7. November 2010

Über Glaubwürdigkeit

Der Greifswalder Strukturbenjamin und Lokalchef lieferte mit einer Betrachtung einen Beleg seiner Ahnungslosigkeit in Sachen Atommüll(zwischen)lager Lubmin:
Müll, den keiner will

Atommüll aus ganz Deutschland liegt vor unserer Haustür. 600 000 Kernbrennstäbe sind im Zwischenlager Nord in Lubmin inzwischen deponiert worden. In der Adventszeit sollen vier neue Castoren mit mehr als 2000 Brennstäben aus Karlsruhe ankommen. Ein weiterer folgt im Frühjahr. Wer hat uns eigentlich gefragt, ob er das darf — süddeutschen Nuklearschrott in den Osten bringen ...
Seit wann wird denn der Strukturbenjamin und werden die Leser (Ich hoffe, er meint mit uns diesen Personenkreis.) gefragt, ob und wie viel Atommüll vor ihrer Haustür gelagert werden darf? Wie naiv ist und/oder für wie naiv hält der Schreiber die Leser?
Insofern muss sich die für die Transporte verantwortliche Bundesregierung nicht wundern, wenn die Menschen auch in Vorpommern deutlich „nein!“ sagen.
Achja, die Menschen? Hat der Lokalchef z.B. jene gefragt, die im Lager arbeiten und es bewachen? Sagen diese Leute auch deutlich nein?
Zuletzt glaubte der dänische Stromkonzern Dong Energy, in Lubmin ließe sich ohne große Gegenwehr ein Kohlekraftwerk errichten. Diese Pläne sind gescheitert.
Wie scheinheilig! Da half nicht einmal die PR-Außenstelle des Konzerns in der OZ-Lokalredaktion und auch nicht die Außenstelle in der Mantelredaktion, die Lügen verbreiteten, die das Projekt in ein angenehmes Licht rückten und die bis heute nicht berichtigt wurden.

Und jetzt beginnt die Komplettahnungslosigkeit des Umstrukturierers:
Seit einigen Wochen wird in Greifswald und Umgebung öffentlich darüber diskutiert, warum ein Zwischenlager, in dem ursprünglich nur Reste aus den ostdeutschen Kernkraftwerken Lubmin und Rheinsberg untergestellt werden sollten, nun zur Müllhalde für die strahlenden Hinterlassenschaften aller bundeseigenen Forschungseinrichtungen wird.
Seit einige Wochen? Bereits vor etwa 15 Jahren wurde darüber nicht nur diskutiert sondern den Erbauern und Betreibern vorgeworfen, das Lager bewusst überdimensioniert zu haben, um Atommmüll aus anderen Regionen einzulagern. Ich berichtete damals darüber. Seitdem ist der Sachverhalt viel diskutiert worden, jedoch kaum in der regierungsergebenen, unternehmerfreundlichen OZ. Es ist falsch und unverantwortlich zahlenden Lesern gegenüber, von seit einigen Wochen zu schreiben. Außerdem tarnt der Lokalchef das Unvermögen der Redaktion, kontinuierlich solch ein außerordentlich wichtiges Thema zu verfolgen und journalistisch aufzubereiten.
Natürlich wäre es unsinnig, ein eingerichtetes Zwischenlager nicht auszunutzen. ...
Noch einmal verkauft der Aufschreiber die Leser für dumm. Das Lager ist keineswegs einfach durch Zufall zu groß geraten, wie ich oben erwähnte und wie alle Interessierten noch wissen werden. Es wurde bewusst und gegen den Widerstand von Umweltschutzorganisationen zu groß gebaut, um auch weiteren Müll einzulagern. Der Lokalchef verdreht die Tatsachen und macht sich so nicht zum ersten Mal unglaubwürdig.

Noch ein Nachtrag in Sachen Handwerkszeug des Journalisten, die deutsche Sprache (Danke für den Hinweis!):
Je nachdem, wie groß der zivile Ungehorsam der Protestanten dort ist, werden mehr oder weniger Polizisten anschließend auch den Bahndamm nach Vorpommern zur Festung machen. ...
Nur Protestanten? Katholiken sind nicht dabei? Ein Märchen des Lokalchefs, entstanden aus einer Sprachschwäche. Die Teilnehmer an Protestveranstaltungen sind noch immer Demonstranten oder Protestierende. 

Und dann gab er noch dies von sich: 
Wie Lubmin heute, lag Gorleben bis zur Wende im äußersten Osten der Republik.

Kommentare:

  1. Anonym9.11.10

    M/V ist nicht nur zum Armenhaus verdammt, sondern auch noch zum Giftloch.

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  2. Anonym10.11.10

    Die Glaubwürdigkeit des Modernisiers:

    600.000 Kernbrennstäbe sollen sich bereits im ZLN befinden. Mit den vier Castoren werden weitere 2.000 Brennstäbe angeliefert, schreibt der Lokalchef.

    Stand 20.10.10 befinden sich 65 Castoren mit 5048 Brennelementen im ZLN. In Karlsruhe stehen vier Castoren mit 112 Kokillen zum Transport bereit. http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/033/1703369.pdf

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