09.03.2012

"Schnelligkeit und Interaktion mit Followern fehlt scheinbar vollkommen"

Wie nutzt die OZ Twitter, um Leser schnell und kurz auf Interessantes hinzuweisen?
Tobias Gillen hat sich zur Twitterei von Printmedien eine Meinung gebildet.

2. Zitat des Tages

Christian Wulff ist vor allem ein Symbol für den weit fortgeschrittenen Niedergang politischer Kultur. Als Prügelknabe der politischen Klasse hat er die undankbare aber gut bezahlte Aufgabe übernommen, sich öffentlich für Vergehen hinrichten zu lassen, die im politischen Betrieb gang und gäbe sind. Viele Politiker wischen sich in diesen Tagen, mit dem guten Gefühl, selber noch einmal davongekommen zu sein, den eigenen Angstschweiß von der Stirn und blinzeln ungläubig angesichts der Tatsache, dass ausgerechnet ein Bundespräsident als Bauernopfer ans Kreuz der Republik geschlagen wurde, um ihre Sünden auf sich zu nehmen.
Jakobjung-Blog

Die Schwitzenden sind auch deshalb davongekommen, weil eine Mehrheit des Bundestagsstimmviehs härtere Korruptionsregeln verhinderte und weil die meisten Medien weder in der Lage noch willig sind, die tatsächliche Korruption aufzudecken und sich deshalb monatelang am Wulff'schen Pipifax hochzogen: Schaut her, welch schweinische Schweinereien wir für euch aufdecken - einfach lächerlich.

Wider meine Natur: eine Stimme für den Schal

Nach 20 Jahren Wahlenthaltung werde ich am Sonntag zur Bürgermeisterwahl gehen, weil mich die OZ gestern mit diesem Schrottartikel allzu sehr provoziert hat:
Podiumsdiskussion in Bansiner Villen im Park: Bewerber-Check vor Heringsdorfer Wahl
Zwischen Spickzettel und Schweißperlen
OZ-Forum: Das Verhalten sagt viel über die Bürgermeister-Kandidaten aus. Oder nichts. ...
Häh? Die zeilenschindernde Wiederholung machte es auch nicht besser:
Mehr als nur Worte entscheiden, wenn die Wahl zum Bürgermeister ansteht. Die sechs Kandidaten, die in Heringsdorf Chef werden wollen, sagten beim Forum der OSTSEE-ZEITUNG in Bansin viel — auch durch ihr Verhalten. ...
Häh?
Gut gekleidet erscheinen sie zum Termin. Fünf im Anzug, das versteht sich von selbst (Achja?). Aus der Reihe tanzt Lars Petersen, der meint, ein lässiger Schal und Jeans würden für den Auftritt reichen. Ganz der Sportler. Aber Politiker? ...
Höhöh, Petersen traute sich, so gekleidet - unpassend gekleidet nach Meinung der Autorin des Schrottes - das OZ-Forum aufzusuchen. Das provozierte den Entschluss, nach 20 Jahren eine Stimme abzugeben, genau den Mann mit dem Schal zu wählen.
Nachdem ich den Entschluss überschlafen hatte, kam sogar noch ein Grund zu dem Schal dazu: Sowenig ich die Verhältnisse in Heringsdorf kenne (aus der OZ ist dazu nichts zu erfahren, eher etwas über Hoteleröffnungen und jammernde Touristiker), meine ich dennoch, Petersen ist der einzige Kandidat, der nicht kaiserbad-verfilzt ist.

Fast hätte ich mich heute anders entschieden, weil eine Inititative Primitiv-Reklame für das Wählen machen durfte:
70 Prozent Wahlbeteiligung: Die Initiative „Pro Demokratie“ hat ihr Ziel hoch gesteckt
Die OZ sprach mit Heinz-Egon Achterkerke über die Aktion zur Bürgermeisterwahl in Heringsdorf. ...
Das finde ich abstoßend.

So ermüdend gings in dem Verhaltensartikel vom Vortag weiter:
Die Herren nehmen Platz im Ledersessel, Johannes Tolxdorff und Petersen checken die Mikrofone. Noch ist nichts zu hören, aber sie gehen lieber auf Nummer sicher. Stille liegt ihm nicht, Petersen sucht sofort das Gespräch zu seinen Sitznachbarn, während Helmut Friedrich in einer dicken Mappe blättert. Nicht nur er hat Unterlagen auf dem Schoß, auch Kottwittenborg und Frank Lettner verstecken sich hinter Mappen. Petersen bleibt dezent: Ihm reicht ein klein gefalteter Spickzettel, auf dem er sich während der Diskussion Notizen macht.
Heilmann, wieder ganz der Helfer, öffnet dem Noch-Amtsinhaber die Wasserflasche. Der braucht auch dringend Abkühlung: Schon nach 20 Minuten ist seine Flasche leer.
...
Hier war für mich Feierabend. Sich mehr davon anzutun, wäre noch mehr vergeudete Lebenszeit gewesen.

Und am Sonntag eine Stimme für den Schal!

Lassen Sie sich keinen Bären mehr aufbinden

Falls Ihnen jemand den bildlichen Bären von der wirkungsvollen Lohnzurückhaltung per OZ aufbinden will:
Teuer, aber sexy
Jahrelang galt, dass nur niedrige Gehälter Arbeitsplätze sichern. Jetzt sind die Lohnkosten infolge der Krise gestiegen - und die Beschäftigung boomt. Ist etwa die Grundannahme falsch?

In der Theorie ist die Sache klar. Je niedriger für Unternehmen die Lohnlasten, desto mehr Jobs können sie bezahlen. Deshalb mussten die Deutschen jahrelang verzichten, weil die Gehälter vermeintlich zu hoch waren. Deshalb schien die Beschäftigung seitdem auch wieder zu steigen.
Der Haken dabei: Seit der Rezession 2009 sind die Kostenlasten gemessen am Umsatz wieder gestiegen - klammheimlich, aber eindrucksvoll. Und? Die Beschäftigung in Deutschland boomt trotzdem, selbst drei Jahre später noch und trotz zwischenzeitlichem Konjunktureinbruch. Gilt plötzlich: mehr Lohn, mehr Jobs? Oder sind die Lohnkosten am Ende gar nicht so wichtig, wie es uns die halbe Ökonomenschar jahrelang erklärt hat? Ein Aufklärungsversuch
...

Zitat des Tages

Zur Finanzkrise:
Die gleichen Politiker, die in jedem zweiten Satz die Rettung der zukünftigen Generationen beschwören, tun Tag für Tag nichts anderes als den zukünftigen Generationen zu demonstrieren, wie man niemals die Zukunft gewinnen kann, wenn man die Gegenwart schon verspielt. Wie sollen Generationen erwachsen werden, die in der Lage sind, ein so komplexes Gebilde wie eine Demokratie zu erhalten und in seiner Funktionsfähigkeit zu verbessern, wenn man ihnen so etwas zumutet wie die heutige Politik.

"Der falsche Präsident, Pastor der Unfreiheit"

Wer als Stasijäger gnadenlos nachschnüffeln und verurteilen ließ, darf sich nicht wundern, wenn nachgeschaut wird, was die Stasi denn über den Steinherzigen zu sagen hatte. Natürlich hat nicht die OZ nachgeschaut; das würde sie uns Joochen vonne Küste nicht antun.

Nun wurde wieder nachgeschaut:
Pastor der Unfreiheit
Akten aus dem Archiv der DDR-Staatssicherheit zeigen, wie Joachim Gauck in Rostock einen „Kirchentag von unten“ verhindert hat ...
Und:
Der Staatsdiener
Staatsgegner, Staatsdiener? Welche Rolle spielte Joachim Gauck wirklich in der DDR? Teile seiner Akte bei der Stasi und Vorwürfe eines Ex-Bürgerrechtlers werfen ein anderes Licht auf den Präsidentschaftskandidaten - demnach war der Staat auch sehr zufrieden mit ihm. ...
Nicht zu vergessen (Danke!):
„Der falsche Präsident“ – Er kann gefährlich werden, wenn es nicht gelingt, ihn zu befrieden.
... ERKLÄRUNG zur bevorstehenden Wahl eines neuen Bundespräsidenten
Hartwig Hohnsbein, Pastor i.R., GöttingenGöttingen, 24. Februar 2012Helmhard Ungerer, Pastor i.R., Göttingen
Am 18. März soll gemäß eines gemeinsamen Vorschlages der führenden Politiker von CDU/CSU, SPD, FDP und Grünen der Ex-Pfarrer Joachim Gauck zum neuen Bundespräsidenten gewählt werden.
Die evangelische Kirche begrüßte unmittelbar nach dieser Vereinbarung seine Nominierung.Ihr Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider wusste sogleich, dass der Nominierte „dem Präsidentenamt zu neuem Ansehen verhelfen könne“, weil „er gute Voraussetzungen für das hohe Amt mitbringe“.Wir erklären dazu:
Die offizielle Kirche hat nicht für uns gesprochen.Wir bezweifeln auch, dass der Ex-Pfarrer Gauck gute Voraussetzungen für das hohe Amt mitbringt. ...
Von einem „Bürgerrechtler“ wie Gauck befürchten wir, dass er, einmal im Bundespräsidentenamt, so wie er den derzeitigen Afghanistankrieg gerechtfertigt hat, dann auch weitere mögliche Kriegsbeteiligungen Deutschlands, auch um Rohstoffe, mit pastoralem Pathos rechtfertigen wird.Der Weltrat der Kirchen hat 1948 als Grundaussage proklamiert:
„KRIEG SOLL NACH GOTTES WILLEN NICHT SEIN!“ und damit den Krieg als Mittel der Politik geächtet.
Deshalb sagen wir NEIN zu diesem designierten Präsidenten! ...
Es werden immer mehr ein, zwei Figuren, die nicht gegen Gauck sind, wie er arrogant schwadroniert, sondern die dagegen sind, dass er Grüßaugust wird.

Gefasel

Es war unnötig aber absehbar, dass die OZ lang und breit den Langweiler Wulff auftischte; ist ja auch einfach, mit solchem Kram eine Seite zu füllen, so wie es schwer ist, Geschichten bildlich selbst auszugraben. Doch für den Wulff-Quark braucht niemand auch nur einen Cent auszugeben, wenn er dasselbe oder Ähnliches massenweise kostenlos im bösenbösen Internet findet.

Dennoch gelang es der OZ, in einem Nebenartikel - sollte wohl Hintergrund sein - verantwortungslos mit dem Thema umzugehen:
Das Leben nach dem Fall
Vor Christian Wulff sind schon andere Hoffnungsträger furchtbar abgestürzt. ...
Nun weiß ich nicht, wer in wen der Gestürzten Hoffnungen gesetzt hatte; ich tat es jedenfalls nicht.

Verantwortungslos war es, einen Freigesprochenen im selben Zusammenhang mit dem Steuerhinterzieher Zumwinkel und dem Plagiator und Gernegroß Zu zu nennen. Kachelmann ist allein von den meisten Medien niedergeschrieben worden. Die anderen Genannten luden Schuld unterschiedlicher Art auf sich. Dann auch noch den Plagiator und den Freigesprochenen per Foto nebeneinander zu stellen, ist noch unverfrorener, ist gefährlich für die Masse, weil sie manipuliert wird: Einer ist wie der andere. Genau auf diese Art zerstören Medien Lebenswege.
Die Bildunterschriften sind grässlich.
Wem galt Zu als Wunderkind, den OZ-Redakteuren, denen auch Obama als so etwas wie ein Heiliger erschien? Haben OZ-Redakteure deshalb diese Leute schaumschlagend hochgeschrieben, als wären sie in deren PR-Büros angestellt gewesen?

Wer hat denn Kachelmann vorverurteilt? Er war es doch nicht selbst, sondern es waren Medien. Deshalb ist es eine Bildunterschrift, die ein Feigling verfasst hat.

Dies stand über Kachelmann im OZ-Text:
Wettermann und TV-Moderator Jörg Kachelmann ist ebenfalls tief gefallen. 
... aber erst, nachdem haufenweise Medien ihn gestoßen hatten.
Er wird nach dem Vergewaltigungsprozess — den er zwar für sich entschied — wohl nie wieder auf den Bildschirm zurückkehren können. Derzeit twittert er nur noch die Unwetterwarnungen.
Achja? Er twittert nur noch Unwetterwarnungen, wird nie mehr auf dem Bildschirm erscheinen? (Übrigens: Twittert die OZ als Service für ihre Leser Unwetterwarnugen? Wäre mal eine Idee gewesen, wenn nicht Kachelmann sie bereits gehabt hätte.) Wer Bildschirm und Internet wegen riesieger Scheuklappen nicht zusammenbringt, faselt natürlich solch eine Stuss zusammen und lässt sich dafür bezahlen. Kachelmann ist weiterhin Unternehmer und ist sehr wohl auf dem Bildschirm zu sehen:


Außerdem ist er auch im Radio zu hören, twittert als nicht nur:
Seit dem 4. März 2011 präsentiert Kachelmann in dem Aschaffenburger Privatradio Primavera an jedem Freitag und Samstag das Wochenendwetter.

08.03.2012

OZ hat fehlspekuliert

Statt einfach abzuwarten, hatte die Greifswalder Redaktion am 25. Februar 214 Wörter lang spekuliert:
Jabbusch droht Rauswurf aus Piratenpartei
In daburnas Logbuch ist heute zu lesen:
Parteiausschlussverfahren gegen Sebastian Jabbusch abgelehnt
Ob die OZ den Ausgang ihrer Fehlspekulation überhaupt erwähnen wird? Wenn sie es tun sollte, wird sie dann auch 214 Wörter lang tun? Vergessensis.

OZ wird weitermachen wie bisher

Wieder sagt jemand indirekt und erneut, dass er jahre/jahrzentelang dem neoliberalen Glauben anhing und es nun nicht mehr tun will:
Da kann ich nicht weitermachen wie bisher 
Thomas Straubhaar ärgert sich über die eigene Dummheit vergangener Jahre. In einem Interview mit der Financial Times nennt der bekannte Oekonom die Theorien, die er selbst an führender Stelle vertreten hat, für gescheitert.
"Es gibt ökonomische Ideen und Glaubenssätze, die ich zu lange akzeptiert habe, obwohl sie mit der Empirie nicht übereinstimmten. Das will ich nicht mehr, sondern kritisieren, was falsch läuft."
Thomas Straubhaar ist Direktor des Wirtschaftsinstituts HWWI, das Ende 2006 aufgrund der Empfehlung des Leibniz-Instituts wegen schlechter Evaluationsergebnisse von der öffentlichen Förderung ausgeschlossen wurde. Seiner Reputation tat dies keinen Abbruch. Von Journalisten wird er immer noch als Star seiner Branche umworben. An seinen Fähigkeiten kann das nicht liegen, das stellt er mittlerweile sogar selbst fest. Kaum etwas, das er prognostiziert hatte, ist auch wirklich eingetreten. Weshalb erhielt er also dennoch soviel Platz in den führenden Wirtschaftsblättern der deutschsprachigen Presse? Die Ursache dürfte in seiner Tätigkeit als Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft INSM liegen.
 ...
Niemand kann erwarten, dass die OZ dieses Bekenntnis des INSM-Apostels verkünden wird, obwohl oder gerade weil die OZ den Straubhaar-Quark über Jahre hinweg vervielfältigte und anderweitig auf den Quark hingewiesen wurde.

"Mehr Millionen für die Parteien"

Morgen wird die OZ berichten, was die Kriegskapelle dem zurückgetretenen Grüßaugust aufspielte, wer noch den geblasenen und geklopften Melodeien zuhörte und ähnlich Langweiliges - und wird von Ihnen Geld dafür verlangen..

Ob die OZ auch dies berichten wird:

STAATLICHE PARTEIENFINANZIERUNG
Mehr Millionen für die Parteien
Fast unbemerkt erhöhen sich die im Bundestag vertretenen Parteien ihre staatlichen Zuschüsse. Mehrere kleine Parteien werden hingegen künftig weniger bekommen. ...
Oder werden die Millionen bildlich im Trommelwirbel und Offiziers-Geblöke untergehen?

Dies ist so weit weg passiert; da haben OZ-Leser keine Chance auf Information. Wer legt sich schon einfach so mit BASF und Shell an?

Neue Klage gegen BASF und Shell wegen Pestizidproduktion in Brasilien
"Astec": Bereits mehr als 50 Todesopfer
Ehemalige Angestellte einer Pflanzenschutzmittelfabrik im brasilianischen Paulínia haben erneut Klage gegen BASF und Shell eingereicht. Die Unternehmen sind die ehemaligen Eigentümer eines Werks, das 2011 endlich wegen Umweltverseuchung verurteilt wurde und bereits seit zehn Jahren still steht. Die früheren Arbeiter der Fabrik werden von Krankheiten geplagt. Sie fordern nun vor Gericht die Umsetzung eines Urteils aus dem vergangenen Jahr, nach dem BASF und Shell die Kosten für die medizinische Behandlung aller Betroffenen zu tragen haben. ...

Schönschrift mit Märchenanteil

Lässt die OZ Krämer in die Zukunft blicken, kommt dabei heraus: Alles wird gut, auch heute:
Der Norden präsentiert sich in Berlin als Paradies für Radler
Mit dem Elektrofahrrad bis Kopenhagen: Mit diesem Versprechen werben Touristiker aus Mecklenburg-Vorpommern auf der weltgrößten Reisemesse um Gäste. ...
Paradies für Radler?
... Nicht ganz so euphorisch reagierte der Landeschef des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), Thomas Möller. Der Fernradweg im Nordosten hatte bei der Zertifizierung nur mäßig abgeschnitten. Aber gerade für Strecken, die mit den flotten E-Bikes befahren werden, müssten besondere Maßstäbe angelegt werden. ...
Nicht ganz so euphorisch? Gehts noch in der Schönschriftstube? Das war ganz klar formulierte Kritik des ADFC, von Euphorie kein Hauch.
Mit Zuversicht strebt MV— nach Bayern Deutschlands Urlaubsland Nr. 2 — in diesem Jahr 28 Millionen Übernachtungen an. „Die Struktur stimmt, das Image des Landes steigt und steigt“, meinte Glawe gestern auf der ITB. Dies wären rund 400 000 mehr als im ziemlich verregneten Vorjahr. ...
Dann muss es im Jahr 2010 unentwegt geregnet haben, jedenfalls wenn Sie Glawes Märchenbegründung, in der OZ nachgeplappert, glauben sollten. Ich rate davon ab, deshalb:
Wie es scheint, hat sich im Ausland schnell herumgesprochen, was hier im Sommer los ist.

Gefilterte Nachricht

Das Lieblingsunternehmen der OZ, Aida Cruises, darf wieder Reklame machen. Die OZ hilft:
Kussmund-Flotte wird sparsamer
Ein Luftblasen-Teppich soll den Treibstoffverbrauch der beiden AIDA-Neulinge aus Japan senken.
Erst kürzlich hat AIDA Cruises den Anti-Umweltpreis des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) bekommen. Begründung: Die Schiffe seien dreckige Rußschleudern, weil sie mit giftigem Schweröl fahren. Die Reederei wies die Vorwürfe umgehend zurück. ...
Achja? Waren die Vorwürfe des Nabu (stellvertretend für die gesamte Hochseeschifffahrt, betrifft also auch alle Frachter) also nicht berechtigt, oder waren sie es doch?
... Aida Cruises nehme die qualifizierte Kritik ernst, sagte Reederei-Sprecher Markus Wohsmann nach der Preisverleihung. Umweltschutz habe Priorität. „Unsere konkreten Maßnahmen dokumentieren wir transparent und für jeden nachprüfbar in unserem jährlichen Nachhaltigkeitsbericht Aida cares.“  ...
Also doch berechtigte Kritik, die nicht zurückgewiesen wurde.
... und legt jetzt nach: Gestern verkündete Michael Thamm, Chef von AIDA Cruises, dass die Kussmund-Flotte sauberer und sparsamer wird. Die beiden neuen Kreuzliner, die 2015 und 2016 ihren Dienst aufnehmen, würden ausschließlich mit Dieselöl fahren. ...
Und die bisher in Dienst gestellten zehn Schiffe? Darüber wird nichts ausgesagt, lediglich:
... Darüber hinaus habe sich das Unternehmen intensiv mit der Technologie von Abgasreinigungsanlagen für den Einsatz von Schweröl, sogenannten Scrubbern und Rußpartikelfiltern, auseinandergesetzt. „Wir gehen unseren Weg hin zu einer vollständigen Verwendung von Dieselöl konsequent weiter“, betont der AIDA-Chef. ...
Was heißt denn nun das Betonte? Es heißt, dass für die bisher gebauten zehn Schiffe alles beim Alten bleibt und auch in den noch zu bauenden weiter Schweröl verbrannt wird.
Übrigens kommt im Aida-Nachhaltigkeitsbericht 2011 das Wort Ruß/Partikelfilter nicht vor.

Noch ein Argument für die Abschaffung des Verfassungsschutzes

"ZDF: Die Fukushima-Lüge"

Eine halbe Stunde lang Informationen, über Korruption, Lügen, Vertuschen und die Folgen daraus, die Sie zum Großteil nicht aus der OZ kennen, z.B. den Fakt, das Tepco das Fachpersonal ausgeht, weil die meisten Mitarbeiter bereits die höchstzulässige Strahlendosis erhalten haben.

07.03.2012

Ein MdB als Plagiator


Plagiatsaffäre

FDP-Abgeordneter verliert Doktortitel

Universität Köln: Promotionsausschuss entzieht FDP-Abgeordnetem seinen Doktortitel
Die Universität Köln hat dem FDP-Bundestagsabgeordneten Bijan Djir-Sarai seinen Doktortitel aberkannt. Der Promotionsausschuss begründete das mit einem Verstoß gegen die Regeln wissenschaftlichen Arbeitens. Eine Doktorarbeit müsse "eine vollständige wissenschaftliche Eigenleistung" sein. ...

Und:

Unterdessen wurde am Sonntag nach Informationen des SPIEGEL ein weiterer Fall im Hause Stoiber bekannt: Dominic Stoiber, CSU-Lokalpolitiker und Sohn des vormaligen Regierungschefs, steht unter Plagiatsverdacht. Derzeit untersucht die Universität Innsbruck seine Doktorarbeit.

"Lobbyisten erfolgreich: Leistungsschutzrecht soll kommen"

Da die OZ natürlich nicht darüber berichtet, hier ein Beitrag, der darüber aufklärt, wie Lobbyismus funktioniert:
Lobbyisten erfolgreich: Leistungsschutzrecht soll kommen
Die schwarz-gelbe Koalition hat am Sonntag Abend angekündigt, ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage einzuführen. Damit hat sich die langjährige Lobbyarbeit einiger Verlage ausgezahlt. ... Kritiker, wie die Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht (IGEL), befürchten gravierende Einschnitte der Informationsfreiheit.
Intensive Lobbyarbeit der Axel Springer AG
Um die Öffentlichkeit und politische Entscheidungsträger auf das Vorhaben einzustimmen, initiierte die Axel Springer AG im Frühjahr 2009 eine verdeckte Kampagne. So heuerte sie u.a. den vermeintlich unabhängigen Medienrechtler, Anwalt und Honorarprofessor an der Freien Universität Berlin Prof. Dr. Jan Hegemann an. Hegemann verfasste zum Thema „Leistungsschutzrecht für Presseverleger“ ein neun-seitiges Memorandum, das dann – mit dem Absender des Konzerngeschäftsführers Public Affairs der Axel Springer AG, Christoph Keese – Anfang April 2009 an mehrere Bundestagsabgeordnete verschickt wurde. In dem nicht-öffentlichen Memorandum argumentierte Hegemann, der urheberrechtliche Schutz für Presseverleger würde nicht ausreichen. Es müsse zusätzlicher Schutz eingeführt werden, der nicht vom Recht der Autoren abgeleitet sei und den Verlagen ein eigenes Recht an Veröffentlichungen einräume. ...
So läuft das, Leute. Wie es weiterging, lesen Sie bitte auf der Seite von LobbyControl.

Passrecht dazu noch mehr Hintergrund:
Leistungsschutzrecht für Verlage
Robin Hood? Von wegen!
Die deutschen Verlage sollen künftig von Informationssammlern wie Google Geld bekommen, wenn diese Textschnipsel im Internet verbreiten. Warum eigentlich? ...

Und wichtig:

“Leistungsschutzrecht”: Mehr Bürokratie wagen

 ... denken die Springers und andere Fürsten der Holzmedien wirklich, ihnen entginge etwas durch die kostenlosen Teaser? Wohl kaum, sonst würden sie ja nicht selbst dort Werbung schalten, um sich einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen. Das klingt alles bemerkenswert sinnfrei und leicht paranoid.

Zweierlei Konsequenz hätte das Spielchen offensichtlich: Die großen Verlage, die mehr zitiert und verlinkt werden, hätten höhere Einkünfte als die kleinen. Die ganz kleinen könnten sich das nicht leisten und müssten auf jedes Zitat verzichten.* Darin sehe ich eine erhebliche Einschränkung der Möglichkeit, seine “Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten“, denn die Bezugnahme auf Quellen anderer Verlage wäre verboten, sobald man selbst professionell am öffentlichen Diskurs teilnimmt, aber nicht genügend Einnahmen generiert.

Der ohnehin mangelnde kritische Diskurs zwischen den Verlagen würde endgültig abgewürgt bzw. denen überlassen. die sich das halt leisten können. Jene Mediengiganten also, die noch nie einen Link auf ihre externen Quellen gesetzt haben. Kritik von Journalisten und professionellen Bloggern an journalistischen Erzeugnissen würde eingeschränkt und eben auf die mit einem entsprechenden Einkommen beschränkt. Ist das womöglich der Zweck der Veranstaltung?
...

Ja, auch das.

Gauck reduziert umfassende Kritik auf ein Thema und zwei Figuren

Mitunter ist es schwierig zu erkennen, was jemand gemeint hat, schwierig, weil niemand nachfragte:
Gauck: „Ein oder zwei Figuren sind gegen mich“
Der Bundespräsidenten-Kandidat besucht den Schweriner Landtag. Auf Kritik reagiert das künftige Staatsoberhaupt dünnhäutig. Die breite Mehrheit sei für ihn — auch im Osten. ...
Woher weiß Gauck das? Keine Nachfrage. Vielleicht weiß er es aus der OZ, die ihn als unsern Joochen vonne Küste, einer von uns, bejubelte, als wäre sie Gaucks PR-Büro.
„Ein oder zwei Figuren sind gegen mich“, sagt der designierte Bundespräsident im Schweriner Schloss. Er sagt „Figuren“ — Gauck meint seine Kritiker im Osten. Ein bis zwei. Dieser Mann hat Nerven — und provoziert. Das bleibt hängen. ...
Vor allem ist dieser Mann hochgradig arrogant, genau, wie er im Internet von all den vielen Figuren kritisiert wird.
Merke: Er meint nur Bürgerrechtler, die gegen ihn sind, obwohl er gar nicht weiß, ob sie tatsächlich gegen ihn sind, oder ob sie nur dagegen sind, dass er der nächste Grüßaugust wird. Das ist ein Unterschied, nicht für den Autor und nicht für Gauck, denn wer dagegen ist, dass er Grüßaugust wird, ist gegen ihn - scheuklappige Arroganzia.
Dann antwortet er doch auf eine Frage: warum ihn der Westen auf einer Sympathie-Welle trägt, während sich im Osten hartnäckig Skepsis hält?
Häh? Der Westen? Schon mal im bösenbösen Internet nachgeschaut, wie dort massenweise Skepsis verbreitet wird, egal aus welcher Himmelsrichtung? Gauck trägt Scheuklappen zur Schau, wie sie größer nicht sein können.
Übrigens kann auch der OZ-Korrespondent nicht nachgeschaut haben, denn hier wäre nachfragen Pflicht gewesen.
Skepsis? Kritik? Im Osten? Gauck will davon nichts hören. Bei der Kritik ehemaliger DDR-Bürgerrechtler handele es sich um die „Meinung einer kleinen Minderheit“. 90 Prozent seiner ehemaligen Weggefährten seien „froh und glücklich“ über seine Kandidatur. Und die „ein bis zwei Figuren“? Da könne jeder selbst recherchieren, warum das so sei. Die Kritik rühre möglicherweise daher, dass er die gleichen Themen besetzt habe. „Ich muss da nicht sagen, entschuldigt bitte, ich habe zu spät daran gedacht, Oppositioneller zu werden.“ ...
Wieder negieren Gauck und der Korrespondent die massenweise und berechtigte Kritik im Internet - Scheuklappenträger. Es sind keineswegs allein die Hinweise darauf, dass Gauck 1989 bildlich auf einen fahrenden Zug aufsprang. Natürlich muss er nicht dafür um Entschuldigung bitten. Was von ihm verlangt wird, ist lediglich, sich dem Märchen entgegenzustellen, er sei Oppositioneller gewesen, was er ja indirekt getan hat, wenn die OZ richtig berichtet hat. Bloß - wer liest schon OZ?

Ansonsten ist mir piepegal, wer Grüßaugust der Nation ist und wird. Ich bedarf solch einer Person nicht. Schafft den Posten ab und den Verfassungsschutz gleich mit, denn der ist sogar gefährlich fürs Land.
Und Medien wie die OZ sollten sich lieber um das kümmern, was für Land und Leute wichtig ist und nicht um das, was sich am einfachsten in der OZ verbraten lässt.

Weil wir hier zu Hause sind

Es gibt tatsächlich Leute, die OZ-Umfragen zur Kenntnis nehmen, Danke!)

Wer ist das, Ferres oder Maschmeyer?

Im Archiv gelandet (Danke für den Hinweis!):

Rätsel von gestern: Wer ist das, Ferres oder Maschmeyer? Oder ist es gar Valentina Tereschkowa? Wenn ja, wen heiratet sie, Ferres, Maschmeyer oder beide?
Google
blogoscoop