5. Oktober 2008

Öffentliche Selbstkritik fehlt

Erinnern Sie sich bitte an diesen Eintrag und an diesen. Sie bezogen sich auf die Angstmacherei vor dem G 8-Gipfel, in die auch die OZ munter eingestimmt hatte.

Das war doch mal was:
Schlag gegen radikale G8-Gegner
· Groß-Razzien in sechs Bundesländern. · 900 Beamte durchsuchten Büros und Szenetreffs. · Demos von G8-Kritikern in Berlin und Hamburg. · Zum Gipfel wieder Grenzkontrollen.
Oder dies:
Terrorverdacht!
Mit einer Großrazzia haben 900 Beamte 40 Wohnungen, Büros und Kulturzentren in sechs Bundes- ländern durchsucht: G8-Gegner sollen zwei terroristische Vereinigungen gebildet haben.
Und am Wochenende meldete die OZ, natürlich nicht auf der Titelseite wie oben, sondern mickrig und damit unauffällig auf der Landesseite:
Staatsanwaltschaft stellt Verfahren gegen G8-Gegner ein
Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat das Verfahren gegen mehrere Gegner des G8-Gipfels in Heiligendamm eingestellt. Gegen die 18 Beschuldigten liege kein Tatverdacht mehr vor. Ermittelt wurde zuletzt wegen des Verdachts auf Bildung einer kriminellen Vereinigung. Im Januar hatte der Staatsschutzsenat des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe entschieden, dass die Großrazzia bei Gegnern des G8-Gipfels im Mai 2007 rechtswidrig war. Die Bundesanwaltschaft sei "nicht zuständig" gewesen, weil die G8-Gegner keine terroristische Vereinigung gebildet hätten. Zur Strafverfolgung seien allein die Staatsanwaltschaften der Länder befugt.
Tja, nicht einmal eine kriminelle, geschweige denn eine terroristische Vereinigung gab es zu entdecken. Anders ausgedrückt: Es gab nichts zu entdecken.

Typisch ist das Verhalten der OZ. Sie verweist in solch einem Fall nicht auf ihre einstige Berichterstattung: Wir haben damals in reißerischer Aufmachung über die Verdächtigungen berichtet, die sich nun als falsch herausgestellt haben. Mit solch einem Satz oder einem ähnlichen hätte die OZ sich fair zu ihren Lesern verhalten.

Ich würde nicht so weit gehen, dass die OZ eingestehen müsste, vor dem G 8-Treffen mitgeholfen zu haben, G 8-Gegner zu kriminalisieren und potentielle Demonstranten einzuschüchtern. Das wäre zu viel verlangt.
Aber einzugestehen, Vermutungen völlig überzogenen dargestellt zu haben, die komplett falsch erwiesen waren, haben die zahlenden Leser verdient.

Übrigens setzte die OZ hier ihre Fehler von einst fort.

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