12. Januar 2012

Gefaselter Quark aus dem PR-Büro

Usedom-Ausgabe:
„Wir wollen jetzt Web-Wellen schlagen“
Fußballfieber: In knapp 150 Tagen startet die Europameisterschaft. Bereits Ende Februar soll der Ticket-Verkauf für das Public Viewing in Heringsdorf starten — mit einem Vorkaufsrecht für Einheimische und Touristiker. ...
Wo wird die Europameisterschaft ausgetragen, am Heringsdorfer Strand? Dann könnte ich das Fieber verstehen. So aber werden vor allem Krämerseelen fiebrig bei dem Gedanken, möglichst viele Leute an den Strand und in dessen Nähe zu bekommen, um möglichst viel umzusetzen, Bratwurst, Getränke ...

Erster Satz:
Eines wird ganz deutlich: Der Mann brennt. ...
Wenn das deutlich wurde, muss der Mann in Flammen gestanden haben - Selbstverbrennung, Attentat? Hat der Aufschreiber gelöscht oder den Flammen zugeschaut?
Dann haut der Brennende derartig (bildlich) auf den Pudding und die OZ plappert nach:
„Gehen Sie davon aus, dass diese Zeit für uns reicht, ein für die Insel einmaliges Event auf die Beine zu stellen.“ Vor gut zwei Wochen hatte die Berliner Agentur „pehnert & hoffmann“ den Zuschlag für die Veranstaltungskoordination während der Fußball-Europameisterschaft vom 8. Juni bis 1. Juli 2012 rund um die Heringsdorfer Seebrücke erhalten ...
 Und so geht es flott weiter:
„Der Image-Transfer ist unbezahlbar.“
Da gruselt es mich, weil wieder einmal den Leuten eingeredet wird, damit würden nun noch mehr Urlauber auf die Insel kommen. (Abgesehen davon: Es sind auch schon lange viel zu viele im Sommer. Das wird Massentourismus genannt.) Dieser Quatsch ist Gottseidank auch nach anderen Weissagungen dieser Unart nicht aufgegangen. Oder waren Sie alle in Trinwillershagen, um dort zu sehen, wo Merkel und Bush einst von einem verbrannten, zähen Wildschwein aßen? Sind die Hotels in Heiligendamm besser gefüllt seit dem G 8-Gipfel? Ist nach den Dreharbeiten für einen Film die Insel noch heftiger überrannt worden?

Ich vermute, der Veranstalter will mit dem Imagegefasel nur seine überhöhten Kosten rechtfertigen, die die Heringsdorfer brav bezahlen werden. Sollten die Kosten für die Gemeinde nicht überschaubar sein? Wenn sie überschaubar sind, könnte doch endlich die Summe genannt werden. Nicht einmal das bekam der Aufschreiber hin.
Dazu müsse schnellstens ein „emotionalisierender Kaiserbäder-Usedom- Image-Rahmen“ entwickelt werden, um damit an die Öffentlichkeit zu gehen, erklärt Hoffmann. „Das muss jetzt in die Köpfe der Menschen in Stuttgart, München oder Warschau.“ ...
Warum sollte jemand aus Warschau nach Heringsdorf kommen, wenn doch in Warschau fünf Spiele ausgetragen werden?
Und was soll das für ein komischer Rahmen sein? Was faselt der Mann und faselt der Autor nach?
Es darf weiter gefaselt werden:
1000 Leute direkt am Strand, Tausende drum herum — mit Blick auf die Public-Viewing-Arena, die geplante „Fanmeile“ zwischen Seebrücke und Kurmuschel mit möglicher weiterer LED-Wand sowie den VIP-Bereich auf der Seebrücke stehe man vor großen logistischen Herausforderungen, weiß Hoffmann: „Dabei geht es vor allem darum, eigene inhaltsspezifische Formate für die überregionale Öffentlichkeit zu schaffen.“ ...
Zum Schluss noch Schleichwerbung für das Unternehmen:
„pehnert & hoffmann“ versteht sich als inhaltlich federführendes Unternehmen für Event- und Medienproduktionen, das die Projekte kreativ, leidenschaftlich und kompetent umsetzt. Dabei werden maximale Stringenz und Transparenz von Ideenentwicklung, Konzepterstellung, praktischer Umsetzung bis Budgetcontrolling geboten.
Der Autor hatte bildlich keinen Zentimeter Abstand zum Unternehmen und zum Thema. Die Usedom-Redaktion lässt sich mal wieder als PR-Büro missbrauchen.

Kommentare:

  1. Anonym12.1.12

    Bei einem Blick auf den Autor wäre doch auch schon alles klar gewesen...

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  2. Edward12.1.12

    die Möglichkeit des direkten Antwortens funktioniert ja gar nicht. Und der Rollbalken in der Vorschau funktioniert immer noch nicht:-(

    Wieso gehen Leser (und zuweilen auch lupe) davon aus, dass der Journalist der gleichen Meinung wie der Interviewte ist? Plottke hat lediglich die Auffassung des PR-Büros widergegeben., was nun wirklich im öffentlichen Interesse ist.
    Und wenn deutlich wird, was für Schaumschläger diese Berliner Großkotze sind, ist es doch auch eine Aussage. im Studium wurde das "nonverbale" Aussage genannt.

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    1. Von Anfang an hat sich die Usedom-Redaktion vor den ZDF-Karren spannen lassen und jubelt, wie sie es zuvor in mehreren Fällen getan hat. Damit ist journalistische Arbeit nicht mehr möglich. Das Geschriebene verkommt zu PR. (Was ist z.B. aus den unbezahlten Handwerker-Rechnungen geworden? Hat der Investor des Steigenberger-Hotels sie inzwischen beglichen? Wird geklagt?)

      Ich bezweifle, dass die Masse der Leser die Schaumschlägerei erkennt. Dagegen befürchte ich, dass etlichen Lesern auf der Insel die Brust schwillt, weil ihnen einseitig Schaumgeschlagenes verkauft wird.
      Ich weiß dagegen immer noch nicht, wie hoch die Summe ist, die die Gemeinde (indirekt) auszugeben gedenkt für einen nicht eintretenden Imagegewinn, sondern dafür, dass Hoteliers und Händler ihren Reibach machen.
      Das Veranstaltungsunternehmen ist jenes, das auch die Rockkonzerte auf dem Grenzparkplatz Ahlbeck abhielt. Jedes der Konzerte endete mit einem dicken Minus. Was, wenn das auch im Juni passiert? Wie lange werden wir dann wohl noch z.B. auf Bürgersteige warten müssen, die ihren Namen verdient haben?

      Und nur nebenbei: Ich habe nichts Positives von der Veranstaltung zu erwarten, da ich weder verkaufe noch vermiete. Im Gegenteil; nun werden schon im Juni Straßen und Geschäfte gerammelt voll sein.

      Komisch, ich kann rollen und antworten.

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