20. Februar 2009

Klimaschutzinitiative wird zur Farce, wenn CO2-speicherndes Niedermoor vernichtet wird

Zugegeben, die Zänkerei um den Wiecker Schlag ist nichts weiter als ein Stückchen im ständigen Streit um Geld oder Natur, eine Zänkerei, die wieder belegt, dass einer Menge Leute die Umwelt scheißegal ist, wenn nur Profit in Aussicht steht.
Doch dieser Leserbrief ließ mich aufmerken:
Bewahrt die intakte Natur!
Klaus Marsiske schreibt zu zu "Visionen für Greifswald" (OZ 14./15. Februar): Ich bin besorgt zu lesen, dass doch tatsächlich ernsthaft erwogen wird die alte Weide- und Kulturlandschaft Wiecker Schlag für einen Seglerhafen zu opfern oder sollte man besser sagen auszuwaiden. ...
Nun hat auch der mit dem alternativen Nobelpreis geehrte Prof. Succow einen Brief in der Sache geschrieben und an alle Bürgerschaftsmitglieder in Greifswald geschickt. Weiß die OZ nichts davon? Das erinnert mich an die Scheu der Zeitung, Succows scharfe Kritik an dem Plan zu veröffentlichen, ein Kohlekraftwerk am Bodden zu bauen.

Sicherheitshalber veröffentliche ich, was Succow der Bürgerschaft aufgab zu bedenken:

Appell an Gewissen und Vernunft!

Mit tiefer Empörung erfuhr ich von dem Bauvorhaben eines Investors: "Wiecker
Schlag"! Täglich erreichen mich Bitten bewegter Bürger, mitzuhelfen, sich diesem
unverantwortlichen, nicht ausgleichbaren Eingriff in eine harmonische Landschaft zu
widersetzen!

Worum geht es?

Das wirklich letzte Stück unverbauter alter Kulturlandschaft am südlichen Ryck soll
dem Luxus Weniger geopfert werden. Die friedliche Weidelandschaft mit ihren
Baumreihen und Weißdornbüschen, den Röhrichten und Salzwiesen, dieser weiche
Übergang von den Äckern in die kleine Moorniederung des Ketscherinbachs soll dem
Allgemeinwohl entzogen werden. Diese noch verbliebene Niederungslandschaft -
einst für Greifswald vielerorts typisch - soll mit ihrer Lebensfülle an selten
gewordenen Tier-und Pflanzenarten unwiederbringlich geopfert werden, ohne
wirklich zwingende Gründe. Jedes Mal, wenn ich hier vorbeikomme, innehalte,
umfängt mich Freude, erlebe ich die Weite der Landschaft mit dem historischen Blick
auf Wieck, dazu wandernde Menschen, oft auch weidende Tiere, Frieden! Hier soll
mit ungewöhnlich hohen Erschließungskosten ein Niederungsmoor ausgekoffert
werden, um 99 Wassergrundstücke zu erschließen! - Ökologisch und ökonomisch in
unserer Zeit nicht mehr verantwortbar!

Verehrte Abgeordnete der Bürgerschaft,

ich appelliere an Ihr Gewissen und an Ihre Vernunft, diesem Vorhaben nicht
zuzustimmen. Anthropogenes Kapital ist weiter vermehrbar, hochwertige, intakte
Landschaft ist nicht vermehrbar! Sie ist ein immer knapper werdendes Gut. Hüten
und bewahren wir ihre letzten Reste, um der Natur und unserer selbst willen. Folgen
Sie dem Vorschlag der Bürgerinitiative Ladebower Hafen und der Wiecker
Ortsvertretung, den Investor auf das Gebiet des Ladebower Hafens zu lenken. Alle
von dieser Bürgerinitiative dargelegten Argumente sprechen dafür! Die Zustimmung
der Stadt Greifswald zur Freiwilligen Klimaschutzinitiative wird zur Farce, wenn hier
ein CO2-speicherndes Niedermoor, dieses höchste Schutzgut, vernichtet wird. Das
Bauvorhaben Wiecker Schlag ist keine hinnehmbare "Vision" für die Universitäts- und Hansestadt Greifswald.

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