17. November 2008

Kohlekraftwerk: Was die OZ-Leser wohl langweilt

Gut, dass es die Greifswalder Zeitung gibt! Aus ihr erfuhren deren Leser vor einigen Tagen, wie es während der Anhörung zum Kraftwerksprojekt zugeht:
Links dafür, rechts dagegen
Seit zwei Wochen wird in Greifswald der geplante Bau eines Steinkohle- kraftwerks bei Lub- min erörtert. Bis zu 70 Menschen sind stets dabei. ...
Ist eine Idee, jene, die keine Zeit haben, jene, die keine Lust haben, der Anhörung zuzuhören und jene, denen es egal ist, wer wo sitzt, darüber zu informieren, wer wo sitzt.
... auf der linken Seite die von dem dänischen Stromkonzern Dong bezahlten Anwälte und Gutachter, auf der rechten Seite die Anwälte und Vertreter der Umweltschutzverbände und der Bürgerinitiativen. Wie bei einem Gerichtsprozess gibt es auch eine Richterbank: Die Mitte gehört den Vertretern des StAUN, des Staatlichen Amtes für Umwelt und Natur. ...
Kommt es nicht darauf an, von welcher Position aus jemand die Sitzverteilung beobachtet? Und ist es nicht sch...egal, wer links und wer rechts sitzt, von wo auch immer gesehen?

Ist das berichtenswert?
... Für Bernd Hühr, Inhaber und Geschäftsführer des Schawi, ist die ganze Verhandlung ein einziger Glücksfall. Der große Saal ist für vier Wochen vergeben, Mittags geht ein vielfaches der sonst üblichen Essenmenge über den Tresen und zwischendurch trinken die Besucher mal ein Wasser, mal einen Kaffee. ...
Ist es nicht jedem, der bis drei zählen kann, auch ohne OZ klar, dass der Betreiber eine hervorragende Auslastung und einen prima Umsatz hat?

Die Greifswalder Bürgerinitiative hatte in einer Pressemitteilung ihre Bedenken gegen das Kraftwerk zusammengefasst, aus der die Greifswalder Zeitung in ihrer Wochenendausgabe zitierte:
Bürgerinitiave ist gegen Dongs Fernwärmepläne
Die Bürgerinitiative Greifswald gegen das Steinkohlekraftwerk Lubmin e. V. hat die Ankündigung des dänischen Investors Dong Energy kritisiert, Greifswald mit Fernwärme aus dem bei Lubmin geplanten Kraftwerk zu beliefern. ...
Offensichtlich müssen die Greifswalder Leser, die aus Gützkow, Züssow und Lubmin u.s.w. dies wissen, denn es wurde wieder einmal nicht darauf hingewiesen:

Die Stadtwerke Greifswald beliefern nach eigener Aussage derzeit mehr als zwei Drittel aller
Haushalte Greifswalds mit Wärme zur Heizung und Warmwasserbereitung. Diese Wärme wird in städtischen Anlagen mittels Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt, die gleichzeitig Strom produzieren und eine optimale Ausnutzung der eingesetzten Brennstoffe bei geringem Schadstoffausstoß gewährleisten.
Hervorhebung von mir.

Nungut, ich halte es für äußerst wichtig. Die OZ findet es wichtiger zu schreiben, wer links und wer rechts sitzt, von wo aus gesehen auch immer.

Auch die Zusammenfassung der Bedenken gegen das Kraftwerk muss aus Sicht der Redaktion für die Leser langweilig sein. Deshalb berichtete die OZ wohl auch so gut wie keine Fakten von der Anhörung.

Hier die Zusammenfassung aus der Pressemitteilung:

Neben der Problematik der Kühlwassereinleitung in den Greifswalder Bodden und den damit
verbundenen erhöhten Risiken einer Vibrio vulnificus Infektion sehen wir die weiteren Kritikpunkte von der angedachten Fernwärmelieferung unberührt und nach wie vor ungelöst.
Die Emission ca. 10 Millionen Tonnen klimawirksamen Kohlenstoffdioxids, 1 Tonne hochtoxischem Quecksilbers, 800 Tonnen krebserzeugenden Rußfeinpartikeln, sowie Blei und Arsen pro Jahr stehen neben der Kühlwassereinleitung in keinerlei Verhältnis zu den Vorteilen, die in der Schaffung von Arbeitsplätzen vor Ort zu sehen wären. Darüber hinaus befürchten wir nach wie vor, dass es durch den Betrieb des Steinkohlekraftwerks zwar zu 140 dauerhaft geschaffenen Arbeitsplätzen kommen mag, diese zum großen Teil aber wegen der hochspezialisierten Anforderungen nicht von Arbeitsuchenden aus der Region Vorpommern besetzt werden können.

Vielmehr erwarten wir durch die schädlichen Auswirkungen des Kraftwerksbetriebs einen
dramatischen Rückgang des Tourismus, was eine Erhöhung der Arbeitslosigkeit der in diesem
Sektor beschäftigten Einwohner der Regionen Greifswalder Bodden, Insel Usedom und Insel
Rügen Mönchgut/Thiessow zur Folge haben wird. Ebenso ist eine Beeinträchtigung der
Fischereiwirtschaft im Greifswalder Bodden zu befürchten, einerseits durch die Beeinträchtigung z.B. von Heringslaich durch die Auswirkung der Kühlwasserfahne und andererseits durch die Anreicherung von Schwermetallen in Fischen. Wir kritisieren auch die völlig unzureichenden Maßnahmen, die als Ausgleich für den Verlust von Lebensraum seltener Wat- und Entenvögel getroffen werden sollten. Während des derzeit stattfindenden Anhörungsverfahrens wurden diesbezüglich weitere eklatante Widersprüchen und Diskrepanzen seitens der Antragstellerin Dong Energy offen gelegt.

Unter Beachtung dieser Sachlage ist die Ankündigung, Greifswald mit Fernwärme des geplanten Steinkohlekraftwerks Lubmin beliefern zu wollen, unsinnig und gedankenlos. Die Bürgerinitiative Greifswald gegen das Steinkohlekraftwerk Lubmin e.V. bewertet daher die Aussage von Dong Energy als den offensichtlich verzweifelten Versuch, die angestrebte Genehmigung des geplanten Steinkohlekraftwerks in Lubmin öffentlichkeitswirksam zu befördern.

Die gesamte Stellungnahme finden Sie hier unter "Letzte News".

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