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2. Februar 2010

Märchenstunde

Eine klassische Doublette leistete sich die OZ heute mit der Merkel-Geschichte, einmal etwas gekürzt auf der Wirtschaftsseite und auf der Greifswalder Lokalseite. So werden Spalten gefüllt und Ihnen verkauft.
Doch das ist nichts gegen den Blödsinn, der zum selben Merkelbesuch auf der Titelseite verbreitet wurde. Schließlich wurde Ihnen auch noch ein Märchen als Tatsache verkauft. Und so kommt Aufschreiberei zustande, wie eh und je, journalismusfrei.

Die Schlagzeile auf der Titelseite:
Greifswald: Merkel setzt auf Kernfusion
Klar, das Weltklima retten wollte sie auch.
Das ist Leserverblödung, denn Merkel setzt auf Atomenergie (Verlängerung der Laufzeiten) und Energie aus der Verbrennung von Kohle. Das hatte sie u.a. 2007 auf Rügen bewiesen, als sie den CDU-Mitgliedern auf der Insel einredete, die Giftschleuder am Bodden sei total wichtig und würde überhaupt nicht giftig sein. Nun, da die Giftschleuder wohl nicht gebaut wird, wird Deutschland mangels Energie zugrunde gehen müssen. Ich werde sicherheitshalber einen Dynamo auf dem Klo installieren.

Den gesamten ersten Absatz über versuchte der Redaktionsbenjamin den Eindruck zu erwecken, der Chef des Wendelstein-Projektes sei ein Hosenschisser, der wegen des Zusammentreffens mit der Kanzlerin aufgeregt sei, als sei der Chef ein Kindergartenkind:
Professor Thomas Klinger gibt sich gelassen. „Nein, ich bin nicht aufgeregt.“ Er habe schon vor 1500 Leuten gesprochen. In wenigen Minuten soll Klinger es vor der Bundeskanzlerin tun. So ganz will man dem wissenschaftlichen Leiter seine Coolness jedoch nicht glauben — schließlich gibt er zu: Aber Frau Merkel, das zählt ungefähr genauso viel wie vor 10 000 Menschen.“ Als sie da ist, mimt Klinger bravurös den wortgewandt-witzigen Physiker, nur die leichte Unruhe in seinen Beinen verrät ihn eben doch. ...
Der Redaktionsbenjamin in Greifswald schrieb dies ans Artikelende:
Randnotiz: Für Zähneknirschen in der Landesregierung sorgte die Begleitung der Kanzlerin. Sie bestand ... ausschließlich aus CDU-Ministern. Landesvater Erwin Sellering (SPD) sei nach Angaben der Staatskanzlei nicht eingeladen worden. Regierungssprecher Andreas Timm: „Wir haben von diesem Termin nur aus den Medien erfahren.“ Sellering wollte den Vorgang auf OZ-Anfrage nicht weiter kommentieren.
So einen Käse fragt die OZ nach - einfach lächerlich. Die wichtigen Dinge im Lande bleiben dagegen unbefragt.
Das Zähneknirschen ist eine Erfindung des Autors, andererseits eine Unterstellung. Soll diese Spinnerei kritischer Hochwertjournalismus sein?

Die OZ vergaß natürlich ganz, dies zu erwähnen:

Radioaktiver Abfall entsteht auch bei der Kernfusion durch Neutronenstrahlung, jedoch sind die Halbwertszeiten niedriger als bei der Kernspaltung.
Wie weit weg die Nutzung der Kernfusion noch ist, können Sie übrigens ermessen, wenn Sie hier das Technische zum Wendelstein-Experiment nachlesen. Noch ist es reine Grundlagenforschung. Merkel, die darauf laut OZ-Schlagzeilenschmied setzt, ist längst tot, falls tatsächlich die Kernfusion als Energiequelle Standard werden sollte.

Merkel war auch Gast während des Neujahrsempfanges des Provinz-CDU in der sanierten Greifswalder Stadthalle. Das einzige, was mich daran interessiert hätte, wäre ich Greifswalder? Jedenfalls nicht das Bonzengequatsche, das die Greifswalder Zeitung wiedergab und wer der Merkel vorturnte. Mich hätte interessiert, wie hoch die Saalmiete für die Veranstaltung war und wie die CDU sie aufbrachte. Kein Wort darüber in der OZ.

Stattdessen:
Drei Erinnerungen für Angela: Bildband, Seife, Kerzen 
Unter anderem mit diesem journalistischen Kleinod Kniefall vor der Kanzlerin:
In Merkels Ansprache ging es dann um die große Bundespolitik und die christdemokratischen Werte bei der sozialen Marktwirtschaft: Leistung muss sich lohnen, jedes Mitglied des Gesellschaft darf nicht nur fordern, sondern hat auch eine Bringepflicht. Merkels Vorzug: Sie spricht frei und kann Politikerdeutsch so erklären, dass es auch Otto Normalverbraucher versteht. 
Häh? Das ist reiner Kommentar der Autorin. Ich kenne die Kanzlerin als Um-den-heißen-Brei-Herumrednerin, als Verschweigerin und als Lügnerin.
Davon schwärmte Jörg Hochheim, Leiter des Amtes für Wirtschaft und Finanzen: „Ich bewundere jeden, der ohne einen Blick aufs Papier so losreden kann.“
Das ist ja wenigstens ein wenig interessant: Wer am besten schwätzen kann, wird von dem Mann bewundert. Dass die Kanzlerin überall dieselben Phrasen drischt, also trainiert ist, scheint dem Mann entgangen zu sein. Das bewundert er?
Auch Bürgerschaftsmitglied Mechthild Thonack war begeistert: „Sie kann richtig gut die Zusammenhänge erklären. Hängt wahrscheinlich mit ihrem Beruf als Physikerin zusammen“, sagte sie. Rundum glücklich sah auch Bürgerschaftsmitglied Jürgen Liedtke aus, der gestern seinen 55. Geburtstag feierte.
Genau, das wollte ich schon immer wissen.

20. März 2010

OZ verstößt schwerwiegend gegen Pressekodex

Das geht ja Schlag auf Schlag:

Hier hatte ich im September 2009 berichtet, dass der jetzige Greifswalder Lokalchef, damals noch Redaktionsbenjamin, einen nicht stattgefundenen Auftragsmord bis zum Erbrechen ausschlachtete, dabei einen Mann in einen Killer (Mörder) verwandelte und die Betroffene, die unermordert blieb, vorführte (und sie sich vorführen ließ), ohne neue Informationen bieten zu können.

Nun hat der Deutsche Presserat der Ostsee-Zeitung eine Missbilligung dafür ausgesprochen, dass sie den Mann vorverurteilte, als er im Text als Killer (Mörder) bezeichnet wurde (Pressekodex, Ziffer 13, Richtlinie 13.1).

Aus den Erwägungen des Presserates:

Das Gremium ist aber einstimmig der Ansicht, dass die Redaktion die Kriterien der Verdachtsberichterstattung ... in dem Beitrag nicht durchgängig beachtet hat. Die Berichterstattung erfolgt nicht frei von Vorverurteilungen des festgenommen Ehemanns. ... Nicht nur hier, sondern auch in anderen Passagen des Textes ... werden Vorwürfe, die ein Gericht nicht abschließend geklärt hat, als Tatsachen dargestellt. Hier hat die Redaktion ... nicht ausreichend zwischen Verdacht und erwiesener Schuld unterschieden.

Das ist das Ergebnis der Erwägungen:

Presseethisch bewertet der Ausschuss den Verstoß gegen die publizistischen Grundsätze so schwerwiegend, dass er ... eine Missbilligung ausspricht.
Dann empfiehlt das Gremium, als Ausdruck fairer Berichterstattung die Missbilligung zu veröffentlichen.
Ausschlaggebend für die Wahl der Maßnahme ist für den Ausschuss, dass es sich um besonders schwerwiegende Vorhaltungen handelt, die noch nicht bewiesen werden konnten.

Stammleser dieses Blogs wissen, dass diese wie alle anderen Entscheidungen des Presserates (der Freiwilligen Selbstkontrolle der Presse) keinerlei Sanktionen beinhalten.
Erst wenn z.B.
ein Hinweis des Presserates mit 5000 Euro,
eine Missbilligung mit 20000 Euro und
eine Rüge mit 50000 Euro
sanktioniert würde, änderte sich auch sehr schnell die Arbeitsweise in den Redaktionen. Da alles wie bisher bleibt, bleibt der Presserat ein Feigenblatt der Presse und in den Redaktionen wird sich nichts ändern.

Nochmals zur Erinnerung:

Dazu passend noch dieser inzwischen gelöschte Twitterverkehr zwischen dem Sturkturbenjamin und dem Fleischervorstadtblogger über den Pressekodex. Besonders bedrückend, weil Selbstüberschätzung mit Arroganz verpaart ist:

Man kann nicht einfach irgendeine VÖ (Veröffentlichung) in die Welt setzen!

5. März 2010

Doppelt langweilt besser

Auf der Landesseite:
Greifswalder Geologen erkunden Karibik
Wie entstand die Karibik? Auf einer Forschungsexpedition in das Meeresgebiet zwischen Venezuela und den Großen Antillen wollen Geologen der Universität Greifswald die geodynamischen Entstehungsprozesse dieser Erdregion erkunden und damit zur Klärung eines wissenschaftlichen Streits beitragen. In der Forschung würden zwei Entwicklungsmodelle der Karibik kontrovers diskutiert, sagte der Geologieprofessor und Expeditionsleiter Martin Meschede gestern in der Hansestadt. ...
In der Greifswalder Ausgabe unter der nichtssagenden Schlagzeile:
Expedition in die Karibik
Wo wurde die Karibik geboren? Auf einer Forschungsexpedition in das Meeresgebiet zwischen Venezuela und den Großen Antillen wollen Geologen der Universität Greifswald die geodynamischen Entstehungsprozesse dieser Erdregion erkunden und damit zur Lösung eines wissenschaftlichen Streits beitragen. In der Forschung würden zwei Entwicklungsmodelle der Karibik kontrovers diskutiert, sagte der Geologieprofessor und Expeditionsleiter Martin Meschede gestern vor Expeditionsstart am 8. März. ...
Jahah, da macht Zeitungbezahlen doppelt Spaß!

Ich vermute, die mehrspaltige Doublette ist das Ergebnis der Umstrukturierung in der Greifswalder Redaktion, die z.Zt. mit nur vier Festangestellten und ihrem Redaktionsbenjamin ausgestattet ist. Wer also gern mit irgendetwas, es ist ziemlich egal, womit, in der Greifswalder Zeitung erscheinen möchte, hat jetzt die Chance seines Lebens. Die nehmen z.Zt. fast alles, um die Seiten zu füllen.

6. Februar 2010

Beihilfe zum Journalismus, kostenlos

Es ist Alltag in der OZ und doch immer wieder bedrückend, wie oberflächlich die OZ berichtet und dabei Märchen verbreitet oder auch nur - wie heute in mindestens einem Fall geschehen (den Altschnee lasse ich dabei schon weg) - mitteilt, dass sie nichts Neues mitzuteilen hat. Selbst wenn die Zeitung indirekt dadurch mitteilt, dass der jeweilige Redakteur ahnungslos ist, ist das schon lange nichts Neues mehr. Heute betrifft es den Redaktionsbenjamin in Greifswald. Schon das Fragezeichen am Ende der Schlagzeile machte deutlich, dass die Frage - wie üblich in der OZ, jedoch nicht üblich in einer Qualitätszeitung - nicht beantwortet wird:
Welches Spiel treibt Dong?
Weder treibt Dong ein Spiel, noch spielt das Unternehmen. Es soll der Verlust möglichst gering gehalten werden. Dazu ist jedes Mittel recht. Dabei wird nicht gespielt, wie der Redaktions-B. unterstellt.
Am 11. Dezember verkündete der dänische Energieriese, auf eine Beteiligung an dem in Lubmin geplanten Steinkohlekraft zu verzichten. An den Fakten hat das bis heute wenig geändert. Das Genehmigungsverfahren läuft weiter.
Hier hätte Schluss sein müssen. Genug der Worte über die Redakteurs-Ahnungslosigkeit!
Einzig diese Passage dürfte für die Bunkerbewohner unter den OZ-Lesern und nur für sie und Frau Syrbe (?) neu sein:
... Abteilungsleiterin im StAUN. Die Projektgesellschaft würde die offenen Fragen abarbeiten. Einige naturschutzrechtliche Dinge seien aber noch ungeklärt.
(Hallo OZ! Alles klar? Die Gesellschft hat immer noch nicht alle Unterlagen eingereicht. Warum sollte dann eine Genehmigung erteilt weden? Mal Frau Syrbe und all jene fragen, die von Verzögerungstaktik schwätzen!)
Doch der Redaktions-B. gab noch lange nicht auf:
Zudem unterhält Dong in Ostvorpommern ein unübersichtliches Firmengeflecht.
Was nichts anderes bedeutet als: Auch davon habe ich keine Ahnung, doch ich teile es wortreich mit. Schließlich musste die Seite gefüllt werden. Der Redaktions-B. offeriert im weiteren Text nun nichts weiter als eine in Sätzen versteckte Liste jener Leute, die er anrief, von denen er aber nichts Neues erfuhr. Ich erspare Ihnen weitere Details aus diesem 16000-fach vervielfältigten Zeugnis peinlicher UnfähigAhnungslosigkeit.

Ich weise stattdessen erneut darauf hin, dass die OZ in ihrer Überheblichkeit, Regierungsergebenheit, CDU-Nähe und Unternehmerfreundlichkeit erneut weitgehend darauf verzichtete, mitunter sogar ablehnte, sachkundige, zahlende Leser des Blattes in ihre Berichterstattung genau zu diesem Thema einzubeziehen. Was sich die OZ an Hintergrundmaterial entgehen ließ, lässt und lassen wird, zeigt kulbrods Kommentar zu dem unsäglichen Interview (eine der vielen Fehlleistungen in der OZ) mit der OVP-Landrätin, den ich hier noch einmal in den Eintrag einschließe und der zeigt, wie wenig Werthaltiges, geschweige denn Hochwertiges, die OZ zu leisten vermag:

Ab 1998 wurde die Geschäftsführung der Energiewerke Nord GmbH vom Gesellschafter (das Bundesfinanzministerium) beauftragt, ausgewiesene Grundstücksflächen, die für Stilllegung und Abbau nicht mehr benötigt werden, an geeignete Investoren zur Industrieansiedlung zu veräußern. Der Aufsichtsrat der EWN, dessen Mitglied die Landrätin Dr. Babara Syrbe ist, sollte über die Erfüllung dieser staatlichen Aufgabe wachen.
Und was hat die Landrätin bewirkt?
Die EWN haben seit der Stilllegung 4000 Arbeitskräfte entlassen und auf einer Fläche von vier Hektar Betriebe mit ca. 1000 Beschäftigten angesiedelt.
Hallo OZ! Hat das in dieser Deutlichkeit in der Zeitung gestanden?
Frau Dr. Syrbe bescheinigte den Umweltbehörden die baurechtliche Genehmigungsfähigkeit eines Kohlekraftwerkes zu einem Zeitpunkt, an dem der damals gültige Bebauungsplan dies nicht hergab. Das war ein Rechtsbruch und ist ein gefundenes Fressen für die Anwälte der Kohlekraftwerksgegner, sollte eine Genehmigung jemals erteilt werden. (Analogie Datteln) 
Hallo OZ! Jemals auch nur ein Wörtchen darüber verkauft? Oder wenigstens vom Vorhaben in Datteln gelesen?
Als Folge wird einem ungeeigneten Investor, nämlich DONG Energy eine Option zum Kauf großer Flächen eingeräumt für schätzungsweise 15 Euro pro Quadratmeter voll erschlossener Gewerbefläche. Darin inbegriffen sind die Kosten für alle Ausgleichsmaßnahmen für die unausweichliche Schädigung der Umwelt, bezahlt von EWN (sprich vom Steuerzahler).
Hallo OZ! Was wissen OZ-Leser darüber?
Der Aufsichtsrat des Mutterkonzerns DONG Energy A/S entschied sich folgerichtig für den Rückzug aus dem Projekt, nachdem sich auch bis nach Dänemark herumgesprochen hat (durch persönliche Vorsprache von Kohlekraftwerksgegnern beim Konzern), dass der neue Ministerpräsident, der alte Wirtschaftsminister und der alte Umweltminister dem Investor gebetsmühlenartig ein „rechtsstaatliches Verfahren“ zusichert. Nix mehr mit „politischer Entscheidung“ für DONG, wie ursprünglich vom Urknaller (und Lügner Ringstorff) zugesichert.
Und nun zu dem verloren gegangenen Hoffnungsschimmer der Landrätin, die ihre Langzeitarbeitslosen und Aufstocker in Lubmin gut bezahlt unterbringen wollte. DONG versprach folgenden Personalbedarf:
ca. 15 Führungskräfte
ca. 10 Ingenieure
ca. 60 Facharbeiter
ca. 40 Hilfsarbeiter
ca. 15 sonstiges Personal
Über die Arbeitskräfte während der Bauphase muss sich Syrbe keine Gedanken machen, die kämen ohnehin nicht aus Deutschland, geschweige denn aus OVP. Die Landrätin brauchte nur nach Moorburg zu fahren und sie würde realisieren, wie die ausländischen Bauarbeiter in Wohncontainern eingepfercht werden. 
Hallo OZ! Mal nachgeschaut und die Beobachtungen an die OZ-Leser weitergegeben?
Frau Syrbe ist in hohem Maße mitschuldig, dass in den vergangenen Jahren auf einer Fläche von einer Million Quadratmetern (das entspricht der Größe von 140 Fußballfeldern) kein geeigneter Investor angesiedelt werden konnte. 
Hallo OZ! Schon mal die Landrätin mit diesem Vorwurf konfrontiert, von wegen kritischer Berichterstattung und so?
Das ist in der Tat ein enormer Imageschaden für das Land und den Landkreis. 
Hallo OZ! So könnte es sogar ein Redakteur sehen, wenn er denn keine Kohlekraftwerk-ist-gut-Scheuklappen hätte.
Wenn Frau Syrbe jetzt hofft, dass das Gewerbegebiet weiter entwickelt werden kann, dann soll sie schleunigst dafür sorgen, dass die Kaufoption auf 100 Hektar für DONG beendet wird. Ansonsten tut sich dort für weitere Jahre nichts.
Hallo OZ! Mal in der Sache "Gesperrte 100 Hektar" nachgefragt? Stimmt, blöde Frage von mir.

4. März 2010

Öffentlichkeitsarbeit weitergereicht

Was verspricht diese Schlagzeile?:
Zu wenig Kunden? Marktkauf wird jetzt radikal umgebaut
Ich lese daraus, der Autor wird schildern, wie das Unternehmen mehr Kunden gewinnen will.
Sie erfahren jedoch aus der Greifswalder Zeitung in epischer Breite (z.Zt. nur vier festangestellte Redakteur und der Redaktionsbenjamin):
... Und das ändert sich: Die Fassade. ...
Ohja, dann werden die Kunden nicht mehr zu halten sein. Sie werden von überall herbeieilen, um die Fassade zu bestaunen, und wenn sie schon mal da sind, werden sie kaufen und kaufen, was die Portemonnaies hergeben (wobei das mit dem Hergeben wohl das wahre Kundenproblem sein dürfte).
... Der Innenbereich: Ist künftig ohne Seiten-Schlenker frontal durch das gläserne Hauptportal erreichbar. ...
Naklar, angewidert von dem Schlenker suchten potentielle Kunden scharenweise wieder das Weite. Jene, die sich jedoch mutig schlenkern ließen, verirrten sich wahrscheinlich, was nach dem Umbau nicht mehr passieren kann.
... Die Verkehrsführung: Wer das Marktkauf-Gelände in Neuenkirchen ansteuert, soll nicht mehr über einen „Hinterhof“ fahren müssen. ...
Angewidert von dem Hinterhof suchten potentielle Kunden scharenweise wieder das Weite. Jene, die sich dennoch über den Hinterhof trauten, verirrten sich wahrscheinlich und wurden nie wieder gesehen, was nach dem Umbau nicht mehr passieren kann.

Erst im letzten Absatz erfahren die Leser, die sich nicht im Text verirrten und deshalb aufgaben, das Hauptproblem für zu wenig Kundschaft:
Hauptproblem des Komplexes ist der ansteigende Leerstand in den übrigen Shops. ...
Hauptproblem des Redakteurs ist, dass er spaltenweise Reklame für den Markt gemacht hat. Oder glauben Sie, dass er sich an das Unternehmen wandte, um herauszufinden, wann der Markt endlich saniert wird? Ich weiß es nicht, gebe aber zu bedenken, dass sich wohl eher die PR-Abteilung in der Redaktion meldete: Wir haben da was ganz Tolles vor. Denn im Grunde soll nichts weiter passieren, als dass ein Supermarkt saniert wird. Nach fast zwei Jahrzehnten ununterbrochener Nutzung dürfte es dafür wohl höchste Zeit sein.

Für die Greifswalder Redaktion ist das jedoch die Titelgeschichte. Ich schätze, die Leser können sich auf allerhand gefasst machen.

19. März 2010

Verschweigen und den Spieß umdrehen

Ich erkläre Ihnen, was ich für niederträchtig halte:

Die OZ berichtet über Geldverschwendung:
Millionenverlust durch Schweinegrippe-Impfstoff
Die Lager für Schweinegrippe-Impfstoffe drohen zum Millionengrab zu werden. 
Das ist Kommentar. Ebenso hätte die Autorin schreiben können: Der Impfstoff bescherte den Herstellern Milliardengewinne für etwas, das niemand braucht.
... Allein in Mecklenburg-Vorpommern liegen mindestens 120 000 Impfdosen (Merken Sie sich bitte die 120000.) auf Lager. Insgesamt habe die Herstellerfirma nach Angaben des Rostocker Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) 372 000 Portionen Impfstoff nach MV geliefert. Es hätten sich aber nur knapp zehn Prozent der Bevölkerung impfen lassen.
 Klar ist doch, dass auch die verabreichten Dosen sinnlos waren, für den einen oder anderen Impfling vielleicht sogar eine Gefahr. Deshalb sind die Gesamtkosten der Aktion als sinnlos hinausgeworfenes Geld (darüber denken die Hersteller natürlich anders) in Rechnung zu setzen. Auf den Gedanken kann jemand aus einer Kampfblattredaktion natürlich nicht kommen.
Laut Lagus-Sprecherin Anja Neutzling sei nicht damit zu rechnen, dass sich diese Zahl noch nennenswert erhöhen werde.
Richtig.  
Was die OZ weiterhin verschweigt: Es gibt keine generelle Impfempfehlung des Lagus mehr.
Als die Impfempfehlung herausgegeben wurde, stellte sich das Kampfblatt nicht so zickig an.
Da ließ eine Mantelredakteurin an sich den Impfstoff testen und schrieb natürlich darüber, wie gut sie die Prozedur überstanden hatte. Der Greifswalder Redaktionsbenjamin ließ sich sogar fotografieren, als er sich impfen ließ. Beide warben damit indirekt für Produkte der Pharmaindustrie und belegten zugleich ihre Regierungsergebenheit und Ahnungslosigkeit.
Auch verschweigt die OZ weiterhin, dass nicht nachgewiesen werden konnte, dass die vier (laut OZ) Schweinegrippe-Toten an der Schweinegrippe gestorben sind.

Das alles bringt die OZ nicht zustande. Stattdessen wird der Spieß bildlich einfach umgedreht und den Bürgern indirekt die Schuld in die Schuhe geschoben. Einfach niederträchtig ist diese Art der Aufschreiberei:
Das Schweriner Sozialministerium hatte bereits Ende Februar mitgeteilt, dass sich seit Ende Januar kaum noch jemand gegen das H1N1-Virus impfen lasse. ...
Ja, diese Bürger aber auch, lassen sich einfach nicht impfen! Und nun sitzt die Landesbehörde auf dem Impfstoff. Die Bürger waren schlauer als die Leute im Bundesministerium und in den Landesbehörden zusammen. Nur, die Schlauen haben nichts davon. Sie müssen für die Unfähigkeit der Regierenden so oder so zahlen, wie schon oft und auch zukünftig:
Um den Schaden für die Steuerzahler zu begrenzen, verhandelt Niedersachsen im Auftrag der Bundesländer mit dem Ausland über einen Teilverkauf der überzähligen Impfdosen.
Lächerlich! Wie blöd muss jemand sein, der etwas kauft, was er nunmehr nachweislich nicht braucht?
Sollte dies nicht gelingen und der Bund sich aus der Finanzierung heraushalten, müsste MV das Defizit von 4,5 Millionen Euro begleichen. ...
Nichts, kein Wort über Konsequenzen, über Lehren aus der Steuergeldvernichtung. Kampfblatt eben.

Im Kommentar nimmt die Autorin, wie zu erwarten, die Behörden in Schutz:
Zu viel Schweinegrippe-Impfstoff
Teures Lehrgeld

Für mehr als 200 Millionen Euro lagert Schweinegrippe-Impfstoff bundesweit in Apotheken und bei Großhändlern — Serum, das niemand braucht. Mit ihrer Gefahrenprognose für die Neue Grippe lagen die Experten 2009 haushoch daneben. Doch Häme ist fehl am Platz. Niemand hätte gewollt, dass zu wenig Impfstoff da ist, wenn eine Epidemie ausgebrochen und Zehntausende Menschen schwer erkrankt wären. ...
Abgesehen davon, dass der Impfstoff zu spät gekommen wäre - er stand erst im Oktober in geringen Mengen zur Verfügung - hätten die Behörden auf die vielen mahnenden Stimmen hören können, die vor einer Hysterie warnten, die von Medien wie der OZ verantwortungslos angeheizt wurde. Sie hätten auf jene hören können, die das Neudefinieren des Pandemiebegriffes durch die WHO für falsch hielten und dahinter Interessen der Pharmaindustrie erkannten. Ich hatte dutzendfach auf diese Stimmen verwiesen. Was wissen OZ-Leser darüber? Nichts? Das schätze ich auch.

Immerhin ließ sich die Kommentatorin dazu hinreißen, eine Kleinkritik anzubringen:
Vorzuwerfen ist den Verantwortlichen aber, dass sie sich von der Pharmabranche gnadenlos über den Tisch ziehen ließen. ...
Das ist ja nun seit mehr als einem halben Jahr bekannt und unstrittig.

Und dann dies:
Zwar muss MV statt der bestellten eine Million Impfdosen nur 700 000 abnehmen — doch davon ist eine halbe Million übrig. ...
Nun sind es nicht mehr 120000, sondern eine halbe Million? Was stimmt denn nun? Natürlich die halbe Million, da pro Impfdosis mehr als acht Euro zu zahlen sind und dies im Kommentar stand:
Das Land muss mit einem Verlust von vier Millionen Euro rechnen.
Und zum Schluss:
Will man das Ganze als Großversuch für ein mögliches Pandemie-Szenario abhaken, hat MV dafür teures Lehrgeld bezahlt.
Wer ist man? Der Großversuch ist gründlich misslungen. Doch davon erfahren die Leser nichts. Einige werden sich vielleicht sogar Vorwürfe machen, dass sie mit ihrer Impfverweigerung einen finanziellen Schaden anrichteten. Dann wäre die nächste Impfhysterie gut vorbereitet.
So viel kostet die OZ im Einzelverkauf:

8. Februar 2010

Über Pseudo

Ein schönes Beispiel für pseudo-kritischen Pseudo-Hochwertjournalismus lieferte heute der Greifswalder Redaktionsbenjamin:
Stadt nimmt Kraftwerksgegner nicht ins Klimabündnis auf
Ein Jahr nach Antragstellung nun diese Entscheidung! Darauf hinzuweisen und herauszufinden, wieso die Verwaltung ein Jahr benötigte, war schon zu viel verlangt, denn darüber finden Sie nichts in der Aufschreiberei.
Für die Gegner des weiterhin geplanten Kohlekraftwerkes in Lubmin ist die Entscheidung wie ein Schlag ins Gesicht. (Hat das jemand von der BI behauptet, oder ist der Schlag eine Erfindung des Aufschreibers?) Die Verwaltung hat es abgelehnt, die Bürgerinitiative (BI) ins städtische Klimaschutzbündnis aufzunehmen. Beide Seiten streiten offenbar um das Wort Steinkohlekraftwerk im Namen der Bürgerinitiative.
Streiten sie oder nicht? Reine Vermutung, deshalb wertlose Zeilenfüllung!
Begründung der Stadt: „Da sich die Bürgerinitiative nach eigenen Angaben umbenennen will und daraus eine neue Satzung folgt, wurde die Aufnahme zunächst zurückgestellt“, sagt Michael Haufe, Klimaschutzbeauftragter im Rathaus.
Das ist eine so lächerliche Begründung, dass sie nur von der OZ ohne Nachfrage wiedergegeben werden kann, denn weder vor einem Jahr war von Umbenennung die Rede, noch jetzt, denn:
BI-Vorsitzender Oskar Gulla schäumt (Stellen Sie es sich einfach bildlich vor.): „Entweder wir werden jetzt aufgenommen oder gar nicht.“ Es gebe keine Überlegungen, dem Bündnis einen neuen Namen zu geben. „Wir haben der Region rund zehn Millionen Tonnen CO2 im Jahr erspart.“ Klimapolitik ließe sich auch in anderen Allianzen betreiben.
Und dann noch dies:
Nach Angaben von Ulrich Bittner, Chef der grünen Bürgerschaftsfraktion, weigere sich die Verwaltung zudem, eine Liste mit Fragen zum Klimaschutzbündnis zu beantworten, die Oberbürgermeister Arthur König (CDU) seit Anfang Dezember vorliege. Darin heißt es unter anderem: „Wer entscheidet über den Beitritt?“ Bei der Gründung des Bündnisses waren gesellschaftliche Gruppen und Vereine dazu aufgerufen worden, dem Bündnis beizutreten.
Kein Anlass für den Redaktions-B. nachzufragen, ob das stimmt, und wenn ja, ob die Stadt die Fragen (Welche wurden außerdem aufgelistet?) auch erst in einem Jahr beantworten will.

Warum fragte der Readktions-B. nicht:  

Können Sie die Vermutung entkräften, dass das Klimabündnis nur gegründet wurde, um Fördermittel zu erhalten?
Was sagen Sie in diesem Zusammenhang zu dem Vorwurf, die BI störe nur, weil sie ernsthaft etwas  in Greifswald verändern will und das Bündnis damit mehr tun müsste, als Schüler zu animieren, darüber nachzudenken, wie in den Haushalten Energie zu sparen wäre?
Warum veräppeln Sie mich mit der Scheinantwort, Sie müssten abwarten, bis die BI eine neue Satzung vorlegen kann und dann noch einmal ein Jahr prüfen?
Da müsste er allerdings mit der Antwort rechnen: Weil die OZ bisher alles schluckte, was wir auftischten.

Und noch etwas: Was ist so schlimm daran, Oskar Gulla zu fragen, was die BI denn vorhätte, am Greifswalder Klima zu verändern, wäre sie denn Mitglied in dem nichts ausrichtenden Klimabündnis?

Es gäbe noch allerlei zu fragen; ich habe aber keine Lust mehr. Ich werde nicht dafür bezahlt, der Redaktions-B. auch nicht. Fragt sich, wofür er dann bezahlt wird.
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