22. Dezember 2011

Schöngerechnete Halbwahrheit

Warum sich großartig mit der Armut im Armenhaus Deutschlands abgeben, wenn es doch möglich ist, über das Wetter zu schwadronieren? Warum spezifisch über die Armut im Lande berichten, wenn doch Vorgefertigtes kopiert werden kann?
Aufschwung geht an den Armen vorbei
Das ist nur die halbe Wahrheit. Auch jene, die kurz oberhalb der Armutsgrenze leben müssen, haben nichts vom Aufschwung, sondern Einbußen, sogar gut verdienende Redakteure an Tageszeitungen wie die der OZ. Deren Gehaltssteigerung liegt unterhalb der Preissteigerungsrate. Deshalb ist es verwunderlich, dass jemand eine schöngefärbte Schlagzeile wählte.
Der Paritätische Wohlfahrtsverband schlägt Alarm: In Deutschland leben laut Armutsbericht 2011 zwölf Millionen armutsgefährdete Menschen. Der Verband hält die Sozialpolitik der Bundesregierung für gescheitert.
Hier lese sich zum ersten Mal in der OZ die Formulierung:
Das Armenhaus der Bundesrepublik ist nach wie vor (mindestens seit 2005) Mecklenburg-Vorpommern: Platz 16 in der Armutsgefährdungsquote mit 22,4 Prozent — der Abstand zum Vorletzten, Bremen, beträgt immerhin noch 1,3 Prozent. Dennoch gibt es in den letzten fünf Jahren eine leichte Verbesserung. 2005 betrug die Quote noch 22,1 Prozent. ... Hervorhebung von mir
Die leichte Verbesserung kann nur ein unverbesserlicher Schönschreiber erkennen. Seit wann ist leicht erhöhte Quote zu verarmen besser als eine geringere? Das ist ein primitiver Verblödungsversuch oder die Rechenkunst eines Schönschreiberlings:

Die Armut hat sich seit mindestens einem Jahrzehnt verfestigt, wie auch an diesem Beispiel abgelesen werden kann und wie auch der Paritätische herausfand:
„Armut hat sich festgefressen“, sagt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Der Armutsbericht belegt die „Verhärtung der Armut auf außerordentlich hohem Niveau“.
Dass das mit der Verfestigung erst recht für die Gegend zutrifft, in der ich lebe, können Sie hier nachlesen, auch, dass Vorpommern über dem Landesdurchschnitt liegt. Jeder Vierte ist arm.
Einen Kommentar hat sich die OZ verkniffen. Was sollten die Schönschreiber dazu auch meinen?

Den gesamten Armutsbericht können Sie hier anschauen.

Kommentare:

  1. Anonym22.12.11

    "Sozialpolitik der Bundesregierung"

    Wenn ich so etwas höre oder lese, dann könnte ich nur noch kotzen!

    Direkte Worte für eine seit Jahrzehnten missratene Politik müssen sein, denn Zuckerguss und Geraspel passen da nicht!

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  2. Manfred Peters22.12.11

    Es gibt noch einen anderen Aspekt dieser Misere:
    "Den Aufbau Ost mit dem Abbau West zu finanzieren, damit muss endlich Schluss sein."
    Das sagt der SPD-Politiker Römer zum wiederholten Male:
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1634941/

    Das habe ich heute Morgen im Originalton im Radio gehört. Auf meiner letzten Urlaubsreise musste ich mich u. a. vom neureichen Saarlandadel versteckt fragen lassen, wieso ich mich überhaupt erdreiste mir ihrem Solidarzuschlag & Steuermitteln auf der gleiche Urlaubstour zu sein.
    Waren zum Glück nur ca. 50% ! ;-)

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  3. Anonym22.12.11

    "Den Aufbau Ost mit dem Abbau West zu finanzieren, damit muss endlich Schluss sein."

    Nach dem 2.Weltkrieg hat der sogenannte Osten (DDR) die Reparationen an die Russen alleine beglichen, da hat keiner aus der Westzone gerufen: "Wir wollen auch"!

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  4. Anonym22.12.11

    REWE und TOOMBAUMARKT Greifswald suchen befristet Arbeitskräfte auf 400,00 €-Basis.
    So läuft das heutzutage. Minijobber über Minijobber. Diese Märkte werde ich in Zukunft meiden.
    Warum ist es nicht möglich, dass die Leute derartige Supermärkte meiden, sie einfach boykottieren?!
    Die Parteien, wie die SPD und die Grüne Garde könnten den Vorschlag einbringen, die Bevölkerung aufklären. Aber nein, sie haben die Ausbeutungsgesetze erst geschaffen.

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