17. März 2012

"»Streß­test« für das Stutt­garter Bahn­hofs­pro­jekt feh­ler­haft"

Bonzengeschwätz nachzuplappern, ist kein Journalismus. Geht es um Hintergrund, der auf Richtigkeit überprüft werden müsste, sieht die Sache völlig anders aus. Doch dazu müsste der Hintergrund erst einmal verarbeitet werden, z.B. dieser, in dem behauptet wird:
Ein Phy­siker hat es über­prüft:
»Streß­test« für das Stutt­garter Bahn­hofs­pro­jekt war feh­ler­haft.

... Nach unserer Ein­schät­zung könnten allein auf­grund dieses Modell­feh­lers in der Spit­zen­stunde min­des­tens zwei bis drei Züge weniger abge­fer­tigt werden. Das wären rund fünf Pro­zent der per Streß­test ver­meint­lich ermit­telten Kapa­zität von 49 Zügen in der Stunde.
Blieben also noch 46 Züge. Sie meinen jedoch, der Tief­bahnhof wird schon bei 32 Zügen an seine Grenzen stoßen. Wie kommen Sie dazu?

Dieser Streß­test weist eine ganze Reihe wei­terer mas­siver Mängel auf, die schon länger bekannt sind. Zum Bei­spiel wurde die Betriebs­qua­lität um eine Stufe unter das eigent­lich gefor­derte Niveau her­ab­ge­setzt. Dar­über hinaus wurde die Belas­tung des Bahn­hofs über den Vor­mit­tags­zeit­raum nicht rea­li­täts­ge­treu abge­bildet, indem ledig­lich eine ein­zelne Spit­zen­stunde unter­stellt wurde.
In den Stunden davor und danach wurden ein­fach Züge weg­ge­lassen, wodurch sich Ver­spä­tungen weniger auf­bauen und leichter abbauen. Stellt man all das und noch viele wei­tere Unzu­läng­lich­keiten in Rech­nung, bleiben am Ende ledig­lich 32 Züge übrig. ...

Schmarotzertum

Hier kann mir die Bereitschaft abhanden kommen, Steuern zu zahlen:
127,7 Millionen Euro Staatsmittel für im Bundestag vertretene Parteien
Die im Bundestag vertretenen Parteien haben im Jahr 2009 insgesamt rund 127,7 Millionen Euro an staatlichen Mitteln erhalten. Das geht aus den als Unterrichtung durch den Bundestagspräsidenten (17/4800) vorgelegten Rechenschaftsberichten von CDU, SPD, FDP, Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen und CSU für 2009 hervor. Danach erhielt die CDU im Jahr 2009 staatliche Mittel in Höhe von gut 41,9 Millionen Euro. Die SPD bekam staatliche Mittel in Höhe von mehr als 39,6 Millionen Euro. Die FDP kam auf gut 12,6 Millionen Euro an staatlichen Mitteln, die CSU auf gut 11,7 Millionen Euro, die Grünen auf fast 11,1 Millionen Euro und Die Linke auf gut 10,7 Millionen Euro. ...
Jetzt rechnen Sie noch die Steuermittel an die in Landesparlamenten vertretenen Parteien dazu, nicht zu vergessen die indirekte Finanzierung aus staatlichen Quellen.

"Warum Deutsche Bank & Co. zerschlagen werden müssen"

Keine neue Erkenntnis, aber gut, nach drei Jahren Finanzkrise und allerlei Gauckelei daran erinnert zu werden:
Schöpferische Zerstörung
Warum Deutsche Bank & Co. zerschlagen werden müssen
Die jüngste Finanzmarktkrise ist kaum vorbei, da braut sich im Zuge der Euro-Krise schon der nächste Absturz der Weltfinanzmärkte zusammen. Ob allerdings der Staat noch einmal als Retter wird einspringen können, ist mangels staatlicher Finanzkraft und schwindender öffentlicher Akzeptanz höchst zweifelhaft. Auf der anderen Seite reicht die anhaltende Krise offensichtlich nicht aus, um die notwendige radikale Reform der Banken und Finanzinstitute endlich in die Wege zu leiten.
Seit Ende der 1980er Jahre haben sich die Geschäfte auf den Finanzmärkten von denen der realen Produktionswirtschaft immer stärker gelöst und verselbstständigt. Das Volumen aller Finanztransaktionen ist mittlerweile 75mal so hoch wie die gesamte Weltproduktion. Allein das verwaltete Vermögen unter der Regie von Hedgefonds, den weltweiten Kapitalsammelstellen für Vermögende, ist vom 1,8fachen der Weltproduktion im Jahr 1999 auf das 30,4fache in 2010 explodiert. Finanzmärkte haben nichts mit der Idylle des Marktwettbewerbs zu tun. Die Regeln der Preisbildung aus Angebot und Nachfrage vieler kleiner Marktteilnehmer spielen keine Rolle. Im Gegenteil: Hier dominiert ein Netz von schier allmächtigen Anbietern und Nachfragern. ...

Offene Fragen

Landesseite:
Verfahren nach Tod eines Soldaten eingestellt
Der Tod eines Soldaten aus Sachsen beim Bundeswehr-Schwimmtraining Mitte Januar in Karpin bei Eggesin (Kreis Vorpommern-Greifswald) hat keine rechtlichen Konsequenzen. „Wir haben das Verfahren jetzt eingestellt“, sagte Oberstaatsanwalt Gerd Zeisler gestern in Neubrandenburg. Der 23-Jährige aus einem Ort bei Dresden ertrank ohne äußere Einwirkung.
Aus diesem Lückenfüller ergeben sich mindestens zwei Fragen:
  1. Wenn der Tod keine rechtlichen Konsequenzen hat, hat er dann überhaupt irgendwelche?
  2. Wenn der Soldat ohne äußere Einwirkung ertrank, warum ertrank er dann, einfach so? Wenn das niemand weiß, war etwas bildlich faul.
Eine Blogleserin hatte weitere Fragen (Danke!):
Musste er tauchen? Wollte er tauchen? Kennt der Befehlshaber keine Tauchregeln? Warum hat er von seiner Befehlsgewalt keinen Gebrauch gemacht?

Die Lachnummer des Experten

Über den Krieg in Afghanistan:
... Selbst Experten wie der niederländische Nato-Berater Prof. Rob de Wijk erwarten inzwischen ein Scheitern am Hindukusch. „Der Krieg ist für das westliche Bündnis verloren“, sagte der Leiter des renommierten Zentrums für Strategische Studien in Den Haag ...
Der Krieg war von Anfang an verloren. Das weiß die klare Mehrheit der Deutschen seit über zehn Jahren. Sie wollte überhaupt keinen Krieg, weil außer den Kriegsgewinnlern niemand Nutzen davon hat, aber viele den Schaden. Dass nun sogar ein Experte ein Scheitern erwartet, ist da nur eine Lachnummer.

Schlimm ist, dass regierende Kriegstreiber und mit ihnen die nachplappernden, vervielfältigenden, regierungsergebenen Medien versuchten, die Masse der Deutschen für blöd zu erklären, indem sie den Krieg (der kein Krieg sein durfte und der es offiziell immer noch nicht ist) als Verteidigung der Freiheit D.s am Hindukusch vernebelten.
Apropos Freiheit am Hindukusch: Freiheitskämpfer und ab morgen Grüßaugust Gauck hat nichts gegen den Krieg in Afghanistan. Oder haben Sie irgendwann/wo von ihm dazu ein Wort der Gegenrede gehört oder gelesen? Solche Leute werden gebraucht, damit sie der Masse mit schwulstigem Geschwätz die Gedanken vernebeln. Deshalb ist er die richtige Präsident, für die Herrschenden (Das sind nicht unbedingt die Regierenden.)
Der Kommentator meinte:
... Die Erfahrungen der Geschichte sind da unerbittlich. Nicht mal Alexander dem Großen, weder den Briten noch den Russen gelang es, Afghanistan zu „befrieden“. Und nun selbst der Nato nicht. ...
Die meisten Deutschen hätten gern auf diese Erfahrung (die Toten, Verletzten, die Zerstörung, das in Unmassen vergeudete Geld, die Kriegsgewinnler) verzichtet, weil sie sie nicht brauchen.

Übrigens habe ich in der OZ nichts darüber gelesen, wer denn wie viel an diesem Krieg verdient hat und wer deshalb wünschte, er dauerte ewig.
Hintergrund über Zustände in Kabul erhalten Sie hier:

US-AMERIKANER IN AFGHANISTAN
„Schlimmer als die Sowjets“
Im Kabuler Alltag offenbart sich der Hass der Afghanen auf die Ausländer. Sie glauben dem Westen nicht mehr, Gerüchte über den Amoklauf eines US-Soldaten gehen um.
Entwürdigende Videoaufnahmen, Koranverbrennungen und nun auch noch das Amokattentat eines US-Soldaten sorgen für Aufruhr in Afghanistan. Der Westen hat seinen Kredit bei den Menschen vom Hindukusch längst verspielt. Der Alltag in Kabul legt davon Zeugnis ab.
Es sind die kleinen, unauffälligen Szenen wie am Eingang zum Kabuler Außenministerium, die deutlich machen, was Sache ist. Ein Sicherheitsbeamter, westlich geschult, raunzt den jungen Dolmetscher eines Ausländers an: „Schämst du dich nicht, für Ungläubige zu arbeiten?“ Sein uniformierter Kollege pflichtet ihm bei: „Das sind die Leute, die unser Land das ganze Unglück bringen. Erschießen sollte man sie alle.“ Sie wiederholen damit nur, was radikale afghanische Parlamentsabgeordnete, wie kürzlich nach den Koranverbrennungen, längst öffentlich sagen. Wer von den internationalen Beratern und Entsandten kein Dari spricht, bekommt von diesen leisen Hetzereien nichts mit. ...

Einige Anmerkungen zu einem entlarvenden Interview

Eine Mantelredakteuren hat ein gutes, weil entlarvendes Interview zum Thema Geflügelhaltung abgeliefert, das meine Bedenken gegen den Verzehr Geflügelfleisch vergrößert hat. Danke.

Einige Anmerkungen dennoch dazu:
... OZ: Der Antibiotika-Einsatz in der Hähnchenmast brachte Ihre Branche stark in Misskredit. Warum ist der Arzneiverbrauch so hoch?
Drechsel: Vor 20 Jahren galt es als korrekt, Tiere sofort zu behandeln, wenn sich Infektionen anbahnten. Es gibt Tierhalter, die noch nach altem Wissen mit zu viel Antibiotika arbeiten.
Heute ist verboten, prophylaktisch Antibiotika einzusetzen. Es ist wie an der roten Ampel: Fahren bei Rot ist verboten — doch es gibt Kraftfahrer, die es trotzdem tun und hoffen, nicht erwischt zu werden. Solche schwarzen Schafe wollen wir nicht.
...
Ein paar schwarze Schafe? Das ist die übliche Abwiegelei, die sich die Autorin gefallen ließ. Nicht nur in NRW erhalten fast alle Tiere Antibiotika, auch in M-V, stand in der OZ. Dann müssten fast alle Tiere in ihren paar Lebenswochen Krankheiten durchgemacht haben. Guten Appetit!
Fast alle Geflügelzüchter/mäster sind schwarze Schafe. Fakt ist doch: Sie kommen ohne Antibiotika nicht aus. Damit hätte die Autorin Drechsel konfrontieren müssen.
OZ: Teilen Sie die Besorgnis von Tier- und Verbraucherschützern?
Drechsel: Nein. Dass kranke Tiere mit Medikamenten behandelt werden, bedeutet ja nicht, dass das Fleisch Antibiotika enthält. Denn die sind abgebaut, bis das Tier geschlachtet wird. ...
Das wurde an knapp 500 Tieren von Millionen geschlachteten getestet.
Dazu wiederhole ich mich:
Selbst wenn keine Antibiotika nachgewiesen wurden, ist damit die Resistenz-Gefahr keineswegs gebannt, denn es können Keime auf dem Fleisch resistent geworden sein. Kann auch das ausgeschlossen werden? Wurde auch das geprüft? Ich las dazu nichts im Artikel.  
Jetzt wird es gruselig:
OZ: Stimmt es, dass jedes zweite Küken getötet wird?
Drechsel: Bei Masthähnchen nicht, da werden weibliche und männliche Küken aufgezogen und als Broiler verkauft. Legehennen aber sollen Eier legen, das tun Hähne nun mal nicht. Die männlichen Küken der Legerassen werden getötet.
OZ: Warum werden sie nicht aufgezogen und als Broiler verkauft?
Drechsel: Das rechnet sich nicht. Legerassen sind fürs Eierlegen gezüchtet. Ihre Hähne sind zu klein, wachsen zu langsam, sind also als Fleischlieferanten wenig geeignet.
Er  meint natürlich: sind ungeeignet.
OZ: Was geschieht mit den Hahnen-Küken? Werden sie wirklich zerhäckselt?
Drechsel: Dafür gibt es tierschutzkonforme technische Geräte. Zum Teil wird Gas eingeleitet, meistens aber wird der Mousser verwendet, eine Art Häcksler.
OZ: Was passiert mit den Resten?
Drechsler: Sie werden verfüttert, oft als Hundefutter oder in Zoos.
Ich hoffe nur, niemand kommt auf die Idee, mich, die Autorin oder Drechsel durch einen Häcksler zu jagen, falls wir uns nicht mehr rechnen sollten. Aber der Vergleich hinkt wohl bildlich.
Aber was steht das zu im Tierschutzgesetz? Das erlaubt das Häckslen, wogegen sich z.B die Stiftung Vier Pfoten vergeblich ausgesprochen hatte:
§10 Ermächtigungen 3.
Die Ausnahme der Betäubungspflicht vor der Tötung für Geflügel ist ersatzlos zu streichen.
Begründung:
Eine Tötung von Wirbeltieren ohne vorherige Betäubung ist nicht mit dem Tierschutz vereinbar und widerspricht §1 (2) und (3), da erhebliche Schmerzen und Leiden zugefügt werden.  
In der OZ ging es so weiter:
OZ: Ist das ethisch vertretbar?
Drechsel: Ja. Die Tiere werden getötet, aber als Futter für andere Tiere genutzt. Andere Tiere sterben, damit der Mensch Nahrung hat. Die Bibel rechtfertigt, dass der Mensch sich die Welt untertan und Tiere und Pflanzen dabei nutzbar macht.
Hoho, die Bibel; wer wagte da Gegenrede? Guter Trick, finden Sie nicht auch.
OZ: Gilt das auch für Anlagen mit bis zu 400 000 Tieren?
Drechsel: Ja, das sind vernünftige wirtschaftliche Einheiten mit vertretbarer Umweltbelastung. Dort werden erstklassige Lebensmittel produziert, die billiger sind als in den meisten Ländern der Welt. Das ist ein Erfolg. Bei uns können sich Experten jederzeit überzeugen, dass es den Tieren gut geht. ...
Auch unangemeldet, jederzeit? Auch mit der Autorin als Beobachterin und Berichterstatterin? Das wage ich zu bezweifeln.

Oben war von 400000-er Anlagen die Schreibe. Im Hintergrundtext stand:
In Mecklenburg-Vorpommern besitzt Wimex u.a. ... in Neukloster bei Bad Doberan mit 850 000 Masthähnchen und 140 000 Elterntieren. ...

"Gauck gefällt den Neuen Rechten"

Ein Aspekt, den die OZ über den Freiheitskämpfer, Stasijäger und uns Joochen vonne Küste nicht verbreiten konnte, hier in einer leider überlangen Version:
Ihr Mann von morgen — Oder: Was der Neuen Rechten an Joachim Gauck so gut gefällt

Bei all dem, was in den ver­gan­genen Wochen für oder gegen den zwei­fellos aus­sichts­reichsten Kan­di­daten für das Amt des Bun­des­prä­si­denten vor­ge­bracht wurde, drohte ein Gesichts­punkt unter den Tisch zu fallen. Der gern als Bür­ger­rechtler apo­stro­phierte Frei­heits­pre­diger Joa­chim Gauck ist auch für den äußersten rechten Rand der »Prä­si­dent der Herzen«. ...
Da fällt mir ein: Müssten wir ohne Gaucks heroischen Freiheitskampf immer noch inne DeDeEä dahinvegetieren?

16. März 2012

2011 verringerte sich Einzelhandelsumsatz deutlich in M-V

Gleichzeitig mit den Zahlen über die Entwicklung des Tourismus in M-V im Jahr 2011 (von dem die OZ Ihnen nur eine Schönschrift über den Umsatz in Gaststätten verkaufte), veröffentlichte das Landesamt auch die Umsatzentwicklung im vergangenen Jahr, worüber ich nichts in der OZ las. (Die Veröffentlichungen können Sie sich kostenlos per Mail zuschicken lassen.) Dabei hätte sie mit dem Umsatz im Dezember auch eine Schönschrift verfassen können, denn der Umsatz übertraf den im Dezember 2010 um 1,4 Prozent (nach Preisen des Jahres 2005).

Allerdings muss die Hemmung, eine Schönschrift zu verfassen, doch zu groß gewesen sein, wie die Gesamtentwicklung des monatlichen Einzelhandelsumsatzes 2011 zeigt.

Dann käme nämlich heraus, dass der Umsatz nur 96,4 Prozent des Umsatzes von 2005 betrug, 6,6 Prozent weniger umgesetzt wurde als 2010: Woran das wohl liegen mag?
Dass 2011 immerhin 5,5 Prozent weniger Beschäftigte im Einzelhandel arbeiteten als 2010, sei auch erwähnt.

"Gesetzlicher Mindestlohn auch in Deutschland dringend erforderlich"

Eine ganze Blickpunktseite ließ die OZ mit Vorwahlquark über den Grüßaugust befüllen. Da blieb kein Platz zu berichten, was in D. los und nötig ist.
Andere berichteten:
Seit mehr als 7 Jahren Lohnstillstand trotz 12 % mehr Produktivität
... Praktisch haben sich die Löhne seit Ende 2005, also über mehr als 7 Jahre verbraucherpreisbereinigt nicht verändert, obwohl die Produktivität um 12 % zugenommen hat (Abb. 14982).
Dabei entlohnt die gewerbliche Wirtschaft noch besser als die deutsche Wirtschaft insgesamt, insbesondere der Dienstleistungssektor mit vielen Niedriglöhnern. ... Die Durchschnittslöhne im Niedriglohnsektor lagen im Jahr 2010 mit 6,68 Euro in West- und 6,52 Euro pro Stunde in Ostdeutschland weit unter der Niedriglohnschwelle. Gut 4,1 Millionen Beschäftigte (12%) verdienen weniger als 7 Euro brutto pro Stunde und davon 1,4 Millionen sogar weniger als 5 Euro. Ostdeutsche, Frauen und Minijobber/innen sind von solchen Niedrigstlöhnen überproportional betroffen.
Die soziale Landschaft in Deutschland entwickelt sich immer mehr zu einem sozialen Skandal und dem Gegenteil einer sozialen Marktwirtschaft. Die durchschnittlichen Arbeitseinkommen sind selbst bei Einschluß der Topverdiener vom Format Ackermann seit 2000 real um 3,3 % gefallen, die Sozialrenten real sogar schon um 7,4 % (Abb. 17247). ...
Die Studie, auf die sich der Autor und viele andere berufen, können Sie hier nachlesen (14 Seiten; PDF).
Interessant sind diese Erkenntnisse:
Bei Einführung eines gesetzliches Mindestlohnes von 8,50 € hätte jede/r fünfte Beschäftigte Anspruch auf eine Lohnerhöhung (gut 25% der Frauen und knapp 15% der Männer). ...
Das beträfe etwa eine Million ostdeutsche Hungerlöhner.
Die Analyse ... bestätigt zunächst wiederum den wichtigen Befund, dass Gruppen mit hohem Niedriglohnrisiko nicht zwingend auch einen großen Anteil im Niedriglohnsektor haben (Tabelle 3). Am augenfälligsten ist dies bei den Beschäftigten ohne abgeschlossenen Berufsabschluss, die trotz ihres deutlich überdurchschnittlichen Niedriglohnrisikos nur rund ein Fünftel der Niedriglohnbeschäftigten stellen. Die große Mehrheit der Niedriglohnbeschäftigten hat eine abgeschlossene Berufsausbildung oder sogar einen akademischen Abschluss. Bei Verwendung einer einheitlichen Niedriglohnschwelle liegt der Anteil der formal gering Qualifizierten unter den Niedriglohnbeschäftigten nur noch bei 18,4% und der Anteil der Akademiker/innen liegt mit gut 10% höher als bei der Ost-West-differenzierten Schwelle. Auffällig ist auch, dass der Anteil der Vollzeitbeschäftigten mit gut 47% deut-lich höher ist und die Anteile der Teilzeitbeschäftigten und Minijobber/innen geringer.
Insgesamt bleibt es jedoch dabei, dass Niedriglöhne in Deutschland keineswegs überwiegend gering Qualifizierte oder Jüngere betreffen. Vielmehr ist die große Mehrheit der Niedriglohnbeschäftigten formal qualifiziert und stammt aus den mittleren Altersgruppen. ...
789.000 Vollzeitbeschäftigte verdienten im Jahr 2010 nach unseren Berech-nungen weniger als 6 € pro Stunde und kamen damit auf einen Monatslohn, der mehr oder weniger deutlich unter 1.000 € lag. Solche niedrigen Stundenlöhne sind auch häu-fig die Ursache dafür, dass das Erwerbseinkommen nicht zur Existenzsicherung reicht und aufstockende Leistungen des Staates in Anspruch genommen werden müssen. .
Sie und ich spenden also einen Teil unserer Steuern an Arbeitgeber, damit die Hungerlöhne zahlen können.
Deshalb die Schlussfolgerung:
Dies unterstreicht nochmals deutlich, dass ein gesetzlicher Mindestlohn auch in Deutschland dringend erforderlich ist, um Niedrigstlöhne wirksam zu unterbinden. Nachdem sich selbst die CDU auf ihrem Parteitag im November 2011 im Grundsatz für eine verbindliche Lohnuntergrenze ausgesprochen hat, sollte dies eigentlich rasch umgesetzt werden können. Allerdings müsste eine solche Untergrenze für alle Branchen und Beschäftigtengruppen gelten und nicht nur für die wenigen Bereiche, in denen es keinerlei tarifliche Regelungen gibt.

Uns Joochen ist der richtige falsche Präsident

Eine Blickpunktseite zur Wahl des Bundesgrüßausgusts gönnte die OZ den Lesern, und am Montag wird sie noch einmal etliche Spalten mit dem völlig nebensächlichen Quark füllen.
Der erste Mann im Staat
Am Sonntag soll Joachim Gauck zum neuen Bundespräsidenten gewählt werden. Er hat keine wirkliche politische Macht — aber er muss sie nutzen.(?) Das Wohl des Amtes hängt im Wesentlichen von der persönlichen Autorität des Inhaber

Einen positiven Effekt hatte die Affäre um Christian Wulff dann doch: Intensiv wie lange nicht wurde über Sinn und Zweck des höchsten Staatsamtes diskutiert. ...
Häh, doch nicht etwa in der OZ? Habe ich da etwas verpasst? Ich kann mich erinnern, dass der zukünftige Grüßaugust bejubelt wurde, da er uns Joochen vonne Küste ist. Ein wenig Kritik durfte Schorlemmer einbringen. Uns sonst? Intensiv diskutiert?

In dem Artikel wird erklärt, dass der Grüßaugust vor allem Grüßaugust und Redenhalter ist. Zum ersten Mal las ich in der OZ dies:
Immer wieder auch wird die Frage gestellt, ob das Amt nicht abgeschafft werden könnte.
Nun wird nicht einfach die Frage gestellt, sondern gefordert, dass das Amt abgeschafft wird, das Bundesamt für Verfassungsschutz gleich mit. Davon hat entweder der Autor nichts mitbekommen oder die Bunkerbewohner unter den OZ-Lesern sollen es nicht wissen. Ich halte es für bewusste Manipulation, im übertragenen und im wahrsten Sinne des Wortes.
Doch ein Staat braucht ein Staatsoberhaupt. Wer sonst soll all die repräsentativen Aufgaben übernehmen? ...
Nun bin ich nicht der Staat, sondern fördere ihn nur mit meinen Steuern; aber ich käme ohne Grüßaugust aus, jedoch nicht ohne Staat. Die Frage des Autors zeigt dessen bildliche Scheuklappigkeit.

Selbstverständlich verzichtet die OZ darauf, auf ein Büchlein hinzuweisen, das zur intensiven Diskussion über Sinn und Zweck des höchsten Staatsamtes beiträgt, wie unzählige Texte im bösenbösen Internet zur Diskussion beitragen:
Der Falsche Präsident
Da bin ich anderer Meinung, denn er ist genau der richtige Präsident, jedoch nicht für die Masse, sondern für die Herrschenden.

Zu dem Buch gibt es mehrere Medienberichte, hier ein Text vom Autor selbst:
Gauck ist der falsche Präsident
Freiheit, Freiheit, Freiheit. Gauck kennt kein anderes Thema. Nicht die soziale Gerechtigkeit. Nicht die Finanzkrise. Nicht die Internet-Zensur. Wird er ein Präsident der Wohlsituierten? Oder lernt er, umzudenken?
Der Kandidat Joachim Gauck hat eine große Mehrheit hinter sich – so sagen uns die Umfragen. In dieser Situation zu behaupten, er sei die falsche Wahl, ist zugegebenermaßen gewagt. Ich wage es dennoch, weil ich aus vielen Gesprächen weiß, dass die meisten Menschen wenig von ihm wissen. Ihre Zustimmung ist durch die Medien beeinflusst und eher emotional. ...
Zur Finanzkrise und zu den unglaublichen Folgen der Spekulation hat er sich kaum geäußert. Dabei bräuchte er nur ein bisschen hinhören: Beispielsweise, was der französische Widerstandskämpfer und Diplomat Stéphane Hessel in seinem Manifest „Empört Euch!“ beschwört. Oder wie sogar konservative Kreise über den undemokratischen Zugriff der Finanzwirtschaft auf die Politik klagen. Spitzenmanager wie der Aufsichtsratsvorsitzende von Siemens und Thyssen Krupp, Gerhard Cromme, bedauern das riskante Geschäftsgebaren der Banken. Und wenn etwas schiefgehe, müsse der Steuerzahler einspringen. ...

Wie meine Geduld erschöpft wurde

Endlich hat die Usedomer Redaktion ein Thema, das einfaches Spaltenfüllen ermöglicht, heute fast eine Seite:
In 83 Tagen wird die Fußball-Europameisterschaft angepfiffen: Der Ball soll auch auf der Insel rollen
Im Strandkorb Özil gucken
Und so hätte der Text beginnen können:
Kaum vorstellbar, dass am Strand neben der Heringsdorfer Seebrücke in einigen Wochen Tausende Fußballfans in einer großen „EM-Arena“ den Özils, Gomez‘ und Neuers zujubeln werden.
Am kommenden Montag sollen nun die vorbereitenden Grundbauarbeiten für den „ZDF-Fußballstrand“ beginnen.
Doch so begann der Text nicht, sondern:
Noch ist es vorfrühlingshaft ruhig am Heringsdorfer Strand. Auf der Seebrücke schlendern vereinzelte Urlaubs-Pärchen, die Ostseewellen plätschern sanft ans Ufer, einzig die Möwen machen schon ordentlich Lärm. 
Das ist Zeitdiebstahl, billige Spaltenfüllung, weil es keine Neuigkeit enthält, sondern Geschwafel.
Kaum vorstellbar, dass hier in einigen Wochen Tausende Fußballfans in einer großen „EM-Arena“ den Özils, Gomez‘ und Neuers zujubeln werden.
Am kommenden Montag sollen sie nun aber beginnen, die vorbereitenden Grundbauarbeiten für den „ZDF-Fußballstrand“.
...
Hier war meine Geduld erschöpft. Dafür ist mir meine Zeit zu schade.

Kommt nicht so drauf an (aktualisiert, aktualisiert)

 

Danke für das Zusenden!

Und noch ein Hinweis:

Sehr naturgetreue Federzeichnung links.

15. März 2012

Wir habens ja

Für eine schrottige Webseite wurden über 10700 Euro Steuergeld ausgegeben. Wenn Sie da darauf nachlesen (Ich rate ab.), merken Sie schnell, wie wertlos die Seite ist.

Alles dazu, nebst interessanter Kommentare, lesen Sie auf Netzpolitik. z.B. diese auch dieser Kommentar:
... Grad nochmal angesehen, mit allem drum und dran, ist die Seite mit 1000 schon gut bezahlt, wenn es nur ums Design, Erstellung und Funktion geht.
oder:
... Aber es gibt auch Anlass zur Hoffnung: das BMI hat mittlerweile die in der Antwort erwähnte Studie vergeben. Thema ist im Grunde: wie sieht die nächste Version der Seite aus. Als Option kann auch hier ein Prototyp entstehen. Bei einem Budget von EUR 800.000 sind da diesmal sicher animierte gifs drin.

Der faszinierende Witz mit dem Verlangen nach Urheberrecht

Felix Schwenzel las einen zusammengeschusterten Artikel auf Spon. Die Eigenleistung bestand im Zusammenstückeln von z.T. nutzlosem Quark (Kommt Ihnen bekannt vor?):
... was hat spiegel-online also genau getan?
einen absatz geschrieben in dem steht, dass jemand einen brief schrob. ein absatz in dem zusammengefasst steht was in dem brief stand. einen absatz mit einer platitüde („viele reaktionen“) und zwei zitaten von fernsehjournalisten. ein absatz mit weiteren reaktionen. drei absätze übersetzte zitate aus dem brief. ein absatz in dem eine sprecherin von goldman sachs zitiert wird. ein absatz mit einer einschätzung der lage von goldman sachs, wahrscheinlich aus presseagenturmeldungen rausgeschnipselt und ein weiterer absatz mit zitaten aus dem brief.
das soll jetzt keine kritik oder ein text über den spiegelverlag werden, ich finde den spon-brief-agentur-mashup total OK. tägliches journalistisches handwerk („was machst du beruflich?“ „zusammentragen und zusammenstückeln.“).
Kommt Ihnen als OZ-Leser das bekannt vor?

Daraufhin meinte er:
faszinierend finde ich nur, dass verleger heutzutage für soetwas einen besonderen schutz zu beanspruchen versuchen. die arbeit von zusammenträgern und zusammenstücklern soll nach ansicht der verlage (die mit soetwas hoffen werbung besser verkaufen zu können) von einem „leistungsschutzrecht“ gedeckt werden. die verlage meinen, dass niemand anders ausser ihnen selbst mit solchem patchwork geld verdienen dürfe. das leistungsschutzrecht soll auch für „journalistische inhalte“ gelten, die zu 90 prozent aus zusammengeklauten zusammengetragenen material bestehen. die verleger selbst bezahlen (ausser den nachrichtenagenturen und dem zusammenstücklern autoren) niemanden und bedienen sich freizügig an den inhalten anderer. wenn ihnen das selbst passiert, nennen sie es oft diebstahl oder unrechtmässige kommerzielle nutzung und wollen lizenzgebühren dafür sehen.
mir scheint es absurd, lizenzgebühren für etwas zu verlangen, für das man selbst keine lizenzgebühren zu zahlen bereit ist. vielleicht können wir über das leistunsgschutzrecht nochmal reden, wenn verlage für interviews (also das absaugen von geistigem eigentum aus interviewpartnern), tweets des tages auf dem titelblatt oder paraphrasierungen von fremden inhalten (aus zeitungen, büchern, fernsehen oder blogs) lizenzgebühren oder honorare zahlen.
zumal ordentliche journalistische arbeit heutzutage ja auch bei einer veröffentlichung im internet durch das urheberrecht geschützt ist. auch wenn die verlage auch das sehr eigennützig und selbstverliebt auslegen.

Schöngeschriebener Lückenfüller

OZ-Wirtschaftsweise melden:
Gaststätten profitieren vom schlechten Wetter
Gaststätten in Mecklenburg-Vorpommern haben im vergangenen Jahr erstmals seit 2007 wieder höhere Umsätze erzielt.
Die Gäste gaben 5,8 Prozent mehr Geld aus als im Jahr davor, teilte das Statistische Landesamt gestern in Schwerin mit. Den Gaststätten ist das schlechte Sommerwetter gut bekommen, sagte Uwe Barsewitz, Geschäftsführer des Branchenverbandes Dehoga. Die Gastwirte reagierten auf die Nachfrage und stellten Mitarbeiter ein. Die Zahl der Beschäftigten in den Gaststätten wuchs um 4,4 Prozent.
... nachdem im Jahr 2010 14,2 Prozent weniger Personen beschäftigt waren. Die 4,4 Prozent machen das noch lange nicht wett.

Die von der OZ mitgeteilten Zahlen sind ein schöngeschriebener Lückenfüller, da der Informationswert gegen null tendiert:

Die Zahl der Beschäftigten betrug nach dem erfolgreichen Jahr 2011 dennoch nur 97,9 Prozent der Beschäftigtenzahl im Jahr 2005. Im Jahr 2010 waren es sogar nur 93,8 Prozent der Beschäftigtenzahl von 2005, ein schlechtes Ergebnis.

Dass in den Gaststätten 5, 8 Prozent mehr Geld ausgegeben wurde, ist richtig - nach den jeweiligen Preisen.
Nach Abzug der Teuerungsrate seit 2005 erhöhte sich der Umsatz 2011 jedoch nur um 4,1 Prozent gegenüber dem Jahr 2010 und damit auf ein Niveau von lediglich 91,1 Prozent des Umsatzes von 2005. Im Jahr 2010 war der Umsatz zum Jahr 2009 um 14 Prozent eingebrochen und betrug nur 87,5 Prozent des Umsatzes von 2005 - insgesamt also ein jämmerliches Ergebnis, von der OZ schöngeschrieben und deshalb auch ein jämmerliches journalistisches Ergebnis der OZ, für das der Verlag Geld verlangte.

Offene Fragen

Deutschland und ein möglicher Angriff Israels gegen den Iran
Gilt das Grundgesetz noch für Frau Merkel? 
... 1. Gilt nach wie vor, dass die Sicherheit Israels deutsche Staatsräson ist?
2. Heißt das, dass Deutschland Israel bei einem möglichen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen Iran militärisch uneingeschränkt unterstützen wird? Vielleicht sogar als militärische Führungsmacht innerhalb der NATO?
3. Wie will die deutsche Regierung diesen Wahnsinn der deutschen Bevölkerung verkaufen angesichts der Grundgesetzforderung, dass von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen darf und angesichts des Blutzolls, den auch Deutschland zu entrichten hätte?
4. Sind die von Deutschland an Israel gelieferten und vom deutschen Steuerzahler mitfinanzierten U-Boote, die mit Atomwaffen bestückt werden können, bereits Bestandteil der Unterstützung Israels für einen Angriffskrieg gegen Iran?
5. Welches weitere hochmoderne Kriegsgerät hat Deutschland als drittgrößter Waffenexporteur weltweit zu diesem geplanten Angriffskrieg an Israel und die anderen NATO-Staaten bereits geliefert?
6. Was hat Deutschland Israel, den anderen NATO-Staaten und seiner Führungsmacht USA im Falle eines Krieges sonst noch offeriert?
 ...
Da der Madsack-Konzern und somit die OZ ein chices Hauptstadtbüro unterhalten, können Sie als zahlende Leser die Fragen dorthin leiten. Die Journalisten dort werden sich sicher gern um die Beantwortung kümmern.

Ach wie gut, dass niemand weiß

Der einstige Greifswalder Umstrukturierer und jetzige geschäftsführende Redakteur Fischer hat für die Greifswalder Ausgabe geschrieben (Langeweile, oder gehört das zu den Ausgaben eines geschäftsführenden Redakteurs? Wer klärt mich auf?), wie gewohnt gefüllt mit Spekulationen:
BauBeCon unter Betrugsverdacht
Spekulation:
Mit fingierten Rechnungen soll der Sanierungsträger einem Planungsbüro hohe Geldbeträge zugeschanzt haben. ...
Warum spekuliert werden muss, steht hier:
Die Dokumente liegen der OZ vor, genauere Fakten enthalten die Papiere allerdings nicht. ... 
Welch ein Dokument aber auch - mit dem sich nichts anfangen lässt.

Spekulation:
Dem Vernehmen nach sollen seit 1999 in über 25 Fällen unter Federführung der BauBeCon Rechnungen für die Planung verschiedener Bauprojekte aus der Stadtkasse beglichen worden sein. Auf Anfrage der OSTSEE-ZEITUNG teilte das Rathaus mit: „Einzelnen Rechnungen konnten weder Aufträge noch Leistungen zugeordnet werden.“ Insgesamt soll so in den vergangenen Jahren ein hoher sechsstelliger Betrag geflossen sein. ...
Die nächste Spekulation nach diesem Satz:
Welches Planungsbüro die Summen kassiert hat, halten das Rathaus und die BauBeCon streng (!) geheim. ...
Hinter vorgehaltener Hand berichten mehrere Bürgerschaftsabgeordnete übereinstimmend, dass die Beträge an ein Planungsbüro in Osnabrück überwiesen worden sein sollen. ...
Wen in Greifswald und Umgebung würde das wundern? Dennoch ist es Spekulation.

Er fügte noch einen Kurzkommentar hinzu, mit dem er Recht hat, allerdings mit Ausnahme dieser Passage:
Alles kommt raus
Das ist arrogant und Unsinn.
Journalisten verwenden, wenn sie Bürgermeistern, Landespolitikern und anderen Verantwortlichen eine Stellungnahme zu einem unbequemen Thema abringen wollen, oft ein ganz simples Argument: „Irgendwann kommt eh‘ alles raus.“ Und weil meistens alles rauskommt, ist es nicht hinnehmbar, dass zum Thema „Die Stadt und ihr Verhältnis zur BauBeCon“ am Montag eine nicht öffentliche Bürgerschaftssitzung angesetzt ist. ...
Es wird etwas herauskommen, wenn über die Sache Recht gesprochen worden ist.

Ich gehe davon aus, dass Medien überwiegend nichts herausbekommen.
Als Anfang der 90-er Jahre des Umstrukturierers Vorgänger während einer Redaktionssitzung eine Geschichte als besonders gelungen pries, weil irgendetwas herausgekommen war, meinte ich sinngemäß, dass sich die Immobilienhaie und andere Unter-den-Nagel-Reißer am Abend wieder ins Bett fallen lassen und zu sich sagen: Ach wie gut, dass niemand weiß, wie ich morgen euch bescheiß'.
Wenn in wenigen Fällen etwas, jedoch kaum alles, herauskommt, könnte das den Anschein erwecken, dass tatsächlich fast immer alles herauskommt. Das liegt aber zumeist daran, dass die Geschichten aufgeblasen werden und deren Inhalt mehrfach in unterschiedlicher Form verkauft wird. Die Greifswalder Redaktion ist ein passrechtes Beispiel.

Auf dass vom Glanze etwas strahle über die Insel

Stolz erkündete der Usedomer Lokalchef:
Prominenter Zuzug: Margot Käßmann nun Insulanerin
Theologin erwirbt Zweitwohnsitz in den Bernsteinbädern. Usedom soll künftig ihr Rückzugsort und Treffpunkt der Großfamilie sein. ...
Ich weiß nicht, was OZ-Leser von diesem Wissen haben, vielleicht, um sie etwas zu bedauern, denn sie hat offensichtlich keine Ahnung von den Verkehrsverhältnissen, die in der Urlaubssaison auf und vor der Insel herrschen:
Ihre neue zweite Heimat ist nicht nur von Berlin aus gut und schnell zu erreichen,
... wenn sie per Flugzeug auf die Insel gelangt. Selbst mit der Bahn dauert die Fahrt auf die Insel, schon wegen der Umsteigerei in Züssow.
sondern bietet Margot Käßmann auch beste Chancen, sich in Ruhe zurückzulehnen.
Das mag sein.
Lange Spaziergänge am Strand und durch den Küstenwald zu unternehmen, das findet sie besonders schön — und zwar zu jeder Jahreszeit. ...
Da muss sie sich in der Saison aber auf allerlei Getümmel am Strand einstellen.
Für Käßmann spielt Meditatives eine wichtige Rolle. In Ruhe nachzudenken, abseits vom Alltag, dem Lärm und der Hektik zu entfliehen, das braucht sie. ...
Achja? Dann viel Spaß im Sommer, Frau Käßmann!
Übrigens, woher weiß der Lokalchef dass mit der Ruhe, abseits vom Alltag. Ich habe das Gefühl, dass er mit der Frau kein Wort wechselte. Aber irgendwie mussten die Spalten gefüllt werden.

Als Hintergrund bot der Lokalchef u.a. dies:
... Zwei Sätze gelten als bekannteste Zitate: „Du kannst nie tiefer fallen als in Gottes Hand.“ (bei der Trauerfeier für den Hannover-Torwart Robert Enke) sowie „Nichts ist gut in Afghanistan.“ Dieser Satz war Teil ihrer Predigt am Heiligabend 2009 in der Marktkirche von Hannover. ...
Die Sätze gelten als bekannteste von Medien verbreitete Sätze. Dass Medien wie die OZ auf ein anderes Zitat aus der Predigt am Heiligabend verzichteten und lieber niederträchtig über die Frau berichteten, charakterisiert die OZ. Hier das Zitat aus der Predigt im Neujahrsgottesdienst in der Frauenkirche Dresden, 2010:
Nein, es ist nicht alles gut, wenn so viele Kinder arm sind im eigenen Land. Diese Kinderarmut versteckt sich oft ganz still im Hintergrund. ...
Und:
Nichts ist gut, wenn es in einer Gemeinschaft es so schwer, so beschämend ist, Hilfe anzunehmen ...
Nichts ist gut, wenn bei uns durchgängig eine Atmosphäre der Gnadenlosigkeit herrscht und alle immer stark sein müssen – wie unmenschlich! ...
Übrigens hat die Landesseite den Text weitgehend übernommen, aber noch eine Reklame für ein Buch Käßmanns dazugesetzt.

Die Sache mit Großpackung und billig

Ich muss auf einen gut gemeinten Lebensmittel-Wegwerf-Kommentar von gestern eingehen:
... Lebensmittel sind billig beim Discounter, außerdem im Verhältnis umso billiger, je größer die Packungen sind. 
Das ist nicht genau beobachtet. Wer genau hinschaut, entdeckt immer wieder Großpackungen, deren Inhalt pro Mengeneinheit teurer ist als der kleiner Packungen (hier aus sämtlichen Einzelhandelswaren ausgewählt) desselben Produktes.
So wird schnell zum großen Sack Kartoffeln gegriffen. 
Ja, weil den Leuten auch vom Kommentator suggeriert wird, der Grundpreis für Großpackungen sei immer geringer.
Wenn sich die Keime dann schon durch die Küche ringeln, kommt der Rest eben in die Tonne. Und kaum einer fragt sich beim Anblick eines Hähnchens in der Kühltruhe: Wie kann man das für die paar Euro aufziehen, schlachten, verpacken? Aber weil es fast nichts kostet, ist die Hemmschwelle niedrig, es bei Nichtgefallen zu entsorgen. ...
Ich ahnen, dass hier eine Kampagne in Gang gesetzt wird, um die Lebensmittelpreise zu erhöhen. Dabei sagen die Preise nicht unbedingt etwas über die Qualität der Produkte aus:
... Aber ist nicht das Hauptproblem, dass wir uns auf in­dustrielle Billigstproduktion verlassen und Lebensmittel zu billig einkaufen wollen?
Nein, das finde ich nicht. Die Tests der Stiftung Warentest zum Beispiel ergeben keine Korrelation zwischen dem Preis und der Qualität des Lebensmittels. Ein günstiger Preis muss nicht bedeuten, dass die Inhaltsstoffe qualitativ schlecht sind. ...
Gerd Billen, Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv) im Freitag

Dagegen verzichtete die OZ auf Hintergrund zu den Lebensmittelpreisen, die ja zumindest indirekt durch die Landwirtschaftsförderung der EU beeinflusst werden.

Dies, am Ende des Kommentars, habe ich überhaupt nicht verstanden:
Elf Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland im Müll, viel zu viel. ... Weit größer als die Menge, die nötig wäre, damit in der Welt niemand mehr hungern müsste. Mangel und Überfluss — auch das sind enge Verwandte.
Soll das heißen, wenn wir weniger wegwerfen, müssen Leute in anderen Gegenden der Welt weniger oder gar nicht hungern? Ist das logisch? Keine Ahnung, wie das gemeint war.

14. März 2012

Deutscher Regionalzeitungsmarkt erlebt Strukturwandel

Die Nachrichtenagentur epd hat über die Konzentration des Tageszeitungsmarktes berichtet. Ausführlich wird über den Madsack-Konzern geschrieben, zu dem die OZ gehört (Danke für den Hinweis):
... Die Mediengruppe Madsack («Hannoversche Allgemeine») ist auf dem Weg zum größten Player im Nordosten, seit sie 2009 für 310 Millionen Euro die Axel Springer-Beteiligungen an mehreren Blättern erworben hat. Nach der Übernahme der «Märkischen Allgemeinen Zeitung» (Potsdam) vom Verlag der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» im vergangenen Jahr ist die Gruppe nun mit 19 Zeitungen an 18 Standorten präsent. ...
Die deutschen Zeitungen sehen sich einem rigiden Strukturwandel ausgesetzt, der durch sinkende Werbeumsätze und dramatische Umverteilungen in der Mediennutzung im digitalen Zeitalter geprägt ist. ...
Gerade baut Madsack seine (chice) Hauptstadtredaktion von zehn auf 25 Mitarbeiter aus. Sie sollen Mantelinhalte als Angebot an die Chefredakteure aller Regionaltitel liefern. Solche Veränderungen rufen nicht nur die Gewerkschaften auf den Plan, die Arbeitsplatzabbau und Vielfaltsverlust fürchten. Angesichts womöglich konformer Inhalte in Politik, Wirtschaft und Kultur in Regionalzeitungsketten sieht auch der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, die Gefahr eines auf die Fläche verteilten Meinungsmonopols. Möglicherweise entstehe ein Monopol «von einem, der wie die Spinne im Netz sitzt», sagte Mundt im Februar der «Süddeutschen Zeitung».
Von dem Monopol, das es an der Küste von M-V schon lange gibt, werden Sie noch mehr Einheitsbrei vorgesetzt bekommen als bisher.

"Wirtschaftsdialog zum Urheberrecht: Über aber ohne Nutzer?!"

Wenn Politbonzen von Bürgerbeteiligung schwadronieren, sollten Sie und Journalisten aufmerksam werden, denn zumeist ist das Ruhigstellen gemeint (Stuttgart 21, Merkels sog. Bürgerdialog). Hier ein weiterer Fall, der in der OZ nicht erwähnt wird:
Wirtschaftsdialog zum Urheberrecht: Über aber ohne Nutzer?!
Seit Ende 2008 trifft sich im Bundeswirtschaftsministerium der “Wirtschaftsdialog zur Bekämpfung der Internetpiraterie”. Der Wirtschaftsdialog ist das, was man im ACTA-Abkommen unter “Förderung einer Kooperation von Rechteinhabern und Providern” finden kann. Hier soll eine Privatisierung der Rechtsdurchsetzung in Form einer Selbstregulation angestrebt werden. Im Sommer 2009 gab es das erste geleakte Protokoll auf Wikileaks zu lesen, seitdem tagt die Runde weiter in trauter Abgeschiedenheit eher unregelmäßig zum Thema 2-Strikes-Warnmodelle. Wobei die Wunschliste der Rechteindustrie noch weiter geht, da gab es auch Forderungen nach einer Echtzeitüberwachung des Datenverkehrs und die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung. ...
Am kommenden Donnerstag soll die Studie bei der nächsten Runde diskutiert werden. Mit am Tisch sitzen wieder die Lobbyisten der Rechteindustrie, einige Vertreter von Urheberorganisationen und die Internetprovider. Die Teilnehmerliste hat eine Anfrage der Fraktion Die Linke ans Tageslicht gebracht. Nicht dabei sind Verbraucher- und Datenschützer, sowie digitale Bürgerrechtler. An uns liegt es nicht, sowohl der Digitale Gesellschaft e.V. als auch der AK-Zensur haben sich auch eingeladen, um mit zu diskutieren. Aber mit Hinweis auf die bereits seit 2008 nicht-transparent tagende Runde in dieser Zusammensetzung hat man uns eine Teilnahme verwehrt.
Der Digitale Gesellschaft e.V. hat dazu heute eine Pressemitteilung veröffentlicht: ...
“Das Bundeswirtschaftsministerium hat offenbar die Zeichen der Zeit nicht erkannt und glaubt, dass man Urheberrecht ohne Nutzervertreter im geschlossenen Zirkel diskutieren könne”, sagt Markus Beckedahl, Vorsitzender des Digitale Gesellschaft e.V. “Wer das Urheberrecht ohne die Endnutzer denkt, zeigt ein äußerst fragwürdiges Verständnis von Wirtschaft.” ...

"Bürger Gauck und der Betrug mit der Freiheit"

Die OZ macht gern Reklame für Bücher, mitunter über eine ganze Blickpunktseite. Zum Glück für die OZ hat sie bisher auf Reklame für ein Büchlein verzichtet, das der zukünftige Grüßaugust verfasst hat, dass auf der Spiegel-Bestsellerliste auf Platz eins steht und das einen Verriss verdient hat. Aber das will die OZ uns Joochen vonne Küste nun auch wieder nicht antun.

Hier hat sich ein Blogger erbarmt, das Machwerk zu lesen und darüber zu schreiben:
Bürger Gauck und der Betrug mit der Freiheit
Ein Auszug:
Kitsch as Kitsch can, von aufreizender intellektueller Schlichtheit: Joachim Gaucks Essaylein „Freiheit". 
... der Text in diesem Buch ist etwa so lang wie ein umfangreicherer „Zeit"-Artikel. ... Schnell lesbare Pamphlete dieser Art verkaufen sich gerade sehr gut, seitdem Stephan Hessel seinen „Empört Euch"-Besteller gelandet hat. Allerdings nimmt Herr Hessel für sein Manifest auch nur 3,99.- Euro. Gaucks Buch geht für 10 Euro über den Ladentisch. Und das ist für sich schon ein starkes Stück. Man verspricht dem Leser äußerlich ein Buch, dafür kriegt er einen etwas größeren Artikel (Eine überarbeitete Rede von 2010, die ja bereits honoriert worden war, also eine Art Zweitverwertung) aber zum Preis eines ordentlichen Taschenbuches. Man kann das Nepp nennen. Aber man kann auch Betrug dazu sagen. ... Wenn aber dieses Buch, sagen wir, von 200.000 leichtgläubigen Kunden erstanden wird, und Herr Gauck 10 Prozent vom Verkaufspreis erhält - was beides eher konservativ geschätzt ist -, dann macht dieser Nepp Herrn Gauck um 200.000 Euro reicher. Na, da nimmt sich die Vorteilnahme von Herrn Wulff recht bescheiden dagegen aus, der sich gerade ein paar Urlaubstage sponsern ließ, und das auch nur von seinen Millionärsfreunden. Herr Gauck kassiert da geschickter ab ...
Nun könnte man dem gelassener gegenüber stehen, wenn in diesem Buch drei, vier Gedanken zu finden wären, die ihren Preis wert sind. Aber nichts davon. Schon auf der ersten Seite geht es los: 
„Es ist vielmehr meine tiefe Überzeugung, dass die Freiheit das Allerwichtigste im Zusammenleben ist und erst Freiheit unserer Gesellschaft Kultur, Substanz und Inhalt verleiht. Bei vielen Menschen aber, die mir im Land begegnen, vermute ich eine geheime Verfassung, deren virtueller Artikel 1 lautet: „Die Besitzstandswahrung ist unantastbar."
An sich wäre dieser erste Absatz schon Grund genug, das Buch in die Ecke zu pfeffern und sich nützlicherer Lektüre zuzuwenden. Man weiß jetzt schon: Man wird hier nur die neoliberale Agitation bekommen, die man auch von Herrn Henkel und anderen kennt. Das Wort „Besitzstandswahrung" ist dafür ein sicherer Signifikant. Denn das Wort ist ja ein Chiffre. Mit „Besitzstandswahrung" sind ja nicht, wie eigentlich naheliegend wäre, jene zehn Prozent der obersten Einkommensbezieher und Vermögensbesitzer gemeint, die rund 60 Prozent aller Finanz-, Immobilien- und Sachvermögen auf sich konzentrieren, und sich mit Zähnen und Klauen wehren, nur ja keinen Krümel abzugeben. Als „Besitzstandswahrer" gelten ja absurderweise immer jene, die gar nichts besitzen, sondern nur kleine Renten, niedrige Löhne, schlanke Stipendien oder Hartz-IV beziehen und die Unverfrorenheit haben, zu murren, wenn man ihnen wieder einmal nahelegt, ihre materielle Ausstattung müsse „flexibler" werden. ...

Bock als Gärtner

Es fast nicht zu glauben, was da in Hessen seit Jahren passiert. Vielleicht steht deshalb nichts darüber in der OZ.

Hier das neueste Kapitel, eine Geschichte über deutsche Verhältnisse:
Neue Vorwürfe gegen Blum
Durchsuchungen bei FDP-Abgeordnetem

Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hat die Wohn- und Geschäftsräume des Ex-Vorsitzenden des Steuerfahnder-Untersuchungsausschusses im Landtag, Leif Blum (FDP), durchsuchen lassen. Sie wirft ihm nun auch vor, über Jahre fehlerhafte Steuererklärungen abgegeben zu haben.
...

Der 37 Jahre alte Blum und zwei seiner Kanzleikollegen sind bereits länger im Visier der Fahnder, unter anderem wegen des Verdachts der Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Die laufenden Ermittlungen hatten vor kurzem erste Konsequenzen für seine politische Tätigkeit im Landtag: Wegen der Vorwürfe legte der FDP-Abgeordnete im Januar seinen Vorsitz im Untersuchungssausschuss zur Steuerfahnder-Affäre nieder. ...

In einer ersten Reaktion forderte die Fraktion der Linkspartei im Landtag eine Erklärung von Blum und erinnerte daran, dass er dem Steuerfahnder-Untersuchungsausschuss "über weite Teile vorgesessen" hatte. "Wenn sich nun ausgerechnet der Verdacht der Beihilfe zur Steuerhinterziehung gegen ihn erhärten sollte, steht auch der Vorwurf der Befangenheit im Raum", sagte Fraktionschef Willi van Ooyen. "Der Untersuchungsausschuss stünde damit - eine Woche nach dem Ende der Beweisaufnahme - vor dem Scheitern."
...
Hintergrund
Steuerfahnder-Affäre
Der Landtags-Ausschuss soll klären, warum vier ehemalige Frankfurter Steuerfahnder auf Grundlage fehlerhafter psychologischer Gutachten zwangspensioniert wurden.
Passrecht dazu:
Amerikanisch-Schweizer Abkommen zu Informationsaustausch:
Schäuble lässt sich mit lausigem Deal abspeisen
Am vergangenen Montag hat die Schweizer Bundesversammlung einer Änderung des Doppelbesteuerungsabkommens mit den USA zugestimmt, wonach der Austausch von Informationen über amerikanische Steuerzahler ausgeweitet werden soll. Das Bankengeheimnis, das bisher effektiven Austausch verhindert hat, wird dadurch entschärft.
Ein gegenwärtig in Verhandlungen befindliches, neues Abkommen zwischen Deutschland und der Schweiz sieht hingegen nur eine anonymisierte Abgeltungssteuer von 26,375% auf Einkommen deutscher Steuerzahler aus Zins- und Kapitaleinkünften vor, die die Schweizer Banken an den deutschen Fiskus abführen sollen. Außerdem müssten Schweizer Banken eine Einmalzahlung in Höhe von 19-34 Prozent auf die bei ihnen verbuchten Vermögenswerte deutscher Steuerzahler an den deutschen Fiskus leisten. Damit sollen alle Altfälle pauschal abgegolten werden. Dem Ankauf weiterer Daten soll Deutschland sogar abschwören. ...

Pflege-Riester - Neues aus dem Marionettentheater

Hier geht es wieder um unser Geld, wovon per Regierungserlass möglichst viel an Versicherer gezahlt werden soll, um zugleich Arbeitgeber zu schonen (Sie kennen das von der Riesterrente.):

Pflege-Riester – die Politik knickt einmal mehr vor den Lobbyinteressen ein
Bereits im Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD war 2005 von einer Ergänzung der Pflegeversicherung durch „kapitalgedeckte Elemente“ die Rede. Schwarz-Gelb wollte die private Pflegezusatzversicherung laut Koalitionsvertrag sogar zu einer Pflichtversicherung machen. Der Frontalangriff auf das letzte weitestgehend unangetastete Umlagesystem geriet jedoch aufgrund koalitionsinterner Streitereien ins Stocken und wird nun – Medienberichten zufolge – nur in einer abgeschwächten Version umgesetzt. Doch dies ist kein Grund zur Freude, auch der „kleine“ Pflege-Riester ist nichts anderes als ein großangelegtes, steuerfinanziertes Konjunkturprogramm für die Versicherungswirtschaft, eine staatliche Subventionierung einer privaten Risikoabsicherung, von der – wenn überhaupt – nur diejenigen profitieren, die nicht auf staatliche Hilfe angewiesen sind. ...

Was Sie nichts angeht

Es erinnert an die Bibel, Gottes unumstößliches Wort, wenn die OZ nachplappert:
Wann schmeißen Sie Lebensmittel weg?
Etwa elf Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland im Laufe eines Jahres im Müll; mehr als die Hälfte, gut 6,7 Millionen Tonnen, wird von privaten Haushalten über Restmüll, Biotonne, Ausguss oder Kompost entsorgt. Besonders alarmierend: Etwa 65 Prozent dieser Abfälle wären vermeidbar, heißt es in einer Studie der Universität Stuttgart, die das Bundesverbraucherministerium gestern in Berlin vorstellte. ...
Die OZ, viele andere Medien auch, nehmen die Zahlen hin wie der Prediger Gottes Wort, statt zu fragen, wie die Zahlen zustande kamen. Wer nachliest (ab Seite sechs), wird sich wundern, dass ganz selbstverständlich Zahlen genannt werden, ohne die statischen Fehler zu nennen. Etliche Zahlen beruhen alein auf Schätzungen. Außerdem wurden viele Angaben vor allem aus früheren Untersuchungen entnommen, die natürlich auch Fehler aufweisen und auch aus Hochrechnungen und Übertragungen von Ergebnissen internationaler Studien. Lebensmittel, die bereits in landwirtschaftlichen Betrieben anfallen, wurden überhaupt nicht berücksichtigt.

Übrigens steht in der Kurzfassung der Studie über Lebensmittel aus Haushalten:
Nimmt man vereinfachend den Mittelwert dieses Bereiches an, so ergibt das pro Jahr eine Menge von 6,7 Millionen Tonnen bzw. 81,6 kg/(E*a) Lebensmittelabfälle, wovon ca. drei Viertel (76 Prozent) in das kommunale Abfallsammelsystem gelangen.
Wenn schon gläubig kopiert wurde, dann doch bitte auch, dass etwa drei Viertel dieser Abfälle gesammelt und dann hoffentlich auch verwertet werden. (Mal nachfragen.)

Und noch dies: Ab Seite 19 wird berichtet über
Identifikation von Datenlücken und Forschungsbedarf
Nichts davon wurde von den Medien aufgegriffen.

Völlig unbeachtet blieben auch
Strategien und Konzepte zur Verminderung der Wegwerfrate in anderen Ländern
sowie
Grundlegende Empfehlungen
und zuletzt:
Forschungsbedarf Deutschland

Fehlerhaft und kenntnisarm

Die Greifswalder Zeitung hatte gestern mitgeteilt:
Grüne kritisieren: Mitglieder im Kreistag befangen
Der Link verweist nur auf die Kurzfassung.
Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen übt Kritik an einem Kreistagsbeschluss Ende Februar. Konkret geht es um die Entscheidung über den Verbleib der Standorte für die Arbeitslosenbetreuung im Kreis Vorpommern-Greifswald. „Wir sehen ein Mitwirkungsverbot von sechs Kreistagsmitgliedern als gegeben an“, sagt der Fraktionsvorsitzende Gregor Kochhan. ...
Diese Gegebenheit sehen die Betroffenen ganz anders, jedoch z.T. falsch.
Deshalb haben die Grünen eine Replik veröffentlicht, die nebenbei zeigt, wie in der Redaktion gearbeitet wird: Rückfragen zu Aussagen gibt es nicht.

"Sanktionen gegen Alg 2-Berechtigte verfassungswidrig"

Ich habe noch nie in der OZ gelesen, dass Sanktionen gegen Alg 2-Berechtigte verfassungswidrig sein könnten. Das ist kein Wunder, wenn ich die bisherigen Auslassungen der OZ im Zusammenhang mit den sog. Hartzgesetzen rekapituliere.
Hier eine Untersuchung, die Sie nicht komplett lesen müssen:

Das Fazit reicht. Daraus ein Ausschnitt:

"Schulen im Visier der Privatwirtschaft"

Sie haben Kinder im Schulalter? Dann gönnen Sie sich diese sechs Minuten er ZDF-Sendung Wiso und fragen anschließend nach, wie das in den Schulen gehandhabt wird, in denen Ihre Kinder lernen.

13. März 2012

Alle Risiken den Fans

Ich erinnere an die Titelgeschichte der OZ, mit der sie sich als Werbeblättchen für den FC Hansa Rostock und seine sog. Fananleihe hervortat. Ich hatte vor dem Kauf der Papiere dringend gewarnt und darauf hingewiesen, dass jene, die tatsächlich solche Anleihen kaufen, mit einem Totalverlust rechnen müssen, dass sie also dem Fußballclub im schlimmsten Fall Geld spenden.
Heute berichtete die OZ lang und breit:
Rettungsschirm für Hansa: Rostock plant Millionen-Hilfe
Heute reicht der Klub die Lizenz-Unterlagen ein. Die Stadt will mit viel Geld einspringen. ...
Falls es dazu kommen sollte, frage ich mich, ob die Rostocker das hinnehmen, denn es bedeutet ja wohl, dass die Stadt früher oder später an anderen Stellen weniger Geld ausgeben kann.
Die Finanzspritze bedarf der Zustimmung der Bürgerschaft und wäre auch nur ein Teil des Maßnahmenpakets, mit dem die Hansestadt ihr sportliches Aushängeschild retten will.
Häh, sportliches Aushängeschild in der Drittliga? Auf solch ein Schild könnte ich als Rostocker verzichten.

Das ist geplant:
So soll ein teilweiser Erlass der Steuerschuld (! Probieren Sie das mal mit dem Finanzamt.) in Höhe von 4,5 Millionen Euro mithelfen, die Existenz des hoch verschuldeten Klubs zu sichern. Anfang des Jahres hatte Methling angeregt, dass die Stadt sich in die vereinseigene Stadiongesellschaft einkaufen könnte (OZ berichtete). Zudem sei der Erwerb des Nachwuchstrainingszentrums in Rostock geplant, erklärte der OB. Der Kaufpreis soll bei 600 000 Euro liegen.
Die Rostocker müssen es ja haben.
Dazu passend:
Hansas Gesamtetat, derzeit rund 15 Millionen Euro, würde sich im Falle eines Abstiegs halbieren. Trotzdem will der Klub in der 3. Liga schwarze Zahlen schreiben. „Wir planen einen Gewinn von etwa 200 000 Euro“, erklärt Hofmann. 
Übrigens bliebe noch der Zins für die Fananleihen, fünf Prozent, im Oktober fällig. Allerdings muss der Club nicht einmal die Zinsen zahlen, wenn er mangelnde Liquidität nachweisen kann. Das dürfte wohl leichtfallen.

Es ist schon ein Ding, dass der FC Hansa im Internet immer noch für die Anleihe wirbt.
Hier können Sie das Papierchen zeichnen, falls Sie gern Geld zum Fenster hinauswerfen. Im Wertpapierprospekt sind ab Seite 22 die Risiken für den FC Hansa dargelegt worden. Es sind 28 Risiken.

Zu den Risiken für die Anleihekäufer gehört im besten Fall der Verzicht auf die Zinsen, im schlechtesten Fall (Seite 38/39):

Aber nicht nur das: Anleihebesitzer können das Papier nicht verkaufen, da es an keiner Börse gehandelt wird, also höchstens Kumpels andrehen, denen sie eins auswischen wollen.

Der Besitzer hat kein Kündigungsrecht. Jetzt zurückgeben? Is nich.

Falls der FC Hansa pleitegeht, haben Anleihekäufer keine Sicherheiten, nichts, keinen Cent. Zu schlechter Letzt ist das Geld auch durch keinen Einlagensicherungsfonds geschützt.

Summa summarum: Alle Risiken hat der Käufer.
Dafür wagt der FC Hansa immer noch zu werben.
Und dafür hat die OZ im Juli 2011 per Titelgeschichte geworben.

Offene Fragen

So kurz wie möglich tat die OZ dieses Thema ab:
Röttgen nimmt Atomlager Asse unter die Lupe
Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) will die Abfälle aus dem maroden Atomlager Asse schnellstmöglich bergen lassen. Das versicherte Röttgen gestern beim ersten Asse-Besuch seiner Amtszeit.„Das Ziel ist völlig klar: die Rückholung zu machen“, sagte der Minister in einer Diskussion mit Anwohnern. Bisher ist ungewiss, wie lange das frühere Salzbergwerk, in dem 126 000 Fässer mit schwach- und mittelaktivem Material lagern, noch stabilisiert werden kann, in das täglich 12 000 Liter Wasser eindringen.
Das ist reine Propaganda, dem Minister nachgeplappert.

Drei kritische Punkte hätten nachgefragt werden müssen:

1. Wann genau soll die Räumung beginnen und wann soll sie abgeschlossen sein? Falls Röttgen darauf eine Antwort hatte (Er eierte herum.), hätte sie in dem Artikel stehen müssen, denn die katastrophalen Verhältnisse in Asse 2 sind seit Jahren bekannt, genauer seit 1979, und der Minister und seine Vorgänger, haben nichts unternehmen lassen.

2. Wo sollen die 126000 Fässer nach der Bergung gelagert werden?

3. Wer bezahlt das alles?

Gute Frage

ÖR und GEZ – Wie oft wollen sie noch bezahlen?

Kommentar kommentiert

Auf verlorenem Posten
Für den Westen gibt es in Afghanistan nichts mehr zu gewinnen.
Es hat für den Westen nie etwas zu gewinnen gegeben aber viel zu verlieren. Wer natürlich so überheblich ist zu meinen, es entschieden besser machen zu können als die Russen, muss eine Niederlage in Kauf nehmen, die vorläufig kein Ende finden soll, sondern weitere Menschenleben, weitere Unversehrheit kosten wird und Unmengen von Steuergeld, an dem sich die Kriegsgewinnler bereichern und bereichern werden:

Immerhin hatte die OZ zwei Sätze auf der Blickpunktseite dafür übrig.

Weiter im Kommentar.
Als die Isaf-Truppen ins Land kamen, waren sie mit offenen Armen empfangen worden. 
Ja? Wie viele offene Arme waren es denn und wie viele blieben geschlossen?
Jetzt dürfte der entscheidende Kampf um die Herzen der Menschen wohl endgültig verloren sein.
Er war von Anfang an verloren. Viele Afghanen sind anfangs vielleicht auf die Arme-auf-Propaganda hereingefallen und haben inzwischen ausreichend erlebt, was es heißt, ein besetztes Land zu sein.
Es ist kein Zufall, dass dieses Debakel vor allem auf das Konto der Amerikaner geht. Sie gebärden sich als respektlos-arrogante Supermacht.
Wohlwohl. Es ist aber auch kein Zufall, dass deutsche Besatzer viele Menschenleben auf dem Gewissen haben, wenn sie denn eines haben.
Schon vergessen die Bombardierung von Zivilisten an einem Tanklaster mit etwa 100 Toten?
Schon vergessen das Erschießen von Zivilisten an Kontrollpunkten,
oder während einer Razzia, Kinder inkl.,
oder auch mal aus Versehen fünf oder sechs afghanische Soldaten?

Wie also gebärden sich deutsche Soldaten, die so etwas anrichten?
In den Augen der Afghanen haben sich die Amerikaner diskreditiert — und den Westen gleich mit. ...
Jahaaahh, wären die Amis nicht nach Afghanisten gezogen, die Freiheit D.s am Hindukusch zu verteidigen, sondern hätten sie das deutschen Truppen überlassen, ja dann hätte das wohl geklappt?
Der Kampf ist verloren. 
Das war er von Anfang an. Und nicht nebenbei: Die Mehrheit der Deutschen hat den Krieg nie gutgeheißen. Das durch die Krieger geschehene Leid und Elend, die Vergeudung (aus Sicht der Masse der Deutschen) von Dutzenden Milliarden Euro haben die Regierenden zu verantworten - nur dass sie niemand zur Verantwortung ziehen wird.
Ihre Stützpunkte können die westlichen Soldaten so lange halten wie sie wollen. Und sie können noch so viele afghanische Sicherheitskräfte ausbilden und Berater im Land stationieren. Es wird nicht viel nützen. ...
Deshalb sollten sie die Standorte endlich und unverzüglich aufgeben und nicht weiter halten. Das ersparte allen Beteiligten und unbeteiligten Steuerzahlern viel.
Nebenbei gefragt: Wie hat sich der Anbau von Schlafmohn in Afghanistan unter dem Schutz seit Einzug der Besatzungstruppen verändert?
In Afghanistan wurde der Drogenanbau im Juli 2000 durch die Taliban unterdrückt. [2]Mit der Machtübernahme der Nordallianz Ende 2001 hat der Schlafmohnanbau jedoch wieder stark zugenommen. Im Herbst 2007 wurden in Afghanistan 8200 Tonnen geerntet, davon mehr als die Hälfte in der afghanischen Provinz Helmand. Das übersteigt den weltweiten Verbrauch um 3000 Tonnen. Mit dem Schlafmohnanbau wird etwa das Zehnfache im Vergleich zum Weizenanbau verdient.
Und sonst so?
Afghanistan ist neben dem weltgrößten Produzenten von Opium auch größter Ertragsproduzent von Haschisch wie 2010 von den Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung UNODC festgestellt wurde. Nach Angaben der UNODC-Studie werden in Afghanistan pro Hektar 145 Kilogramm Cannabis-Harz bzw. Haschisch produziert.

Geplätscher

Auf der Landesseite wurde Propaganda verbreitet:
Arbeiter-Kinder beim Abitur abgeschlagen
Soziale Herkunft wirkt sich auf Schulabschluss aus.
Die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern haben weiter großen Nachholbedarf, was die Förderung benachteiligter Schüler angeht. ...
Moment mal, die Schulen? Sind die Schulen schuld an der Benachteiligung? Haben die Schulen (oder sind Lehrer gemeint?) bisher zu wenig getan? Das glaube ich nicht.
Wäre nicht zuerst zu klären, warum Schüler aus armen Familien benachteiligt sind?
... Die Chance ist für den Nachwuchs aus Akademiker- Familien vier Mal höher als für Kinder aus einem Arbeiter-Haushalt.
„Wir brauchen dringend Chancengleichheit“, fordert Dejan Panow vom Schülerrat MV. Das Ergebnis der Studie sei keine Überraschung. „Das Problem haben wir seit Jahren.“ 
Und jetzt die Erklärung für den Zustand:
Im Land gebe es viele Geringverdiener. Und deren Kinder würden eher die Schule verlassen. „Weil sie sich eher etwas leisten wollen“, erklärt Dejan. ...
Sie können es nicht abwarten. Das mag für eine Menge Schüler aus armen Haushalten stimmen, geht aber an grundsätzlichen Problemen vorbei und besagt nichts über die Gründe für solch eine Haltung. Im Gegenteil, er (und damit die OZ) verschleiert die tatsächlichen Gründe:

1. Das Grundproblem ist, dass es so viele Geringverdiener gibt, dass M-V das Armenhaus D.s ist. Dabei ist Lohndrückerei kein Naturgesetz, sondern ist von mehreren Regierungen und ihrem Bundesstimmvieh per Gesetz organisiert worden.
2. Arme Familien werden in den meisten Fällen froh sein, wenn die Kinder selbst Geld verdienen. Abitur machen lassen heißt für sie, sie zwei zusätzliche Jahre lang durchfüttern zu müssen. Das können viele Eltern nicht, eben weil sie Geringverdiener sind. So schließt sich der bildliche Kreis.
3. Zuallererst müsste ernsthaft etwas gegen Lohndrückerei unternommen werden, damit es sich Familien leisten können, ihren Kindern das Abitur zu ermöglichen.

Das alles den Schulen in die bildlichen Schuhe zu schieben, ist Propaganda.
Das sieht Dejan ganz anders:
„Mit dem Abitur in der Tasche verdient man mehr. Das müssen wir den Kindern klarmachen“, ergänzt Dejan.
Der Schülerrat kann bisher keine politischen Initiativen erkennen, die das Problem lösen könnten. Dabei sei zusätzliches Geld nicht nötig. „Es müsste nur sinnvoller eingesetzt werden“, sagt Dejan. Eine Möglichkeit wäre eine bessere Unterstützung der Fachgymnasien. Darüber hinaus sollten individuelle Begabungen und Interessen stärker gefördert und pädagogisch begleitet werden. ...
Nichts, keine Nachfragen; stattdessen bildliches Geplätscher an der Oberfläche der Geschichte.

Nachtrag für Vielleser:
Hungerlöhne und Almosen: Minijobs, Erwerbslosigkeit, Hartz IV – Armut in der BRD
»Eine der schau­er­lichsten Folgen der ­Arbeits­lo­sig­keit ist wohl die, daß Arbeit als Gnade ver­geben wird. Es ist wie im Kriege: Wer die Butter hat, wird frech.« (Kurt Tucholsky (1890 – 1935), deut­scher Jour­na­list und Schrift­steller). Das Geschäft mit der Erwerbs­lo­sig­keit boomt. Es geht um Mil­li­arden auf einem heiß umkämpften Markt, der den Betrof­fenen unsi­chere, schlecht bezahlte Beschäf­ti­gung und Zwangs­maß­nahmen beschert. ...

Fremde Federn

So kündigt die OZ ein Telefonforum an:
Darmkrebs-Vorsorge: OZ-Experten geben Tipps
Macht die Vorsorge- Darmspiegelung ab 55 Jahren Sinn? Welche Symptome deuten auf eine Darmkrebserkrankung hin? Wie sollte man vorsorgen, wenn man erblich vorbelastet ist? Zu diesen und anderen Fragen zur Darmkrebsproblematik stehen beim OZ-Telefonforum an diesem Donnerstag die Rostocker Professoren Ernst Klar und Stefan Liebe sowie Dr. Andreas Crusius Rede und Antwort.
In der OZ gibt es keine Medizin-Experten.
Prof. Klar ist in der Uni Rostock angestellt.
Prof. Liebe ist in der Uni Rostock angestellt.
Dr. Crusius ist in der Uni Rostock angestellt und Präsident der Ärztekammer M-V.

Schlagzeile des Tages

Rostocker Ausgabe, Warnemünde-Seite:

Die 60 Prozent fettere Ente

Da hatte gestern die OZ eine 3,6 Prozent-Ente als Titelgeschichte. Heute kein Wort darüber, wer das Märchen in die OZ-Welt gesetzt hatte, sondern nur die kurze Erklärung, es seien Prognosen gewesen. Wenigstens auf der Titelseite wurde die Ente korrigiert, korrigiert nach Art des Hauses.
Da war die OZ der Tatsache um fast 60 Prozent voraus - eine fette Ente.

Der Gedanke, dass sich niemand auf Prognosen verlassen kann, sollte sich nun endlich auch in den OZ-Redaktionen festsetzen, auch wenn dann mehr Eigenarbeit fällig sein wird, als jene, die über das Kopieren hinausreicht.

Immerhin wurde hierauf verwiesen, mit einem Satz:
Sozialverbände verwiesen darauf, dass Kaufkraftverluste der Rentner in den vergangenen Jahren von der Erhöhung nicht wettgemacht würden.
Sie wird nicht nur nicht wettgemacht, sondern die Kaufkraft verringert sich weiter, ganz besonders im Armenhaus D.s, da hier die Teuerung seit Jahren höher ausfällt als in Gesamt-D. - weiterhin kein OZ-Thema.

12. März 2012

Schlamperei nimmt makaberen Zug an (aktualisiert)

Die Schlamperei hat in der OZ ein so großes Ausmaß angenommen, dass es nunmehr makaber wird, wie im Greifswalder Grünenblog beschrieben und gezeigt (Es erschien im Fleischervorstadtblog, wohin der Link auch führt. Danke!) wird. Offenbar ist die Verlagsleitung außer Stande, dem Einhalt zu gebieten.

Pro-Acta-Propaganda, "unredlich und boshaft"

Michael Verhoevens Sohn ist arm dran

»Schuhe gibt’s auch nicht gratis«, steht über dem Artikel des Regisseurs Michael Verhoeven über ACTA im aktuellen »Focus«, und genau genommen könnte man natürlich an dieser Stelle aufhören zu lesen. Es ist die »Ihr seid alle Diebe«-Nummer, und selbst wenn sie nicht falsch wäre, wäre sie alt.

Tatsächlich lohnt es sich aber, den Text trotzdem zu lesen, weil er die Diskussion noch viel weiter zurückwirft, als die Überschrift befürchten lässt.

In der Welt dieses »Focus«-Artikels, in der Welt des Michael Verhoeven gibt es keinen legalen Handel mit digitalen Inhalten im Netz.
...

Gesetz ist Gesetz, da hilft keine Gedenkfeier

HARTZ IV-ANRECHNUNG AUF ENTSCHÄDIGUNGSZAHLUNGEN

Entschädigungszahlungen der Hinterbliebenen der Neonazi-Morde wurden von Jobcentern auf die laufenden Hartz IV-Leistungen angerechnet

Barbara John, Ombudsfrau und Sachverständige im Ausschuss zur Aufklärung der Neonazi-Morde an 11 Menschen berichtete, dass zahlreiche Hinterbliebene der Opfer zwar die Entschädigungszahlungen in Höhe von 10.000 Euro erhalten haben, aber die Jobcenter dazu übergangen sind, bei einigen die einmaligen Zahlungen als „Einkommen“ zu bewerten und damit auf laufende Hartz IV-Zahlungen anzurechnen. John wolle nun auf die Leistungsträger einwirken, damit diese die Anrechnung wieder zurück nehmen.
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Reklame für die SPD und dann auch noch an falscher Stelle

Die OZ titelte heute:
3,6 Prozent! Renten steigen so stark wie seit Jahren nicht
Ruheständler in Ostdeutschland können sich ab Juli auf ein sattes Plus freuen. ...
Und wer grinst aus der Seite, als wäre ihm zuzurechnen, dass höhere Renten gezahlt werden? SPD-Minipräsident Sellering:

Ich dachte bis heute, dass die jeweilige Bundes-Regierung dafür verantwortlich ist, dass aus dem jeweiligen Einkommensanstieg die Rentenerhöhung berechnet wird. Laut OZ ist ja nun wohl der Minipräsident zumindest mitverantwortlich für das Rentenplus. Wers glaubt, zieht auch die Hosen mit der Kneifzange an. Wers nicht glaubt, wird erkennen, wie hier Reklame für die SPD geschoben wurde.

Apropos verantwortlich:
Welche Regierung hat nicht nur die z.T. verfassungswidrigen Massenverarmungsgesetze (sog. Hartz-Gesetze), sondern auch schleichende Rentenkürzungen zu verantworten?
Wer hat denn den „Nachhaltigkeitsfaktor“ eingeführt?
Wer hat uns den gefährlichen Quatsch mit der Riesterrente eingebrockt, damit sich Banken und Versicherungen mit Hilfe von Steuergeld dumm und dämlich verdienen und zugleich Arbeitgeber von einem Teil der Beiträge für die Mitarbeiter entlastet werden?
Was hat der Minipräsident zur Rente mit 67 geäußert?
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