17. Februar 2012

Kommentar zum Kommentar

Wie gewohnt, wird eindimensional und oberflächlich über pfuschendes medizinisches Personal, die Zustände in Kliniken und die Folgen daraus berichtet:
... Einig sind sich auch die Experten in einem: Die Dunkelziffer ist hoch. Insgesamt sterben nach unterschiedlichen Studien zwischen 17 000 und mehreren 100 000 Menschen pro Jahr wegen Fehlern im Behandlungsverlauf allein in Deutschlands Kliniken, wie das Aktionsbündnis Patientensicherheit mitteilte.
Nicht nur das Bündnis; die Regierung gibt bis zu 15000 Todesfälle zu.
Bei den Gutachterstellen und Schlichtungskommissionen der Ärzteschaft gingen zuletzt 11 016 Beschwerden im Jahr ein. Die Zahl der hier offiziell festgestellten Fehler stieg auf 2199. ...
Bedrückend fand ich dies:
Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, sagte, der vermeintliche Trend einer Zunahme tödlicher Fehler sei ein rein statistisches Phänomen. ...
Man müsse die Zahl tödlicher Fehler auch im Verhältnis sehen zu den 17,8 Millionen Behandlungen in den Krankenhäusern im Jahr. ... 
Aber die Toten sind dennoch tot, andere bis zum Ende ihres Lebens gezeichnet, von dauernden Schmerzen gequält, oder Pflegefälle, für die sich Angehörige bis zur Selbstaufgabe einsetzen. (... Die Bundesregierung geht von etwa 400.000 bis 600.000 Fällen jährlich aus, in denen Patienten an Krankenhausinfektionen erkranken ... (Hier nachzulesen) Dazu gehört der jahrelange Kampf um Schmerzensgeld und Schadenersatz, der gleichzeitig zu führende Kampf mit Behörden - selten ein Thema für die OZ, manchmal im Lokalen zu finden. (Zu einer journalistischen Aufbereitung des Themenkomplexes ist die OZ nicht in der Lage. Vielleicht trägt das dazu bei, dass sich Betroffene so viel gefallen lassen.)
Doch davon war weder im Bericht noch im Kommentar die Schreibe, sondern:
Mehr Opfer von Ärztefehlern
Zu viel Stress im OP
Mehr als 1600 dokumentierte Todesfälle durch Behandlungsfehler und unzureichende Desinfektion — die Zahl ist alarmierend. Sie zeigt überdeutlich: Im Gesundheitswesen stimmt vieles nicht.
Das zeigt sich schon seit Jahrzehnten, weitgehend unbemerkt von der OZ. Alarm geschlagen hat die OZ jedenfalls nicht, und schon gleich gar nicht hat die OZ das Thema journalistisch ausgebaut.
Der Anstieg von 2009 auf 2010 mag ein statistisches Phänomen sein, weil mehr Opfer von Ärztepfusch und Hygienemängeln gemeldet werden. Das bedeutet aber, dass die Lage früher schon so schlimm war wie jetzt. Sie wurde nur mehr vertuscht.
Aha, und was hat die kritische Hochwertzeitung OZ dazu beigetragen, das Vertuschte aufzudecken? Nichts. Stattdessen hat die Zeitung z.B. jahrelang hemmungslos Impfpropaganda betrieben.

In dieser Aufzählung fehlt etwas:
Die Todesfälle haben verschiedene Ursachen. Einige sind schicksalhaft und unabhängig von ärztlichem Können. Andere sind Folge von Fehlentwicklungen im System. Zwei Beispiele: Weil den Kliniken Geld und Personal fehlt, arbeiten Chirurgen und OP-Schwestern oft unter enormem Stress. Da kommt es eher mal zu Fehlern. Die hohe Arbeitsbelastung der Krankenschwestern macht es schwer, die immer strengeren Hygienestandards stets penibel einzuhalten.
Dass möglich sein könnte, dass es tatsächlich Pfuscher gibt, schließt der Kommentator aus. Ich halte diese Inschutznahme für einen Fehler.
Und was hat die OZ in den vergangenen sieben Jahren dazu beigetragen, über die Fehlentwicklung aufzuklären? Ich bin für jeden Hinweis dankbar.

Zum Schluss:
Mehr Geld für die Kliniken könnte helfen. Darüber sollte die Politik angesichts der Überschüsse im Gesundheitsfonds nachdenken statt über Beitragssenkungen. 
Damit kann viel erreicht werden. Es wird aber Pfuschern, die es laut Kommentator nicht gibt, nicht das Handwerk legen.

Kommentare:

  1. Anonym17.2.12

    Ärztefehler- sah ich neulich im Fernsehen:
    Eine Augen-OP, aber nicht am kranken Auge, sondern am Gesunden, im OP war zu viel Hektik, daher die Verwechslung. Der oder die Patientin hatte nach der OP starke Sehbeschwerden und es folgte der übliche Kampf um Entschädigung.
    Der Arzt oder die Klinik sind natürlich versichert und gaben den Fall an ihre Versicherung zur Klärung weiter.
    Die Versicherung zahlte bisher nicht mit der Begründung: Es ist nicht erwiesen, dass die Augen-OP die Ursache für die Sehbeeinträchtigung ist.
    Was soll man dazu noch sagen...
    Das Auge war vor der OP gesund, nach der Schnippelei am Auge, an Sehvermögen stark beeinträchtig, hat aber nach Ansicht der Versicherung nichts mit der OP zu tun.

    Jeder kann wirklich froh sein, wenn er sich nicht unters Messer begeben muss.

    G. Bieck

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  2. Anonym18.2.12

    Die Profitgier in der Gesundheitswirtschaft ist ein Übel, das mit den Privatisierungen der Kliniken kam.

    Ein Gesundheitswesen das diesen Namen verdient gibt es nicht mehr.

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