23. November 2010

Werbeaktion "Krämerseelen für Krämerseelen"

Ich bin schon wieder auf eine Autorin hereingefallen, deren Absonderungen ich nicht mehr lesen wollte. Schon der Beginn der Werbeaktion "Krämerseelen für Krämerseelen" (Es ist bald Dezember. Ist das eine vorgezogene Weihnachtssaktion für die Krämer?) lässt keinen Zweifel aufkommen, dass es sich um ein Machwerk handelt:
Alles unter einem Dach — Kaufhäuser machen sattes Plus
Und alle anderen Krämer? Nichts für eine Schönschrift gefunden? Wir kommen gleich dazu, was ein sattes Plus sein soll.
Die Zeit der Weihnachtseinkäufe hat begonnen, die Kaufhäuser sind rappelvoll. Die steigenden Kundenzahlen gehen jedoch nicht nur auf das nahende Fest zurück, sondern sind einer generell guten Konsumstimmung zu verdanken. (Was die Autorinnen alles zu wissen vorgeben.) Kaufhäuser bieten zudem einen Vorteil: Statt viele kleinere Läden abzuklappern, findet man hier alles unter einem Dach ...
Da wird den Krämern mit den kleineren Läden bildlich das Herz vor Freude hüpfen.
„Mehr Kunden haben wir zwar nicht, aber die Leute kaufen hochwertige Sachen und sind bereit, mehr Geld auszugeben“, sagt die kommissarische Geschäftsführerin Beate Stadler. Das Weihnachtsgeschäft bleibe jedoch weiterhin „das Geschäft des Jahres“. ...
Und jetzt, hallelujah!, das einzige Textabschnittchen mit etwas Realismus:
Ganz so euphorisch (?) wie die Kollegen ist Stadler jedoch nicht. „Wir haben keinen Grund zu jammern. Aber was die Politiker gern erzählen, nämlich dass der große Aufschwung überall angekommen ist, kann ich nicht bestätigen.“
Das wars, denn so geht es im Text weiter:
Der Branchenverband HDE schaut derweil optimistisch in die Zukunft ...
Hier etwas aus dem wirklichen Leben:


... Die Konsumausgaben der privaten Haushalte sind zwar gegenüber dem Vorjahr um schwache 1,2 % gestiegen, lagen aber nur um 0,5 % gegenüber derselben Periode von 2008. Im Großen und Ganzen tritt der private Konsum seit nun schon vier Jahren auf der Stelle (Abb. 14010). Was mit Plus 1,7 % stärker gestiegen ist, sind die staatlichen Konsumausgaben, meist letzte Teile des auslaufenden Konjunkturprogramms.

Wo sollte auch der private Konsum herkommen, nachdem die Nettolöhne und -gehälter erneut gefallen sind und nun kaufpreisbereinigt um 2,3 % unter dem Niveau des Jahres 2000 liegen, während die Unternehmens- und Vermögenseinkommen um den BIP-Inflator bereinigt nach einem weiteren kräftigen Anstieg nun um 45 % über dem Jahr 2000 liegen ...?

Hier können Sie nachlesen, was das Statistische Landesamt dazu ermittelte (Übrigens sind auch die Zahlen für 2009 interessant.):
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Kommentare:

  1. Anonym24.11.10

    Mensch Ulli, warum die Aufregung? Glaubst du etwa dieses Blabla hat jemand gelesen?
    Da hat man offensichtlich die Praktikantin Gottschalk (zumindest hoffe ich, dass es keine ausgebildete Journalistin ist, sonst ... oh Graus)rausgeschickt, Stimmen einzuholen. Und das hat sie gemacht. Zwar auch nicht mehr (z.B. die von dir entdeckte Statistik dagegen gesetzt), aber das ist nicht so schlimm.
    Wie Händler ihr Weihnachtsgeschäft sehen, ist durchaus berichtenswert (da "öffentliches Interesse") und hat nichts mit "Werbeaktion für Krämerseelen" zu tun.
    Ein bisschen weniger Schaum vorm Mund täte deinem Blog gut.

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  2. Als ich das schrieb, war ich weder aufgeregt, noch hatte ich Schaum vorm Mund.

    Es ist unerheblich, ob eine Praktikantin, Volontärin oder ein ausgebildeter Journalist so etwas absondert. Sind die Autorinnen Volontärinnen, hat niemand den Text ernsthaft redigiert oder hat ihn gar gutgeheißen. Das kann in einem Anzeigenblättchen so funktionieren aber nicht in einer Zeitung, deren Chefredaktion und Verlagsleitung den Lesern zuletzt zu Jahresbeginn versprachen, kritischen Hochwertjournalismus gegen Geld anzubieten.

    Der Text ist mager recherchiert, unausgewogen und erzeugt den Eindruck, die OZ wolle die Leser in die Kaufhäuser jagen (Dort wird mächtig was feilgeboten, dort müsst ihr dabei sein!).

    Worin das öffentliche Interesse bestehen könnte, erschließt sich mir nicht, weil die Leser in jedem Jahr mehrfach vor dem Weihnachtsgeschäft die Hoffnungen der Krämer auf besseren Umsatz als im Vorjahresweihnachtsgeschäft als (Schein-)Nachricht vorgesetzt bekommen und in jedem Jahr nach dem Geschäft zugeben, dass es mal wieder nicht so doll gelaufen ist. Sollte es jemals an dieser Wiederkäuerei ein öffentliches Interesse gegeben haben, müsste es schon längst erlahmt sein. Deshalb ist diese Frage fast richtig gestellt:
    Glaubst du etwa dieses Blabla hat jemand gelesen?
    Ich hoffe sehr, dass es niemand las, wundere mich dann aber um so mehr, wofür die Abonnenten Geld ausgeben.

    Die Statistik habe ich nicht entdeckt. Ich erhalte alle Veröffentlichungen des Landesamtes, einfach so. Auch die OZ könnte das tun und die kostenlos gelieferten Zahlen nutzen, um damit Geld zu verdienen. Das tut sie höchstens sehr verhalten und wartet lieber darauf, dass Nachrichtenagenturen die Arbeit erledigen und der OZ die Ergebnisse anbieten.

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  3. Anonym24.11.10

    Es gibt auch noch eine andere Weihnachtsaktion, die für Betroffene sehr bitter ist.
    Ich weiss nicht, ob derartiges schon einmal in der OZ stand, weil ich keine habe und manchmal mir eine schnurre und nur das lese, was online zu lesen ist.
    Die Jahresbilanzen liegen zum Jahresende vor und hat schon so manches Weihnachtsfest vermiest, weil Kündigungen ausgesprochen wurden und werden, kurz vor Weihnachten.
    Ich kenne so ein Weihnachten, schon lange her, aber nicht vergessen.

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