30. Dezember 2013

"Dann hört verdammt nochmal auf mit euren Posts"

Damit Sie sich selbst ein Bild davon machen können, was in der OZ unter einer Sternstunde des Journalismus verstanden wird, unter Recherche gar, hier der volle Wortlaut eines Textes von der Landesseite, der fast ausnahmslos aus Spekulationen (Rote Buchstaben) besteht:

Vor wenigen Tagen posierte (?) Stefanie G. mit ihrer kleinen Tochter vor einem Weihnachtsbaum. Stolz veröffentlichte sie das Foto im sozialen Online-Netzwerk Facebook und ließ die Welt an ihrem Glück teilhaben. Jetzt ist sie tot. Und viele fragen sich: Hätte das Drama am Sonnabendmorgen im Greifswalder Puschkinring 25 nicht verhindert werden können?
Auf Facebook steht ein Hilferuf. „Jedem, dem du dein Herz schenkst, schenkst du auch ein Messer, mit dem er dich entweder beschützen oder verletzen kann“ – heißt es in einem Beitrag von Stefanie G. vom 16. August. Welche tragische Bedeutung dieser Satz hat, wird nun deutlich: Ihr Ex-Freund Andy W. hat die 33-jährige allem Anschein nach am Sonnabend mit mehreren Messerstichen getötet. Der Verdächtige hat offenbar nicht verkraftet, dass die Frau ihn im Sommer verlassen hat.
Andy W. gilt in Greifswald als stadtbekannter Schläger. Auf Fotos brüstet er sich mit seinen Muskeln und seinen Tattoos. Auf seinem Unterarm steht: „Outlaw“ – „Gesetzesloser“. Der 36-Jährige ist wegen Gewalttaten vorbestraft und saß bereits im Gefängnis, wie die Polizei bestätigt. Ein Bekannter des Verdächtigen sagt: „Wenn Andy rot sieht, kennt er weder Freund noch Feind.“ 
Als die Eltern des Opfers am Sonnabend von dem Tod ihrer Tochter erfuhren, soll es für sie keinen Zweifel gegeben haben: Andy W. sei der Täter. Im Oktober drehte er angeblich schon einmal durchEs heißt, er habe Stefanie G. verprügelt. Bei der Polizei soll deswegen ein Verfahren wegen Körperverletzung gegen ihn laufen.
Doch obwohl Stefanie G. Anzeige erstattet hat, soll Andy W. weiter einen Schlüssel für ihre Wohnung gehabt haben. „Für sie war es zwar vorbei. Aber er wollte das nicht wahrhaben und spielte eine heile Welt vor“, sagt ein Bekannter. Es soll immer wieder zum Streit zwischen den beiden gekommen sein.
Bevor der Konflikt am Samstag eskalierte, wurde Stefanie G. am Mittwoch auf einer Weihnachtsparty in der Greifswalder Stadthalle gesehen. Sie konnte angeblich nicht ausgelassen feiern. Zu groß sei die Angst gewesen, dass Andy W. dort auftauchen könnte. 
Die Freunde sind fassungslos, dass es nun so weit gekommen ist. Die Anteilnahme auf Facebook ist riesig (siehe Grafik rechts oben). Viele leiden vor allem mit der fünf Jahre alten Tochter, die nun ohne ihre Mutter aufwachsen muss.Doch nicht jedem gefallen die Einträge. Eine junge Frau schreibt unter dem Pseudonym „Vivi En“: „Herzliches Beileid an die Familie? Dann hört verdammt nochmal auf mit euren Posts und Kommentaren! Denn die stechen uns allen noch einmal direkt ins Herz. Konntet ihr sie vor diesem Verbrecher schützen? Nein! Kümmert euch um euren Scheiß!!!“
Bloß gut, dass es Facebook gibt; sonst wären die Aufschreiber aufgeschmissen gewesen, und die OZ hätte nicht viel, was sie den Lesern verscheuern könnte. So ist es zwar viel Text geworden, der allerdings wertlos ist, weil er vor allem aus Spekulationen besteht.

Wozu der letzte Abschnitt gut sein soll, bleibt mir unverständlich. Nähme die OZ nämlich die Schreiberin Vivi En ernst, hätte das Blättchen den Artikel nicht veröffentlicht, denn die OZ hat die Frau auch nicht geschützt, dafür lang und breit getextet, allerdings nur, um damit Geld zu verdienen - - als Herzstecher.

Kommentare:

  1. Anonym4.1.14

    Diese "Berichterstattung", insbesondere im Greifswalder Lokalteil, ist ein Fall für den Presserat. Im Lokalteil hat man eine ganze Seite gefüllt. Mit Fotos, offenbar einfach aus Facebook heraus abgedruckt. Mit einer ganzen Spalte von Facebook Kommentaren. Mir war ganz schlecht. Das hat mit Berichterstattung nichts gemeinsam.

    Leider ist dieser Blog so kleinkariert, dass dadurch die echten Skandale untergehen.

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    1. Was sich die OZ da geleistet hat, ist tief unter der Gürtellinie. Deshalb steht es im Blog. Es ist aber nicht das erste Mal, dass das Blättle bildlich so tief ins Klo griff. Ich hatte in den vergangenen Jahren einige Fälle mitgeteilt, vor allem zu Zeiten des Redaktions-Benjamins:
      http://ostsee-zeitung-blog.blogspot.de/2012/02/dann-mags-ja-was-werden-mit-der-oz.html

      Sie können sich gern beim Presserat beschweren. Ich mache es nicht, mache es schon lange nicht mehr, weil es sinnlos ist. Hier die Begründung:
      http://ostsee-zeitung-blog.blogspot.de/2011/10/die-sache-mit-dem-presserat.html

      Was sind echte Skandale?

      Ich blogge nicht Skandale aufdeckend, denn dafür werden Journalisten bezahlt, die es auch nicht tun, sondern ich dokumentiere den Niedergang einer Regionalzeitung. Da kommt auch Kleinkariertes vor, aber eben nicht nur. Auch im Kleinkarierten zeigt sich, wie es um die Qualität des Blattes bestellt ist.

      Die Greifswalder Lokalausgabe lese sich nicht mehr. Was ich lese, ist auch so schlimm genug.

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