14. März 2012

Was Sie nichts angeht

Es erinnert an die Bibel, Gottes unumstößliches Wort, wenn die OZ nachplappert:
Wann schmeißen Sie Lebensmittel weg?
Etwa elf Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland im Laufe eines Jahres im Müll; mehr als die Hälfte, gut 6,7 Millionen Tonnen, wird von privaten Haushalten über Restmüll, Biotonne, Ausguss oder Kompost entsorgt. Besonders alarmierend: Etwa 65 Prozent dieser Abfälle wären vermeidbar, heißt es in einer Studie der Universität Stuttgart, die das Bundesverbraucherministerium gestern in Berlin vorstellte. ...
Die OZ, viele andere Medien auch, nehmen die Zahlen hin wie der Prediger Gottes Wort, statt zu fragen, wie die Zahlen zustande kamen. Wer nachliest (ab Seite sechs), wird sich wundern, dass ganz selbstverständlich Zahlen genannt werden, ohne die statischen Fehler zu nennen. Etliche Zahlen beruhen alein auf Schätzungen. Außerdem wurden viele Angaben vor allem aus früheren Untersuchungen entnommen, die natürlich auch Fehler aufweisen und auch aus Hochrechnungen und Übertragungen von Ergebnissen internationaler Studien. Lebensmittel, die bereits in landwirtschaftlichen Betrieben anfallen, wurden überhaupt nicht berücksichtigt.

Übrigens steht in der Kurzfassung der Studie über Lebensmittel aus Haushalten:
Nimmt man vereinfachend den Mittelwert dieses Bereiches an, so ergibt das pro Jahr eine Menge von 6,7 Millionen Tonnen bzw. 81,6 kg/(E*a) Lebensmittelabfälle, wovon ca. drei Viertel (76 Prozent) in das kommunale Abfallsammelsystem gelangen.
Wenn schon gläubig kopiert wurde, dann doch bitte auch, dass etwa drei Viertel dieser Abfälle gesammelt und dann hoffentlich auch verwertet werden. (Mal nachfragen.)

Und noch dies: Ab Seite 19 wird berichtet über
Identifikation von Datenlücken und Forschungsbedarf
Nichts davon wurde von den Medien aufgegriffen.

Völlig unbeachtet blieben auch
Strategien und Konzepte zur Verminderung der Wegwerfrate in anderen Ländern
sowie
Grundlegende Empfehlungen
und zuletzt:
Forschungsbedarf Deutschland

Kommentare:

  1. Anonym14.3.12

    Man könnte auch etwas anderes an dieser Diskussion vermuten. Will man den Menschen nicht auch vermitteln, dass es ihnen noch viel zu gut geht?
    G. Bieck

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    1. Edward15.3.12

      ist es nicht auch so? Aber ich glaube, die Stoßrichtung ist eine andere : "Es sei längst Zeit für einen Bewusstseinswandel" soll die "Fachfrau" gesagt haben. Da kann man nur hoffen, dass dies in einen Gestzeswandel mündet. Denn was natürlich die Fachfrau nicht sagt, der böse Handel erfüllt ja nur Gesetzesauflagen, wenn er Lebensmittel wegwirft. Stichwort dafür ist das oftmals unsinnige MHD.

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    2. Anonym15.3.12

      Ich glaube nicht an einen Bewusstseinswandel der Fachfrau, zumal die Gewinnmaximierung oberste Priorität hat.
      Lebensmittel wurden bewusst vernichtet, nur um die Preise auf dem Markt zu kontrollieren.
      Es gibt unsinnige EU-Normen, die verlangen, dass Kartoffeln schon entsorgt werden, nur weil sie nicht die richtige Grösse haben. Das gleiche gilt für Äpfel. Wenn man durch die Supermärkte geht, wird man schnell bemerken, dass sich die Verpackungsindustrie diesen Normen angepasst hat, denn die Äpfel passen genau in die Aushöhlungen der Verpackungen. Ob das nun unter den Industrien so abgesprochen wurde, dass alles genau passt, also der Apfel in die jeweilige Verpackung und dann der EU als Vorschlag unterbreitet wurde, weiss ich nicht, aber es ist nun mal so. Wie viele Äpfel dadurch in den Müll landen oder wie viele Apfelsorten völlig verschwinden, kann man sich denken.
      Besonders schlimm trifft es die Entwicklungsländer, die auch möglichst Entwicklungsländer auf Dauer bleiben sollen. Dass dort Monokulturen für die Futtermittelherstellung oder für Biotreibstoffe angebaut werden, wissen wir und auch, was das für die Landbevölkerung bedeutet.

      Ich könnte mir vorstellen, dass die Preise bzw. die Steuern erhöht werden. Das ist zwar nur Spekulation, aber schliesslich muss Geld, das rausgeht (Griechenland bspw.) auch wieder zurück und diese Diskussion um die Wegwerfgesellschaft soll vielleicht das Gewissen plagen.

      G. Bieck

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  2. Edward15.3.12

    "Lebensmittel, die bereits in landwirtschaftlichen Betrieben anfallen, wurden überhaupt nicht berücksichtigt.
    ". du meinst sicher, Lebensmittel, die bereits in den landwirtschaftlichen Betrieben weggeworfen werden, weil sie der Handel nicht abnehmen würde, weil wiederum die verwöhnten Verbraucher sie dem Handel nicht abnehmen würden.
    Interessanter Gedanke. Es gibt sogar schon Landwirtschaftsbetriebe und Kommunen, die diesen "Abfall" zu Biogas vergären.

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    1. Richtig.

      Und ein Teil des kommunal eingesammelten Lebensmittelabfalls wird wohl auch vergärt, verfüttert ... Das meinte ich mit Verwertung.

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