15. Oktober 2010

Kaffeesatzleserei bejubelt

Einerseits gibt die OZ diese Warnung weiter, allerdings fast am Ende des Artikels:
... Die Wirtschaftsforscher sehen aber noch keinen Grund zur Euphorie. Noch sei das Vorkrisen-Niveau nicht wieder erreicht. 2009 war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) historisch um 4,7 Prozent eingebrochen.

Joachim Scheide vom Kieler Institut für Weltwirtschaft sagte: „Ein Ende der Finanzkrise können wir keineswegs ausrufen.“ ...
Andererseits beginnt der Bericht, kein Kommentar, so:
XL-Wachstum, neue Jobs und rascher Schuldenabbau: Die wichtigsten Wirtschaftsinstitute trauen Deutschland einen langen Aufschwung und eine historisch niedrige Arbeitslosigkeit zu. ...
XL-Wachstum ist reine Propaganda des Wirtschaftsministers, übernommen vom Aufschreiber, der sich den Quatsch auch gleich zueigen macht.

Neue Jobs? Ja? Was sind das für Jobs? Wer den Mist nachplappert, ist kein Journalist, denn es sind hauptsächlich geringbezahlte, Kurzzeit-, Mini-Jobs und welche für Wanderarbeiter:

Niedriglöhne und tarifliche Mindestlöhne

    * Mehr als jede/r fünfte Beschäftigte liegt mit dem Einkommen unterhalb der Niedriglohnschwelle von zwei Drittel des mittleren Lohnes (Median). 5,83 Mio. Beschäftigte verdienen weniger als 8,50 € in der Stunde.
    * Die Untersuchung der Tarifvergütungen in 40 Wirtschaftsbereichen ergibt: Jede sechste tarifliche Vergütungsgruppe liegt unter der Marke von 8,50 €.
    * Neben ausgeprägten Problembranchen gibt es auch Niedriglohngruppen in vielen „unverdächtigen“ Bereichen mit gemischter Lohnstruktur.
    * Tarifliche Niedriglöhne sind auch, aber nicht nur ein Ost-Problem. ...

Überschrieben ist der Text in der OZ so:
Wirtschaft zieht an — folgen die Löhne?
Ja wann denn sonst? Dies thematisiert die OZ grundsätzlich nicht:

... das deutsche BIP-Wachstum ist primär vom Export getragen. Sehr wahrscheinlich wird mit dem nachlassenden Exportvolumen auf Grund der schwächer werdenden Weltkonjunktur, mit einem kleinen Zeitversatz, auch das Importvolumen in den nächsten Monaten stärker schrumpfen, so das aus dem deutschen Aufschwungsmärchen, getragen vom Binnenkonsum nichts werden wird.

Natürlich werden auch nicht die Gefahren thematisiert, die sich aus dieser verheerenden Exportabhängigkeit ergeben.

Nahezu unbeachtet von der OZ bleibt auch dies:

... Abgesehen davon, daß es noch zum Jubel viel zu früh ist, schon weil exportangetriebenes Wachstum auf Dauer nur so gut sein kann, wie sich die Auslandsmärkte entwickeln:
stehen die deutschen Verbraucher weiter ängstlich auf der Bremse, ob im Einzelhandel, der seit seinem Zwischengipfelchen im Mai wieder fallenden Umsatz verzeichnet (Abb. 04943) oder im Gastgewerbe (nochmal fast 3 % real wenig Umsatz als im August 2009),
ist das deutsche an seinen Landesbanken und HRE und IKB krankende Bankensystem mitnichten stabilisiert,

und werden in der gewerblichen Wirtschaft im Vorjahresvergleich weiter Arbeitsplätze abgebaut.
Das Statistische Bundesamt meldet heute für August einen weiteren Rückgang um 1,3 % (Abb. 14282) und neue Arbeitsplätze sind ganz überwiegend von der unsicheren und schlechter bezahlten Leiharbeit-Qualität. Rückgänge der Beschäftigtenzahl gab es vor allem in der Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen mit minus 0,7 %, in der Metallerzeugung und -bearbeitung mit minus 3,3 %, in der Herstellung von Metallerzeugnissen mit minus 2,4 % sowie im Maschinenbau mit minus 2,1 %. ...

Eine ausführliche Analyse finden Sie hier.

Und bitte eines nicht vergessen: Die Zahlen sind im Kaffee-Grunde bedeutungslos, reine Kaffeesatzleserei. Vor sechs Monaten kündigten dieselben Kaffeesatzleser einen halb so hohen BIP-Zuwachs an.

1 Kommentar:

  1. Anonym15.10.10

    "Mit dem Globalismus verwandeln sie die Erde in einen Lumpen-Planeten"

    Die Hilfswilligen in den nationalen Parlamenten propagieren lautstark und ohne Schamgefühl die menschenverachtenden Ziele der Globalisten, nämlich Löhne der Massen auf Armutsniveau zu senken. Als Mittel zur sogenannten Problemlösung werden von Politikern und Managern heute nur noch Billigjobs und Entlassungen genannt. Doch die Probleme werden nur für die Multis gelöst - mit Billigjobs und Entlassungen

    Ungeachtet aller Politiker-Phrasen und -Lügen wird auch Deutschland im Zeitalter des Globalismus von bitterer Massenarmut heimgesucht werden, da im Land nur noch das hergestellt wird, was derzeit im Ausland noch nicht hergestellt werden kann. Der Mittelstand, der im Lande bleiben und für Arbeitskräfte sorgen würde, wird mit gezielten Steuer- und Abgabenangriffen fertig gemacht. Und so fallen auch diese Beschäftigungsbastionen den globalistischen Konzernen zum Opfer, die nach der Übernahme bzw. Zerschlagung der Mittelstandsbetriebe alles ins Ausland verlagern und die Arbeitskräfte auf die Straße setzen.

    Eines steht fest, in Zukunft wird es keinen Wohlstand, sondern Armut für 80 Prozent der Bevölkerung (auch in Deutschland) geben. Darüber sollte das Politikergeschwätz nicht hinwegtäuschen. Immerhin sind es die Politiker selbst, die ständig Billigjobs verlangen, also den Menschen eine Arbeit andrehen wollen, deren Entlohnung nicht einmal zum Leben ausreicht.
    Über kurz oder lang muss jeder in Deutschland seine ärztliche Versorgung und seine rente selbst absichern, was für mindestens 80 Prozent unmöglich sein wird.

    Der Lumpenplanet wird als Folge ein Lumpen-Deutschland gebären.

    Nur ein kurzer Auszug. Das liest sich sehr sehr bitter.
    Nur wenn ich von Politikern höre,
    Mindestlohn vernichtet Arbeitsplätze, dass die Politik wohlwollend die Konzerne, die Billiglöhne zahlen, unterstützt (Aufstockung der Mitarbeitergehälter), dann frage ich mich, wo soll das hinführen?

    Doch zu einem Lumpen-Planeten?

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