2009

Langweiligste Langweiler des Tages

Der Greifswalder Benjamin versuchte wieder einmal, aus einem Hinterwind einen Donnerschlag zu machen. Das misslang, musste misslingen, denn es fehlt jegliche Substanz:
Landes-CDU: Liskow kämpft um Einfluss
Die Greifswalder Christdemokraten bangen um ihren Einfluss in der Landes-CDU. Wie aus Parteikreisen verlautete, befürchten mehrere Mitglieder des Kreisverbandes, deutlich geschwächt aus dem Landesparteitag am 21. November hervorzugehen. Grund ist die Wahl des neuen Landesvorstands sowie der angekündigte Wechsel an der Parteispitze. Statt Wirtschaftsminister Jürgen Seidel soll künftig Innenminister Lorenz Caffier die Geschicke der Landesunion lenken (OZ berichtete). ...
Ein Mal wachte ich beim Lesen aus dem Halbschlaf auf:
Adam trat zur Bundestagswahl im September jedoch nicht mehr an, nachdem er über den CDU-Spendenskandal gestolpert war.
Da lag also dieser Skandal einfach so im Weg und hastdunichtgesehen, stolperte Kuli-Uli der Hansguckindieluft drüber. Was hat diese Verniedlichung mit Journalismus zu tun? War der Mann nicht verwickelt in den Skandal?

Nun ist es ja nicht so, dass es keine Themen gäbe. Nur kann ein Redakteur darüber nicht so einfach schwadronieren und spekulieren, sondern müsste recherchieren.
Ich erinnere an diesen Leserbrief vom 30. Oktober:
OZ meldete "Nur 2 % der Greifswalder nutzen den Stadtbusverkehr." Das wundert mich nicht. Als erwachsener Mensch nutzt man den Bus nicht zum Vergnügen, sondern um ein wichtiges Ziel zu erreichen. Das wird einem aber in jeder Hinsicht erschwert! Wenn man von der Innenstadt zum Elisenpark fahren will - dem einzigen Einkaufszentrum, das überhaupt mit dem Stadtbus zu erreichen ist - muss man erst zum Südbahnhof fahren und dann dort umsteigen, was angesichts der kurzen Fahrzeit einfach lächerlich ist. Auch wenn man von der Innenstadt zu Medigreif will, muss man entweder über Südbahnhof fahren oder an der Wolgaster Str. umsteigen. Wenn man von der Innenstadt zur neuen UB oder gar zum Klinikum will, hilft auch Umsteigen nicht mehr, da muss man ein ganzes Stück zu Fuß gehen. Aber wenn man schon ins Klinikum muss wegen irgendwelcher Beschwerden, kann das sehr belastend sein. Die Streckenführung der Busse haben sich offensichtlich Leute ausgedacht, die nicht zu den obengenannten 2% gehören, Leute, die nie Bus fahren. Nur nach Wieck kommt man von der Innenstadt aus direkt. Aber frische Luft allein hilft auch nicht, wenn man einen Arzt braucht.
Stimmt das überhaupt, was die Schreiberin kritisierte? Und wenn es stimmt, warum machte die OZ keine Geschichte oder gar mehrere daraus? Total uninteressantes Thema für Greifswalder Leser? Sind alle Autofahrer? Hochwertblatt?

Apropos Hochwertblatt. Es bot den Bunkerbewohnern und natürlich allen anderen OZ-Käufern noch einen Überlangweiler zum Kauf an:
Oktober war in diesem Jahr zu kalt, zu nass, zu trübe
Die Wetterdaten der Wetterwarte Greifswald für den Monat Oktober ergaben, dass der zweite Herbstmonat zu kalt und auch zu trübe war. ...
Und dann auch noch Schlagzeile und erster Satz mit demselben Inhalt - amateurhaft.

Nachtrag, 6. November: 

Die OZ hat den Busverkehr zum Thema gemacht:
Busverkehr will auf Bedarf reagieren
Natürlich wäre viel mehr möglich gewesen. Aber immerhin.

21. September 2009

Über Mitschuld

Wovor Bürgerinitiativen, Grüne und Umweltverbände vor etwa 15 Jahren warnten, wird Stück für Stück Wirklichkeit:
EWN-Chef rechnet mit längerer Atommüll-Lagerung in Lubmin
Angesichts des Streits um ein Endlager für hoch radioaktiven Atommüll in Deutschland rechnet der Chef der Energiewerke Nord, Dieter Rittscher, mit einer längeren Lagerung stark strahlender Abfälle im Zwischenlager Lubmin. "Wenn Gabriel sagt, das Endlager kann erst 2040 fertig sein, dann kann man nicht verlangen, dass der in Lubmin gelagerte Abfall bis 2038 verschwindet", sagte Rittscher. ...
Abgesehen davon, dass Rittscher nun versucht, dem Umweltminister bildlich die Schuld in die Schuhe zu schieben, bewahrheitet sich aufs Neue, wovor damals mehrfach gewarnt wurde, z. B. während der Anhörung:
1. Das Zwischenlager ist zu groß für den Atommüll aus Lubmin und Rheinsberg; es soll Fremdmüll eingelagert werden.
2. Aus dem Zwischenlager wird ein Endlager, weil kein Endlager gefunden werden wird.
Die Gutachter winkten damals ab und behaupteten, die Zwischenlagergegner hätten keine Ahnung von der Zwischenlagerei, rechtsstaatliches Verfahren usw. Alles Quatsch, wie jetzt auch OZ-Redakteure erkennen würden, läsen sie denn im Archiv nach - womit jede journalistische Arbeit beginnt. Die OZ verzichtete jedoch darauf, Zusammenhänge herzustellen und damit journalistische Arbeit zu leisten, statt zu kopieren (oder im OZ-Sprachjargon: Hochwertiges herzustellen). Natürlich drängt sich der Gedanke auf, dass die OZ gerade wieder Reinstpropaganda in Sachen Kohlekraftwerk am Bodden vervielfältigte und sich damit mitschuldig macht der Ahnungslosigkeit der Leser.

Wie vor etwa 15 Jahren warnen Bürgerinitiativen, Grüne und Umweltverbände vor dem Bau des Kraftwerkes - und es sind nicht allein Umweltgründe, die gegen das Kraftwerk vorgebracht werden, sondern auch wirtschaftliche (Es wird eine Gift verbreitende Investruine gebaut. Der Tourismus wird geschädigt.). Wieder winken Investoren, Gutachter und Politiker (z.B. Urknaller, Rumsteher, Kuli-Uli und viele mehr) ab, diese Leute, die sich da aufregen, hätten keine Ahnung, seien gar nicht ganz zurechnungsfähig.

Gestern trafen sich Vertreter der Bürgerinitiative und erfuhren Neues über Tricksereien der von Dong energy bezahlten Gutachter. Kluge Leute, die hier zu Hause sind, haben nicht nur die Aussagen zum Kraftwerk Moorburg mit denen zur Giftschleuder am Bodden verglichen, sondern schon im vergangenen Jahr sämtliche Genehmigungsunterlagen geprüft und haufenweise Fehler und fehlende Unterlagen bemängelt. Sie haben sogar ein Energiekonzept für M-V erarbeitet, von der OZ, soweit ich weiß, nicht zur Kenntnis genommen. Allerdings wurde in der OZ heftig kopiert, wenn Gewerkschafter behaupten, das Kraftwerk müsse an den Bodden gebaut werden.

18. Oktober 2008

Krise: Bürger und Parlament entmachtet

Die Mantelredaktion wunderte sich:
Hilfe vom Staat: Banken hüllen sich in Schweigen
Wer hatte etwas anderes erwartet? Doch nicht etwa die Mantelredaktion? Zu erwarten, dass die Banken etwas offenlegen, ist peinlich naiv, zumal die vergangenen Wochen eindrucksvoll gezeigt haben, dass Bankmanager tun, was auch schon Kuli-Uli erfolgreich tat: schweigen. Warum sollte das nun anders werden?

In dem Artikel wird ganz am Ende darauf hingewiesen:
Der Stabilisierungsfonds, der die Rechtsform einer Anstalt bei der Deutschen Bundesbank hat, wird keinen Bittsteller bekannt geben. Börsennotierte Geschäftsbanken sind jedoch nach dem Aktiengesetz dazu verpflichtet, Kurs-relevante Informationen sofort zu veröffentlichen. ... Das Parlament, genauer ein neunköpfiges Gremium aus Mitgliedern des Haushaltsausschusses, wird nun doch über "alle den Fonds betreffenden Fragen" informiert. Sie erfahren zwar alles, dürfen aber nichts verraten. Die Runde tagt geheim.
Doch genau ist der Kern der ganzen Angelegenheit. Warum weist die OZ nicht in einem Kommentar darauf hin, dass sich nichts Wesentliches ändern wird, sondern die Steuerzahler zahlen und kein Recht darauf haben zu erfahren, was mit ihrem Geld geschieht.

Wenn Sie besser informiert werden möchten, lesen Sie z.B. hier nach:

Was erfährt die Öffentlichkeit von alledem?
Eine Information der Öffentlichkeit ist im Gesetz nicht vorgesehen. Welche Banken Unterstützung beantragen und erhalten, bleibt ebenso geheim wie die daran geknüpften Bedingungen. Lediglich börsennotierte Unternehmen müssen gemäß Aktienrecht darüber informieren, wenn der Staat Anteile an ihnen erwirbt. Bei Bürgschaften oder Ankauf von faulen Krediten gibt es auch dort keine Informationen. Die einzelnen Vereinbarungen werden "völlig intransparent zwischen der Anstalt und den betroffenen Unternehmen" getroffen, gibt der Sprecher des Finanzministeriums, Torsten Albig, offen zu. Auch der Bundestag wird nicht informiert: Lediglich ein neunköpfiger Ausschuss erfährt Details aus der Arbeit der Anstalt; dieses Gremium tagt aber geheim und darf keine Informationen weitergeben.

Mit fällt wieder der Spruch ein, der nach der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl an einer Hauswand in Greifswald zu lesen war:

Deutsches Volk, du hast gewählt. Nun halts Maul!
Deine CDU

Das trifft natürlich nicht nur für die CDU und die Geldhilfe für Banken zu, sondern auch für die Landespolitiker und das Kohlekraftwerk am Bodden, usw.usw.usf.

Nicht einmal die Scheindemokratie, genannt parlamentarische Demokratie, funktioniert.

Viel Spaß im kommenden Jahr beim Wählen!

13. September 2008

Der Aufrufer

Vor etwa einem Jahr rief der Lokalchef die Leser der Greifswalder Zeitung auf:
Leute geht zum „Sommernachtstraum“ !
Vor mehr als zwei Jahren rief der Lokalredakteur zum Wählen auf, obwohl er solche Appelle nach eigenem Bekunden fast nicht mehr hören konnte (Sein damaliger Chefredakteur hatte einen Aufruf geschrieben.).
Demokratie lebt vom Miteinander
Heute ruft der Lokalchef wieder auf:
Protestieren Sie mit!
Es gab gestern so gut wie niemanden, der sich abwandte, als er von Mitarbeitern des Theaters auf dem Markt aufgefordert wurde, seine Unterschrift für den Erhalt unseres Theaters Vorpommern zu geben. ...
Um das zu verhindern sammeln die Theaterleute jetzt Unterschriften, die sie anschließend in Schwerin übergeben wollen.Allein gestern gab es sie im Sekundentakt. Es ist davon auszugehen, dass sich viele Menschen an diesem Protest beteiligen. Die OSTSEE-ZEITUNG wird dies selbstverständlich unterstützen. Wir rufen Sie, liebe Leserinnen und Leser, deshalb auf: Füllen Sie unsere Leserbriefspalten! ... (Was Sie schreiben, müssen wir nicht tun und schon ist uns ein pünktlicher Feierabend gewiss!)
Das sind wir unserem Theater schuldig.
Damit wir uns nicht missverstehen: Ich bin dafür, das Theater Vorpommern als eigenständiges zu erhalten.

Viele OZ-Leser hätten sich gewünscht, der Lokalchef würde die Initiative gegen das Kohlekraftwerk ebenfalls mit einem Aufruf unterstützen. Hat er aber nicht getan.

Stattdessen hatte er ein Interview mit dem Bundestagsabgeordneten und Experten für Verteidigung und Auswärtiges, U. Adam (jaja, Kuli-Uli), geführt (also einem Auskenner in Sachen Umweltschutz und Energiepolitik?), das reine Propaganda für den Kraftwerksbau war.

Statt die Kohlekraftgegner zu befragen und ihren Argumenten breiten Raum zu geben, teilte er den Lesern lieber mit, dass es "eisekalt" war in der Kirche (also Minusgrade herrschten, sonst bildete sich kein Eise).
Mit Gegnern des Kraftwerksbaues wie dem Europaabgeordneten Prof. Gomolka oder dem Träger des Alternativen Nobelpreises, Prof. Michael Succow, gab es kein Interview in der Lokalzeitung. Ebenso fand die Mantelredaktion in Rostock es überflüssig, diese Kundigen zu befragen.

Der Lokalchef rief auch nicht die Mieter von Wohnungen der Greifswalder Wohnungsgesellschaft auf, gegen den Teilverkauf des städtischen Unternehmens zu protestieren und die Leserbriefspalten zu füllen. (Lieber ließ er
einen Verkaufsgegner diskreditieren, ohne dessen Argumente zu kennen.) Er hätte den Mietern schreiben können, dass sie allein die Zeche zahlen werden dafür, dass Greifswald schuldenfrei wird. Stattdessen nahm die Lokalzeitung Partei für die Befürworter des Verkaufes. Wohnt ein Lokalredakteur in einer WVG-Wohnung zur Miete? Wäre aber besser gewesen. Hätte nämlich einen Aufruf geben können.

Hier die Argumente für den Erhalt des Theaters:
Theater, so der Tenor aller Befragten, braucht eine Stadt wie Greifswald. Bricht es weg, bricht nicht nur ein wichtiges Stück Kultur weg, sondern auch ein Stück Lebensqualität. Der Landstrich wird unattraktiver und dafür für Menschen uninteressanter.
Aha, ist das nicht auch ein Argument gegen das Kohlekraftwerk? Oder würde der Landstrich durch eine Kohlekraftwerk attraktiver und interessanter werden und wenn ja, für wen?

Übrigens: Das Argument, ein Theater gehöre nun einmal in die Stadt, ist natürlich keines. Wie viele Greifswalder gehen regelmäßig oder wenigstens unregelmäßig ins Theater? Wer sind die Greifswalder? Wo sind die Zahlen, die die Wichtigkeit belegen? Und warum sollten Theaterfeunde nicht in ein landesweit fusioniertes Theater gehen?

Es ist immer gefährlich für den Journalismus, wenn Redakteure oder gar der Lokalchef für etwas Partei ergreifen, weil sie gleichzeitig gegen etwas Partei ergreifen.

30. April 2010

Journalistische Leistung? Null Prozent

Ich habe Gestriges nachzutragen.
Hier hatte ich der Usedomer Redaktion erneut bescheinigt, dass sie nicht in der Lage ist, selbst zu recherchieren, Themen aufbauen ... Gestern lieferte sie zusätzlich einen Beleg dafür, dass ihr vor allem daran gelegen ist, möglichst viele Nichtjournalisten für die Redaktion arbeiten zu lassen, gern auch zahlende Leser, die es kostenlos tun, weil ihnen Öffentlichkeit wichtig ist, auf dass sich die Seiten wie von selbst füllen.

Da jemandem die Öffentlichkeit wichtig war, um sein Projekt durchzudrücken, gab es eine heftige Reaktion, die die OZ komplett, also in epischer Breite und ohne jedes eigene Zutun (vom Kopieren und Titeln einmal abgesehen), veröffentlichte. Journalistische Leistung? Null Prozent. Dafür Geld zu verlangen, ist unverschämt.
Studie lesen und Verantwortung für die Region tragen
Mit der Schlagzeile macht sich die Redaktion gemein mit dem Schreiber - journalistisch unverantwortlich.
In Erwiderung auf den Gastkommentar des Benzer Galeristen Hannes Albers hat jetzt der Vorstand des Tourismusverbandes ein Statement (gemeint ist eine Stellungnahme) zum geplanten Usedom-Haus abgegeben und nennt Bausteine dafür.
Häh, Bausteine? Hier der 1. Baustein:
1. Wer unterstützt das Schlüsselprojekt aus dem Tourismuskonzept des Verbandes?

Es sind keineswegs nur Amtsträger unserer Insel, die dieses Projekt vertreten, sondern auch eine Vielzahl von Teilnehmern verschiedener Veranstaltungen des Tourismusverbandes und in verschiedenen Gemeinden. Was Herr Albers leider immer wieder vergisst zu erwähnen, ist die Tatsache, dass es sich bei den Amtsträgern, Gemeindevertretern der Verwaltungseinheiten der Insel Usedom, der Stadt Wolgast und Vorstandsmitgliedern sowie Mitgliedern des Tourismusverbandes Insel Usedom um demokratisch gewählte, ehrenamtlich engagierte Menschen handelt.
Und was heißt das? Nichts. Vor allem geht nicht daraus hervor, ob es eine Mehrheit unter den demokratisch gewählten, engagierten Menschen für ein Willkommenszentrum der Insel gibt. Die OZ fragt natürlich nicht nach. Wozu auch? Per Kopie füllt sich die Seite blitzschnell. Außerdem müsste jemandem diese Frage (und weitere) einfallen, und dann diese Mühsal, Antworten zu erfragen und diese auch noch zu prüfen. Wo kämen wir da hin? Ich weiß es: zu kritischem Hochwertjournalismus, der diesen Namen verdiente.

Und was besagt der 1. Baustein noch? Er besagt, dass die Aufschreiberin schon mit Beginn des Textes ihre Auffassung von Demokratie äußert: Volk, du hast gewählt; jetzt halts Maul!
Außerdem schwingt die Unterstellung mit, dass jene demokratisch Gewählten, Engagierten durch einen Nichtgewählten Unengagierten in ihrer unfehlbaren Tätigkeit gestört werden könnten, was von Arroganz zeugt. All das ist der Redaktion egal, oder sie steht auf der Seite des stellungnehmenden Verbandes. Und schließlich unterstellt sie dem Kritiker des Usedom-Hauses Vergesslichkeit.

Im 2. Baustein wird vor allem die Usedom-Redaktion kritisiert, zu Recht:
2. Zur Umfrage der OZ Ebenso wird eine wenig repräsentative Umfrage der OZ angeführt, ohne darauf zu verweisen, dass die Fragestellung ein Bekenntnis zum Usedom Haus weder möglich machte noch im Sinn hatte. ...
Ich halte diese Online-Umfragen für absolut überflüssig, die Redaktionen nicht (für sie ist das eine Alibi-Beteiligung der Leser), der Verlag schon gar nicht, denn so werden Klicks erzeugt (je mehr Klicks, desto höher die Werbeeinnahmen).

Mit dem 3. Baustein soll erklärt werden, dass die Engagierten und Auskenner für das Usedom-Haus sind:
3. Handelt es sich wirklich um ein überflüssiges Projekt, oder wird es nur als Steckenpferd von einigen wenigen in Misskredit gebracht?

Das Tourismuskonzept Insel Usedom 2015 wurde in 10 Workshops mit über 200 Akteuren vom 3. Dezember 2005 bis zur Endpräsentation am 9. Dezember 2005 erarbeitet. Neben Peenemünde wurde das „Welcome Center Usedom Haus“ als das Schlüsselprojekt für ein herausragendes Angebot im Erlebnisbereich definiert. Mit der Erarbeitung eines Ausstellungskonzeptes und der Erstellung einer Machbarkeitsstudie mit Finanzierungskonzept wurden die Maßnahmen zur Vorbereitung der Umsetzung unter Verantwortung der Gemeinden, des Inselbeirates und des TVIU festgelegt. Der damals angedachte Realisierungszeitraum war für die Jahre 2007 bis 2008 vorgesehen.
Von dem Bürokratendeutsch einmal abgesehen: 200 Akteure haben festgelegt, basta. Aber es fand sich noch ein Grund: belohnte Mühe:
Mit den jeweils auf seinen Mitgliederversammlungen beschlossenen Arbeitsplänen bemühte sich der Vorstand um Finanzierungsmittel für eine Machbarkeitsstudie, welche nun mit Unterstützung des Wirtschaftsministeriums möglich wurde. ...
Die Mühe hat sich gelohnt. Es wurden Fördermittel gezahlt (im OZ-Jargon wären sie geflossen).Wenn das kein Grund ist, das Projekt zu verwirklichen!

Im 4. Baustein wird es persönlich:
4. Zur Verunglimpfung der projektbearbeitenden Firmen Projekt M und Misall+Gies+ Partner Projekt M ist deutschlandweit eines der renommiertesten und seriösesten Beratungsunternehmen im Tourismus und hat mit der Erarbeitung des Tourismuskonzeptes Insel Usedom 2015 ausreichend Ortskenntnis. Aber vielleicht haben wir selbst solche Experten hier, nur warum sagt uns Herr Albers immer nur, was angeblich nicht gehen soll und nicht, wie etwas umgesetzt werden kann?

In diesem Zusammenhang von blauäugig errechneten Besucherzahlen zu reden, ist eine Unverschämtheit gegenüber dem Verfasser. Die allen Interessierten vorliegende Studie stellt ein hoch qualifiziertes, konzentriertes und konstruktives Ergebnis für alle Argumente Pro Usedom Haus dar. ...
Wer kritisiert, verunglimpft zugleich?
Haben Sie es gemerkt? Die Fachleute sind Fachleute, gern Experten genannt. Was die tun, ist immer richtig, weil renommiertest, seriösest, qualifiziert, konzentriert und konstruktiv. Ich fand sofort eine Parallele: die Gutachten, die belegen sollten, dass die Giftschleuder am Bodden so gebaut werden kann, wie sie die Projektanten entwickelt hatten. Was von den qualifizierten, konzentrierten und konstruktiven Gutachten der Experten übrig blieb, wissen sie: Sie wurden während der Anhörungswochen im Herbst 2008 in Grund und Boden kritisiert, sodass über 100 Änderungen fällig wurden, die noch immer nicht alle beigebracht werden konnten.
Dass die Giftschleuder-Befürworter-Redaktion auf Usedom den Zusammenhang nicht erkennen konnte, weiß, wer die weitgehend sachkundefreie Reklame für die Giftschleuder in der Zeitung gelesen hat. Unter den Reklametreibenden waren übrigens auch demokratisch gewählte, so auch Kuli-Uli, ehrenamtlich engagierte Menschen. Sie sind also ein ungeeignetes Argument für den Bau des Hauses.

Dass in dem Text einfach so per OZ und gegen Geld verbreitet werden darf, der Kritiker Albers sage immer nur, was angeblich nicht gehe, ist hammerhart, denn in seinem Leserbrief  hatte er genau benannt, was gefördert werden sollte:
Zahlreiche Einrichtungen auf dieser Insel, die einzigartig sind und jährlich Tausende von UrlauberInnen begeistern, sind in Ihrer Existenz nicht gesichert und (oder) müssen ausgebaut werden: HTM Peenemünde, ONH-Atelier Lüttenort, Kunstpavillon Heringsdorf, Schloss Stolpe, Bahlsen-Haus Usedom.
Die Stellungnehmerin damit zu konfrontieren, kam niemandem in der Redaktion in den Sinn. Wen sollte es da noch wundern, wenn Leser Parteilichkeit der Redaktion ausmachen?


Noch ein Beispiel von gestern, das zeigt, wie der Lokalchef ein sog. Wirgefühl der Insulaner erzeugen will. Er tut es per Kammschererei, ein beliebtes Mittel der OZ, journalistisch allerdings bildlich unter aller Kanone, Bratwurstjournalismus:
Guten Tag, liebe Leser!
Gastfreundlich zu sein — eine Herausforderung an uns alle, die immer gilt. Schließlich profitieren wir sämtlichst irgendwie vom Fremdenverkehr, zufriedenen Touristen und solchen Besuchern, die gern wiederkommen und uns in ihrer Heimat weiter empfehlen. Manche Zeitgenossen auf der Insel ignorieren das aber standhaft, mackieren lieber den starken Max. ...
Wenn wir sämtlichst (eine Steigerung, die es nicht gibt, weil sie nicht logisch ist, wie z.B. maximalste auch nicht logisch ist) vom Fremdenverkehr profitieren, irgendwie, wüsste ich gern, wie ich denn von zufriedenen, weiterempfehlenden Touristen profitiere. Seit gestern überlege ich und finde nichts. Dagegen fielen mir Gründe ein, möglichst wenige Touristen auf der Insel zu haben, allen Gründen voran die Staus.
Und nebenbei wüsste ich gern, was der Lokalchef mit dem Verb mackieren meinte.
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