13. Februar 2010

Aus dem Fenster schauen und Geld sparen

Das ist heute die Titelgeschichte, also das Wichtigste: Altschnee! Drei Spalten wurden damit gefüllt:
Schon sechs Wochen liegt der Nordosten unter einer geschlossenen Schneedecke. Und es kommt noch dicker: Bereits gestern sorgte Tief „Queen“ mit heftigen Sturmböen und Schneeverwehungen von bis zu 50 Zentimetern für Chaos auf den Straßen. Heute soll es an der Küste weiteren Neuschnee geben. Für Vorpommern wurde eine Unwetterwarnung herausgegeben. Das extreme Winterwetter bringt Räum- und Rettungsdienste an ihre Grenzen. ...
Für wen, außer für Bunkerbewohner, ist das eine Nachricht, also eine direkte, kompakte und möglichst objektive Mitteilung über eine neues Ereignisdas für die Öffentlichkeit wichtig und interessant ist?
Und Sie geben Geld für Altschnee aus, und dann auch noch dafür, auf der Landesseite und auf den Lokalseiten ebenfalls mit Altschnee behelligt zu werden?

Ohgott, ja, und dann noch die Blickpunktseite, eine Sonnenseite, sollte wohl witzig sein? Ach du blaue Langeweile!

Ich verweise auf einen Kommentar:
... Steigt aber die Unterstützung für Empfänger von Hartz IV, verkleinert sich der Abstand zu den Löhnen für einfache Tätigkeiten. Das wiederum ist der Arbeitsmarkt für viele Bedürftige mit geringer Qualifikation.
Eine ernsthafte Debatte über diese Problematik wäre wünschenswert.
Ja bitte, OZ, denn man tau! Doch in der OZ gibt es keine Debatte und wird es auch nicht geben. Die Redaktionen haben zu viel mit Altschnee zu tun, statt damit, Hintergrund zu liefern oder gar eine Debatte anzuzetteln und zu führen, die für jeden OZ-Leser von Bedeutung ist.

Eines der zu debattierenden Themen nennt der Kommentator sogar:
Dazu sollte auch die nüchterne Bewertung eines Mindestlohns gehören. Der könnte, in der Höhe richtig gesetzt, nämlich helfen.
Doch dann nimmt er den Westerwelle in Schutz, diesen halbintellektuellen Überarroganzler und Volksverblöder, der in den vergangenen Tagen seinen Ekel über Arme offen und wiederholt zum Ausdruck brachte und der sofort aus seinen Ämtern gejagt werden sollte:
Westerwelle hat also durchaus ein Thema angetippt, das auf der Agenda steht.
Ja, toller Kerl! Dazu noch dies, natürlich nicht aus der OZ:

... Westerwelle ist Chef einer Partei der Besserverdienenden, einer Elitenpartei. Und einer FDP, die - und hierin steckt womöglich der größte Affront - derzeit zumindest nach außen hin als intellektuell verkommen erscheint. Sie betet den Liberalismus als Glaubensbekenntnis herunter, nur um gleichzeitig ihrer Klientel großzügige Staatsgeschenke zu überreichen, die jeder liberalen Marktlogik widersprechen. 

Statt sich um das Gemeinwohl zu sorgen, schaufelten sich die Machthaber im alten Rom mit Luxus zu und garnierten diese Selbstversorgung auf Kosten der Allgemeinheit mit wohlfeilen Worten. Der Verfall des Staates ging einher mit einem Verfall der Sitten und dem Verrat an einem Mindestmaß an intellektueller Redlichkeit - so nahm das Ende des Imperiums seinen Anfang.

Wenn man sich also der berühmt-berüchtigten Anfänge erwehren will, wenn es also in Deutschland tatsächlich eine Dekadenz geben sollte, über die man jetzt dringend reden müsste, dann ist es die des Geistes, die in Guido Westerwelles Worten ihren schamlosen Ausdruck gefunden hat.

Und hier Überlegungen, die eine Diskussion beleben könnten, die die OZ nicht führen kann und will:

Die bedrückenden Zahlen zum letzten Quartal 2009 und die zur gewerblichen Wirtschaft im Dezember und die zu den einbrechenden Steuereinnahmen (siehe Rundbrief von heute) sollten es noch klarer gemacht haben, als ohnehin schon überdeutlich war: Allein mit dem Export kommt Deutschland nicht aus dem Krisental. Und: Je länger sich die deutsche Wirtschaft auf der Talsohle bewegt, umso mehr wird Kurzarbeit in Arbeitslosigkeit übergehen und Arbeitslosigkeit die private Nachfrage der verängstigten Verbraucher weiter drosseln. Die private Nachfrage, der bei Weitem wichtigste Strukturfaktor, muß wieder wachsen. Sie ging im 4. Quartal zurück, während sie z.B. in Frankreich um 3,6 % in USA um 2 % (auf Jahresrate gerechnet) zunahm.
Endlich müssen die Löhne wieder steigen. In der relativ gut bezahlenden gewerblichen Wirtschaft fielen die Arbeitseinkommen, nicht zuletzt wegen der Kurzarbeit, im Dezember um 12 % unter den Stand des letzten Vorkrisendezembers 2007. ...
Zweitens, brauchen wir dringends flächendeckende Mindestlöhne, gerade in der Krise, wie sie die meisten unserer Nachbarn haben.
Drittens, müssen endlich die vielen Steuersenkungen für die Best- und Besserverdiener, die ohnehin nicht mehr verbrauchen können, zurückgenommen werden und muß eine Vermögenssteuer, wie in anderen Ländern, eingeführt werden. Dann können auch die sozialen Leistungen, die unmittelbar verbrauchsrelevant sind, erhöht werden. Hartz IV muß korrigiert werden, weil die Angst davor den Verbrauch ausbremst. ...

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