30. Januar 2010

Langweiler des Tages

Es ist so lächerlich, weil es als Aufmacher auf der Titelseite verkauft wurde:
Eis-Januar ließ viele Rekorde purzeln
Natürlich purzeln die Rekorde, eine der langbärtigsten Stanzen (neben dem deftigen Eintopf und dem wohlverdienten Ruhestand)
Natürlich sind Teile des Aufmachers aus einer Pressemitteilung des DWD kopiert, die natürlich auch Sie lesen können, sogar kostenlos. So erleben Sie noch nebenbei, wie die OZ aus kostenlosem Inhalt Hochwertinhalt macht, der zu bezahlen ist.

Anzufügen ist noch, dass dieser ganze Kältequark sehr schnell die Spalten füllt, wobei dann natürlich mehr Zeit für kritischen Journalismus bliebe, wenn es den in der OZ gäbe. Lesen Sie einfach die OZ durch, ob Sie heute so etwas darin finden.

Im Übrigen muss die Redaktion nicht nur vom Wetter im Januar begeistert sein, sondern vor allem der festen Überzeugung, dass die meisten Leser Bunkerbewohner (keine elektronischen Medien, kein bösesböses Internet, nicht einmal Fenster) oder hochgradig vergesslich sind.

Aber die OZ hat doch noch einen Grund gefunden, den Winter zu einem besonderen hochzuschreiben (Gäbe ja sonst keinen Grund, daraus die Titelgeschichte und es sich als Redaktion sehr einfach zu machen):
Laut Eixmann ist dieser Winter dennoch besonders: „Er trifft uns stärker, weil wir empfindlicher geworden sind.“ In den letzten Wintern blieb es eher warm. Deshalb würden Menschen die Dauerkälte jetzt so intensiv spüren.
Die Bunkerbewohner auch?

Nachtrag:

Doppelt langweilt besser!
Ich sehe gerade, dass die OZ auch noch auf der Landesseite über das Wetter berichtet. So werden Seiten gefüllt. Es ist erbärmlich.

Dazu passt auch die doppelte Reklame (die sich zu einer Dauer-PR-Kampagne auswächst) für die Krämer, denen wohl das Geld für Anzeigen fehlt. Oder sind hier etwa Koppelgeschäfte im Spiel? Nicht? Macht die OZ ganz freiwillig die unbezahlte Öffentlichkeitsarbeit für den Einzelhandel (die Leser zahlen ja die Zeche)? Sollte es so ein, verhindert die OZ mit solchen PR-Artikelchen Anzeigen der Krämer:
WSV: Neu eingekleidet für 123,84 Euro
Eis-Januar ließ viele Rekorde purzeln
Dazu passt auch das Aufschreiben des andauernden Gejammers von Touristikern über zu wenige Arbeitskräfte auf Usedom:
Hoteliers suchen Fachkräfte
Sollen sie doch Anzeigen schalten! Doch der OZ scheint es noch viel zu gut zu gehen, weil sie die Reklame für die Hoteliers erledigt und die Leser dafür zahlen lässt. Und dann auch noch diesen Käse verkauft:
... Agentur und Wirtschaft sind sich einig, dass zur Werbung unter Schulabgängern das Image der Gastronomieberufe dringend aufgebessert werden muss.
Wie wäre es denn mit höheren Löhnen? Mit Hungerlöhnen lockt niemand Lehrlinge in Küche und Gastraum.
Es ist bezeichnend, das die OZ dieses verlogene Spiel mitmacht.

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