13. März 2008

Kohlekraftwerk: Der gute Mensch aus Dänemark

Ein überflüssiges und peinliches Porträt erschien just zugleich mit dem über das Forum im Greifswalder Dom:
Das Gesicht des Kraftwerks
Projektleiter Peter Gedbjerg steht für die Pläne des dänischen Investors Dong, in Lubmin einen Kohlemeiler zu errichten. Der 55-Jährige wirbt emsig für das Vorhaben.
Es ist unglaublich und unprofessionell, das Kraftwerk, das es nicht gibt, zu personifizieren.

Dem Autor ins Stammbuch geschrieben:
Wenn schon, denn schon: Das Kraftwerk hat nicht nur ein dreckiges Gesicht, sondern ist von Kopf bis Fuß vom Kohlenstaub zerfressen, von Blaualgen zersetzt, von Giften gepeinigt, von Schwefeloxiden verschlissen und mit 30 Jahren tot.
... Spurlos vorbeigegangen sind die Proteste an dem 55-Jährigen nicht. Sein Gesicht wirkt ernster als Anfang 2007, als die ersten Pläne für den Meiler bekannt wurden. Wer Peter Gedbjerg schon entspannt in seiner Heimatstadt Aarhus sah oder lachend beim Bier im Kopenhagener Tivoli, weiß, dass viel Druck auf dem vierfachen Familienvater lastet. ...
Sollen den Lesern nun die Tränen kommen, weil der Mann für sein Geld arbeiten muss?

Wir wollen doch nicht vergessen, dass es seine einzige Aufgabe ist, das Kraftwerk durchzusetzen. Dafür wird er bezahlt. Wie hoch ist sein Gehalt? Wer mit Gedbjerg schon Bier getrunken hat, sollte das wissen. Wenn nicht, sollte sich der Autor dringendst fragen, was der Mann ihm noch alles vorenthalten hat. Oder ist er wie Otto Waalckes überzeugt: Dänen lügen nicht?
Und wieso vermengt der Autor Dienstliches und Privates (der vierfache Familienvater)?
... Doch er verschweigt nicht, dass ihn einiges der Kritik aus den Bürgerinitiativen getroffen habe: "Die Vorwürfe, dass wir Entscheidungsträger in der Region bestochen haben sollen, um an unser Ziel zu kommen, waren verletzend", sagt Peter Gedbjerg.
Damit muss der Mann leben, finde ich. Und als was bezeichnet er das Geld, das an die Stadt Wolgast, für das Usedom-Musikfestival, den Sportvereine in Greifswald und auf Usedom überwiesen wurde? Wie viel war es? (Und ganz nebenbei: Warum nahmen die Behörden und Vereine das Geld?) Wieso fragte der Autor den Mann nicht danach, beim Bier oder ohne es? Wieso spendiert Dong Energy den Bürgerinitiativen kein Geld?
Dabei mögen viele Menschen in der Region den passionierten Segler gern. Das kann man immer wieder erleben.
Jaha, der gute Mann aus Dänemark, fast schon einer von uns!
Dem kann jeder Pommer doch nur alles Gute für seine Arbeit wünschen, die Dreckschleuder ins Land setzen zu lassen.
Er habe die Landschaft und Menschen um Usedom dabei ins Herz geschlossen, betont der Diplom-Ingenieur für Thermodynamik. Den Kraftwerksbau sieht er als Segen für die Gegend.
Jaha, so wie die Pommern ihn schlossen, bis auf diese unfreundlichen, nicht von Gedbjerg ins Herz geschlossen werden wollenden Kraftwerksgegner, so schloss auch er. Es wäre tödlich für das Kraftwerksvorhaben, würde er Anderes behaupten. Und ordentlich Honig um die pommerschen Mäuler geschmiert, kann helfen. Er könnte mit dem Kraftwerk glatt dran kleben bleiben. Solche Gedanken sind dem Autor völlig fremd und könnten als Naivität eines Biertrinkers ausgelegt werden. Das halte ich jedoch für gefährlich.

Ein Redakteur weiß gewöhnlich, was er mit seinem Geschreibsel anrichten kann.
Besser hätte es auch der für Dong schreibende Öffentlichkeitsarbeiter Michael Deutschbein nicht machen können. Um so schlimmer, dass dieses Porträt von einem OZ-Redakteur verfasst wurde.

Deshalb ist der Schluss, ja was ist er, was meinen Sie, liebe Blogleser?
Derzeit ist er die Hälfte der Woche in Deutschland, absolviert oft 16-Stunden-Tage. Nach dem Baustart werde alles geregelter ablaufen, meint Gedbjerg. Dann will er wieder mehr Zeit mit Frau Tine verbringen. Und mit Rosa, dem neuen Liebling der Familie - Gedbjergs erste Enkeltochter kam vor vier Monaten zur Welt.
Mir wird übel, vor allem weil ich vergleiche, was die OZ bisher über Vertreter der Bürgerinitiativen berichtete, die in ihrer Freizeit versuchen, das Projekt zu stoppen und dafür mehr als gute Gründe haben. Viele Kraftwerksgegner, unter ihnen viele OZ-Leser, die von hier sind, tun das Ihre nach Feierabend, nicht wie Gedbjerg, der allein dafür, dass er das Kraftwerk durchsetzt, bezahlt wird und nun in der OZ bedauert wird. Da kommt mir der kalte Kaffee hoch!

Die Kraftwerksgegner müssen sich vom Ministerpräsidenten als Irrationale beschimpfen lassen. Der Träger des alternativen Nobelpreises, Prof. Succow, wird von der OZ totgeschwiegen.
In der OZ dürfen die Bedenken der Gegner als Hirngespinste abgetan werden, die sich legen werden, wenn das Werk erst gebaut ist.

Kein OZ-Redakteur (mit einer Ausnahme) wollte wissen, wie die Gegner, die von hier sind wie die OZ von sich behauptet (hallo Witz, Herr von Thien), ihren Widerstand mit ihrem Familienleben vereinbaren. Niemand fragte, wie sie das Geld aufbringen.
Für die OZ ist es selbstverständlich, dass die Gegner keinerlei staatliche Unterstützung erfahren, sondern ihre Vorschläge missachtet, schlimmer noch, als Blödsinn abgetan werden. Ich fand nichts in der OZ, was auf das Gegenteil hindeuten würde.

Sind das alles Hinweise auf eine ausgewogene Berichterstattung? Meinen Sie, dass die OZ über andere Themen ausgewogen berichtet?
Warum lesen Sie die OZ?

4 Kommentare:

  1. Anonym13.3.08

    Der Beitrag ist allerletzte und unterste Schublade, ohne substanielle und lebensnahe Visionen
    solche Schreiberlinge hatte wir schon in zwei ganz schlimmen Zeiten
    auf beiden Seiten Deutschlands.

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  2. Verschiedene Aussagen des Kommentars der über diesem stand, sind nicht belegte Vorwürfe. Deshalb lösche ich ihn. Ich gebe dem Kommentator Gelegenheit, einen sachlichen Beitrag zu schreiben.
    So stimmte nicht, dass in Heringsdorf keine Unterschriftenlisten ausgelegt werden dürfen. Ich habe eine gesehen, in der Ortsbibliothek.

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  3. Anonym16.3.08

    es darf keien Liste in der Kurverwaltung ausgelegt werden lt. Diensbesprechung Bürgermeister Kurdiirektor einfach mal in der Kurverwaltung nachfragen wo die Listen sind. IN der OSteseetheme darf auch keine. Also wenn der BEitrag unsachlich gewesen sein soll, dann sollte ich wohl bei der so sachlichen OZ bleiben.

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  4. Genau das meinte ich: Teilen Sie mit, wo genau die Listen nicht ausgelegt werden dürfen. Das haben Sie nun getan. So ist es völlig in Ordnung.
    Ich bitte Sie zu verstehen, dass ich unbelegte Vorwürfe, an wen auch immer, nicht als Kommentar stehen lassen kann.
    Übrigens scheint mir, dass Kurverwaltung und Gemeinde zum Kraftwerk gegensätzliche Auffassungen haben, was ja irrwitzig ist, da oberster Kurverwalter und stv. Bürgermeister ein und dieselbe Person ist.

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