18. Februar 2012

Wie sich die OZ reinschreibt

Wie nicht anders zu erwarten, zieht sich die OZ seitenweise am Grüßaugust-Thema hoch, obwohl es Wichtiges zu berichten gibt und nutzt die Gelegenheit auch noch, sich reinzuwaschenschreiben:
„Christian Wulff ist kein Medienopfer“
Nein, natürlich nicht, niemals.
Das Amt ist auch weiterhin notwendig für die Republik, sagt der Historiker Heinrich August Winkler.
Das bestreite ich seit mehr als 20 Jahren. 
Heinrich August Winkler (Berlin) ist einer der renommiertesten deutschen Historiker. Jüngst ist der zweite Band seiner groß angelegten „Geschichte des Westens“ (C. H. Beck) erschienen. ...
Nebenbei etwas Werbung für des Überexperten Buch, die sich liest wie eine kleine Gegenleistung für die Reinwaschung der Medien, mithin auch der OZ, was auch Sie gleich wieder an Wulff erinnern dürfte. War da nicht auch etwas mit Leistungen und evtl. Gegenleistungen?

Zur Amtsbeschädigung, schrecklichschrecklich:
Ostsee-Zeitung: Ist das Amt des Bundespräsidenten nach der Ära Wulff beschädigt?
Heinrich August Winkler: Die Möglichkeiten dieses Amtes können durch einen Nachfolger wieder voll ausgeschöpft werden.
... Bleibenden Schaden wird es nicht geben, wenn die Bundesversammlung eine überzeugende, von einer breiten Mehrheit getragene Lösung für die Nachfolge findet.
Dazu dieser Hinweis, wie Parteibonzen und andere das Amt bereits während der Wahl Wulffs beschädigten (hatte der Überexperte glatt vergessen). Danach gab es nicht mehr viel zu beschädigen:
Nicht nur Christian Wulff hat das Amt des Bundespräsidenten beschädigt, die Form, wie er gewählt wird und wie CDU, FDP, SPD und Grüne damit umgehen, fast eben so viel.
Hier die Begründung in der OZ dafür, dass Wulff nie und nimmer Opfer der Medien sein kann:
Winkler: Nein, dafür ist der eigene Beitrag zu dieser Affärenserie zu markant. Wenn sich manche Vorwürfe als haltlos erweisen sollten, wäre das noch keine volle Rehabilitierung, weil nie die juristischen Aspekte im Vordergrund gestanden haben.
Das halte ich für Blödsinn. Die OZ hätte das merken können, denn sie behauptete:
Der Mann, der Wulff zu Fall brachte
Oberstaatsanwalt Clemens Eimterbäumer beantragte Aufhebung der Immunität. ...
Dazu dies:
Genugtuung für die Journaille
Es ist alles wie gehabt. Politiker fordern „schluss mit Taktieren“, es müsse wieder um „Sachfragen“, um „Inhalte“ gehen. Journalisten, von sich selbst besoffen („hab ich’s nicht gesagt!“), predigen im gutturalen Tonfall, Wulff sei nicht über die Medienhetze gestürzt, sondern über sich selbst. Erstaunlich, wie wichtig es den Berichterstattern zu sein scheint, das bei jeder Gelegenheit zu betonen. Wulff mag in den Ferienwohnungen seiner Gönner vielleicht besser aufgehoben gewesen sein, als in Bellevue. Aber machen wir uns nichts vor: Die Personalie passte den Herren und Damen Hauptstadtkorrespondenten nicht. Die Tatsache, dass sich Merkel mit dieser Personalfrage über diesen offen erklärten Willen der Journaille hinweggesetzt hatte, der Anfang vom Ende der Ära Wulff. ...
Dazu noch ein Kommentar aus der Schweiz in Auszügen (Es lohnt sich, alles zu lesen, kostet nichts, im Gegensatz zu den Spekulationen, die Ihnen die OZ verscheuerte.):
Zur Strecke gebracht
Der Fall Wulff ist ein unrühmliches Kapitel politischer und medialer Auseinandersetzung in Deutschland. Die wirklich heiklen Fragen tauchen erst jetzt auf. Ein Trost ist immerhin, dass die Selbstgerechtigkeit der Saubermänner bei der Bevölkerung mit sichtlicher Zurückhaltung quittiert wird. ...
Andere führen Krieg und rotten ganze Völker aus. Deutschland hingegen leistet sich den Luxus, sich über der Harmlosigkeit seines Staatsoberhauptes wochenlang selbst zu lähmen. Während draussen in der Welt Millionen um ihr Überleben kämpfen, ihr soziales Gefüge zerbrechen sehen und Seuchen, Wirbelstürme und Schlächtereien zu erdulden haben, ergehen sich die politische Klasse und die Medien in unserem Nachbarland in eitlen Balzritualen und Empörungsexerzitien in einem Fall, der an Trivialität und Biederkeit fast nicht mehr zu überbieten ist. Wer dieses Getöse und Gezeter nun monatelang zu ertragen hatte, kann nur sagen: Gott erbarm Dich unser und lass uns gründlich darüber nachdenken, was wir der Welt für ein Schmierenstück geliefert haben. Christian Wulff, der ungelenke und glücklose Bundespräsident, ist zur Strecke gebracht worden. Damit kann man leben. Aber es wäre eine Schande, würde dieses würdelose Stück Zeitgeschichte nun mit einem «Geschafft!» zu den Akten gelegt. Jetzt gilt es erst recht, über einiges nachzudenken. ...
In der OZ wird das nicht passieren, denn sie hat sich bereits reingeschrieben und spekuliert lieber, was nichts mit Journalismus, aber viel mit Seitenfüllerei und Zeitdiebstahl gegen Geld zu tun hat.
Da fragt sich höchstens, ob das Amt des Staatsoberhaupts wirklich durch den Inhaber Schaden genommen hat oder nicht eher durch jene, welche ihm eine Vorbildfunktion andichteten, die es nie gehabt hat. Oder natürlich durch jene, die gar nicht Wulff beschädigen wollten, sondern dessen Mentorin, die Bundeskanzlerin höchstselbst. Interessanterweise war bis jetzt keiner der Heuchler bereit, dies zuzugeben. Ihr taktisches Schweigen hat nichts mit Anstand zu tun.
Beispiele gefällig? ... Sehr gute Beispiele; lesen Sie selbst nach.
Kein Gegenstand ist zu trivial, kein Argument zu fadenscheinig, als dass die Gegner Wulffs sie nicht ausgewalzt hätten. So überrascht auch nicht, dass niemand sich heute der wirklich grossen Affären in der deutschen Nachkriegsgeschichte erinnern will, all der Amigo-Betrügereien in Bayern, der Parteispenden-Millionenskandale, der Fahrten und Flüge und tausend andern Gefälligkeiten, die – wenn man dieselben ethischen Standards anwenden würde – zur Entlassung der halben politischen Elite in Deutschland führen müssten. Und vielleicht könnten jetzt die Moralbuddhas der Medien nach geschlagener Schlacht auch einmal mit ähnlichem Drang darlegen, wie sie sich selbst vom Lockstoff all der Verlockungen und Verführungen betören lassen, denen sie als Journalisten nur allzu oft unterliegen – von Einladungen der tollsten Sorte, Reisen und Rabatten (Link von mir. Die Seite hat 22799 Newsletter-Abonnenten) in einem Ausmass, das bei fast allen andern Erwerbszweigen die Schamröte hochtriebe. Wer derart exponiert im Glashaus der Tugend sitzt, sollte sehr vorsichtig mit Anschuldigungen umgehen. Eigenartig, wie viele Augen da plötzlich blind sind. ... Hervorhebung von mir 
Natürlich bleiben diese Fragen offen, zeigten sie doch, wie unfähig, wie harmlos und nutzlos weite Teile der Medien sind. Auf die Rabatte hatte ich u.a. hier hingewiesen.

Kommentare:

  1. Manfred Peters18.2.12

    Wulff ist einzig und allein das Opfer von Pfarrer Peter Hintze!
    Alles was der Hintze für andere anfasst geht nach hinten los. Mit seinem beiden
    Talkshow-Auftritten bei Jauch und Plasberg war für mich klar, Wulff ist erledigt. Es bleibt nur noch zu klären, ob das Merkel wieder einmal die Fäden gezogen hat!
    Vom Pfarrer über den CDU-Generalsekretär mit den roten Socken und dem gottesnahen Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt
    zum Bundespräsidenten?

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  2. Manfred Peters19.2.12

    Heißer Nachtrag:
    „Sun, 19 Feb 2012 16:01:46, RÜCKTRITT DES BUNDESPRÄSIDENTEN
    Staatssekretär Hintze löste Ermittlungslawine gegen Wulff aus
    BERICHT: BEMERKUNG DES CDU-POLITIKERS IN TALKSHOW BRACHTE STAATSANWALTSCHAFT AUF DIE SPUR ...“

    Ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der Bundesrepublik.
    und ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich mit der BLÖD einer Meinung bin!

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