8. Dezember 2010

Der Überschlag

Assange, Gründer von Wikileaks, war Bunkerbewohnern unter den OZ-Lesern noch Anfang Oktober völlig unbekannt. Nun überschlägt sich die Mantelredaktion bildlich, um über den Mann zu berichten, heute mit einer Blickpunktseite, denn

1. ist er festgenommen worden,
2. weil er der Vergewaltigung bezichtigt wird.

In solch einem Fall ist die OZ natürlich nicht zu bremsen. Da wird abgeschrieben, was das Zeug hält. Warum mir jetzt wohl Kachelmann einfällt? Ich erinnere nochmals daran, dass die OZ noch im Mai die Quelle Wikileaks verschwieg, als ein Video über den Massenmord an afghanischen Zivilisten quasi um die Welt ging (dank des bösenbösen Internets, nicht dank der OZ). Selbst beim Beschreiben des Verbrechens (Was wurde aus den Mördern?) bekleckerte sich das kritische Hochwertblatt nicht mit Ruhm.

Als Wikileaks begann, 251000 Mails an die US-Regierung zu veröffentlichen, kopierte die OZ den Tratsch über das deutsche Regierungspersonal. Genau das ist das Niveau, auf dem sich die Berichterstattung der OZ bewegt.

In einem Kommentar erfährt der Leser:
„Organisationen können entweder effizient, offen und ehrlich sein, oder sie können abgeschottet, verschwörerisch und ineffizient sein“, lautet sein zuletzt im US-Magazin „Time“ nachzulesendes Credo.
Achja, dort ist das Credo nachzulesen, sogar deutsch geschrieben? Sein Credo kann in deutscher Übersetzung hier nachgelesen werden, kostenlos.

Die OZ versuchte es dann auch noch pseudo-lyrisch, was natürlich bildlich in die Hose geht:
Der König der Hacker sitzt hinter Gittern
Er soll ein König sein, so mit Königreich und Untertanen? Märchenhaft.
Er soll ein Hacker sein? Was versteht die OZ unter einem Hacker?
Ich fand diese Worterklärungen:
  • Hacker, Technikenthusiast, hauptsächlich im Bereich des Computers, mit mehreren Unterbedeutungen
  • Hacker (Hardware), jemand, der Hardware entwickelt oder verändert
  • Hacker (Computersicherheit), jemand, der sich eingehend mit Sicherheitsmechanismen von Computern und Netzwerken auseinandersetzt oder diese manipuliert
Keine der Bedeutungen trifft auf den Mann zu. Jemand, der das Internet nutzt, um Informationen zu verbreiten, wie es Assange bisher tat, müsste also laut OZ eine Hacker sein. Dann wäre sogar sich einer. Schönen Dank, OZ!

Übrigens, würde die OZ tatsächlich recherchieren und mit dem Material Zusammenhänge herstellen, könnte sie an das erneute jämmerliche Versagen der Regierungsvertreter in Cancun anknüpfen, hiermit:

Es hagelte Depeschen

Die von Wikileaks publizierten US-Dokumente enthüllen, wie die USA im Geheimen eine Offensive gestartet haben, um Oppositionen gegen das Kopenhagener Abkommen zu brechen

Hinter der „Rettet-unsere-Erde“-Rhetorik der Welt-Klimakonferenzen verbirgt sich schmutzige Realpolitik: Politische Unterstützung wird mit Geld und Drohungen erkauft – es wird Spionage betrieben, um herauszufinden, wo der Hebel angesetzt werden kann. Die US-Depeschen bei Wikileaks enthüllen, wie die USA im Geheimen eine weltweite diplomatische Offensive gestartet haben, um die Opposition gegen das umstrittene Kopenhagener Abkommen zu brechen – jenes inoffizielle Dokument also, das aus den Ruinen des Klimagipfels im Vorjahr empor strebte. ...

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