14. März 2012

"Bürger Gauck und der Betrug mit der Freiheit"

Die OZ macht gern Reklame für Bücher, mitunter über eine ganze Blickpunktseite. Zum Glück für die OZ hat sie bisher auf Reklame für ein Büchlein verzichtet, das der zukünftige Grüßaugust verfasst hat, dass auf der Spiegel-Bestsellerliste auf Platz eins steht und das einen Verriss verdient hat. Aber das will die OZ uns Joochen vonne Küste nun auch wieder nicht antun.

Hier hat sich ein Blogger erbarmt, das Machwerk zu lesen und darüber zu schreiben:
Bürger Gauck und der Betrug mit der Freiheit
Ein Auszug:
Kitsch as Kitsch can, von aufreizender intellektueller Schlichtheit: Joachim Gaucks Essaylein „Freiheit". 
... der Text in diesem Buch ist etwa so lang wie ein umfangreicherer „Zeit"-Artikel. ... Schnell lesbare Pamphlete dieser Art verkaufen sich gerade sehr gut, seitdem Stephan Hessel seinen „Empört Euch"-Besteller gelandet hat. Allerdings nimmt Herr Hessel für sein Manifest auch nur 3,99.- Euro. Gaucks Buch geht für 10 Euro über den Ladentisch. Und das ist für sich schon ein starkes Stück. Man verspricht dem Leser äußerlich ein Buch, dafür kriegt er einen etwas größeren Artikel (Eine überarbeitete Rede von 2010, die ja bereits honoriert worden war, also eine Art Zweitverwertung) aber zum Preis eines ordentlichen Taschenbuches. Man kann das Nepp nennen. Aber man kann auch Betrug dazu sagen. ... Wenn aber dieses Buch, sagen wir, von 200.000 leichtgläubigen Kunden erstanden wird, und Herr Gauck 10 Prozent vom Verkaufspreis erhält - was beides eher konservativ geschätzt ist -, dann macht dieser Nepp Herrn Gauck um 200.000 Euro reicher. Na, da nimmt sich die Vorteilnahme von Herrn Wulff recht bescheiden dagegen aus, der sich gerade ein paar Urlaubstage sponsern ließ, und das auch nur von seinen Millionärsfreunden. Herr Gauck kassiert da geschickter ab ...
Nun könnte man dem gelassener gegenüber stehen, wenn in diesem Buch drei, vier Gedanken zu finden wären, die ihren Preis wert sind. Aber nichts davon. Schon auf der ersten Seite geht es los: 
„Es ist vielmehr meine tiefe Überzeugung, dass die Freiheit das Allerwichtigste im Zusammenleben ist und erst Freiheit unserer Gesellschaft Kultur, Substanz und Inhalt verleiht. Bei vielen Menschen aber, die mir im Land begegnen, vermute ich eine geheime Verfassung, deren virtueller Artikel 1 lautet: „Die Besitzstandswahrung ist unantastbar."
An sich wäre dieser erste Absatz schon Grund genug, das Buch in die Ecke zu pfeffern und sich nützlicherer Lektüre zuzuwenden. Man weiß jetzt schon: Man wird hier nur die neoliberale Agitation bekommen, die man auch von Herrn Henkel und anderen kennt. Das Wort „Besitzstandswahrung" ist dafür ein sicherer Signifikant. Denn das Wort ist ja ein Chiffre. Mit „Besitzstandswahrung" sind ja nicht, wie eigentlich naheliegend wäre, jene zehn Prozent der obersten Einkommensbezieher und Vermögensbesitzer gemeint, die rund 60 Prozent aller Finanz-, Immobilien- und Sachvermögen auf sich konzentrieren, und sich mit Zähnen und Klauen wehren, nur ja keinen Krümel abzugeben. Als „Besitzstandswahrer" gelten ja absurderweise immer jene, die gar nichts besitzen, sondern nur kleine Renten, niedrige Löhne, schlanke Stipendien oder Hartz-IV beziehen und die Unverfrorenheit haben, zu murren, wenn man ihnen wieder einmal nahelegt, ihre materielle Ausstattung müsse „flexibler" werden. ...

Kommentare:

  1. Edward15.3.12

    ist schon bezeichnend, dass diese (literarische) Kritik von einem Österreicher kommt. Etwas zu lang und in einer Schrieb, bei der man es leid wird, weiter zu lesen, aber interessant. Schmunzeln musste ich, wenn er die salbungsvollen Gleichnisbilder des Pfarrers als Kitsch bezeichnet.
    Aber ich glaube schon, dass die Zweitverwertung der Rede keine Idee von Gauck ist, sondern des Kösel-Verlages. Und da wäre Gauck ja dumm, das nicht zu machen. Mich stinken mehr die Bücher der Professoren an, die ihre Forschung vom Staat sehr großzügig bezahlt kriegen und die Ergebnisse publizieren und damit Geld privat verdienen. Die Tantiemen der Veröffentlichung öffentlich finanzierter Forschung müssten der jeweiligen Uni zugute kommen.

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    1. Edward15.3.12

      "Schrieb" ist natürlich ein Schreibfehler, sollte Schreibe heißen.

      ach so, bezeichnend fand ich auch, wer derzeit die Spiegel-Bestsellerliste der Taschbücher anführt. Katzenberger!!!!!! Aber sie scheint gar nicht so dumm zu sein: "Sei schlau, stell dich dumm" (Titel des Buches zum gleichen Preis wie Gauck)
      Das hat bekanntlich Vera schon einmal erfolgreich (=einträglich) praktiziert.

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