26.11.09

Ruhe ist die erste Bürgerpflicht

Nachricht, langer Bericht und ein Kommentar - doch die wichtigste Information zu diesem Thema unterschlägt Ihnen die Hochwertzeitung:
Steht der "Soli" vor dem Aus?
Als bundesweit erstes Gericht hat das niedersächsische Finanzgericht den Solidaritätszuschlag für verfassungswidrig erklärt. Eine entsprechende Klage wurde an das Bundesverfassungsgericht verwiesen. ...
Natürlich weiß ich nicht, ob der Zuschlag verfassungswidrig ist, alle anderen Leser auch nicht. Also, was soll die blöde Frage?

Und dann noch dies:
Der Bund der Steuerzahler (BdSt) zeigte sich dennoch erfreut über das Urteil, macht den Steuerzahlern aber auch wenig Hoffnung auf Rückzahlungen. ...
Das heißt was? Das heißt Leserverblödung, für die Sie als Leser auch noch bezahlen, wie im Fall der Beschwerde gegen die Alg 2-Sätze, denn in dieser kostenlos zu lesenden Agenturmeldung steht:

Nach dem Urteil zum Solidaritätszuschlag rät der Bund der Steuerzahler den Bürgern, Einspruch gegen die Steuerbescheide 2008 und 2009 einzulegen. Nur so hätten die Steuerzahler einen Anspruch auf Rückerstattung des Soli, sollte das Bundesverfassungsgericht die Regelung für verfassungswidrig erklären, sagte Verbandspräsident Karl-Heinz Däke im Bayerischen Rundfunk.
Das können Sie ähnlich auch hier kostenlos nachlesen:
... Die rebellischen Hannoveraner halten den Solidaritätszuschlag seit spätestens 2007 für verfassungswidrig und haben das Thema an das Bundesverfassungsgericht weitergeleitet (7 K 143/08).

Die Folge dürfte sein, dass Millionen Bundesbürger bei ihrem nächsten Steuerbescheid dem Abzug von Soli widersprechen werden und um ein Ruhen des Widerspruchsverfahrens bitten, bis das Bundesverfassungsgericht dazu entschieden hat. ...

OZ-Redakteur: bescheiden, still und zurückhaltend

Richtig bescheiden, still und zurückhaltend sind OZ-Redakteure, wenn es um die Veröffentlichung ihrer Gehälter geht, auch heute:
Lohngefälle spaltet Ost und West
Weniger Geld für gleiche Arbeit: 20 Jahre nach dem Mauerfall existiert noch immer ein deutliches Gehaltsgefälle zwischen Ost- und Westdeutschland. So verdienen Arbeitnehmer in Mecklenburg-Vorpommern nach Angaben des Statistischen Landesamtes einen durchschnittlichen Bruttomonatslohn von 2250 Euro. Der Bundesschnitt liegt mit rund 3100 Euro gut 850 Euro höher. ...
So allgemein geschrieben ist es wider besseres Wissen falsch. Wegen seiner Zurückhaltung erwähnte der Autor nämlich nicht, dass in der OZ wie überall in Tageszeitungsverlagen im Osten bereits seit Anfang der 90-er Jahre 100 Prozent der Westgehälter gezahlt werden. Und er hielt sich auch zurück mitzuteilen, dass sie (nach zehn Dienstjahren) etwa doppelt so hoch sind wie das Durchschnittsgehalt im Land. Deshalb brauchte er auch nicht zu erwähnen, dass Redakteure an Tageszeitungen einige Vergünstigungen (z.B. zusätzliche Altersvorsorge) erhalten, die Beschäftigte anderer Berufsgruppen im Land nicht oder nicht in der Höhe bekommen.

Dabei hätte der Autor die Möglichkeit gehabt aufzuklären, nämlich an dieser Stelle:
Branchen mit höheren Durchschnittsgehältern seien in MV unterrepräsentiert, etwa Maschinenbau, Pharmaindustrie, Banken und Versicherungen. ...
... und Tageszeitungsverlage.

Auf der Wirtschaftsseite veröffentlichte die OZ ebenso still, bescheiden und zurückhaltend in eigener Sache:


Journalisten sind nicht aufgeführt, sind wohl niemandes Nachbarn, oder nicht hier zu Hause, im Gegensatz zu ihrem Arbeitgeber, der von sich behauptet, hier zu Hause zu sein. Ganz schön verworren!


Im Text verwies der Autor doch tatsächlich auf eine Seite im bösenbösen Internet, www.lohnspiegel.de. Dort werden meine Aussagen und die der Tarifverträge für Journalisten an Tageszeitungen bestätigt, wie Sie der Tabelle entnehmen können.

Insofern ist das Gejaule wegen der Unterschiede Heuchelei.

25.11.09

Wofür meine Vorstellungskraft nicht ausreicht

Gäbe es einen Schönschreibwettbewerb, hätte die OZ zwar viel Konkurrenz, könnte aber mithalten:
Steigende Investitionen hieven Deutschland aus der Krise
Investitionen als hievender Kran - ich sehe die Häfen in M-V vor mir, in denen so wenig gehievt wurde, wie schon lange nicht mehr.
Dank gestiegener Investitionen erholt sich die deutsche Wirtschaft schneller als erwartet.
Wer hatte erwartet, dass sie sich langsamer erholt, die OZ oder die Nachrichtenagentur, von der die Schönschrift kopiert wurde? Ist es überhaupt eine Erholung?
Im dritten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal, teilte das Statistische Bundesamt gestern in Wiesbaden mit. Obwohl zudem der ifo-Geschäftsklimaindex im November überraschend deutlich stieg, warnte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor zu viel Optimismus. ...
Dazu hat sie mehr als einen Grund. Lesen Sie hier nach:

Die Wirtschaftspropaganda wird immer greller

Da haben wir das Schlimmste noch nicht überstanden, schon gar nicht bei der Arbeitslosigkeit oder der Lage der Banken oder dem sinkenden Einzelhandelsumsatz und der im jetzt gemeldeten 3. Quartal wieder sinkenden Nachfrage privater Haushalte. ...

Zum BIP-Wachstum dies:

Dabei spielt allerdings auch das angewandte Bereinigungsverfahren eine Rolle. Hätte das StaBuA mit dem „BV4.1" Verfahren (oder Berliner Verfahren) gerechnet, das in der Vergangenheit meist näher am späteren Endergebnis lag, so wäre ein Minus von 0,7 % herausgekommen.
(Also Vorsicht, Statistiktricks!)

oder hier eine Langfassung, falls Sie mehr Hintergrund benötigen.

Hier noch etwas, das die OZ ebenfalls nicht zur Kenntnis nahm, eine Rede von Wolfgang Hetzer aus aus dem Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF), allerdings seine persönliche Sicht. Lesen Sie bitte wenigstens die Zusammenfassung am Anfang des pdf-Dokumentes, z.B.:

l. Die "Finanzkrise" ist keine Krise, sondern das unvermeidliche und vorhersehbare Ergebnis einer systemischen Fehlentwicklung, an deren Beginn persönliches Versagen, professionelle Inkompetenz,
politische Nachlässigkeit und kriminelle Energie stehen. ...

3. Die "Finanzkrise" zeigt, dass sich Teile der Wirtschaft von kulturellen und gesellschaftlichen Bedingungen abgekoppelt haben und eigenen asozialen Gesetzmäßigkeiten folgen. ...

9. Die "Finanzkrise" offenbart den Bankrott politischer Führungen, die ohne Kenntnis einschlägiger Gesetzmäßigkeiten den unhaltbaren Versprechungen der Finanzindustrie aufgesessen sind und ihre Verpflichtungen zur Mehrung des Nutzens der jeweiligen Bevölkerung und zur Abwendung von Schäden nicht erfüllt haben.

Und jetzt der Zusammenhang, der meine Meinung unterstützt, dass die OZ eine Schönschrift kopierte, um sie Ihnen zu verkaufen:

Der amerikanische Schauspieler Clint Eastwood wird in letzter Zeit immer wieder wegen einer klugen Bemerkung zitiert. Sie lautet sinngemäß:
Wir sind in die gegenwärtige Lage gekommen, weil wir Geld ausgegeben haben, das wir nicht hatten. Und jetzt versuchen wir aus der Krise herauszukommen, indem wir noch mehr Geld ausgeben, das wir aber auch nicht haben.

Und weils so schön klingt:

Die globalen Finanzmärkte haben sich anscheinend in Tatorte verwandelt, wo sich hochintelligente Individuen tummeln, die mit überlegenem Fachwissen und krimineller Energie eine unübersehbare Vielzahl von Menschen schädigen und die Vernichtung ganzer Unternehmen organisieren.

Stellen Sie sich diese Zitate in der OZ vor! Ich kann es nicht.

Partyverweigerung

Der Benjamin aus der Greifswalder Redaktion begrüßte die Leser:
Guten Tag, liebe Leser!
Bereits vor der spannenden Bürgerschaftssitzung Mitte Dezember, auf der die Abgeordneten in Sachen Haushaltssicherungskonzept Farbe bekennen müssen, zeichnet sich die große Party ab.
Der Mann ist ein Kaffeesatzleser weiß Bescheid, z.B., dass die Bürgerschaftssitzung spannend wird, als ob es darauf ankäme. Farbe bekennen ist übrigens eine der überlangweiligen Stanzen, oder neuerdings Produkt eines Bratwurstjournalisten.

Und nun lesen Sie bitte, was er unter einer großen Party (zwangloses Fest, gesellige Feier [im Bekanntenkreis, mit Musik u. Tanz])
versteht:
Streiterei? Fehlanzeige! Ein Ausschuss nach dem anderen winkt die Streichliste durch. Am Montag gab der Finanzausschuss grünes Licht für das große Sparprogramm - und zwar einstimmig (siehe Nachricht auf dieser Seite). Da wollte sich der Bauausschuss nicht lumpen lassen und legte ebenfalls eine geschlossene Mannschaftsleistung vor. Alle sagten "yes!". ...
Tolle Party! Und dann wurde auch noch auf englisch parliert, von allen.
Nur so nebenbei: Ich möchte um keinen Preis an einer Party teilnehmen, die der Redakteur als solche bezeichnete oder die er gar selbst vorbereitete.

Für ZDF-Zuschauer, die mehr wissen wollen

Der Fall Brender, von der OZ mit ein paar Sätzen abgehandelt, ist ein Fall (bildlich) übelriechender Medienpolitik im Speziellen und Politik im Allgemeinen. Stefan Niggemeier hat jetzt ausführlich Hintergrund geliefert, im bösenbösen Internet und dann auch noch für Sie kostenlos:

Wo sich die Zählerei lohnen würde

Schweinegrippe: Zweiter Todesfall in MV
Nach dem ersten Schweinegrippe-Opfer in Mecklenburg-Vorpommern am vorigen Donnerstag haben die Behörden einen weiteren Todesfall gemeldet. Ein Labortest habe bestätigt, dass eine 51-Jährige aus dem Kreis Ostvorpommern, die am Wochenende gestorben ist, mit dem H1N1-Virus infiziert war.

Wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales gestern in Rostock mitteilte, waren bei der Frau im Gegensatz zur zuvor verstorbenen 56-jährigen Patientin aus Ludwigslust jedoch keinerlei Vorerkrankungen bekannt.
Und was heißt das? Es heißt, dass zwar das Virus nachgewiesen wurde (Wie?), die Todesursache jedoch ungeklärt ist.

Liebe Leser, Sie können weiterhin für die indirekte Impfpropaganda Geld ausgeben.
Ich gebe noch dies zu bedenken:
Sofern es richtig ist, dass etwa jeder dritte Deutsche inzwischen mit dem Virus infiziert ist und jeder Gestorbene auf das Virus untersucht würde, wäre die Liste derer sehrsehr lang, die unter die leserverblödende Schlagzeile gehörten.



Wenn andererseits die OZ solch ein Gewese veranstaltete, um die wesentlich mehr Toten aufzuführen, die an anderen Krankheiten oder durch Unfälle sterben und über Ursachen und deren Vermeidung berichtete, würde das Papier in der Druckerei knapp werden.
Schauen Sie sich bitte diese Zusammenstellung (englisch) von Todesfällen an (durch Draufklicken vergrößern und nochmals draufklicken), die weltweit erfasst wurden und sie werden sehen, welche unbedeutende Rolle die sog. Schweinegrippe spielt, wobei ich skeptisch bleibe bei der Art, wie die Todesursache bestimmt wird. Wie das gemacht wird im Fall der Schweingerippe, hat die OZ bisher nicht kundgetan, könnte aber erhellend sein und wird vielleicht deshalb nicht kundgetan.

Das Thema Verdachtsfälle auf Impfkomplikationen bleibt von der OZ weiterhin unbeachtet - bloß nicht die Leser verwirren.
Dazu dies:

Nach einer Schweinegrippe-Impfung wird ein Mann im Ludwigshafener Klinikum auf der Intensivstation behandelt. Der bisher als gesund geltende 48-Jährige hat sich nach RHEINPFALZ-Informationen vor knapp zwei Wochen gegen die Viruserkrankung impfen lassen. Am 9. November war er nachmittags mit Lähmungserscheinungen ins Klinikum eingeliefert worden.

Seither wird der Mann künstlich beatmet. Die behandelnden Ärzte haben dem Gesundheitsamt Ludwigshafen den Fall gemeldet. Das bestätigte Karl-Otto Piplack, der Leiter der Behörde, auf Anfrage. Der Mediziner sprach von einem "erheblichen Verdachtsfall". Schwerste Komplikationen - bis hin zur Atemlähmung - könne es allerdings nach jeder Impfung geben. Piplack hat das Robert-Koch- und Paul-Ehrlich-Institut mit Untersuchungen dazu beauftragt, ob die "schwere Erkrankung in direktem Zusammenhang mit der Impfung steht". ...

Hier eine vorläufige Zusammenfassung:

Deutschland: Bisher 14 Todesfälle nach Pandemie-Impfung

Nach der letzten Aktualisierung der Meldedatenbank beim Paul-Ehrlich-Institut (PEI) sind der Behörde bisher 10 Todesfälle bekannt geworden. Zusammen mit weiteren vier Berichten von Todesfällen, die der "impf-report"-Redaktion vorliegen, sind das insgesamt 14 Todesfälle im zeitlichen Zusammenhang mit der Pandemie-Impfung. Bislang handelt es sich ausschließlich um Fälle im Zusammenhang mit dem Impfstoff PANDEMRIX. 
Insgesamt enthält die Datenbank bisher 451 Meldungen von ungewöhnlichen Impfreaktionen, darunter 25 anaphylaktische Reaktionen ... (Überempfindlichkeit, schockartige allergische Reaktion, bes. gegen artfremdes Eiweiß) ...

Hier etwas sehr Spezielles zum Thema (Danke für den Tipp!) aus dem Eulenspiegel.

Was die OZ des Aufschreibens wert hält

Nunja, wäre es eine Glosse geworden, ist es aber nicht geworden, sondern eine missglückte Meldung - Himmel hilf!
Die Kanzlergans kommt aus Pommern
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zu Weihnachten einen Vogel aus Pommern im Ofen. Der Staatsbraten (?) kommt aus Grammendorf in Nordvorpommern, wo die Kanzlerin traditionell auch ihre Direktmandate für den Bundestag holt. Eigenhändig gemästet wurde die Prachtgans extra für sie von einem ihrer größten Fans, dem früheren Grimmener Landrat Wolfhard Molkentin (CDU).

Der 68-jährige Hobby-Geflügelzüchter gilt als väterlicher Förderer der Kanzlerin. Bereits 1990 hatte er sich für die damals noch weitgehend unbekannte Politikerin stark gemacht. Im vergangenen Jahr hat er ihr schon mal eine schöne Gans verehrt, und in diesem Sommer nun eine weitere versprochen. ...

Und so sieht die Gans aus, sofern ich der OZ glauben würde - lieber nicht. Wäre es nicht die beschriebene Gans, muss ich der OZ vorwerfen, die Leser für so blöd zu halten, dass sie nicht wissen, wie ein Gänsebraten aussieht.

Wer Reiche beim Betrügen stört, wird für verrückt erklärt

Zu Hessens Steuerfahnder-Affäre, von der OZ negiert, als würde sie sich am Südpol ereignen (wobei, wenn ichs recht bedenke, sie dann wohl doch eine Chance hätte, ins Blatt zu kommen),
hier noch ein interessanter Kommentar, der zeigt, was in D Hessen wirklich los ist:

Der Wahn der Macht

Wer noch Steuern zahlt, ist offenbar nicht reich genug. Wer reich genug ist, wird mit Hilfe der Politik geschont. Steuerfahnder, die diese Abmachung stören, werden kurzerhand vom Psychiater für verrückt erklärt. Das sind keine Nachrichten aus Unrechtsstaaten am Ende der Welt, das sind hessische Verhältnisse.
Idealerweise folgt in demokratischen Gesellschaften auf den Skandal die Sanktion der Verantwortlichen. Nicht so in Hessen. Dabei ist das Manöver für jedermann sichtbar aufgeflogen: Jahrelang hat Finanzminister Karlheinz Weimar der Öffentlichkeit vorgaukeln wollen, man habe es bei den geschassten Steuerfahndern mit Querulanten zu tun. Mit Spinnern im Ruhestand. ...

Und hier noch eine Personalie zu dem Skandal, ohne Gerücht über das Liebesleben der Person.

Über Rechtsstaatlichkeit

Die Greifswalder Zeitung hatte ohne jeden journalistischen Abstand auf billigste Art Spalten gefüllt, über Milliarden gejubelt (Von denen Vorpommern was hat?) und das alles an Sie verkauft:

Die Ostsee-Pipeline-Anbindungsleitung (OPAL) wird durch Vorpommern verlegt

Ich hatte dazu eine Frage gestellt. Hugendubel fiel noch eine ein. Damit sein Kommentar nicht unbeachtet bleibt, und weil die OZ unfähig und/oder nicht willens ist, auch nur ansatzweise Zusammenhänge darzustellen, kopiere ich ihn hierher:

Wie geht es eigentlich, daß die OPAL verlegt wird, das Genehmigungsverfahren zum Bau der OPAL durch die Ostsee-Greifswalder Bodden aber noch nicht abgeschlossen ist? Deutsches "Recht" heißt so etwas.
Noch kurioser ist, daß gleichzeitig die Rohre für die Entnahme von Wasser aus dem Bodden, resp. der Peene, zum Salzstock Moeckow verlegt werden. Hier sind noch nicht einmal die durch EWE Oldenburg vorzulegenden Untersuchungsergebnisse zur Eignung des Salzstocks (Seismik, Tiefbohrung) 2008) zur sicheren Gaseinlagerung in Salzkavernen öffentlich gemacht. Geschweige denn liegt die Genehmigung des Bergamtes Stralsund zur gefahrlosen Eignung des Salzstocks vor. Anscheinend ist das brisante Thema in OVP top secret für die regionalen Medien, und das, obwohl ein öffentliches Interesse seit 2007 besteht.
Bisher versuchten Bonzen und andere mit Hilfe der OZ, die Vorpommern zu verblöden beruhigen, indem sie von einem rechtsstaatlichen Genehmigungsverfahren für das Kohlekraftwerk am Bodden schwafelten, was die OZ auch noch gegen Geld an Sie vervielfältigte. Hier ist leicht zu erkennen: Rechtsstaatlichkeit wird immer dann vorgeschoben, wenn der öffentliche Protest zu groß ist, wie in Sachen Kohlekraftwerk. Dagegen werden in aller Stille rechtswidrig (?) Fakten geschaffen, wenn die Öffentlichkeit desinformiert oder gar nicht informiert ist. Die OZ hilft dabei, z.B. mit den Texten über die Erdgastrasse.
Im Übrigen zeigen die Vorgänge Gastrasse und Wasserleitung, was Genehmigungsverfahren tatsächlich sind, notwendiges Übel, bürokratischer Krimskrams. Ich möchte nicht im StAUN arbeiten; ich käme mir überflüssig vor. Was sagen StAUN-Leute dazu?

24.11.09

Böseböse: "Internet macht Benutzer zur Beute, zu Geiseln"

Ich wollte es mir schenken, bin aber gebeten worden, etwas zur Blickpunktseite zu schreiben.
Der Blickpunkt ist einem Buch gewidmet, für das die OZ indirekt eine Seite voller Reklame liefert. Verwunderlich ist das nicht, denn in dem Buch geht es um das böseböse Internet.In solchen Fällen ist die OZ allzu gern dabei.

Nach dem Lesen wird zwar kein kluger Internetnutzer geläutert nur noch zur gedruckten OZ greifen. Die Bunkerbewohner jedoch werden denken: Hab ich immer gesagt, gedruckte Zeitung, das ist doch was!
Was sie tatsächlich ist, lesen Sie fast 7300 Mal in meinem Blog.

Hier ein paar Auszüge aus dem Seitenaufmacher:
Was macht das Internet mit uns?
Was für eine blöde Frage?! Ich frage mich mitunter: Was kann ich mit dem Internet noch machen?
Schirrmacher (50) ist einer der fünf Herausgeber der FAZ. Er ist verantwortlich für das Feuilleton und ein kluger Deuter unserer Zeit. ...
Von wegen! Für mich ist der Mann endgültig erledigt.
Das Internet mache seine Benutzer zur Beute, zu Geiseln. Man werde ständig mit Daten gefüttert und merke gar nicht, wie man nicht die Daten schlucke, sondern die Daten einen selbst. Man verliere sich in dieser neuen Unübersichtlichkeit. ...
Wer keine Ahnung hat, wie Informationen ausgewählt werden, dem passiert das natürlich.
Zudem würden die Menschen mit jedem Mausklick etwas über sich preisgeben, und zwar dauerhaft.
Dagegen lässt sich allerlei tun, erfahren Sie aber nicht aus der OZ. Die beschränkt sich weitgehend auf Angstmacherei gegen Geld. Davon hat sie Ahnung (z.B. G 8-Gipfel, Schweinegrippe)
Und sie würden verlernen, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen. ...
Dagegen lässt sich auch allerlei tun.
Es scheint sogar, als würde das Internet genutzt, um klassisches Lesen zu vermeiden."
Ja, der Feind der OZ, das böseböse Internet; nun hat die Redaktion ihn gestellt. Bloß gut, dass es die papierenen Zeitungen gibt, die zu klassischem Lesen erziehen, ja geradezu verführen.
Außerdem, so Carr in der "Zeit", vernichteten Computer Arbeitsplätze. Wo die Elektrifizierung eine breite Mittelschicht mit hervorgebracht habe, drohe ihr durch die Computerisierung die Zerstörung. ...
Als die Dampfmaschinen die Handwebstühle ersetzten, versuchten jene, die deshalb ihre Arbeit verloren, als Maschinenstürmer die Dampfmaschinen zu zerstören. Auch der OZ-Artikel bringt die Leser auf die falsche Spur. Das ist verwerflich.
Was also tun? ...
Man müsse nicht Gedanken, sondern Denken lernen (Das war schon immer so.). Perspektivwechsel lockten die Intelligenz zurück, zumindest in Maßen (Das war auch schon immer so.). Die wertvollsten menschlichen Verhaltensweisen seien jene, die sich durch Nicht-Vorausberechenbarkeit auszeichneten. (Sie wissen schon.)
Tja, gut, dass wir die OZ haben, die all diese Wünsche erfüllt. Am besten finde ich das mit der Unberechenbarkeit. Ich halte vieles in der OZ sehr leicht vorausberechenbar. Auch in den anderen Punkten hat die OZ verloren. Macht aber nichts, so lange die Auflage noch einigermaßen stimmt.

Wie die OZ die Welt erklärt

Die OZ kopierte sehr knapp und lässt sich dafür bezahlen:
Die Deutsche Bahn hat in Katar einen Großauftrag zum Aufbau eines Schienenverkehrsnetzes erhalten. Bahn-Chef Rüdiger Grube unterzeichnete Sonntag in Katars Hauptstadt Doha einen Vertrag zur Gründung einer Entwicklungsgesellschaft für ein Infrastrukturprojekt im Wüstenstaat. Das Investitionsvolumen für den Ausbau des katarischen Bahnsystems beträgt 17 Milliarden Euro. ...
Dazu finden Sie hier einen Kommentar, kostenlos, nur damit Sie nicht dem Irrglauben verfallen, der Auftrag an die Bahn wäre auch nützlich für Sie. Im Gegenteil:

Die globale Expansion der Bahn soll Folgegeschäfte ermöglichen und Arbeitsplätze sichern. Doch ein öffentlicher Verkehrsbetrieb hat andere Aufgaben ...

Grund zum Jubel? Keineswegs. Katar liegt für die Bahn auf dem Weg zum Börsengang. Der Verkaufsirrsinn wird von Schwarz-Gelb fortgesetzt. Auf die Privatisierung will der CSU-Verkehrsminister nur warten, bis die internationalen Kapitalmärkte sich erholt haben und ein "angemessener" Erlös erzielt werden kann. Für ein Unternehmen, dass Milliardenaufträge im Portfolio hat, lässt sich dann sicher noch mehr verlangen als bisher veranschlagt.

Den Preis zahlen die Kunden. Für den Börsengang hat sich die Bahn hierzulande im wahrsten Wortsinne kaputtgespart. ...

Richterin betrog im Gerichtssaal beim Kartenspielen

Sehen Sie sich vor Alg 2-Beziehern vor! Die rasten gern mal aus; gefährliche Leute sind das. Oder warum beginnt eine Gerichtsbericht - übrigens gefüllt mit Stanzen - in der Usedom-Peene-Zeitung so:
Anklamer trat gegen Auto des Nebenbuhlers
Jaja, gaaaanz schlimme Sache! Das muss in die Zeitung! War ja schließlich ein Alg 2-er, dieser Treter. Wenn die OZ doch so ausführlich über die Verfahren der Sozialgerichte wegen Alg 2-Betrugs durch die Argen berichten würde!
900 Euro Geldstrafe flatterten jetzt per Strafbefehl einem 31 Jahre alten Hartz-IV-Empfänger (gemeint ist ein Alg 2-Bezieher) aus Anklam für eine im Juni begangene Sachbeschädigung ins Haus ...
Was der Tritt gegen das Auto mit der Langzeitarbeitslosigkeit zu tun hat, wurde in der OZ nicht berichtet, war wohl auch nicht zu erklären. Doch warum musste der Stanzer dann unbedingt im ersten Satz darauf hinweisen, indirekt alle Alg 2-Bezieher diskriminieren? Sie wissen schon: Böse Burschen, treten gern mal zu. Kann ganz schnell schlimmer kommen.

Aus der Stanzerei:
Der Strafbefehl flatterte ins Haus.
Der Mann hatte mehr im Auge gehabt (?)
Karten gespielt haben sie im Gerichtssaal auch, und die Richterin betrog sogar dabei, denn sie hatte noch einige Karten im Ärmel.

Offene Frage

Die Usedom-Peene-Zeitung berichtete:
20 Minuten für jede Schweißlage
... Die Ostsee-Pipeline-Anbindungsleitung (OPAL) wird hier verlegt. Die Firma PPS Pipeline Systems aus Quakenbrück bei Osnabrück baut jenen Rohrabschnitt zwischen Lubmin und Ferdinandshof. ...
Und dazu sog. Hintergrund, der in der Schlagzeile recht überschwänglich geriet:
In mehrfacher Hinsicht ein Milliarden-Projekt
... sagt Nicholas Neu, Sprecher der Wintershall Holding in Kassel. ...
 Das Unternehmen hält 24,5 Prozent an dem Nord Stream-Projekt, das den Bau der Ostseepipeline beinhaltet. Wintershall betreibt mit dem russischen Energiekonzern Gazprom die Wingas GmbH, die als späterer OPAL-Betreiber gilt. ...
Auch hinsichtlich der Kosten handele es sich um ein Milliarden-Projekt.
Und nun möchte ich wissen, welchen Nutzen jene von dem bejubelten Milliardenprojekt haben, die hier zu Hause sind. Keine der genannten Firmen hat ihren Sitz in den Beitrittsländern oder gar in Vorpommern. Wie viel bleibt von den Milliarden in vorpommerschen Firmen?

Aufdringliche Kaufpropaganda

Soll das nun bildlich eine Dauerberieselung der Leser werden, endlich loszurennen, um Geld auszugeben, das sie nicht haben?
Händler hoffen auf ein gutes Weihnachtsgeschäft
Der Einzelhandel in Mecklenburg- Vorpommern hofft, dass auch in der diesjährigen Adventszeit nicht nur die Glöckchen auf den Weihnachtsmärkten, sondern auch die Kassen in den Geschäften klingeln. ...
Warum müssen Leser für Kaufpropaganda Geld bezahlen?
Den vom Statistischen Amt ermittelten Rückgang der Umsätze in den ersten neun Monaten des Jahres relativierte Kopp. Wegen der zurückgehenden Bevölkerungszahl werde weniger gekauft. Vor allem bei Lebensmitteln mache sich dies bemerkbar.
Soso. Den Händlern dürfte es ziemlich egal sein, wie viele Leute bei ihnen einkaufen, sondern wie viel Geld sie ausgeben. Wenn der Umsatz sinkt - und er sinkt eben nicht nur wegen des Abwanderung - werden früher oder später Händler ihre Läden schließen. Soll ja sogar schon passieren.

Vorschlag

Wider besseres Wissen verkauft die OZ:
Schweinegrippe: Zahl der Fälle verdreifacht
Immer mehr Menschen infizieren sich trotz steigender Impfbereitschaft auch in Mecklenburg-Vorpommern mit dem Erreger der Schweinegrippe. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales in Rostock meldete gestern rund 600 Neuerkrankungen aus der vorigen Woche. Dies sei ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den 230 erfassten Fällen aus der Woche zuvor. ...
Und was besagen die Zahlen? Wieder einmal nichts, denn:
"Wir gehen von einer sehr hohen Dunkelziffer aus", erklärte die Leiterin der Abteilung Gesundheit im Landesamt, Martina Littmann. Derzeit sei ein Großteil der zirkulierenden Grippe-Viren Schweinegrippe-Erreger.
Aha, also nicht alle erkrankten an der sog. Schweinegrippe. Wie groß ist denn der Großteil und woher wollen die Zahlenherausgeber das wissen? Denn:
Nicht alle Fälle würden daher mit den aufwendigen Labordiagnosen geklärt. Diese sollten schweren Krankheitsverläufen sowie Risiko-Patienten, wie Schwangeren und chronisch Kranken, vorbehalten bleiben.
Wer hält denn nun auseinander, wer an der sog. Schweinegrippe erkrankte und wer einen Infekt oder sonstwas hatte? Niemand! Auch anderswo passieren solche Sachen. Die Erfassung ist chaotisch, war es von Anfang an. Deshalb ist es unverantwortlich von den Ämtern, diese Zahlen zu veröffentlichen und ganz besonders schlimm für Medien, sie ungeprüft und kritikfrei nachzuplappern - außer für die OZ, denn als Kampfblatt für Impfpropaganda steht ihr die Nachplapperei zu.

Es wäre alles halb so schlimm, wäre die OZ ein Anzeigenblättchen. Doch wenn der Verlag eine Preiserhöhung mit dem Verkauf von Hochwertigem begründet, frage ich mich, wann denn die Produktion dieses Hochwertigen endlich beginnen soll, das die Leser zu kaufen haben.

In dem Zusammenhang Ketzerisches:

Seit Tagen füllt die OZ ganze Spalten mit Texten zu einem Fußball-Wettskandal. Doch andererseits füllt die OZ auch weiterhin ganze Seiten mit Spielberichten und Tabellen. Zumindest müsste doch unter den Berichten und Tabellen stehen: Wir wissen nicht, ob es hier mit rechten Dingen zuging, verkaufen es Ihnen aber dennoch, auch wenn es wertlos sein sollte. Folgerichtig wäre aber doch, wegen möglicher Mogeleien auf Tabellen und Spielberichte zu verzichten.
Doch das ist nicht der OZ Maßstab. Sonst würde sie nicht unablässig Schönwetter-Wirtschaftsprognosen von Leuten wiederkäuen, über die sie vor ein paar Monaten geschrieben hatte, auf ihre Prognosen sei kein Verlass.

Eine Redaktion, die auf das alles verzichtete, müsste natürlich mit etwas anderem die Spalten füllen. Das bedeutete jedoch zu recherchieren.

Deutschlands Schulden - ein Betrachtung

Wenn Sie der OZ glauben, werden die Deutschen bald aussterben, müssen Unternehmen viel zu viele Steuern zahlen, ist zu befürchten, dass wir alle an der Schweinegrippe erkranken und viele daran sterben müssen. Und natürlich muss Deutschland bildlich im Schuldensumpf versinken. Gegen Letzteres spricht dieser Eintrag:



... Was ist so spannend an der NIIP (Net International Investment Position)? Das will ich Euch gerne verraten: Sie ist für alle, die sich seriös über Staatschulden unterhalten wollen, ohne den Alltagshysterien irgendwelcher "Experten" in den Medien oder dem Lager der professionellen Talkshow-Ökonomie hinterherzulaufen, die einzig akzeptable Referenzgröße. Warum? Ganz einfach: Weil - wie jeder BWLer im 2. Semester kapiert, im Unterschied zu vorgenannten "Experten" - die reine Betrachtung der Schuldenseite einer Bilanz keinerlei Informationsgehalt bereithält. Das sprichwörtliche Milchmädchen und die Ökonomen der INSM mögen sich an solchen Werten ergötzen ...  
die in der OZ mehrfach zu Wort kamen, ohne dass die OZ vermittelte, was die INSM ist - wohl aus lauter Unternehmerfreundlichkeit.

Den Profis unter den Lesern wird vor allem diese grüne Kurve ins Auge stechen, die aktuell an der schlanken Billion Euro kratzt, aber sich auch in der Vergangenheit beharrlich weigerte, die Nulllinie zu unterschreiten. Was besagt sie? Na?

OK: Wir wollen die INSM-Experten und Talkshow-Ökonomen nicht unnötig auf die Folter spannen: Diese grüne Kurve besagt schlicht und ergreifend nichts anderes, als dass Deutschland seit mindestens 1994 überhaupt nie verschuldet war! Kapisch? Nix Schuldner - Gläubiger, Herrschaften! Wir sind auf dieser schönen, weiten Welt ein Nettogläubiger. ...

Die deutsche Staatsschuld ist eine der größten Nebensächlichkeiten der Welt. Eher im Gegenteil: Wir sollten dringend zusehen, dass wir von dieser Gläubigerposition wieder runterkommen; und wenn sich die Privaten dazu nicht durchringen können, dann soll das meinetwegen der Staat für sie tun, indem er sich stärker verschuldet, als bislang. ...

Wie die Regierung Großkonzerne hätschelt

Nicht nur durch Steuergesetze und vor allem die vielen Ausnahmen sind Reiche besser gestellt als andere Einkommensbezieher. Was noch möglich ist lesen Sie hier, weil Sie es aus der OZ nicht einmal gegen Geld erfahren:

In Meseburg sind die Weichen für eine gigantische Umverteilung der Einkommen und Vermögen von unten nach oben gestellt worden (als Kennenlerntreffen von CDU- und FDP-Regierungsbonzen getarnt). Die soziale Spaltung der Gesellschaft, die seit Jahren wächst, wird beschleunigt fortgesetzt. Während sich die Regierung nach Kräften bemüht, dies gegenüber der Öffentlichkeit zu verschleiern (Wr wohl dabei hilft?), ist die Botschaft in den Chefetagen der Banken und Konzerne längst angekommen.

Laut einem Bericht des Handelsblattes wollen die dreißig größten, im Dax gelisteten deutschen Konzerne ihren Aktionären in diesem Jahr trotz sinkender Gewinne 20,3 Milliarden Euro an Dividenden überweisen. Das sind rund 71 Prozent ihrer Nettogewinne. Im bisherigen Rekordjahr 2007 hatten sie nur 45 Prozent ihrer Gewinne ausgeschüttet.

Während die Regierung also die Steuern mit der Begründung senkt, die Wirtschaft brauche mehr Geld zum investieren, reichen die Großkonzerne diese Gelder mit vollen Händen an ihre Aktionäre weiter. Die von den Dax-Konzernen ausgeschüttete Dividendensumme entspricht ziemlich genau der geplanten Steuersenkung von 20 Milliarden Euro.

"Steuerparadies Deutschland"

Da die meisten OZ-Leser zur sog. Mittelschicht gehören dürfte, sollte sie das interessieren (Material gegen die politischen Dummschwätzer und deren Nachplapperer):

Lasten ungerecht verteilt
Steuerparadies Deutschland

Einkommensmillionäre führen weit weniger an den Fiskus ab, als sie eigentlich sollten. Solidarisch ist das nicht: Die Mittelschicht muss die Ärmeren allein finanzieren.
Deutschland ist ein Steuerparadies für Millionäre. Selbst die Reichsten sind weit davon entfernt, den Spitzensteuersatz zu entrichten. Sie können derartig viele Freibeträge und andere Abzugsbeträge beim Fiskus geltend machen, dass sie im Durchschnitt nur 36 Prozent Steuern auf ihr Einkommen zahlen. Dies ergibt sich aus einer Berechnung, die das Statistische Bundesamt für die taz angestellt hat. ...

Auf solch eine Idee würde in der OZ niemand kommen. Warum wohl nicht?
Dazu noch ein Kommentar:

Wie kann man sagen, dass die Progression funktioniere, wenn die Reichen  im Jahre 2005, auf dieses Jahr bezieht sich die Untersuchung des StaBu, den Spitzensteuersatz von damals 42 Prozent so locker vermeiden konnten. Nach der Untersuchung des DIW betrug 2004 der Anteil der Einkommensteuer am Steueraufkommen betrug 2004 ca. 34%. Das reiche Viertel der Steuerpflichtigen kam für 80 Prozent der Einkommensteuer auf, d.h. das reiche Viertel unserer Bevölkerung trug mit seiner Einkommensteuer nur ca. 27% zum gesamten Steueraufkommen bei. Andererseits vereinte das obere Drittel der Einkommenspyramide laut DIW 80% des gesamten Markteinkommens auf sich. Die reichste Schicht der Bevölkerung wird also keineswegs proportional zu ihren Einkünften belastet.
Als ob das Steuersystem nicht schon zur Genüge zeigt, wie unsolidarisch die Bundesrepublik geworden ist, kommt noch hinzu, dass diese Reichen kaum in die Sozialkassen einzahlen. Und es ist absehbar, dass die Kosten der Krise und weitere Steuersenkungen unter Schwarz/Gelb über steigende Sozialabgaben und/oder durch eine Absenkung der Leistungen des Sozialstaats sowie eine Anhebung der Mehrwertsteuer finanziert werden.

Dazu passt:

Selbst der Sachverständigenrat der Bundesregierung kritisiert die immer einseitigere Vermögensverteilung
"Im Jahr 2007 verfügten die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung über mehr als 60 vH des gesamten Vermögens, während die unteren 60 vH kein oder lediglich ein geringes Vermögen besaßen beziehungsweise sogar Schulden hatten. Der Vergleich mit dem Jahr 2002 zeigt, dass sich der Anteil des individuellen Nettovermögens der reichsten zehn Prozent am Gesamtvermögen erhöht hat. ...

Südamerika ausgeklammert

Die OZ und Südamerika? Das passt nicht zusammen. Auch nicht, wenn dies passiert, kostenlos nachzulesen:


Volontäre und Exstipendiaten erheben Vorwürfe gegen die FDP-nahe Organisation wegen deren Unterstützung für das Putschregime
Die Vorwürfe in der "Erklärung gegen die Position der Friedrich-Naumann-Stiftung in Honduras" sind hart: Die FDP-nahe Organisation stehe unter dem Einfluss "kleiner Phantomgrüppchen und Organisationen der extremen Rechten in Lateinamerika" und habe den Kontakt zu Realität verloren. So lautet zumindest das Urteil von rund 30 Volontären und ehemaligen Stipendiaten der deutschen Parteistiftung. Diese hatte sich nach dem Sturz des letzten gewählten Präsidenten des mittelamerikanischen Landes, Manuel Zelaya, unmittelbar auf die Seite des Putschregimes geschlagen. Das rund dreiseitige Papier wurde Ende der Woche über E-Mail verbreitet. Diese und eine weitere Erklärung haben in Honduras für Furore gesorgt. ...

Was wirklich passiert in D

Wenn es darum geht, wiederholt Gerüchte zu verkaufen, ist die OZ dabei. Wenn sich irgendein Star eine andere Frisur zulegt, steht es in der OZ. Für andere Personalien verschwendet die OZ weniger Platz oder gar keinen.
Heute nun eine Meldung, mit der OZ-Leser wenig anfangen können, obwohl der eine oder andere hin und wieder Sendungen des ZDF anschauen:
Juristen gegen Einmischung der Politik im Fall Brender
Führende deutsche Staatsrechtler haben am Wochenende gegen die Einmischung der Politik bei der Besetzung des ZDF-Chefredakteurspostens protestiert. In einem Offenen Brief, der in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" veröffentlicht wurde, wandten sich 35 Juristen gegen den "offenkundigen Versuch, einen unabhängigen Journalisten zu verdrängen und den Einfluss der Parteipolitik zu stärken". Am kommenden Freitag will das Gremium in Berlin über eine Vertragsverlängerung des bisherigen Chefredakteurs, Nikolaus Brender (60), entscheiden.
Das wars.
Hintergrund finden Sie kostenlos hier und einen Kommentar hier (der erklärt, warum die OZ sich so kurz fasst in der Angelegenheit):

Systemstörfall Brender

Das Problem mit Nikolaus Brender ist nicht, dass er links ist oder rechts oder gar nichts. Das wäre in den von Parteien beherrschten öffentlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten kein Problem. Das kriegt man mit dem Proporz irgendwie hin. Der ZDF-Chefredakteur ist etwas viel Schlimmeres: er ist ein unabhängiger Kopf, ein richtiger Journalist, der sich von niemandem etwas sagen lassen will, schon gar nicht von Parteien.

So ein Querkopf passt wirklich nicht ins System, so einer war nicht vorgesehen in einer Welt, in der Politiker die Gremien beherrschen und ehemalige Parteisprecher und journalistische Liebediener jahrzehntelang mit attraktiven Posten belohnt wurden. ...

Hier noch eine andere Personalie. Beschrieben wird, wie Steuerfahnder verjagt werden, weil sie zu emsig fahndeten und dabei möglicherweise Leuten auf die Spur kamen, denen sie nicht auf die Spur kommen sollten. Ein Stück aus der Bananenrepublik Deutschland:

Dies ist die Geschichte des Steuerfahnders Marco Wehner, der mit einem falschen ärztlichen Gutachten aus dem Dienst des Landes Hessen entfernt wurde. Der offiziell als Querulant und Irrer gelten sollte - bis kürzlich ein Gericht urteilte, dass der Psychiater in seinen Gutachten für das Land nicht die Wahrheit geschrieben hatte - genauso wenig wie über die anderen geschassten Steuerfahnder.

Wie kam es dazu? Was treibt die Finanzverwaltung zu solchen Aktionen, wegen denen jetzt die Staatsanwaltschaft ermittelt, die Opposition rumort, die Medien nachfragen? ...

Nachtrag:

Hier können Sie einen Appell gegen die Absetzung Brenders an Koch und den ZDF-Verwaltungsrat unterzeichnen.

Greifswalder Zeitung stellt Ahnungslosigkeit zur Schau

Heute hat mir ein Greifswalder Grüner die Aufgabe abgenommen, auf Fehler in der Berichterstattung einem Text der Greifswalder Zeitung hinzuweisen und richtigzustellen:

Nachhilfe

Die OZ berichtet seit einiger Zeit vermehrt über die ABS Greifswald, die auch schon hier desöfteren Thema war. Allerdings scheinen bei der OZ eher die Boulevard-Themen wie Trunksucht in diesem Zusammenhang im Vordergrund zu stehen. Ansonsten hätte der heutige Artikel "ABS-Affäre: Ein-Euro-Jobber wochenlang ohne Geld" Gelegenheit gegeben, einige Fehler zu berichtigen und zur Aufklärung bei zu tragen.

In besagtem Artikel finden sich Formulierungen wie "einfach einen Monatslohn einzubehalten, wenn die Buchhalterin" oder "der Ein-Euro-Jobber hätten große Probleme gehabt, die Wochen bis zur nächsten Lohnzahlung über die Runden". Dies ist in mehrfacher Hinsicht falsch. Erstens handelt es nicht um Jobs, zweitens bekommen die Betroffenen keinen Lohn und drittens stehen sie nicht in einem Arbeitsverhältnis. ...

Die Greifswalder Redaktion, wie andere auch, haben in vier Jahren angewandter Hartz-Gesetze immer noch keine Ahnung, was in den Gesetzen steht und was durch diese Gesetze geschehen ist, schreiben aber immer mal wieder über die Thematik und verblöden so die Ahnungslosen unter ihren Lesern.

Über die Stanzen der Bratwurstjournalisten

Als hätte er die OZ gelesen, meint Heddesheimblogger Hardy Prothmann:

... Du bist der Erfinder des Begriffs Bratwurstjournalist, wie bist Du darauf gekommen?
Hardy Prothmann: Ganz einfach. Ich habe mich über einen Artikel im Mannheimer Morgen geärgert, weil ich mich als Leser verarscht fühle, wenn ich einen dieser Sätze serviert bekomme: „Für das leibliche Wohl war gesorgt.“ Im Gespräch mit meiner Frau habe ich über diese Form von „Journalismus“ geschimpft und suchte nach einem griffigen Wort, um diese Form von lokaljournalistischem Autismus bildhaft zu packen. Um das „leibliche Wohl“ zu konkretisieren, habe ich eine Metapher gesucht. Da es auf fast jedem Fest Bratwürste gibt, fiel mir dann Bratwurstjournalismus ein.
Was zeichnet einen Bratwurstjournalisten aus?
Hardy Prothmann: Der typische Bratwurstjournalist schreibt immer dieselben blöden, langweiligen, ausgelutschten Formulierungen, wie man sie täglich in fast jeder Lokalzeitung lesen kann.
Gibt es einige typische Redewendungen der Bratwurst-Journalisten?
Hardy Prothmann: Jede Menge. ...

Ich nenne es Stanzerei.

23.11.09

Trickreiche Wendung

Usedom-Peene-Zeitung:
Skrupellos: Onkeltrick folgt Enkeltrick
Einmal abgesehen davon, dass ein Trick nicht skrupellos sein kann - wer folgt wem? Oder war gemeint: Auf den einen Trick folge der andere? Es wurde mir nicht klar. Auch der Text gab keine klare Information her.

Ich vermute aber, dass auf den Onkeltrick der Enkeltrick folgt, also umgekehrt zur Aussage der Schlagzeile. (Dabei ist mir natürlich klar, dass ein Trick nicht einem anderen folgen kann, sondern dass Gauner einen neuen Trick anwenden.)

Dieser Satz ist eine stilistische Kostbarkeit:
Der Jurist gesteht dem spanischen Papier,
Wie bitte? Der Jurist gesteht dem Papier? Seine Liebe? Mal sehen, was das für ein Geständnis ist:
dem mit dem seinem Vater "3 330 000 Millionen Euro" (!),
Das war kein Geständnis. Es hat auch den Anschein, dass der Jurist einen Vater hat, dem Geld angeboten wurde. Die Autorin schiebt das Geständnis bildlich noch etwas vor sich her, wohl der hochwertigen Spannung wegen.
der Nachlass des in Argentinien verstorbenen Senior Prof. Johann-Bernd Fischer,
Jurist und Nachlass, einem Papier gestanden, das macht neugierig.
in Aussicht gestellt wird,
Moment, wer stellt wem was in Aussicht? Ging es nicht um ein Geständnis eines Juristen, das er einem Papier machte?
einen offiziellen Anschein zu.
Häh? Was denn nun? Wo bleibt die Spannung? Habe ich richtig verstanden? Der Jurist gesteht nicht dem Papier etwas, sondern er gesteht dem Papier etwas zu. Wer hätte das gedacht, als er den Satz zu lesen begann? Überraschung gelungen. So kann sich das Blatt (Papier) wenden.

Der OZ Hoffen und Bangen

Machen Sie sich schon bereit für das nächste Nachgeplapper von Bonzengequake. Die OZ droht nämlich damit:


Wer das spannend findet? Die beiden Kandidaten, deren Taschenträger und sonstiges Personal, das sich angenehme Posten verspricht. Die Redaktionen nicht zu vergessen, die natürlich wissen, wie schnell sich mit Bonzengequatsche die Spalten füllen lassen. Und dafür werden alle anderen mit der Ankündigung von Spannendem beruhigt, weiterhin Geld für Nichtssagendes auszugeben.

P.S.:
Natürlich handelt es sich nur nach Ansicht der OZ um einen Show-down  (auch: Show|down [... ] der; -s, -s: dramatische, entscheidende Konfrontation; Entscheidungskampf
Duden - Das Fremdwörterbuch, 8. Aufl. Mannheim 2005 [CD-ROM]).
Natürlich musste ein Anglizismus gewählt werden.
Natürlich ist es reiner OZ-Kommentar, der mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben muss, zeigt aber das Hoffen und Bangen der Redaktion, dass die Bonzen auch ordentlich viel reden, egal was.

Wie werden Überschriften gemacht? Schnell!

Es mag ja für den Schlagzeilenschmied eine hochwertige Neuigkeit gewesen sein, als er herausfand und es gegen Geld an Sie verkaufte:

Ich halte es für unverschämt, Lesern so etwas Banales als geldwerte Nachricht anzubieten.

Ich bin ratlos

In Schwerin wurden ein totes Neugeborenes auf einem Balkon und dessen tote Mutter gefunden. In der Online-Ausgabe wurde das so bebildert:


Welchen Informationswert hat dieses Foto? Ich finde keinen.


In der gedruckten Ausgabe fand ich zum selben Sachverhalt das Foto links und frage mich, welchen Informationswert es haben könnte. Ich fand keinen.

Habe ich beim Betrachten der Fotos irgendetwas Informatives übersehen?
Ich bin ratlos. Das sollte jedoch erst recht niemand sein, dem zugesichert wird, gegen Geld Hochwertiges zu erhalten.

Wie ist eine Meldungsspalte zu füllen? Möglichst schnell!

Die OZ kopierte wohl aus einer uralten Pressemitteilung (Danke für den Hinweis) in eine Meldungsspalte:

Das ist falsch.

Es waren nur vier Unternehmen und nicht fünf, wie die OZ auf der Landesseite meldete. "Jovoo" fehlte.
Eine Nachfrage in der Stralsunder Redaktion hätte die Angelegenheit geklärt, denn dort stand es richtig:
Die reizvollen Kollektionen der Öko-Labels Göttinnen des Glücks (Wien), Slowmo (Berlin), Vild Svaner (Weimar) und Global Hope (Finnland) traten den Beweis für diese These an.
Doch wenn Sie mehr über die Modenschau wissen wollen, schauen Sie hier nach (mit vielenvielen Fotos von der Schau) und im ZDF (was hinter der Bühne passierte), kostet nichts, im Gegensatz zu der Falschmeldung der OZ.

Berichtigung: 
Ich bin auf die Stralsunder Zeitung hereingefallen. Auch dort stand es falsch, sogar noch schlimmer, wie der Kommentar es belegt. Ich bitte um Nachsicht.

22.11.09

Abschreiberei in der Gosse

Wie Journalismus heute funktioniert, nämlich durch Abschreiberei, und sei es auch noch solch ein erfundener Käse, den natürlich auch die OZ nutzt, um Spalten zu füllen und es als Hochwerrtiges zu verkaufen, können Sie hier nachlesen.

21.11.09

Vorsicht, hechelnder Kammscherer macht sich lächerlich

Nun also hechelt die OZ wieder den Ereignissen hinterher, die schnell wieder vergessen sein werden, ohne auch nur eine Ahnung zu haben, was passiert ist:
Erneuter Wettskandal im Fußball
Der große Betrug
... Rund 200 Fußball-Spiele von den Amateurklassen bis hoch zur Champions League sollen durch Gangster aus der Wett-Mafia manipuliert worden sein, allein 32 Partien davon in Deutschland. Spieler wurden bestochen, vielleicht auch wieder Schiedsrichter. Mit anderen Worten: Wir sind betrogen worden. Allesamt. ...
Was soll das? Wer ist wir oder allesamt?
Ich fühle mich nicht betrogen, weil ich zum einen nicht gewettet habe, weil ich mir zum anderen keine Sportsendungen anschaue und auch nicht in Stadien schwitze oder friere. Ich fühle mich nicht wie der Kommentator betrogen. Warum also wir alle? Lassen Sie sich bildlich nicht über einen Kamm scheren.
Man (Wer ist man, wir alle?) darf gespannt sein, welche Enthüllungen die nächsten Tage bringen.
Um es deutlich zu schreiben: Es ist mir scheißegal.

Es ist ganz einfach so wie mit dem Bonzengequatsche: Auch Sport ist zur Volksverblödung verkommen. Wer sich das immer noch antut, der Volksverarschung zuzuschauen, fühlt sich natürlich betrogen - Redakteure gleich doppelt, weil sie nicht mitbekamen, wie auch sie verarscht wurden und das auch noch durch seichte Berichterstattung indirekt mitmachten. Jetzt solch ein Redakteursgeschrei anzustimmen ist lächerlich, allerdings auch entlarvend.

Nur so, damit Sie verstehen, warum ich die neue Aufregung nicht als journalistische Leistung gelten lassen kann:
Welch Geschrei veranstaltete auch die OZ, als bekannt wurde, dass Hunderte Reiche Geld außer Landes steuervermeidend angelegt hatten. Was ist aus diesen Leuten und ihrem vertuschten Geld geworden? Fragen sie den OZ-Redakteur Ihres Vertrauens.

Angstschürer zählen weiter, obwohl zählen Quatsch ist

Die Usedom-Peene-Zeitung verkündet:
Nun 197 Fälle von Schweinegrippe
Kann das stimmen? Natürlich nicht, denn:
Die Zahl der Schweinegrippe-Fälle in Ostvorpommern ist weiter angestiegen. Bereits 197 Erkrankungen seien seit 23. Oktober gemeldet worden ...
Das ist die Zahl der gemeldeten Fälle, die nie und nimmer mit der Zahl der tatsächlich Erkrankten übereinstimmen kann, da bekanntlich nicht alle Erkrankten getestet werden. Wie die Zahl der gemeldeten Fälle ermittelt wurde, bleibt im OZ-Nebel unbekannt. Wurden die Erkrankten getestet, oder wurde anhand von Symptomen die Schweinegrippe attestiert? Jeder, der irgendwelche Zahlen von Betroffenen an die Öffentlichkeit gibt, muss genauestens befragt werden, wie die Zahlen zustande kamen. Blogleser wissen, was Bunkerbewohner nicht wissen können.
Die Zahlen sind absolut unzuverlässig, sagen nichts aus und sollten deshalb nicht veröffentlicht werden. Sie haben nur einen Wert: Sie dienen der Verdummung, woran sich die OZ unverdrossen beteiligt und Sie dafür auch noch zahlen lässt.

Und dann dies, ohne Nachfrage des Nachplapperers:
... sei es nicht mehr sinnvoll, Schulen zu schließen, da der Virus flächendeckend angekommen sei ...
Wenn das so ist, sind die meisten Ostvorpommern infiziert. Stirbt jemand, wird in fast jeder Leiche das Virus (oder was auch immer) nachgewiesen werden, was natürlich überhaupt kein Grund ist zu behaupten, der Mensch sei an der Schweinegrippe gestorben (wie die OZ es in unverantwortlicher Weise tut).
In der zweiten und dritten Woche nach Eintreffen des Impfstoffes hätten sich 1010 Menschen den Piekser geben lassen. ...
Ob sich die Redaktionen auf eine Schreibweise für piksen einigen könnten? Im Duden steht es als Verb, wie ich es schrieb. Als Substantiv ist es weder dem Duden noch Pons bekannt.

Abgesehen davon ist es leichtfertig, von piksen zu schreiben, als sei eine Impfung vergleichbar mit einem Mückenstich. Angesichts Hunderter bestätigter Impfgeschädigter in Deutschland sollte sich der Autor für den verharmlosenden Begriff schämen. Er missachtet die Leiden der Impfgeschädigten und ihrer Angehörigen.

Thema nicht erkannt

Wieder macht eine Leserin auf ein Thema aufmerksam. Doch statt der Sache nachzugehen, wird einfach ein Leserbrief übernommen - macht nämlich keine Arbeit:
Runder Tisch wäre effektiver und billiger
Zu "Busverkehr will auf Bedarf reagieren" (OZ 6. November) schreibt Prof. Julia Männchen, Kuhstraße 23: Auch ich habe die Stadtbuslinien kritisiert, weil Fahrplan und Streckenführung offenbar von Leuten gemacht wurden, die selber nie Bus fahren. Es ist aber noch viel schlimmer: man hat ein Berliner Büro damit beauftragt. Und es ist ja wohl kaum anzunehmen, dass diese Leute in Greifswald wohnen und mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut sind. Oder täusche ich mich da? Auch ich verstehe nicht, wieso die Änderung der Streckenführung zusätzlich Geld kostet. Vielleicht sollten mal die Betroffenen , das heißt Fahrgäste und Busfahrer, zu einem runden Tisch einladen. ...

Warum ich nicht weiterlas

In epischer Breite schilderte die Greifswalder Zeitung, wie eine Schule saniert wird. Allerdings las ich nach dem Vorspann nicht mehr weiter:
Alte Schule bald mit neuem Charme
Seit April laufen die Sanierungsarbeiten am denkmalgeschützten Haus II des Jahngymnasiums. Der Zeitplan stimmt, so dass die Schüler ab September 2010 im altehrwürdigen Gemäuer lernen können.
Die Sanierungsarbeiten laufen also - auf wie vielen Beinen und wohin?
Der Zeitplan stimmt fast immer. Gemeint war wohl, dass die Sanierung termingerecht beendet wird?
Und schließlich noch die elende Stanze vom altehrwürdigen Gemäuer, welch ein Gesülze!

Warum sollte ich einen Artikel lesen und vor allem bezahlen, wenn ich raten muss, was die Autorin wohl gemeint haben könnte?

OZ vertuscht schweren Fehler

Während online in einer Schlagzeile wenigstens indirekt ein Hinweis darauf gegeben wird, was für einen Mist die OZ gestern verbreitete, in dem sie eine Frau voreilig an den Folgen der Schweinegrippe sterben ließ, wurde der Sachverhalt in der gedruckten Ausgabe am Ende eines weiteren Hysterie-Schür-Artikels versteckt.

In der Online-Ausgabe stand:
Mögliches Schweinegrippe-Opfer nicht obduziert
Beim ersten möglicherweise an der Schweinegrippe gestorbenen Patienten in Mecklenburg-Vorpommern bleibt die genaue Todesursache vorerst im Vagen. ... Das Landesamt für Gesundheit und Soziales in Rostock bestätigte die Angaben. «Wir können bis auf weiteres nicht klären, woran die Frau wirklich gestorben ist», sagte Behördensprecherin Anja Neutzling.
Das heißt, wäre die OZ ehrlich zu ihren Lesern:  
Wir haben voreilig und trotz besseren Wissens im Kommentar und Schlagzeile die Frau zu einem Opfer der Schweingerippe gemacht.
Noch schlimmer versucht die OZ, ihren schweren Fehler in der Druckausgabe zu vertuschen:
und verängstigt die Leser lieber noch mehr:
Schweinegrippe: Marine ruft Schnellboote zurück
Virus- Alarm an Bord der beiden deutschen Schnellboote "Ozelot" und "Frettchen". "Bei vier Soldaten sind Symptome der Neuen Grippe festgestellt worden" ...
Erst einige Sätze später erfahren die Leser:
"Die erkrankten Marine-Angehörigen werden an Land untersucht, ob sie wirklich die Neue Grippe haben", sagt Wald. ...
Aha, dann ist die Schlagzeile schon wieder ein Versuch, den Lesern Angst zu machen, sie zu verdummen.

Und erst die beiden letzten Sätze zeigen, wie die OZ Sie gestern manipuliert und für dumm verkauft hatte:
Beim ersten möglicherweise an Schweine-Grippe gestorbenen Patienten in MV bleibt die genaue Todesursache vorerst unklar. Die Angehörigen der 56-Jährigen hätten eine Obduktion der Leiche verweigert, teilte das Schweriner Helios-Klinikum mit.

Gut versorgt oder arm geriestert?

Wie andere Medien auch, meinte die OZ-Redaktion Mitte Oktober, ihre Leser mit Hinweisen zur Riesterrente beglücken zu müssen (in jedem Herbst schwärmen die Vermittler aus, auch in die OZ), was natürlich an Schleichwerbung erinnert:
Damit Sie im Alter gut versorgt sind
... Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat viele Verbraucher verunsichert. Sie fragen nach der Sicherheit ihres Geldes - und welchen Sinn eine langfristige private Altersvorsorge hat. Warum diese gerade für Jüngere zwingend nötig ist und wie der Staat private Alterssicherung unterstützt, darüber informierten ausgewählte Fachleute beim jüngsten OZ-Telefonforum. ...
Der Hammer an Unverfrorenheit ist jedoch dieser Hinweis in einem sog. Hintergrundartikel:
... Die Riester-Rente lohnt sich auch für Geringverdiener. Sie müssen in der Regel ebenfalls nur 60 Euro im Jahr als eigenen Beitrag aufwenden, um die komplette Förderung zu erhalten.
Die Redaktion muss ihre Leser für reichlich unwissend halten, oder selbst ahnungslos sein, wenn sie das mit dem Lohnen verkündet. Ich habe viele Male darauf hingewiesen, dass sich das Riestern vor allem für Banken und Versicherungen lohnt und natürlich für die Redaktionen, wie die der OZ, die mit Kritikfreiem flink ganze Spalten füllen.

Doch es ist noch viel schlimmer, wenn jemand, im Gegensatz zur OZ, das große Ganze überblickt. Er deckt in einem sehr langen Eintrag auf, ohne es zu wissen, was für einen Käse die OZ verbreitet:

... Mit fast dreizehn Millionen abgeschlossenen Verträgen ist die private Zusatzrente mit staatlichen Zuschüssen - vulgo Riester-Rente - rein quantitativ ein Erfolgsmodell. Qualitativ ist es um die Riester-Rente jedoch nicht so gut bestellt. Nicht nur, dass außer den Anbietern niemand von ihr profitiert, der nicht zu den Gesegneten gehört, die ein gar biblisches Alter erreichen werden - die Riester-Rente ist zudem Gift für die Konjunktur und ein Arbeitsplatzkiller, wie nun eine Untersuchung des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) herausfand. ....

Alltag in der Hochwertredaktion


Wird die Schlamperei im Webauftritt beendet oder müssen sich Leser diesen Mist weiterhin gefallen lassen?

20.11.09

Flugzeugwrack geborgen - warum denn das?

Die OZ berichtete auf der Titelseite als Bildnachricht:
Rügen: Flugzeug der Nazi-Luftwaffe aus Bodden geborgen
Taucher von Bundeswehr und Polizei haben gestern auf Rügen ein Flugzeugwrack aus dem Zweiten Weltkrieg geborgen. Die viersitzige Maschine vom Typ Me 108 war vermutlich im Dezember 1944 nach einem Beschuss in den Kleinen Jasmunder Bodden gestürzt.
Tjaund?, werden sich etliche Leser fragen, was soll das? Die Antwort bleibt die OZ schuldig.

Die "Messerschmidt Taifun" oder richtig Bf 108 war nicht irgendein Flugzeug. Seine Konstruktion und Auslegung war in den 30-er Jahren seiner Zeit weit voraus, war eine Rekordmaschine und vor allem das Grundmuster aller modernen Reiseflugzeuge.
Weitere interessante Einzelheiten (mit besseren Fotos) erfahren Sie kostenlos hier im bösenbösen Internet.

Wer wo zu Hause ist

Da hat sich die Hier-Zu-hause-Zeitung auf der Landesseite ganze 129 Wörter abgequält, dazu noch von einer Agentur kopierte, über eines der wichtigsten Themen in Vorpommern:
Dong will Mitte 2010 über Lubmin entscheiden
Der dänische Energiekonzern Dong Energy will nach Angaben der Umweltstiftung World Wide Fund for Natur (WWF) bis zum Jahr 2040 seinen weltweiten Nutzungsanteil regenerativer Energien von gegenwärtig 15 auf 85 Prozent erhöhen. Während eines Treffens mit Vertretern deutscher Umweltverbände und Bürgerinitiativen gestern in Kopenhagen habe Konzern-Vizepräsident Thomas Dalsgaard einen grundlegenden Strategiewechsel angekündigt, sagte Brick Medak vom WWF. Dalsgaard habe jedoch zugleich erklärt, an dem Projekt zum Bau eines 1600-Megawatt-Steinkohlekraftwerks in Lubmin bei Greifswald festhalten zu wollen. ...
Der Nordkurier, nur im südlichen Vorpommern zu Hause, schrieb mehr zum Thema.

Die Schweriner Volkszeitung, die nicht in Vorpommern zu Hause ist, brachte es auf 499 Wörter, ein Foto und vor allem: Im Onlinebereich stehen die Kommentare direkt unter dem Artikel und nicht wie auf der schrottigen OZ-Webseite ziemlich versteckt und losgelöst von den Texten.

Und eine dänische Informationsseite, gar nicht in Vorpommern zu Hause, schaffte 623 Wörter und ein großes Foto.

Über den Unterschied

Ein Kopierer OZ-Wirtschaftsweiser fand beim Kopieren heraus:
OECD: Deutschland holt auf — aber mehr Jobs weg
Die Weltwirtschaft gibt im nächsten Jahr wieder Gas — und Deutschland könnte in Europa am stärksten davon profitieren. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erwartet, dass die Bundesrepublik dank ihrer Export-Champions und der staatlichen Konjunkturpakete besser als viele EU-Partner durch die Krise kommt. 2010 werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um rund 1,5 Prozent zulegen ...
Nach der neuen OECD Prognose wird Deutschland unter den großen Industrieländern (G7) mit Italien das Schlußlicht in der Wirtschaftserholung bis 2011 sein (Abb. 15021). ...


Vorschlag zur Güte

Auf der Titelseite lasen Sie eine Titelgeschichte über nicht Nachgewiesenes.
Fast eine halbe Politikseite verbriet die Redaktion für Spekulationen um die Person Lafontaine:
Lafontaine, die Krebs-OP und die Gerüchteküche
Damit ist eine Niveaulosigkeit erreicht, wie ich sie vor ein paar Jahren nicht für möglich gehalten hätte.
Diese Scheinheiligkeit, jenes Falsche wird Ihnen als Hochwertjournalismus verkauft.
Richtig wäre, die Leute, die Ihnen so etwas unterjubeln, bezahlten Sie dafür, dass Sie es lesen.

Schweinegrippe: Fakten, die Bunkerbewohner überraschen

Weil der Eintrag unter diesem so lang wurde, noch diesen Hinweis:

Sonia Mikich: "Ich bin heute früh zur Arbeit gefahren und obwohl jährlich viereinhalbtausend Menschen bei Autounfällen sterben, hatte ich keine Sekunde Angst vor dem Autofahren. Angst an der Schweinegrippe zu sterben, ist dagegen gang und gäbe zurzeit. Das ist seltsam angesichts der realen Zahlen, und darum möchten Georg Restle und Ralph Hötte die Fieberkurve der allgemeinen Aufgeregtheit nach unten bringen. Ohne Verharmlosung, ohne Glaubensbekenntnis pro oder kontra Impfung. Einfach Fakten, die Sie überraschen werden." ...

Bitte lesen, und vergessen Sie die Propaganda, die Sie aus der OZ kennen.

Wie Sie verängstigt werden

Bisher habe ich keine offzielle Bestätigung dafür gefunden, dass der Tod einer Frau in M-V durch die Schweinegrippe verursacht wurde. Das bedeutet nichts weiter, als dass es gestern Abend auch keine Bestätigung geben konnte. Das hinderte jedoch die OZ nicht daran, dies als Titelgeschichte zu verbreiten:
Schweinegrippe: Erste Tote in MV
Natürlich ist das doppeldeutig, erweckt aber den Anschein, die Frau sei an der Grippe gestorben. Doch das ist nicht nachgewiesen, die OZ weiß es natürlich besser, ließe sich sonst auch keine Impfpropaganda daraus machen. Andererseits wird propagiert:
Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts sind bundesweit mindestens 28 Menschen der Schweinegrippe zum Opfer gefallen.
Das bleibt verantwortungslos, besonders, da die OZ die acht Toten nach der Impfung in Deutschland nicht erwähnt. Ausgewogen? Hochwertig? Geldwert?

Auch das wird berichtet:
Verdachtsfälle würden nur noch von Laboren untersucht, wenn es sich dabei um schwere Verläufe, Risiko-Patienten und auffällige Häufungen handele.
Das heißt doch nichts anderes, als dass die Gefährlichkeit oder Harmlosigkeit der sog. Schweinegrippe überhaupt nicht mehr ermittelt werden kann. Dann ist es verantwortungslos und blödsinnig, einzelne Todesfälle, verursacht (?) durch Schweinegrippe, überhaupt aufzuführen. Sie besagen nichts über die Gesamtsituation, fördern jedoch die Impfhysterie. Dafür ist auch die OZ mit ihrer stets einseitigen Propaganda verantwortlich.
Andererseits kann den Regierenden nur daran gelegen sein, dass niemand mehr Nutzen und Aufwand ins Verhältnis setzen kann. Damit wird niemals nachweisbar sein, dass sinnlos Geld ausgegeben wurde. Dass der regierungsergebenen OZ das nicht auffallen will auffällt, dürfte klar sein.

Dazu noch dies:
Die Impfstoffhersteller sind nicht nur aus der Haftung entlassen, falls Impfkomplikationen über das bekannte Maß hinaus auftreten sollten und Dauerschäden auftreten, sondern werden ihren Impfstoff sogar dann los, wenn sich das Virus verändern sollte und der Impfstoff deshalb nicht mehr wirksam ist. Alle so enstehenden Kosten bezahlen Sie, direkt oder indirekt.
Wussten Sie das aus der OZ? Nicht? Ist für Sie als Steuerzahler und gesetzlich Versicherten völlig uninteressant? Dann bezahlen und lesen Sie weiter die OZ, z.B. diesen Kommentar:
Erste Schweinegrippe-Tote (?) in MV
Genau mit solch einer verantwortungslosen Dachzeile und der Schlagzeile auf Seite eins, mit der großen Aufmachung über etwas Ungeklärtes, verbreitet die OZ Panik - wie scheinheilig!
Die Schweinegrippe hat jetzt auch in Mecklenburg-Vorpommern ein erstes Todesopfer gefordert. Damit war zu rechnen, und es dürfte auch nicht der einzige Todesfall an der Küste bleiben. Arztpraxen und die Impfstellen in den Gesundheitsämtern können sich wohl ab heute auf einen neuen Ansturm von besorgten Menschen einstellen, die sich impfen lassen möchten. ...
Klar, keine Panik. Obwohl unklar ist, ob die Frau an der Schweingerippe starb, stellt der Kommentator die Möglichkeit als Tatsache dar. Dann wird eine Vermutung über weitere Tote nachgeschoben und dann auch die über einen Ansturm auf die Arztpraxen. Aber keine Panik. Mannmann, kann jemand noch schlimmer Panik schüren, um dann mitzuteilen, Sie brauchen keine Angst zu haben? Das ist üble Propaganda, spielen mit den Gefühlen zahlender Leser. Ich finde keinen anderen Ausdruck dafür, die OZ schon: Hochwertiges.
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