26.5.08

Zitat des Tages: Die Langeweile und der Kohlrouladenesser

Diese kleine Vorbemerkung über die Überflüssigkeit als solche und im Speziellen, da Sie morgen von der OZ und den meisten anderen Medien behelligt werden, mit etwas, das Sie schon heute langweilt:

... Also wird die SPD wahrscheinlich heute Gesine Schwan als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten nominieren. Wäre sie eine gute Präsidentin? Oder spielt Deutschland da Hotte Obama gegen Hillary Schwan als Soap?

Das höchste Interesse hatten beide auch letztes Mal während des Castings - nicht, nachdem der Sieger ("Deutschland sucht den Superhorst") feststand. Das Amt des Bundesküblböcks ist weitgehend überflüssig offenbar. Um diesen Gedanken hat der Präsidiallehrling sich bleibende Verdienste erworben : Was zum Teufel hätte in den letzten fünf Jahren gefehlt, hätte man überhauptkeinoberhaupt ?
...

Hintergrund: Einkommen in D

global news 1122 26-05-08: Deutschland fliegt sozial zweimal auseinander

Einerseits spaltet sich die Nation zwischen denen, die auf ihr Arbeitseinkommen angewiesen sind, und den besser Betuchten, die vorrangig von Unternehmertätigkeit und Vermögen leben, wobei auch Arbeitnehmer - wenn auch in weit geringerem Umfang - Vermögseinkommen haben, Arbeiter allerdings so gut wie gar nicht. ...
Ein zweites Mal fliegt Deutschland bei den Einkommen aus unselbständiger Arbeit auseinander. Allein in den drei Jahren zwischen 2002 und 2005 vergrößerte die obere Hälfte ihren Anteil am Kuchen von 80,4 % auf 82,3 % ...


60 Prozent Wertverlust und Gewinnhalbierung - kein Thema in Greifswald

Die HanseYachts AG ist ein Greifswalder Unternehmen, das von der Lokalredaktion wie ein eigenes Kind gehätschelt wird. Nahezu jede Kleinigkeit wird vermeldet, Stellenanzeigen als redaktionelle Beiträge getarnt.
Nur zur Zeit hat die Redaktion eine Schreibhemmung, nachdem dies am 11. März in der Lokalausgabe stand:

Segeln verbindet Unternehmer
HanseYachts und Odebrechtstiftung sind auf Wachstumskurs. Greifswald ist dafür ein sehr guter Standort.

"Ich bin Se
gler, natürlich mit einem Produkt von HanseYachts", sagt Dr. Hanns-Diethard Voigt, der Geschäftsführer der Odebrecht-Stiftung. Nicht nur das verbindet ihn mit Gregor Bredenbeck, dem Vorstand Technik der HanseYachts AG. Der segelt natürlich auch, und seine Mutter hat als Ärztin für die Stiftung gearbeitet. ...
Mir wurde an dieser Stelle schlecht, weil Schmalz und Honig, die sich die Leute gegenseitig ums Maul schmierten, bildlich geschrieben, aus dem Artikel troffen.

Stimmt nicht ganz mit der Schreibhemmung. Etwas Nettes konnte die Aktiengesellschaft in der Lokalzeitung platzieren.

Dass der Kurs der Aktie seit dem 9. März 2007 von 33 Euro (Emissionspreis) auf fast 13 Euro im Mai 2008 gefallen ist, also noch 40 Prozent des Einstandswertes hat, bleibt in der Lokalzeitung unerwähnt. Wozu auch? Es ist keine Schönwetternachricht.

Dabei war der Börsengang des Unternehmens sehr wohl registriert worden:

Auch auf der Landesseite:

Und wenig später stand in der Greifswalder Zeitung:

Da die HanseYachts AG am 24. März 2008 eine Gewinnwarnung herausgeben musste, konnte sie schwerlich verschwiegen werden. Also wurde die dpa-Meldung in der Schlagzeile ein wenig geschönt:
HanseYachts AG macht weniger Gewinn als erwartet
Der Greifswalder Yachtbauer HanseYachts AG hat im ersten Geschäftshalbjahr 2007/2008 trotz steigender Umsätze weniger Gewinn gemacht als erwartet. Für das am 31. Juli zu Ende gehende Geschäftsjahr werde nun nur noch mit einer Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern (EBIT) von fünf statt wie bislang von zehn Prozent gerechnet ...
Also nicht nur weniger Gewinn, sondern eine Gewinnhalbierung wurde angekündigt.

Halbierter Gewinn, 60 Prozent Wertverlust der Aktie in 14 Monaten - das sind keine Themen für die Greifswalder Redakteure. HanseYachts wird wohl erst wieder zum Thema, wenn etwas Nettes zu berichten ist.

25.5.08

lupes Lesetipp: Armut

Monster-Schelte

ARMUTSBERICHT Der Krisenpopulismus der Eliten erklärt nichts und bewältigt nichts

Jeder vierte Bundesbürger lebt an der Armutsgrenze und die Mittelschicht schwindet dahin. Eine Tankfüllung lässt fast schon das durchschnittliche Monats- budget kollabieren. Am Horizont zeichnet sich der Zusammenbruch der Altersversorgung ab und die Zahlungsunfähigen dürfen sich in der Zweiklassenmedizin keine Krankheit mehr leisten. Gleichzeitig macht die globale Nahrungsmittelkrise Schlagzeilen. Die Furcht geht um, dass es für die Milliardenmassen bald nichts mehr zu beißen gibt. Und das alles mitten im "Aufschwung" einer Defizitkonjunktur, die von Finanzblasen genährt wurde und nur in den Glaspalästen der Globalisierung angekommen ist. Allerdings könnte auch damit bald Schluss sein. Die monatelang heruntergespielte Unpässlichkeit der Hypothekenkredite in den USA hat sich als weltweite Finanzkrise entpuppt; die größte nach 1945 und womöglich die schlimmste seit den 30er Jahren. Was ist dagegen schon die Klimakatastrophe, die in den Medien wieder nach hinten gerückt wurde? ...

lupes Lesetipp: Kohlekraftwerke

Renaissance des Rußes

Die Stromkonzerne wollen in Deutschland 31 neue Kohlenmeiler bauen. Um Protesten vorzubeugen, beschäftigt die Branche Soziologen, und die Manager inszenieren sich als gute Kumpel. ...

lupes Lesetipp: schöne Welt der privaten Altersvorsorge

Die Propaganda für Privatvorsorge wird immer dreister - und Politik und Wissenschaft immer schamloser.

BAV-Verband ist überzeugt: Massenhafte Falschberatungen der Banken


Hätte eine gesamtdeutsche Bank die Finanzmarktkrise verhindern können?

Gestern berichtete die OZ:

Milliarden-Poker auf deutschem Bankenmarkt
Die Finanzmarktkrise treibt die Debatte über eine Neuordnung der Bankenlandschaft in Deutschland voran. Seit Monaten wird immer offener über mögliche Zusammenschlüsse spekuliert. ...
Die Wirtschaftsweisen der OZ erklärten nicht, wie eine Bankenkonzentration in Deutschland die internationale Finanzmarktkrise hätte verhindern können oder zukünftige verhindern soll. Da gibt es auch nichts zu erklären. Insofern haben die Krise und die sog. Neuordnung der Bankenlandschaft nichts miteinander zu tun.

24.5.08

Posse im Tourismusverband: Journalismus? Sechs!

Die Usedom-Peene-Zeitung berichtete über die Posse, die sich z. Zt. im Tourismusverband der Insel abspielt.

Tourismusverband-Vorstand will durchhalten
Schulz: Ränkespiele um Machtgewinn
Der scheidende Vorsitzende Gerd Schulz hat gestern Maßnahmen zur Diskussion gestellt, um die Handlungsfähigkeit des Tourismusverbandes Insel Usedom nach seinem Rücktritt zu stärken.
Allerdings war die folgende Passage nicht possierlich:
Während eines Pressegesprächs in Kölpinsee zur Zukunft des TVIU griff der Hotelier zugleich seine Widersacher an, die mit einem Anti-Kraftwerksbeschluss der Mitgliederversammlung am 5. Mai seinen Abgang ausgelöst hatten. Je mehr er über die Sache nachdenke und diskutiere, desto klarer werde ihm, dass es nicht in erster Linie um das Vorhaben in Lubmin gehe, sondern dass Ränkespiele um die Macht im Verband eine Rolle gespielt hätten. Einige Leute wollten an die Usedom Tourismus GmbH (UTG) heran, sagte Schulz, der das Unternehmen in seiner jetzigen Struktur maßgeblich mitaufbaute. ...
Die Leser, die die Zeitung bezahlt haben, um Informationen und nicht ungeprüfte Vorwürfe gegen Unbekannt zu lesen, sollten sich ihr Geld zurückgeben lassen.

Die journalistische Arbeit an diesem Artikel wäre gewesen, Schulz zu fragen, wer denn jene seien, die die Ränkespiele um die Macht aufführten. Denen hätte der Autor die Stellungnahme zu den Vorwürfen ermöglichen müssen.
Hätte Schulz keine Namen genannt, hätte die Passage nicht geschrieben und nicht gedruckt werden dürfen. Die Aussage Schulz' ist ohne Namen wertlos.

Wenn sich jedoch die Leser aussuchen können, wen Schulz wohl gemeint haben könnte, hat die OZ ein Gerücht in die Welt gesetzt und das Schulz'sche üble Spiel ebenso übel mitgespielt.

Schlagzeile des Tages

Hintergrund: schöne Welt der privaten Altersvorsorge

Auch der Finblogger hat Monitor gesehen und fasst die Sendung zusammen:

Riester-Rente: Mit 87 Jahren, da hast Du was davon

... Deshalb rate ich auch grundsätzlich von “aufgeschobenen” Renten ab. Besser ist es m.E. bis etwa 65 das Geld zum Beispiel mit Fonds anzusparen und erst dann und nur dann - bei einem guten Gesundheitszustand - eine sofort beginnende Privatrente in Erwägung zu ziehen. Wer schwach auf der Brust ist, der hat von einem Bank-Auszahlungsplan oder einer abbezahlten Immobilie mehr. ...

23.5.08

Hintergrund: schöne Welt der privaten Altersvorsorge

Offensichtlich berichtet die OZ lieber per Schönschrift ganzseitig aus dem eigenen Haus, statt sich wichtiger Themen anzunehmen.

Andere tun das. Auf den Nachdenkseiten wurden vier Beiträge zur schönen Welt der privaten Altersvorsorge zusammengefasst.

Besonders hat mich der Beitrag in der Sendung Monitor beeindruckt:

1. wurde bestätigt, dass die Rentenversicherung, in welcher Form auch immer, nicht nur legaler Betrug ist, sondern vor allem die Wette auf ein langes Leben, übrigens auch schon seit Jahrzehnten bekannt.

2. beeindruckte mich, dass die Rentenversicherer bis zu 25 Prozent der eingezahlten Riesterenten-Beiträge für sich verwenden dürfen. Ich hatte bisher 20 Prozent vermutet. In der gesetzlichen Rente sind es drei Prozent, die für die Verwaltung verbraucht werden.

3. wurde klar gemacht, dass die Zuschüsse aus dem Staatshaushalt, wie ich schon immer vermutete, fast immer nur die Versicherungswirtschaft erhält. Der Trick ist die von den Versicherern angenommene unglaublich hohe Lebenserwartung der Versicherten.

4.
belegte die Sendung, warum die vorige Regierung die Riesterrente eingeführt hatte, wenn doch die Zuschüsse auch in die gesetzliche Rentenversicherung gezahlt werden könnten. Es geht einzig und allein darum, die Banken und Versicherungen zu bezuschussen.

4. wurde belegt, dass jener Geld verschenkt, der immer noch eine Rentenversicherung abschließt.

OZ mit einer Zusatzseite voller Langeweiler

Mit einer ganzen Seite langweilt die OZ ihre Leser über den schon am 1. Mai vollzogenen Wechsel des Chefredakteurs. Im Impressum ist es schon seit Wochen nachzulesen.

Warum werden die Leser mit belanglosem Gequake genervt? Klar, eine Seite ist damit schnell gefüllt und die Leser bezahlen die Selbstdarstellerei auch noch.

Als Bayerns heutiger Ministerpräsident Günther Beckstein seinen 60. Geburtstag feierte, veröffentlichte irgendein Anzeigenblatt in Nürnberg die Liste der Geburtstagsgäste. Nicht nur ich, damals Bürger der Stadt, habe damals schallend über den Quatsch gelacht.

Beim Erblicken der Gästeliste auf der Wir-haben-einen-neuen-Chefredakteur-Seite verging mir allerdings das Lachen, weil nun auch in der OZ, wie damals in dem Anzeigenblatt, dieser völlig überflüssige Langweiler gedruckt wurde.

Hartz 4-Gesetz: OZ bleibt ahnungslos

Gestern berichtete die OZ:

Verfahren zu Hartz-IV überrollen Justiz
(dpa) Die Welle von Hartz-IV-Verfahren vor den Sozial- und Landessozialgerichten ebbt nicht ab. ...
und bewies damit ihre Ahnungslosigkeit in Sachen Hartz 4-Gesetz.

Warum in aller Welt sollte die Zahl der Verfahren abnehmen? Da das Gesetz nicht geändert wurde, kann die Zahl der Verfahren nicht weniger werden. Fakt ist doch, dass immer mehr Verfahren nur deshalb angestrengt werden, weil das Gesetz Mist ist und weil ein Teil des Personals in den Argen es nicht beherrschen kann. Darüber ist ellenlang berichtet worden. Die Erkenntnis hätte doch auch in der OZ ankommen können. Dann wäre solch ein entlarvender Satz nicht geschrieben oder kopiert worden.

Zeitungfüllen leicht gemacht

Der Kohlrouladenesser will es noch einmal versuchen und die OZ berichtet lang und breit über Langweiliges: Aufmacher auf der Titelseite, Bericht und Kommentar.

Köhlers Coup
Das war nicht der Schnellschuss eines "Horst wer?", ... sondern der selbstbewusste Coup eines angesehenen Präsidenten. Horst Köhler tritt für eine zweite Amtszeit als Bundespräsident an. Damit hat er kaum noch jemanden überrascht. ... Und vor allem hat er Anerkennung gefunden für die Art und Weise, wie er es ausübt, wie er der Politik gelegentlich die Leviten liest, wie er Versäumnisse anprangert, wie er Fragen stellt, die in die Zukunft weisen. Einen solchen Mann schickt man nicht ohne Not aufs politische Altenteil. ...
Fragt sich, wen interessiert das? Doch ich glaube nicht, dass in der Mantelredaktion die Frage gestellt wurde. Es gab so viel Agenturmaterial, die Redaktion konnte sozusagen aus dem Vollen kopieren. Da wären die Redakteure dämlich, wenn sie z.B. solchen Themen wie dem der Armut in D und besonders in MV kostbare Zeit widmen würden.

Ich empfehle diesen Kommentar zum - warum auch immer - beliebten Kohlrouladenesser:


Gedanken zur Zeit 910 22-05-08: Hat sich Köhler um seine Wiederwahl wirklich verdient gemacht?

Köhler war das erste Mal der besondere Wunschkandidat der FDP, der Partei der Besserverdiener Deutschlands. Nun will er wiedergewählt werden.
...
Es ist ziemlich klar, was Deutschland an Köhler gegeben hat: nach einer Beamtenkarriere mit Parteibuch herrliche Spitzenjobs im öffentlichen Bereich als Staatssekretär, Verbandspräsident der Sparkassen, Bankpräsident in London, Chef des Weltwährungsfonds und schließlich Bundespräsident. Mit einem anderen Paß wäre
er nicht dahin gekommen.
Doch ist mir nicht ganz klar, was Köhler seinerseits Deutschland gegeben haben will. Er erklärt es auch nicht.
Jedenfalls ist er immer wieder für weitere Reformen der unsozialen Art eingetreten und hat sich z.B. gegen den Mindeslohn, den fast alle anderen Ländern als Sozialschutz haben, eingesetzt. Die meisten neuen Jobs sind von der gering bezahlten und unsicheren Sorte. Die Armut hat eklatant zugenommen. Das nennt er dann Verbesserung? ...

Zur Armut hatte die OZ mehrere, zumeist oberflächliche Artikel veröffentlicht. Nachfragen, was die veröffenlichten Zahlen bedeuten, die Mühe machte sich niemand in der OZ, andere schon:


Verdeckte Armut
Streit um Maßstab im Berliner Bericht


Wer ist arm im reichen Deutschland? Diese Frage wird in der Debatte über den Armutsbericht der Bundesregierung von Sozialforschern unterschiedlich beantwortet. Weil der Bericht die Erhebungsmethode gegenüber früheren Studien geändert hat, ist die Armutsgrenze von 980 auf 780 Euro monatlich nach unten gerutscht. ...
Aktueller ist die Zahl der Menschen, die Leistungen der Grundsicherung erhalten. Dazu gehören: 5,1 Millionen erwerbsfähige Hilfebedürftige und drei Millionen nicht erwerbsfähige (Kinder unter 15 Jahren, Sozialhilfeempfänger in Heimen, Asylbewerber und Empfänger von Grundsicherung im Alter). Dazu kommen die "verdeckten Armen", die einen Anspruch auf Leis
tung haben, ihn aber nicht wahrnehmen. Die Sozialforscher Richard Hauser und Irene Becker gehen davon aus, dass auf einen Leistungsbezieher fast noch einmal ein verdeckter Armer kommt. ...

Nachtrag, 19. Uhr:

Scholz, ZEIT und STERN reden die Armut klein: Das haben die Armen nicht verdient

Hintergrund: Finanzkrise - neue Warnung

global news 1119 23-05-08: Bloomberg-Bericht über Credit Default Swaps: Das nächste Damokles-Schwert

Aus dem Bericht der Wirtschaftsagentur Bloomberg vom 20. Mai: Der Milliardär George Soros hat die Finanzwelt wachgerüttelt mit seiner Warnung vor Credit Default Swaps (CDS). Das sind praktisch Versicherungen gegen den Ausfall von Krediten durch Pleite des Kreditnehmers. Ihr ausstehendes Volumen ist in eine Größenordnung von 62 Billionen Dollar explodiert, die mehr als fast fünfmal so groß ist wie das Bruttoinlandsprodukt der USA und größer als alle Aktienwerte der New York Stock Exchange und größer als die Wirtschaftsleistung der gesamten Welt ...

22.5.08

Kohlekraftwerk: ein Befürworter gefunden und was für einer

Den Chef einer seltsamen Agentur durfte in einem OZ-Interview mit bekannten Argumenten (Energieknappheit, Arbeitsplätze, haha!) Reklame für den Bau des Steinkohlekraftwerkes Lubmin machen:

"Wir brauchen neue Kraftwerke"
Die Deutsche Energie-Agentur (Dena) warnt in einer Studie vor künftigen Strom-Engpässen in Deutschland. Die OZ sprach darüber mit Dena-Chef Stephan Kohler. Er spricht sich für das Steinkohlekraftwerk in Lubmin aus.
Der Autor ließ sich ebenso am Nasenring durch das Interview führen, wie in einem anderen Gespräch schon früher seine Kollegen.

Zum Beispiel fragte er nicht, ob es nicht schlauer sei, den Strom dort zu produzieren, wo er dringend gebracht wird, um Leitungsverluste zu sparen und vor allem um weniger Freilandleitungen zu bauen.
Er fragte nicht, welchen Sinn es hat, die Gifte und den Dreck in einer Ferienregion zu lassen und den Strom in anderen Regionen zu verbrauchen.
Er fragte nicht, ob es sinnvoll ist, wegen 30 Arbeitsplätzen, die Leute in der Region erhalten, solch eine Dreckschleuder zu bauen.
Er fragte nicht, wie es denn möglich sei, dass der Strom billiger werde, wenn mehr Kraftwerke gebaut werden, wo doch bekannt ist, dass die vorhandenen nicht voll ausgenutzt werden, um einen hohen Strompreis zu gewährleisten.

Warum das Interview nötig war, kann ich nicht erkennen, da nichts Neues vermittelt wurde. Auf jeden Fall hätte der Autor nachschauen sollen, wen er befragt. Vor einem Jahr berichtete die Süddeutsche Zeitung:

Das Geld, das durch den Kamin geblasen wurde

... Über Jahre hinweg stellte das grüne Umweltministerium Millionen Euro für eine Klimaschutz-Kampagne zur Verfügung. Wie die Mittel aber verwendet wurden, war dem Ministerium wohl egal.

Das geht aus einem internen Bericht des Prüfungsamtes des Bundes hervor, einer Zweigstelle des Bundesrechnungshofes. Das Schreiben liegt der Süddeutschen Zeitung vor.

Ins Zwielicht geraten außer dem Ministerium auch die bundeseigene Deutsche Energie-Agentur (Dena) und ihr Geschäftsführer Stephan Kohler.

Die Dena hatte ohne jede Ausschreibung die Klimaschutz-Kampagne für sich gewonnen; Volumen: 2,725 Millionen Euro allein 2002. Doch Teile des Geldes wurden offenbar zweckentfremdet, ohne dass sich das Ministerium weiter darum gekümmert hätte. ...

Ehemalige Mitarbeiter dagegen klagen über ein miserables Klima. Zusätzliches Misstrauen schüren die guten Kontakte Kohlers in die Bundesregierung hinein. Mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) unterhält er ein Ferienhaus, seine Frau leitet das Büro des Umweltministers.
...

Auch hier und hier wäre Wichtiges zu erfahren gewesen, z.B.:

Organisiert ist das Unternehmen als GmbH. Diese Rechtsform erlaubte es der Agentur, Gelder in der Privatwirtschaft einzuwerben. Diese Einnahmen machten im vergangenen Jahr 55,3 Prozent des Budgets der Energie-Agentur aus. Zu den größten privaten Geldgebern gehören die vier großen Energiekonzerne Eon, EnBW, RWE und Vattenfall - Unternehmen, die bislang nicht gerade als große Verfechter des Energiesparens oder erneuerbarer Energien aufgefallen sind

Doch dafür interessierte sich der Autor nicht und die OZ-Leser geht es sowieso nichts an.

Hauptsache, es hat sich ein Kraftwerksbefürworter gefunden. Kürzlich war es noch der Bundestagsabgeordnete Adam, gegen den die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Schönschrift : Erwerbstätige und Geschäftsklima

Wenn es ums Schönabschreiben geht, ist die OZ dabei:

1,4 Millionen mehr Erwerbstätige
(AP/dpa) In nur zwei Jahren ist die Erwerbstätigenzahl in Deutschland um 1,4 Millionen gestiegen. Das war der höchste Anstieg in einem Zweijahreszeitraum seit der Wiedervereinigung, wie Michael Braig vom Statistischen Bundesamt informierte. Insgesamt waren 39,8 Millionen Menschen im ersten Quartal 2008 erwerbstätig. Die gute Konjunktur habe den Aufbau neuer Jobs gefördert, gegenüber dem ersten Quartal 2006 liege das Plus bei 3,7 Prozent.

Trotz Finanzkrise und schwächelnder
Weltwirtschaft hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft wieder gebessert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Mai von 102,4 Punkte auf 103,5 Punkte ...
Ich rate Ihnen dringend, z.B. hier nachzulesen, damit Sie die Schönfärberei erkennen:

Gedanken zur Zeit 907 21-05-08: Die Schönfärber sind wieder unterwegs

Und dies:

global news 1117 21-05-08: Ifo-Index im Mai: ein Minihäkchen nach oben


Hintergrund: schöne Welt der privaten Altersvorsorge

Die Fallstricke der Riester-Rente

Auf einen Blick: die Nachteile

Die Stern-Redakteure haben 21 Nachteile gefunden

21.5.08

lupes Lesetipp: INSM

Falls Sie wissen möchten, wer oder was die INSM ist, werden Sie in der OZ kaum fündig werden. Lesen Sie z.B. hier nach:

Die INSM spint die Armut weg

Konstantin Wecker sagte einmal: „Die herrschende Meinung ist halt meistens die Meinung der Herrschenden“ – und das dies auch so bleibt, dafür gibt es die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Sie ist eine der bekanntesten PR-Agenturen in Deutschland. Bezahlt von den Arbeitgeberverbänden, betreibt sie ein Lobbying der anderen Art – sie überzeugt nicht Politiker von den Standpunkten ihrer Auftrageber, sondern wendet sich vor allem an Medienkonsumenten. Sie stellt Zeitungen und Zeitschriften redaktionelle Artikel zur Verfügung, die von ihren Mietfedern verfasst wurden und vermittelt ihre Mietmäuler auch gerne zu Interviews oder Talkshows. ...

Verantwortungsloses Loblieb aufs Impfen

Gleich ganzseitig machte die OZ Reklame für das Impfen, ohne auch nur einen Satz zu Impfkomplikationen oder gar Impfschäden zu schreiben. Das ist reine Öffentlichkeitsarbeit , z.B. für die Impfstoffhersteller, ist deshalb journalistisch indiskutabel und verantwortungslos. Es soll nämlich immer noch eine Menge Leute geben, die glauben, in der Zeitung stünde, was wirklich passiert ist.

Verwunderlich ist, dass auf der gesamten Seite keine Autorenschaft nachzulesen ist. Wer hat die Texte geschrieben? Haben die Leser kein Recht darauf, das zu erfahren? Käme dabei heraus, dass OZ-Redakteure unbeteiligt waren?

Ich habe ausführlich zum Impfen geschrieben (Geben Sie bitte Impf in die Suchmaske links oben ein oder lesen Sie hier und hier nach.)

Z.B.:

Ist die Impfung gegen Masern unbedenklich? Das Paul-Ehrlicher-Institut registrierte 2007 und 2008 bisher 120 Verdachtsfälle von Impfkomplikationen. Davon wurden 21 Patienten nicht wieder gesund.

Wie wichtig die Impfung gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis ist, wurde in der OZ mächtig betont. Ob sie überhaupt wichtig ist, sei dahingestellt. Jedoch wurden 2007 und 2008 bisher 274 Verdachtsfälle registriert. 91 der registrierten Patienten wurden nicht gesund.

Hepatitis A: Wer sich gegen die Krankheit impfen lässt, könnte die Liste der Verdachtsfälle erweitern. In den Jahren 2007 und 2008 wurden bisher 136 Fälle registriert, 41 Patienten blieben krank.



Gardasil bleibt der Renner unter den Impfungen, auch dank der Propaganda der OZ. Jedoch wurden 2007 und 2008 245 Verdachtsfälle registriert. 67 Patienten wurden nicht wieder gesund (waren es jedoch vor der Impfung), von 26 Patienten ist der Ausgang der Erkrankung unbekannt.

Peinlich für den Impfstoffhersteller wird es, wenn die Verdachtsfälle nach der Windpockenimpfung aufgeführt werden.
In den Jahren 2007 und 2008 wurden 174 Verdachtsfälle gemeldet. Die meist dokumentierte Komplikation war die Erkrankung an Windpocken, Begründung: Wirkstoff unwirksam. Von 109 Patienten ist unbekannt, ob sie noch krank sind. Von 12 Patienten ist bekannt, dass sie es noch sind.

Noch dies:
Weder muss ein Verdachtsfall eine Erkrankung wegen einer Impfung sein, noch werden dem Ehrlicher-Institut alle Verdachtsfälle gemeldet. Es gibt Schätzungen, wonach nur zehn Prozent der Impfkomplikationen als Verdachtsfälle gemeldet werden.
Ob schließlich ein Impfschaden vorliegt, wird grundsätzlich vor Gericht entschieden und ist Ländersache. Daher ist es schwierig, Zahlen über staatlich anerkannte Impfschäden zu sammeln.

Schlagzeile des gestrigen Tages

Gestern habe ich die Schlagzeile des Tages übersehen:

Schon jeder Achte in Deutschland ist arm - ein Report aus Rostock
Zum Leben bleibt nichts
Bereits 13 Prozent der Bundesbürger gelten als arm. Viele rutschen unverschuldet in die Mittellosigkeit - trotz eines Jobs oder als Rentner nach einem arbeitsreichen Leben.
Natürlich meine ich die Nachricht Sterbender: "Zum Leben bleibt nichts"
Wenn jemandem zum Leben nichts bleibt, muss er sterben.
Gleiches gilt für jene, die mittellos sind. Es sei denn, sie stehlen sich durchs Leben.

lupes Fernsehtipp: schöne Welt der privaten Altersvorsorge

MONITOR Nr. 578

22. Mai 2008, 21.45 - 22.15 Uhr (ARD)
VPS 256-280

Milliarden Subventionen für die Versicherung dank Riester?

Offene Fragen

Hier war über die Berichterstattung aus dem Ausland zu lesen:

Das Hauptübel seien "diese Leute", die in den Zentralen von ARD und ZDF "im warmen Glaskasten sitzen und entscheiden, was die deutschen Zuschauer vom Ausland zu sehen kriegen", sagte Raman auf einer Veranstaltung des Mainzer Mediendisputs in Berlin.


Wie ist das in der OZ? Und wie ist das in der OZ mit der Berichterstattung über Deutschland?

20.5.08

Hintergrund: Armut weiter verbreitet als zugegeben

Ja, wenn die Bundesregierung einen Bericht vorlegt, dann wird in der OZ geschrieben, dass die Tasten qualmen (Ich weiß, das ist eine Übertreibung.) Dabei sind die Ergebnisse nicht neu, dafür aber geschönt. Doch davon erfahren die OZ-Leser nichts.

Immerhin heißt es in dem Bericht der OZ:

Laut dem gestern vorgelegten Armutsbericht (d.h., es könnte auch anders sein)
der Bundesregierung sind 13 Prozent der Deutschen arm, weitere 13 Prozent würden durch Sozialtransfers wie Arbeitslosengeld II vor dem Abrutschen in Armut bewahrt. Arm ist laut EU-Definition, wer als Alleinlebender weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verdient, also in Deutschland 781 Euro netto pro Monat.
Nur nebenbei die Frage: Wie viele Alg 2-Empfänger erhalten mindestens 781 Euro? Und wer 782 Euro erhält, ist natürlich nicht arm, sondern nur arm dran.

Dazu empfehle ich dringend all jenen, die etwas gegen Scheuklappen haben, z.B. dies zu lesen:

... Doch das Durchschnittseinkommen hat sich in Deutschland besonders schlecht entwickelt und die Schwelle der 60 % lag daher in Deutschland schon 2006 mit 9370 Euro pro Jahr niedriger als in fast allen anderen Ländern der Alt-EU, außer dem südeuropäischen Armenhaus von Italien, Spanien, Griechenland und Portugal (siehe Abbildung).
So gilt man in Dänemark schon bei einem Monatseinkommen von weniger als 1133 Euro als arm, in Deutschland erst bei unter 781 Euro. Da die durchschnittliche Schwelle der 10 Länder mit höherer Schwelle als Deutschland 2006 bei 10.735 Euro lag, kann man vermuten, daß bei diesem Schwellenwert in Deutschland noch erheblich mehr Arme zusammenkämen.
Den Anteil von "nur"26 % Arme (vor staatlichen Sozialleistungen) verdanken wir also einer besonders schlechten Entwicklung der Durchschnittseinkommen. Auch hier wieder einmal eine statistische Irreführung, der übrigens selbst Arbeitsminister Scholz zum Opfer gefallen ist (
siehe hier). ...

Ein wenig albern wurde es hier in der OZ:
So gut das klingt: Eine Erhöhung der Pendlerpauschale nützt Arbeitslosen gar nichts, die sich manchmal nicht einmal genug zu essen leisten können.
Lieber Autor, die Erhöhung der Pendlerpauschale nützt vor allem jenen gar nichts, die so wenig Geld verdienen, dass sie keine Steuern zahlen und dennoch an jedem Arbeitstag zur Arbeit fahren!
Kleines Beispiel: Eine Frisörin arbeit in der Greifswalder Innenstadt und fährt jeden Tag 19 Kilometer von Wusterhusen zur Arbeit und danach wieder 19 Kilometer nach Hause. Bei dem Almosen, das die Frau als Lohn erhält, zahlt sie keine Steuern, dafür aber sämtliche Fahrkosten. Mit läppischen 30 Cent Kosten pro Kilometer gerechnet ergeben sich pro Jahr 2500 Euro Fahrkosten, die die Frau von ihrem Hungerlohn bezahlen muss.

Ein Kommentar zum Thema hat die Schlagzeile:
Beschämend
Ich finde beschämend, dass es die OZ immer wieder fertig bringt, Schönschriften in die Welt zu setzen, statt die Wirklichkeit abzubilden, oder z.B. von Kauflust schwafelt. Das hat mit Information nichts zu tun.
Wenn sich dann Redakteure, die nicht einmal Hartz 4 von Alg 2 unterscheiden können, daran machen, sich über die Armut in Deutschland aufzuregen, wirkt das nur noch albern.
Übrigens, wer viel schreibt, kann dennoch oberflächlich bleiben.

Nur nebenbei gefragt: Ist der OZ bekannt, dass Armut in M-V ein Massenphänomen ist? Ich kann es nicht glauben. Es stünde sonst mehr zum Thema in der OZ.

19.5.08

Verlage verlangen: Sendungen der Öffentlich-Rechtlichen nur eine Woche im Internet

Den Verlagen scheint das Wasser im übertragenen Sinne bis zum Hals zu stehen:

Panorama 15.05.2008: Verleger in der Offensive - Online-Filmarchive der ARD sollen gelöscht werden

Die Zukunft liegt im Internet. Klingt gut, dem kann jeder zustimmen. Auch die deutschen Zeitungsverleger, die Angst vor sinkenden Profiten haben und deshalb ins Internet drängen. Doch da treffen sie auf die journalistische Konkurrenz von ARD und ZDF. Seriöse Berichterstattung, attraktiv verpackt. Fazit: Das schnelle Geld können die Verleger auch hier nicht machen.

Deshalb haben sich die Verleger etwas ausgedacht: Die Zukunft soll zwar im Internet liegen, aber nur für sie, nicht für ARD und ZDF. Und die Verleger haben, erstaunlicherweise, für ihre Idee Unterstützung in einigen Staatskanzleien gefunden. Dort ist in den letzten Monaten ein neuer Rundfunkstaatsvertrag ausgearbeitet worden. Nur noch ein sieben-tägiges Sendearchiv soll erlaubt sein. ...

Dass damit auch Ihre Rundfunkgebühren zum Teil vernichtet werden, ist wohl klar.

Wer kopiert, verliert

Lubmin: EWN lagert mehr Atommüll ein
Das Innenministerium hat jetzt die erweiterte Pufferlagerung von fremdem Nuklear-Müll am Greifswalder Bodden genehmigt. ...
Politik streitet um Atommüll-Lager Lubmin
Trotz der geplanten Lagerung von Atomabfall aus anderen Bundesländern soll Lubmin laut Innenministerium keine Müllkippe für Atommüll werden. Die Opposition bezweifelt das. ...
Ich bezweifle vor allem, dass der kopierende Redakteur daran gedacht hat, im OZ-Archiv nachzuschauen, was vor Jahren in einem Zelt auf einem Acker gegenüber des heutigen sog. Zwischenlagers zwischen Umweltschutzorganisationen und Investoren verhandelt wurde.
Ich war dabei und schrieb damals auf, dass die Zwischenlager-Planer Stein und Bein schwörten, ausschließlich Atommüll aus dem KKW bei Lubmin und dem bei Rheinsberg einlagern zu lassen. Die Gegner des Zwischenlagers glaubten die Lügen nicht.

Selbstverständlich war wegen dieser Information und anderer missachteter Informationen zog auch niemand in der OZ für die Leser eine gedankliche Verbindung zu den Ereignissen um die Planung eines Steinkohlenkraftwerkes in Lubmin. Dabei wurde doch bisher in dem Zusammenhang mehr als genug gelogen.
Es ist mir unverständlich, dass die OZ das Archiv nicht nutzt.

Liebe Blogleser, es gibt natürlich Redaktionen, in denen die Arbeit an einem Artikel damit beginnt, dass Material im Archiv gesucht und ausgewertet wird. Das ist normaler Journalismus.

Wer sich jedoch vorrangig auf das Kopieren und Einfügen von Agenturmaterial spezialisiert, hat meiner Meinung als Zeitung langfristig keine Überlebenschance.

18.5.08

lupes Lesetipp: Internet verdrängt Tageszeitung

Empirisch geprüft: Internet verdrängt Tageszeitung

... Allerdings sind die Indizien so eindeutig, dass eine starke Verdrängung insbesondere bei nachrichteninteressierten Nutzern (”News-Junkies”) als erwiesen gelten kann. Dramatisch ist nicht nur der Rückgang des gesamten Leserkreises, sondern vor allem die
Erosion der Intensivleserschaft bei Tageszeitungen. So verlieren Regionalzeitungen im Schnitt pro Jahr 1,4 Prozent ihrer Gesamtleserschaft und 3,8 Prozent der Intensivleser. ...

Zur Erinnerung:

OZ verkauft weniger Zeitungen

Glück gehabt, OZ!

Erinnern Sie sich bitte an dieses Märchen, dass Ministerpräsident Ringstorff mit Hilfe der OZ verbreiten durfte:

Als Ministerpräsident und Naturwissenschaftler Ringstorff in der OZ behaupten durfte

Man muss die Diskussion versachlichen. Es werden keine Schadstoffe in den Bodden gelangen.
log er.

Daran erinnerte ich mich als ich las:

Hamburger Gericht verlangt Überprüfung von O-Tönen

Müssen Redaktionen alle Tatsachenbehauptungen, die Interviewpartner im Gespräch äußern, auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfen? Hamburger Presserichter wollen das so. Ein Urteil, das Mediengeschichte schreibt. Ein Verfahren, das die betroffene Zeitung durch alle Instanzen führen wird.

... Es geht um den sperrigen Begriff der so genannten Verbreiterhaftung. Und so urteilten jetzt die Richter: "...ist es für das Eingreifen einer Verbreiterhaftung bei der Veröffentlichung eines Interviews nicht erforderlich, dass der intellektuelle Verbreiter (die Zeitung, d.R.) sich die Formulierungen zu eigen macht. Vielmehr ist eine Distanzierung erforderlich, damit ein Entfallen der Verbreiterhaftung in Betracht kommt." ...

Die OZ und die Distanz zu Ringstorff? Das ist zweierlei.

Da hat die OZ aber Glück gehabt, das sie niemand vor dem Hamburger Gericht verklagte.

17.5.08

Das klappt immer: Brot und Spiele

Wenn uns die Medien bald mit Texten und vor allem mit Fotos von den Olymischen Spielen im übertragenen Sinne zuschütten, sollten sie dies gelesen haben und sich daran erinnern:

Die ersten Olympia-Sieger stehen schon fest

DEUTSCHLAND IN PEKING - Die größten Gewinner der Sommerspiele sind multinationale Unternehmen - Siemens, VW und die Deutsche Bahn gehören dazu ...

Schönschrift kopiert

Gestern berichtete die OZ, nachdem die meisten elektronischen Medien bereits einen Tag früher gemeldet hatten:

Stärkstes Wirtschaftswachstum seit 12 Jahren
Trotz der Finanzkrise und des starken Euros ist die deutsche Wirtschaft zum Jahresbeginn so kräftig gewachsen wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im ersten Quartal überraschend um 1,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Damit habe sich der Aufschwung des vergangenen Jahres unvermindert fortgesetzt. ...
Tatsächlich?

global news 1109 17-05-08: Das angebliche Quartalswunder ist das Ergebnis statistischer Manipulation, einer schiefen Optik und eines Einmaleffekts

Eigentlich hätte sich jeder Journalist denken müssen, daß Deutschland in diesen trüben krisenhaften Zeiten nicht ein 12-Jahres-Wirtschaftswunder produzieren kann. Der amtlich verkündete Quartalszuwachs von 1,5 % gegenüber Vorquartal entspricht einer phantastischen Jahresrate von 6 %. Die angebliche Sensation wurde sofort in die ganze Welt hinausgetragen ...
Warum kann das Statistische Bundesamt nicht wenigstens wie die Bundesagentur für Arbeit in den letzten Arbeitsmarktberichten auf den Effekt des ungewöhnlich milden Winters hinweisen und auch seinen Bereinigungsumfang mit 3,17 % selbst bennen (ich habe ihn erst ausrechnen müssen)? Wenn der Effekt sich am Arbeitsmarkt zeigt, muß er auch auf die Wirtschaftsleistung durchschlagen.

Dazu kommt dann noch die Kalenderbereinigung, bei der das Statistische Bundesamt wegen zweier Arbeitstage weniger das Quartalsergebnis noch einmal um 0,8 % im Vorjahresvergleich nach oben korrigiert. Das frühere Osterfest hat die zwei Arbeitstage weggenommen, doch haben die Deutschen auch an diesen Tagen gegessen, ihr Auto bewegt und sonst Geld ausgegeben. In der Industrie wurden Schichten vor- oder nachgefahren.

Will man sich von diesen Manipulation freimachen, so muß man auf die Ursprungswerte achten und da hat sich das Quartalsergebnis nicht verbessert sondern um mehr als 1,8 % verschlechtert (Abb. 14113), ein dramatische Swing in die Gegenrichtung. ...


BILD lässt grüßen

Beklemmend, was OZ Online-Lesern anbietet:


Was soll das erst im Sommerloch werden?

OZ übt Bescheidenheit

So titelte irgendjemand in der Mantelredaktion einen Kommentar:

Da ist die OZ aber zu bescheiden, denn ohne den Klamauk, den die Medien und darunter wie immer die OZ, um das Steuer-Gequake der Bonzen veranstalten, würde sich niemand um den Quatsch kümmern.