25. September 2010

Über Halbwahres und ganz Scheinheiliges

Leute, die für die OZ schreiben und OZ-Redakteure sowieso leiden (?) an partieller Vergesslichkeit und verbreiteten stattdessen üble Propaganda wenn es um die Hartz-Gesetze ging, auch heute in einem Kommentar:
Schwarz-Gelb reformiert Hartz IV
Kuhhandel
... Erst die Verfassungsrichter mussten die Regierung mit der Nase darauf stoßen, dass viel zu wenig für Bildung und Teilhabe von Kindern aus sozial schwachen Familien getan wurde. ...
Das ist etwa die halbe Wahrheit. Das Bundesverfassungsgericht hatte im Februar gefordert, statt die Höhe der Regelsätze, also alle Regelsätze, zu schätzen, endlich deren Höhe zu berechnen.

Es ist typisch für die OZ, dass sie bewusst und ausdauernd die Halbwahrheit mit den Regelsätzen für Kinder in die Welt setzt, gegen Bezahlung natürlich, um das ganze Ausmaß der Verfassungswidrigkeit zu verschleiern. Es könnte ja der eine oder andere Leser fragen, warum die OZ jahrelang keine Zweifel an der Verfassungswidrigkeit der Regelsatzhöhe an die Leser weitergab, denn die Zweifel wurden von Anfang an geäußert.
Seit Wochen durfte jedenfalls munter darüber spekuliert werden, wie hoch die Regelsätze ausfallen sollen oder wie viel Geld Langzeitarbeitslose ungekürzt hinzu verdienen können.
Wer hat denn munter spekuliert, statt einfach abzuwarten und sich auf Themen mit Inhalt statt auf solche voller Spekulationen zu konzentrieren. Der Trick ist doch der: Spekulationen zu kopieren kann nahezu jeder Schüler. Fakten zu finden, zu verknüpfen und so einen Nutzwert für die Leser erbringen, ist dagegen journalistische Arbeit.

Den Höhepunkt an Scheinheiligkeit erreicht der Kommentator am Ende des Textes:
Dabei ist vom Grundsatz her nichts dagegen zu sagen, dass die beträchtlichen Hartz-IV-Mittel mehr zum Fitmachen für den Arbeitsmarkt beitragen müssen denn lediglich zur Versorgung. Doch dafür braucht es einen breiteren Ansatz, effektivere Arbeitsagenturen sowie mehr Jobangebote aus der Wirtschaft. Es muss besser gefördert und gefordert werden.
Achja?  Z. B. sollten die Ein-Euro-Sklaven nicht wie Sklaven behandelt werden, die froh sein dürfen, wenn von der Mehraufwandentschädigung im Monat ein paar Euro für sie übrig bleiben.
Was hat denn die OZ über die Arbeit dieser Leute berichtet? Mit zwei Ausnahmen Schönfärberei.
Was hat sie sie denn berichtet über die andauernde Langzeitarbeitslosigkeit im Land? Außer ein paar Zahlen so gut wie nichts.
Übrigens: Wenn Politiker das Wort müssen missbrauchen, ist klar, dass aus dem, was ihrer Meinung nach getan werden müsste, nichts wird. Wenn ein Kommentator solch eine Forderung (muss besser gefördert und gefordert werden) ausgerechnet in der arbeitgeberfreundlichen Krämerzeitung OZ aufstellt, ist das mindestens genauso unglaubwürdig.

9 Kommentare:

  1. Anonym27.9.10

    Seit Wochen durfte spekuliert werden, wie hoch die Regelsätze ausfallen sollen.

    Nun ja, 5,-€. Das ist ein Hohn.
    Wurden nicht schon vorher Leistungen gestrichen?

    Rentenversicherung und Heizkostenzuschüsse?

    Wehe, wenn ein harter Winter droht und die Familien dann auch noch kleine Kinder haben.

    Ich hab´s mir gestern abend wieder angetan und Anne Will geschaut.

    Frau v. der Leyen, nun kenne ich ihr wahres Gesicht.

    Wie soll man das den Leuten mit geringem Einkommen erklären? (Sollten es mehr sein als lumpige
    5,-€)

    Ja, die Leute gegeneinander aufhetzen.
    Das ist ihre Masche.

    Ist es nicht schon ein Dilemma, dass unsere Bundesregierung es zulässt, dass Menschen von ihrer Arbeit noch nicht einmal ihren Lebensunterhalt bestreiten können und beim Amt betteln müssen?

    Ich bin gespannt, wie die nächste Diätenerhöhung ausfällt.

    In M/V kürzte man dafür einfach so das Blindengeld.

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  2. "Ich hab´s mir gestern abend wieder angetan und Anne Will geschaut."

    Diese sinnlosen Quatschrunden schaue ich mir nicht an. (Aus dem selben Grund würde ich auch die OZ nicht lesen, hätte ich sie mir nicht zum Blogen ausgesucht, um diesen ganzen Quark darzustellen.) Jeder in en Quatschrunden weiß ungefähr, was jeder andere sagen wird. Die Zuschauer wissen es auch. Also, was solls? Ich gehe lieber schlafen. Ist gut für die Gesundheit, auch für die des Geistes.

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  3. Anonym27.9.10

    Weil ich meine bessere Hälfte nicht so oft mit meinen Gedanken behelligen will, kotze ich mich in Ihrem Blog aus.

    Aber was wir gestern abend gesehen haben, ist eine Zumutung und eine Unverschämtheit, dass es Pflicht ist, für die Programme auch noch bezahlen zu müssen.

    Ich habe ja immer noch ein wenig Hoffnung und mein Gegenüber sagt:

    Du kommst wohl von einem anderen Stern?

    Ja, mir gehts im Prinzip nicht schlecht und trotzdem würde ich am Liebsten auswandern.
    So ist mir jeden Tag zumute.
    Ich weiss bloss nicht, wohin.

    Zu meinen Grossen sage ich öfter:

    Habt Ihr schon einmal überlegt, in ein anderes Land zu gehen,
    vielleicht Dänemark, Finnland oder Schweden?

    Die Grosse quält sich in der Altenpflege und hat oft Gewissensbisse, weil sie lieber öfter mit Omi und Opi erzählen möchte, aber keine Zeit dafür hat, familienunfreundliche Arbeitszeiten in Kauf nehmen muss usw. und wie es aussieht, ist unsere Regierung nicht daran interessiert, Mindestlöhne einzuführen, Leiharbeit (auch aus dem Pflegebereich) zu verbannen.

    Der Grosse ist nun endlich auf andere Gedanken gekommen, nachdem sich sein Bundtraum von selbst erledigt hat, nur wie geht es dann weiter in diesem Deutschland?

    Aber gut, ich werde jetzt die Gesundheit meines Geistes hüten, mich an den PC setzen und öfter über YouTube einen Hagen Rether Abend machen.

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  4. "öfter über YouTube einen Hagen Rether Abend machen."
    Ich schätze, das ist eine guute Idee.

    "wie es aussieht, ist unsere Regierung nicht daran interessiert ..., Leiharbeit (auch aus dem Pflegebereich) zu verbannen"

    Warum sollte sie Leiharbeit verbannen? Die Idee der Leiharbeit ist doch gut: Dort, wo zeitweilig wegen vieler Aufträge mehr Arbeitskräfte benötigt werden, sind Wanderarbeiter eine Lösung. Doch wie es gegenwärtig praktiziert wird, ist damit nur Lohndrückerei verbunden. Dem könnte die Regierung schnell einen Riegel vorschieben: Wanderarbeiter müssten mehr Geld verdienen als Festangestellte in den jeweiligen Betrieben. Die Leiharbeit würde sofort auf das Allernötigste beschränkt und könnte nicht missbraucht werden, die Löhne zu drücken.

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  5. Anonym27.9.10

    Aus dem selben Grund würde ich auch nicht die OZ lesen...

    Die kann man auch nicht ernst nehmen, aber die Leserbriefe sind interessant.

    Heute zu den lumpigen 5,-€:

    Wer lügt mehr?

    sinngemäß der letzte Satz:

    Ein grosser Schritt nach vorne (Merkels Aussage) wäre, wenn der Fuss den richtigen Ar... treffen würde.

    Herrlich, der Mann könnte Komiker sein.

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  6. Anonym27.9.10

    ....das Sozialwesen ist damit ganz im Sinne Foucaults zu einer schleifenden und drillenden Instanz geworden, die überwacht und straft, um ihre gewünschten Lernziele umzusetzen, Lebensentwürfe im Sinne der gesellschaftlichen Normen bestmöglich anzugleichen.

    Lesenswerter Text !!!!!!!!!

    http://ad-sinistram.blogspot.com/2010/09/disziplin-durch-abstinenz.html

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  7. Anonym28.9.10

    Regelsätze nach Gutdünken:

    http://ad-sinistram.blogspot.com/2010/09/regelsatze-nach-gutdunken.html

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  8. "Die (OZ)kann man auch nicht ernst nehmen"

    Das ist ein Fehler! Nähme ich die OZ nicht ernst, gäbe es dieses Blog nicht.

    Die OZ übt auf 150000 Abonnenten und deren Mitleser Einfluss aus und verlangt Geld dafür. Das habe ich bis zum Überdruss beschrieben. Indem in der OZ wegglassen wird, Lügen und Propaganda (alles gegen Bezahlung)verbreitet werden, machen sich Leser ein falsches Bild von dem, was auf der Welt passiert. Vieles von dem, was auf der Welt passiert und für die Leser wichtig wäre zu wissen, wird niemals in der OZ stehen, in anderen Medien aus nicht.

    Aus diesen Gründen muss das Blatt ernst genommen werden, weil die Beeinflussung auch noch als kritischer Hochwertjournalismus ausgegeben wird.

    Die meisten Leser werden davon nichts merken. Merkten sie, was ihnen gegen Bezahlung vorgesetzt und vorenthalten wird, wären sie keine Leser mehr.

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  9. Anonym28.9.10

    Da haben Sie recht, zumal es das fast einzige Lei"d"medium hier ist.

    Die OZ ist gefährlich.

    Was solls, wie sagte Einstein?

    Es gibt zwei Dinge die unendlich sind:

    Die menschliche Dummheit und das Universum, wobei er sich bei dem Universum noch nicht ganz sicher war.

    So, oder warum wiederholt sich alles, nur auf andere Weise?

    Früher köpfte man so einige Könige..., den Rest behalte ich jetzt aber für mich.

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