23. November 2007

So entsteht Wirtschaftsweisheit

Wenn ich die Schlagzeile in der OZ lese:
Privater Konsum treibt Wirtschaftswachstum
wird mir bange um das Wachstum, nicht jenem Wirtschaftsweisen der OZ, der diese Meldung von AP so kürzte:
Die Wirtschaft in Deutschland ist im dritten Quartal aus eigener Kraft gewachsen. Auch dank des anziehenden privaten Konsums trotzte die Konjunktur der US-Immobilienkrise, dem starken Euro und den immer weiter steigenden Ölpreisen. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden gestern berichtete, legte das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal preisbereinigt um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Ein Wachstumsbeitrag von 0,3 Prozentpunkten ging auf die privaten Ausgaben der lange Zeit zögerlichen Verbraucher zurück. Damit trieb der Konsum die Wirtschaft mehr an als der Export.
Das ist nicht die ganze Wahrheit und dehalb sind die Schlussfolgerungen falsch, denn in der Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes steht noch dies:

Der Konsum insgesamt legte preisbereinigt um 0,3% zu. Während die Konsumausgaben des Staates im Vorjahresvergleich um 1,7% anstiegen, waren die privaten Konsumausgaben – im Unterschied zum Vorquartalsvergleich – leicht rückläufig (− 0,1%). In den beiden ersten Quartalen waren die privaten Konsumausgaben allerdings noch um 0,4% bzw. um 0,2% niedriger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Was hat das mit anziehendem privaten Konsum zu tun, wenn er nicht höher ist als vor einem Jahr und in den beiden ersten Quartalen noch geringer war?

Sicher, es musste schnell eine Lücke auf der Wirtschaftsseite gefüllt werden. Doch die Meldung ist wertlos, vor allem, weil die Regionalzeitung, die meint, an der Ostsee zu Hause zu sein, nicht mitteilte, wie es um den Konsum in M-V bestellt ist. Wenn der Konsum auch hier die Wirtschaft antreibt, na dann gute Nacht Wachstum!

Der Umsatz im Einzelhandel (ohne Kfz-Handel und Tankstellen) in M-V lag im September (nach Preisen von 2000 ) um 5,9 % niedriger als im Vorjahresquartal, der der Tankstellen und Autohändler um 11,5 %. Und das geht nun schon seit Januar so, mit Ausnahme des Märzes (+0,1 im Einzelhandel ohne Kfz und Tankstellen).
Der Umsatz im Einzelhandel in diesem Jahr lag im Vergleich zum Jahresdurchschnitt 2003 mit Ausnahme der Monate Juli/August (Vorsicht! Urlauber!) in allen anderen Monaten deutlich unterhalb des Umsatzes des Jahres 2003.

Der Konsum soll die treibende Kraft sein? Tolle Schönschreibübung!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.

Google